Wir sind uns sicher weitgehend einig, daß man leider heutzutage - vielleicht auch aufgrund des offenkundigen politischen Willens zur möglichst restriktiven Anwendung waffenrechtlicher Vorschriften - grundsätzlich "in Gottes Hand" ist, wenn es zu einer Einzelentscheidung kommt....Ebenso "uneinheitlich" ist mit Sicherheit die Reaktion von Ordnungskräften beim Antreffen eines solchen Gegenstands....das dürfte allerdings auch von der "Antreffsituation" abhängen, obwohl die - waffenrechtlich - nun wirklich nix ausmachen sollte.....
Der Threadstarter hat NIRGENDS seinen Willen ausgedrückt, einen Gegenstand gestalten zu lassen, um damit "besser" oder überhaupt verletzend auf andere Menschen einzuwirken. Er mag - für welche Anwendungen auch immer, mangels erklärter oder offenkundiger "unfriedlicher" Anwendungswünsche aber erst einmal ganz allgemein für den gesamten Umgang mit einem Messer - eben größere Messer, also solche mit einer größeren "Hebelwirkung" bzw. Auftreffenergie durch mehr Abstand zwischen Hand und dem auftreffenden Klingenteil. Das will er eben, erklärtermaßen auch noch zur Einhaltung bestehender Vorschriften und zur Vermeidung eines einzelnen Erklärungsbedarf für den Zweck des Mitführens, hier durch einen längeren Griff erreichen.
Ich finde schon bedenklich, daß hier einzelne Reaktionen kommen in Richtung "So ein Ding ist eh eine Waffe...". Zum Teufel, warum denn?? Wenn da so ein sachunkundiger Depp aus der "Gutmenschen-Fraktion" so pauschal und technisch unzutreffend und unwissend "argumentiert", ist man das ja gewohnt....aber unter uns??
Es gibt seit Jahrhunderten in der friedlichen Werkzeuganwendung von Messern Beispiele für "langstielige" Versionen, also Messer mit langem Griff - überall dort, wo man entweder mit großem Druck schneiden oder insbesondere mit Schwung hacken möchte. Beispiele gibt es in der Berufsfischerei (z.B. Flensmesser), bei Haumessern in der Fleischerei, insbesondere aber im Bereich der Landwirtschaft und der Waldarbeit. Hier gibt es viele Beispiele, vor allem für langstielige Entastungs- und Entrindungswerkzeuge.
In anderen Ländern sind "zweihändige" Macheten (auch diese per Definition nicht als ganze Klasse Hiebwaffen, sondern Werkzeuge,und allenfalls beim Vorliegen besonderer, werkzeuguntypischer Merkmale wie Rückenschneiden anders klassifiziert, z.B. "Combat Macheten") durchaus verbreitet, aus denselben Gründen wie oben erwähnt...
Sucht der Threadstarter also ein Werkzeug, das bei einer "diskussionsbefreienden" Klingenlänge von bis zu 12 cm entsprechende hohe Hiebleistung bzw. Eignung für die geschilderten Einsatzgebiete liefert, ist die Gestaltung technisch durchaus nicht abwegig.....für mich indiziert da auch erst einmal nichts eine ausschließlich oder überwiegend auf Waffenanwendungen abzielende Absicht oder Produktgestaltung.....
Man sollte trotzdem jedes Gestaltungsdetail vermeiden, das "messerfeindliche" Kontrollkräfte und Entscheider im weiteren Verfahren auf den - für mich abwegigen, aber nicht ganz unwahrscheinlichen - Gedanken bringen könnte, das sei sowieso wieder nur ein phöses Meuchelwerkzeug. Nach dem für mich unfassbaren "Stuttgarter Urteil" oder Fällen wie der "Entwaffnung" eines Rettungssanitäters ist für mich da leider nichts mehr ausgeschlossen....
"Folgerichtig" würde ich von der oberen Schor ("Fehlschärfe") absehen, weil sie Diskussionen darüber provoziert, ob man nun einen "beidseitigen Anschliff" oder einen "durchgehenden Rücken" bei dem Tool habe. Obwohl auch Tauchermesser beidseitig geschärft sind, die - außer in Bond-Filmchen vielleicht - nun ganz sicher in der Praxis nicht zum "Abfangen" anderer Taucher gemacht sind, sondern ausschließlich zu Werkzeuganwendungen wie Seil-, Gurt- und Netzschneiden zusätzlich zur glatten noch eine Wellenschliff-Schneide anbieten, macht es sich die WaffG-Anwendung da ja relativ einfach und klassifiziert gern alles, was nach zweischneidig ausschaut, als fieses Mordwerkzeug.....Exkurs: Ich kenne übrigens auch jede Menge Gefriergutmesser mit beidseitigem Anschliff und hoffe inständig, die entsprechende Meinungsbildung sei nicht durch kannibalistische Ernährungsgewohnheiten untermauert worden...
Ich würde den Rücken stark und durchgehend gestalten lassen und die Klinge auch noch weiter erhöhen, um die Zweckbestimmung zum Hacken zu betonen. Von der Spearpoint-Form würde ich absehen und auf moderaten Drop Point wechseln, um vorn eine hoch ansteigende Schneide zu erhalten, mit der man z.B. dann gut stemmen, schaben, entrinden usw. kann.....
Interessante Alternative wäre natürlich auch eine beitelförmige Spitze, die vermutlich auch die "Waffendiskussion" noch weiter "entschärfen" würde.
Kommen wir zur "Antreffsituation". Waffenrechtlich macht es für die Bewertung des Gegenstands eigentlich keinen Unterschied, ob ich ein BAUARTLICH UNVERÄNDERTES Werkzeug (also ohne Waffeneigenschaft hinsichtlich der gestalterischen Zweckbestimmung) nun in einer Werkzeugkiste transportiere oder in einem megataktischen Schulter-Schnellziehholster......Nun lehrt uns die Praxis, daß das zumindest bei ersten Kontrollmaßnahmen doch nicht ganz ohne Einfluß bleiben wird. So VERMUTE ich einen etwas anderen Ersteindruck, wenn das Tool im oder am Rucksack wie ein Campingbeil mitgeführt wird oder im Fahrzeug liegt - oder eben alternativ in einer "Ninja-Rückenscheide" am Träger entdeckt wird 
Vielleicht kann man den friedlichen Charakter des Werkzeugs auch noch durch einen hübschen Namen wie "Trekking-Entaster", "Forest-Master" o.ä. betonen 
Zusammenfassend: Nach der Intention des Threadstarters und der grundsätzlichen technischen Gestaltung ist nach meiner persönlichen Meinung das Tool KEINE Hiebwaffe. Dies würde ich durch Detailänderung in der Gestaltung noch weiter betonen.
Trotzdem teile ich die Bedenken einiger Interessenfreunde über die Reaktion von Ordnungskräften beim Antreffen unter "verdächtigen" Umständen.
Und nach einer Sicherstellung bleibt nur eine saubere technische Darlegung unter Hinweis auf die Vielzahl entsprechender Werkzeugmesser und ähnlicher Werkzeuge mit langen Griffen. Dabei ist man aber "in Gottes Hand". Denke ich an die Steel-Tiger-Indizierung vor dem Hintergrund jahrhundertelang in ganz Europa landwirtschaftlich verwendeter Hippen und Erntemesser, würde ich da auf nichts wetten wollen....