Review: Claw Gear Baselayer Shirt Long Sleeve

  • Ursprünglich erschien dieses Review hier auf meinem Blog.



    Ich habe mir noch für kein Review soviel Zeit gelassen wie für die Besprechung des Baselayer Shirt von Claw Gear. Ein Buch kann ich nach dem ersten Lesen beurteilen, ein Messer oder eine Tasche nach wenigen Wochen, bei Bekleidung allerdings lasse ich mir lieber etwas Zeit, denn woran man wirklich ist merkt man oft erst, nachdem man das Kleidungsstück ein paar Dutzend Mal getragen hat.
    Das Baselayer Shirt habe ich seit Juni diesen Jahres in Benutzung und das Shirt hat einen sehr guten Eindruck bei mir hinterlassen.


    Das Shirt
    Claw Gear nennt das Baselayer Shirt "Unterhemd" was ich etwas irreführend finde, "Unterziehshirt" oder schlicht "Shirt" treffen es eigentlich ganz gut. Das Baselayer Shirt ist geschnitten wie die meisten meiner T-Shirts, entspricht also einem "athletic cut" mit langen Ärmeln. Der Ärmelabschluss wirkt ein klein wenig zu weit, schiebt man die Ärmel aber bis kurz vor dem Ellbogen hoch, so merkt man, dass die Ärmel dort gut sitzen und der Bund nicht ausleiert. Das Shirt besteht aus mehreren Teilen des gleichen Stoffes, die sehr sauber und stabil vernäht sind. Besonders praktisch ist das Stück im Lendenbereich, das, so zumindest meine Erfahrung, zu starkes Hochrutschen des Shirts beim Tragen eines Rucksacks verhindert.
    Das Shirt ist angenehm lang, so dass es nicht dauernd wieder in die Hose zurückgestopft werden muss, Bauchansatz oder Klempnerdekollete entblößt oder kalte Luft an die Haut lässt.
    Die Größe des Baselayer Shirt entspricht ziemlich genau der Größe, die bei ganz normalen Shirts getragen wird.


    Das Material
    Das Baselayer Shirt besteht aus Cordura Baselayer, einem Stoff der mir zuvor unbekannt war. Jeder kennt Cordura und hat etliche laufende Meter davon herumstehen und -liegen, ob als Rucksack, Tasche oder Sommerschuh, mit Cordura Baselayer, einem 60/40 Gemisch aus Baumwolle und Polyester, wurde aber ein Material auf den Markt gebracht, das sich extrem gut für körpernahe Kleidung eignet. Cordura Baselayer hat den großen Vorteil beim Kontakt mit Feuer oder bei hohen Temperaturen nicht zu schmilzen und zu tropfen, sondern schlicht zu verkohlen, und das auch nicht ganz so schnell. Wer schon einmal ein teures Fleece am Lagerfeuer getragen hat kennt das Problem, ich kenne es aber sogar noch eher aus Clubs oder Kneipen, in denen geraucht wird und Menschen mit Zigaretten in der Hand durch den Raum schlendern...
    Zusätzlich dazu ist Cordura Baselayer deutlich robuster als reine Baumwolle. Es reisst nicht so schnell und auch in Sachen Pilling ist das Baselayer Shirt klar im Vorteil, vergleicht man es mit einigen Baumwollshirts in meinem Kleiderschrank. Das Phänomen des langsamen Einlaufens von Baumwollshirts, die nach einem halben Jahr zehn Zentimeter kürzer und fünf breiter sind als zu Beginn, kann ich bisher auch nicht beobachten.
    In Sachen Atmungsaktivität ist Cordura Baselayer Baumwolle meilenweit voraus; es nimmt den Schweiss deutlich schneller auf und trocknet deutlich schneller wieder. Auch die Bildung von Salzrändern ist nicht so stark wie bei reiner Baumwolle.


    Meine Erfahrungen
    Das Baselayer Shirt kam bei mir an einem der wärmsten Wochenenden dieses Jahres an und ich habe es direkt für zwei Tage getragen. Das "Feuchtigkeitsmanagement" war wirklich klasse, in reiner Baumwolle hätte ich nach dem Kistenschleppen in der Sonne für mehrere Stunden im eigenen Saft, irgendwo zwischen feucht und klamm, in einem T-Shirt gesessen, das regelmäßig an mir festklebt. Obwohl das Baselayer Shirt Feuchtigkeit sehr gut ableitet, fühlt es sich nicht an wie Funktionskleidung aus Polyester, etwa von Under Armour, sondern ist "kuschelweich" und angenehm auf der Haut. Es beginnt auch deutlich weniger schnell zu riechen, was in gewissen Situationen sehr von Vorteil sein kann.
    Sehr praktisch sind auch die langen Ärmel des Baselayer Shirts, wenn es im Sommer nach draußen geht. Man verbrennt sich die Arme nicht, ist etwas weniger angreifbar gegenüber Insekten oder pieksigen Pflanzenteilen und mann kann sich mit dem Ärmel den Schweiss aus dem Gesicht wischen. Das Baselayer Shirt in steingrau kann außerdem durchaus als modisches Shirt getragen werden, das taktische Wesen des Shirts fällt nicht unbedingt auf, es sei denn man trägt seinen plate carrier darüber...
    Im Sommerurlaub war das Shirt eigentlich immer mit dabei, um es als Wechselshirt nutzen zu können, zum Überziehen am Abend oder aber als Sitzunterlage, Tischdecke oder improvisierte Kopfbedeckung. Durch das geringe Gewicht und ebenso geringe Packmaß des Shirts macht es im EDC eine sehr gute Figur.
    Beim Wandern, beim Laufen, beim Schattenboxen in der Morgensonne, beim Bummeln in der Stadt oder beim Werkeln daheim habe ich das Shirt nie an seine Grenzen gebracht. Es war nie klitschnass wie ein T-Shirt nach intensiver Aktivität, das Pilling war auch nach langem Rucksacktragen immer nur minimal und an Ausleihern oder gar Reissen war nie zu denken.


    Fazit
    Mit dem Baselayer Shirt hat Claw Gear ein extrem robustes und funktionales Shirt auf den taktischen Markt geworfen. Im Sommer macht das Shirt seinen Job sehr gut und hält den Oberkörper angenehm trocken, ohne dass man das Gefühl hat, auszukühlen. Dass das Shirt außerdem gegen Funkenflug deutlich besser geschützt ist als etwa ein Shirt von Under Armour gibt auch am abendlichen Lagerfeuer ein gutes Gefühl, auch wenn ich davon noch nicht profitieren musste.
    Außerdem ist das Baselayer Shirt ein schlichter Pullover, der sich auch im Alltag tragen lässt, ohne zu wirken als arbeite man bei Blackwater. Wer also ein vielseitiges Kleidungsstück sucht, ist mit dem Baselayer Shirt bestimmt gut beraten.


    Der großzügige Kragen trägt sich sehr angenehm


    Das Lendenpanel fast ganz ohne Pilling


    Tadellos verarbeitet


    Disclaimer: Auch wenn mir Hersteller oder Anbieter eines Produktes ihre Produkte kostenfrei oder vergünstigt an mich abgeben bedeutet das für mich nicht, dass ich sie positiv besprechen muss. Ich beurteile jedes von mir besprochene Produkt nach bestem Wissen und Gewissen.

    "Pacifism is not something to hide behind." - Walter Sobchak

  • Da ich einfach kein vernünftiges Bild des Shirts komplett hinbekommen habe, könnt ihr das Shirt erstmal hier komplett anschauen. Ich versuche ein eigenes Bild nachzureichen!

    "Pacifism is not something to hide behind." - Walter Sobchak

  • Danke für das Review. Ich habe die CG Baselayer auch schon in Betracht gezogen, besonders weil sie robust und unauffällig genug sind, auch allein getragen zu werden (anders als dünnhäutiges Merino oder prollige Mikrofaser :| ). Mich würde noch interessieren, wie dir das Shirt im Winter liegt bzw. wie es sich zu vergleichbaren Baselayern verhält. Baumwollgemisch wird ja bei Hitze oft getragen, bei Kälte dagegen ist Baumwolle verpönt...

  • Ein Am-Mann-Bild kommt bestimmt noch. Auf den Winter in dem Shirt bin ich auch schon gespannt, sobald es kühler wird, gebe ich hier Meldung!

    "Pacifism is not something to hide behind." - Walter Sobchak

  • Auch von mir vielen Dank für die Vorstellung.


    Wie beurteilst du das Shirt hinsichtlich Schichten-Prinzip? Ich trage bspw. zum Wandern gerne Merinoshirts und darunter ein Odlo-Shirt, das den Schweiß von der Haut wegbringen soll. Allerdings stört mich in Pausen dann das kalte, weil verschwitzte Merinoshirt. Kann das Cordura-Baselayer trotz Baumwolle hier Abhilfe schaffen?


    Und noch eine Frage: Lädt sich das Mischgewebe irgendwie statisch auf? Bei anderen Kunstfaser sprüht man ja beim Ausziehen manchmal funken...

  • Ich trage bspw. zum Wandern gerne Merinoshirts und darunter ein Odlo-Shirt, das den Schweiß von der Haut wegbringen soll. Allerdings stört mich in Pausen dann das kalte, weil verschwitzte Merinoshirt.


    Kurze Frage, wieso trägst du unter dem Merino Shirt noch etwas anderes?
    Meiner Erfahrung nach wärmt Merino auch, wenn es nass ist. Fühlt sich dabei aber sehr angenehm an, im Gegensatz zu normaler Wolle. Ich hab bisher absolut keine Probleme. Wenn der Wind pfeift, noch eine Fleece oder Softschell drüber und alles ist gut warm.


    Gruß Merc

    People are tribal. The more settled things are, the bigger the tribes can be. The churn comes, and the tribes get small again.
    IG: @mgph.edc


  • Wie beurteilst du das Shirt hinsichtlich Schichten-Prinzip? Ich trage bspw. zum Wandern gerne Merinoshirts und darunter ein Odlo-Shirt, das den Schweiß von der Haut wegbringen soll. Allerdings stört mich in Pausen dann das kalte, weil verschwitzte Merinoshirt. Kann das Cordura-Baselayer trotz Baumwolle hier Abhilfe schaffen?


    Und noch eine Frage: Lädt sich das Mischgewebe irgendwie statisch auf? Bei anderen Kunstfaser sprüht man ja beim Ausziehen manchmal funken...


    Von Ladung habe ich bei den Shirts noch nichts mitbekommen, da hilft die Baumwolle also gut. Als Ersatz für ein Odlo-Shirt könnte das Shirt vielleicht funktionieren, wenn Du nicht wirklich sehr viel schwitzt ist das Shirt höchstens leicht feucht und gibt den Schweiss gut ab. Als Ersatz für Merino kommt es nicht in Frage, es wärmt ja nicht so richtig...

    "Pacifism is not something to hide behind." - Walter Sobchak

  • Auch Merino wird kalt, wenn es nass wird, nur eben weniger als Baumwolle. Ich glaube nicht, dass ein Baumwoll-Nylongemisch das besser macht, deshalb auch meine Frage.
    Was beim Schwitzen wirklich gut funktioniert sind Meshshirts. Allerdings sollte rechtzeitig belüftet werden, sonst schwitzt man evtl. noch mehr und macht sich die Schichten darüber nass.

  • @ xnkrtsx: Danke für deine Einschätzung. Vielleicht probiere ich CorduraBaselayer mal für die kühlere Jahreszeit als 2. Schicht mit Kunstfaser drunter. Hab für mich noch nicht die passende Lösung gefunden.


    @ Merc: Das Odlo unterm Merino ist für den Schweißabtransport gedacht - zumindest ist das mein Ansatz. Funktioniert nur nicht sooo gut, muss ich gestehen. Aber für weniger intesive Tätigkeiten oder Alltag ist Merino mein Favorit.


    Wenn ich mich nicht komplett täusche, las ich vor einiger Zeit was über eine Cordura-Merino-Mischung. Hmm, ich glaub, das war auf Soldiersystems...

  • Lange
    Das widerspricht jetzt aber meinen Erfahrungen.
    Solange man sich etwas bewegt, behält Merino, aufgrund der eigenen Körpertemperatur, eine gute Wärme. Wenn ich mit nassem Shirt in vollem Wind stehe, hilft gar nichts mehr, weder moderner Super-duper-Highend-Stoff noch einfache Baumwolle. Da setzt man aber durchaus gesunden Menschenverstand voraus, dass das generell keine gute Idee ist, wenn ich es warm haben will.
    Meiner Erfahrung nach wärmt Wolle generell, auch wenn sie feucht und nass ist. Merino fühlt sich nur wesentloch angenehmer an, als kratzige Schafwolle. Selbst ein feuchtes Shirt oder ein feuchtes paar Socken aus Wolle wärmen, wenn sie kalt angezogen, einmal ein wenig durch die eigene Körpertemperatur angewärmt wurden.
    Das sind aber nur meine Erfahrungen als sog. "viel Schwitzer". Das eklig nasse Gefühl auf der Haut, ist ein ganz anderes Thema, da hilft aber eben nur, ein zweites Shirt und dann wechseln.


    nic-0
    Probiers mal ohne Odlo Shirt drunter aus. Für den Schweißtransport ist Merino eigentlich super... zumindest in den gängigen 100 bis 150er Stärken.


    Vieles hängt aber auch vom persönlichen Empfinden ab. Jeder Mensch ist anders und jeder fühlt Temperatur und Feuchtigkeit anders.


    Gruß Merc

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    IG: @mgph.edc

  • Ich kann Merc nur beipflichten - Merino ist auch mein liebster Begleiter.
    Dabei spielt es für mich keine Rolle ob ich im Sommer aktiv unterwegs bin, oder mich im Winter zum Sport in die Berge begebe.
    Merino wärmt prima, auch im nassen Zustand. Dazu kommt noch der Vorteil das es so gut wie nicht nach Schweiß riecht.
    Ich mag das Zeug einfach und hab sicher so an die 15 Shirts von Icebreakter im Schrank.

  • Solange man sich etwas bewegt, behält Merino, aufgrund der eigenen Körpertemperatur, eine gute Wärme. Wenn ich mit nassem Shirt in vollem Wind stehe, hilft gar nichts mehr, weder moderner Super-duper-Highend-Stoff noch einfache Baumwolle.


    Selbst wenn Wolle seine gesamte Isolationsfähigkeit behalten würde, nasse Kleidung verliert Verdunstungswärme. Das ist so bei Merino und auch bei Baumwoll-Nylongemisch, weshalb das Shirt hier keine Lösung für das Problem ist. Merino mag sich dabei weicher verhalten (
    angeblich wirkt es wärmeregulierend, was das Schwitzen von vornherein vermindern könnte...) Ich habe trotzdem die Erfahrung gemacht, dass es auch feucht und kalt werden kann. Das ist dann freilich nicht mehr die Schuld des Materials, sondern einfach des Nutzers der zuviel anzieht.

  • So, habe jetzt einmal lang und kurz seit ner Woche im Einsatz.
    Der Stoff gefällt mir sehr gut. Auch wenn er von der klimaregulierung bei weitem nicht an Merino heran kommt.
    Kleiner minuspunkt: musste zum Blutdruck messen den Ärmel hoch schieben und das hat ihn leider etwas ausgeleiert

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