Beiträge von juchten

    ich sammle gar keine Messer, es ist wie bei vielen anderen eine ziellose Anhäufung der letzten 30 Jahre. Ein paar wurden vor langer Zeit verkauft, aber das mache ich schon lange nicht mehr, was ich noch habe gebe ich nicht mehr her, zudem haben viele der Messer einen Erinnerungswert für mich.
    Es sind Klappmesser verschiedener Hersteller, verschiedene Klingenlängen und aus allen möglichen Materialien, desweiteren feststehende Messer diverser Hersteller. Messer von Gerber, Roselli, deutschen Herstellern und was weiß ich nicht noch alles bis zu einem Kampfmesser der afghanischen Freischerler. Die Anzahl liegt bei ungefähr vierzig oder fünfzig, ich zähle sie nicht. Dann liegen immer noch rohe Klingen in der Schmiede und und und.... mein gesunder Menschenverstand hat diesbezüglich schon beizeiten Segel gesetzt und ist mit unbekanntem Ziel davongesegelt.


    Wenn mich jemand fragen was das beste Messer ist das ich bis heute in der Hand hatte, so müsste ich kleinlaut zugeben, es ist ein Messer von Heimo Roselli, und zwar das Opas Messer. Es ist gar nicht taktisch und macht nicht viel her, aber es liegt einfach hervorragend in der Hand und dieser nordländische Schmied hat eine unglaubliche Art Messer zu machen die einem in der Hand festwachsen. Vor allem ist es ihm gelungen den Stahl hervorragend zu verarbeiten, die Schneiden stehen sehr gut und lassen sich leicht schärfen, zur Not auch mit einem Stein vom Wegesrand.


    Ansonsten bleibt mir nur zu sagen, wenn einer wirklich heutzutage anfängt Messer zu sammeln, dann steht er vor einer unüberschaubaren Anzahl von guten Messern, ich wüßte gar nicht wo ich anfangen sollte all die guten Messer, die man natürlich unbedingt haben müßte, aufzuzählen.
    Trotzdem würde ich, falls man mich gegen meinen Willen auf einem fremden Planeten absetzen würde und ich nur ein Serienmesser mitnehmen dürfte, nach wie vor mein mittlerweile drittes Vic Champion mitnehmen. Damit kann man sich gesittet die Fingernägel schneiden und auch eine Flasche Wein (falls die Bewohner fremder Planeten gesittet sind und nicht nur mit Laserkanonen auf der Schulter durch die Gegend laufen um auf irgendwelche noch schlimmere Zeitgenossen, die nur aus Zähnen und Klauen bestehen, zu feuern) öffnen.


    Viele Grüße
    Roman

    das ist eine gute Vorstellung, der Photo Recon rückt glaube ich auch bei mir auf die Liste ganz oben.
    Es sieht zwar seltsam aus wenn man aus einer so modernen Taschen eine Zorki 3 Baujahr 1954 herausholt, aber auch diese "Panzerkameras" verdienen eine anständige Tasche.
    Die Preise sind für mich absolut annehmbar, dünnbrüstige Fototaschen von bekannten Fototaschenherstellern machen nicht so einen stabilen Eindruck und kosten oft mehr.


    Viele Grüße
    Roman

    dein Problem ein ideales Klappmesser für alle Gelegenheiten zu finden ist natürlich schon fast eine Gesinnungsfrage mit einem ordentlichen Potential um mit jeder Meinung irgendwo anzuecken.



    Ich will jetzt nicht mit so etwas banalem anfangen wie "unsere Vorväter sind mit einem Mercator in den Krieg gezogen und haben damit alles angestellt", das war vermutlich so, aber es wäre doch schade bei einer solchen schönen Auswahl an Klappmessern die uns zur Verfügung stehen, einfach etwas ganz einfaches zu nehmen.
    Die genannten Messer sind bestimmt gute Werkzeuge, ich will versuchen das ganze ein wenig zu pragmatisieren. Zuerst würde ich die Messer in die engere Wahl nehmen die gut gefallen und auch gut in der Hand liegen, dann wäre es wohl an der Zeit sich das ein oder andere näher anzusehen.


    Wenn ich draußen damit Holz machen will ist ein Klappmesser wohl nicht das richtige Werkzeug, primär ist ein Klappmesser ja dazu da ein Messer in kompakter Form mit sich zu führen und keine Axt zu ersetzen. Zudem liegt ja genug Holz im Wald rum ohne daß man sein Klappmesser mit einem dicken Ast zu Schande hauen muß um ein Stück Holz zu spalten daß auch so abbrennt.


    Für normale Schneidarbeiten sind wohl die meisten Klappmesser zu gebrauchen, wenn ich allerdings öfters damit jagdlich oder fischtechnisch zu Werke gehen muß wäre es mir (das ist subjektiv) wichtig daß man es wieder richtig sauber machen kann. Ich weiß nicht wie weit andere belastbar sind, aber ich möchte eigentlich kein Brot schneiden mit einem Messer das nach Fischschleim riecht oder noch sonstwie irgendwelche Unappetitlichkeiten in sich birgt.


    Ob der Stahl rostfrei oder nicht rostfrei sein soll, das muß jeder für sich entscheiden. Auch ein Klappmesser mit einer Tantoklinge ist wohl nicht das ideale, gerade wenn man etwas feiner zu Werke gehen muß, aber auch das ist relativ, wenn einer unbedingt eine Tantoklinge haben will, dann wird er sich eben arrangieren.


    Du siehst, man kann viel schreiben und doch keinen expliziten Ratschlag geben. Ich machs mal einfach und verlege meine Ratschläge in einen preislich günstigen Bereich. Das Gerber Gator ist bestimmt ein gutes Messer, vor allem klebt es förmlich in der Hand. Ich hatte auch jahrelang ein Voyager von CS in Gebrauch, es machte auch alles mit, hacken, Fische ausnehmen, schnitzen usw., der Stahl ist zwar nicht jedermanns Geschmack (meiner auch nicht), aber es lässt sich gut schärfen und hält diese Schärfe einigermaßen.


    Das Bushman das genannt wurde macht auf mich auch einen guten Eindruck, obwohl ich noch keins in der Hand hatte.


    Wenn ich die Wahl bei den Messern von der Stange hätte würde ich mich vermutlich immer wieder für das alte Gerber Parabellum entscheiden, es ist zwar ein Klotz von Messer, aber aufgeklappt hält man ein fast vollwertiges hochbelastbares leichtes Messer in der Hand, aber das ist auch subjektiv meinerseits (für die meisten war es wohl nicht der Schlager, sonst hätte man es weiter gefertigt, aber das war schon bei vielen Sachen so).


    Was die Standhaftigkeit einer Schneide angeht, das ist überhaupt oft die Kernfrage. Das ist abhängig davon was man schneidet, eine Schneide auf die man achtgibt und nur weiches Material damit schneidet hält natürlich länger als eine die jeden Tag Seile zertrennen muß oder dazu benutzt wird Axtstiele passend zu machen, übertrieben ausgedrückt.
    Das Schärfen einer Klinge lässt sich auch kaum mit einem Satz beantworten, aber wenn man von Hand arbeitet und sich auf Wassersteine beschränkt erzeugt ein grober Korundstein und ein belgischer Brocken schon eine sehr brauchbare Schneide. Das ist auch nur ein Vorschlag, es ist leider bei der Schleiferei das gleiche wie bei den Klappmessern, es gibt viele Möglichkeiten die zum Ziel führen und jeder schwört auf seine Methode.



    Viele Grüße
    Roman

    ich würde auch zu dem Spyderco raten. Ob Dir das Endura zu groß ist musst Du wissen, ich habe eins im Dauereinsatz und mir ist es nicht zu groß, aber wie gesagt, das ist von jedem einzelnen Anwender abhäng


    Mein Endura hat eine Klinge aus VG10, ich denke das Delica hat den gleichen Stahl, er ist zwar kein Rauschgoldengel, aber er schneidet zuverlässig und lässt sich gut nachschärfen, das ist ja schon mal ein Anfang. Die Rückenstärke liegt beim Endura bei 3 mm, sofern meine Augen mir keinen Streich gespielt haben. Ich habe mal andere Spydercomesser nachgemessen (ich habe leider kein Delica), die liegen auch bei 3 mm, dann dürfte das Delica auch eine solche Rückenstärke haben. Meines Erachtens nach ist das mehr als ausreichend für ein Messer das Schneidarbeiten machen soll.


    Ich weiß zwar nicht auswendig welchen Stahl die Delica 3 hatten, aber wenn Revierler diese Erfahrung gemacht hat und dieser andere Stahl nur ein bisschen besser ist als der VG 10, dann befolge den Ratschlag von ihm.


    Oder mach es ganz einfach wie früher, geh oder fahr zu dem nächsten Händler der die richtige Auswahl hat, dort käufst Du dir dann das Messer das dir am besten in der Hand liegt und am meisten zusagt.


    Viele Grüße
    Roman


    PS: Sorry, ich habe deinen Beitrag zu spät gelesen, hat sich überschnitten.

    Tut mir leid, ich dachte Du willst der Klinge eine Oberflächenbehandlung verpassen. Mit Messing bin ich überfragt, vielleicht liest das hier ein Fachmann/frau die sich damit auskennt wie man Messing brüniert oder sonstwie oberflächenbehandelt in Richtung schwarz.
    Ich glaube aber, das ist jetzt eine ganz subjektive Kiste meinerseits, Messing lässt sich nicht so leicht durch Oberflächenkorrosion oder sonstwie auf Dauer beeindrucken, das Zeug ist ja schon vor Jahrhunderten in der Seefahrt eingesetzt worden weil es nicht korrodiert.


    Viele Grüße und gutes Gelingen
    Roman


    PS: Übrigens, deine Erfahrungen dahingehend würden mich doch interessieren.

    Hallo Eiserner,
    schön hinbekommen, sieht stimmig aus.
    Oberflächenbehandlung: Essigessenz, Eisen3Chlorid oder ganz einfach Senf, probier was Dir am besten zusagt.


    Viele Grüße
    Roman

    ich sehe jetzt einmal von der augenscheinlich perfekten handwerklichen Arbeit ab. Solche Perfektion liegt schon verdammt hart an der Neidgrenze.


    Das Messer macht trotz seinem exquisiten Erscheinungsbildes einen absoluten Gebrauchseindruck, viel zu schade um das Messer hinter Glas zu legen. So ein Messer sieht bestimmt auch nach langem Gebrauch immer noch wertig aus.


    Viele Grüße
    Roman

    ich habe diese Berichte irgendwie nicht wahrgenommen die letzten Tage. Ich kenne zwar die Messer von Herr Jordan, aber so ganz genau angesehen habe ich mir noch keins. Das habe ich jetzt nachgeholt.


    Der Mann ist wirklich ein Meister seines Fachs, diese Messer geben dem Ausdruck "wie aus einem Guß" eine ganz neue Dimension.


    Viele Freude mit dem guten Stück
    Roman

    erstmal viel Freude mit deinem Messer.


    Die Jordan-Messer sehen wirklich so aus als ob jemand auch einmal daran dachte so ein Messer als das zu benutzen wofür es eigentlich da ist, als Werkzeug. Vermutlich hat derjenige, hier war es wohl der Meister selbst, auch in einem Atemzug mit daran gedacht seinen guten Messern auch einen anständigen Griff zu verpassen. Diese Griffe sehen für mich absolut tauglich und handfreundlich aus (Micha würde wohl haptisch sagen), vor allem besser als dieses ganze Seilgewickel. Jeder der schon einmal länger mit einem Werkzeug daß einen gewickelten Griff hat arbeiten mußte wird mir Recht geben.


    Die Messer sind in den Modern-Tanto-Times alles andere als nicht zeitgemäß, viel mehr -in- kann ein Messer nicht sein.


    Was den Stahl betrifft, es ist ja schon alles schlechte über D2 gesagt worden, anscheinend pfeift Herr Jordan darauf und macht trotzdem gute Messer aus diesem Stahl. Was soll ich sagen, dieser Stahl ist mir selbst nicht ganz geheuer, vor allem weil ich ihn nicht gerne härte, aber erstens bin ich Lichtjahre von Herr Jordans Können entfernt und zweitens scheint er auf das ganze Fachgesudere einen Dreck zu geben. (Das wollte ich immer schon schreiben)


    Was die Stabilität betrifft, mir erscheinen diese Messer absolut stabil, im normalen Gebrauch und im nicht normalen Gebrauch zerbrechen solche Messer nicht. Ich schreibe auch noch ein Wort zu dem "Blödmanngebrauch", jedes Messer bricht irgendwann wenn man will, wenn ich ein noch so stabiles Messer in einen großen Schraubstock spanne und damit beginne es mit dem Vorschlaghammer zu traktieren zerbröselt ein -Modern-Tanto-Times-Messer- genauso wie jedes andere.


    Was noch, nichts mehr, ein Supermesser.


    Viele Grüße
    Roman

    was soll ich sagen, es ist ein Klassiker geworden.


    Saubere Arbeit, alle Komponenten passen zueinander wie die Faust aufs Auge, noch ein sattes Teil aus Sattelleder dazu und das große Halali kann starten.


    Viele Grüße
    Roman

    wenn Herr Horton ausdrücklich darauf hinweist daß er rustikale Messer macht ist ja alles in Ordnung.


    Mich wundert nur daß er ausgerechnet die Spuren als rustikal verkauft deren Beseitigung bei der Messerherstellung am meisten aufhalten. Wenn man schon Messer mit dicken Klingen macht, die aufgrund ihrer Materialmasse bei weitem nicht den Anspruch an die Fertigung stellen wie schlanke Klingen, dann könnte man auch wenigstens für gleichmässige Kanten sorgen. Von Feilenspuren oder Schleifspuren will ich nichts sagen, das kann ja jeder halten wie er will, es zeigt ja auch daß ein Messer das Produkt von Händen ist.


    Wieso es jetzt kein Horton mehr sein soll verstehe ich nicht, am eigentlichen Messer hat sich doch nichts geändert. Die Überarbeitung des Messers war auf jeden Fall eine hervorragende Arbeit.


    Aber ich sehe bestimmt wieder alles falsch, wobei man auch immer daran denken soll daß das Messermachen eine handwerkliche Tätigkeit ist. Und bei handwerklichen Sachen gilt eigentlich immer daß man für halbfertige Sachen keine fertigen Preise verlangen kann, aber das sehe ich wahrscheinlich auch falsch.


    Viele Grüße
    Roman

    Du machst dich bei mir zumindest nicht unbeliebt Stefan.


    Ich hatte allerdings nie gedacht daß ganze Beiträge von mir als Zitat eingefügt werden die ein paar Zentimeter oberhalb stehen, aber vermutlich gibt es dafür irgendwelche Belohnungen von denen ich noch nichts weiß.


    Was meine Ausführungen zu den Randall-Messern betrifft, diese können natürlich nicht explizit den Kern der Sache treffen, weil ich mich nie über den Herstellungsprozess von Randalls informiert habe, sie gefallen mir einfach nur gut.


    Es tut mir auch aufrichtig leid nicht die ganze Härteanlassatömchenwanderei á la mf hier in tausend Zeilen niederzuschreiben, da fehlt mir einfach die Zeit und natürlich auch das Wissen, leider muß ich, anstatt mich immer tiefer in die abwegigsten Ausnahmezustände des Stahls einzulesen, meine Arbeit am Amboss machen. Diese ist natürlich dilletantisch, aber nach fast dreißig Jahren ist mir das auch egal.


    Ich will hier auch mal ganz offen das für mich wichtigste in diesem Thread verlautbaren, ich bin froh daß Olli wieder unter uns ist.
    Olli, ich mache Dir dein Messer die nächsten vierzehn Tage fertig, wenn es auch ein unbrauchbares Ding wird, aber ich habe dann mein bestes gegeben.


    Viele Grüße
    Roman

    ich habe zwar keines dieser Randall-Messer, aber eins muß ich doch sagen, sie gefallen mir sehr gut. Diese Messer sehen einfach aus wie aus einem Guß, auch die Klingenformen von Randall sind für mich ein wahrer Hingucker.


    Was diese punktuelle Erwärmung betrifft, ich habe schon von Bedenken bei 120 grad gelesen, bei 150 grad soll es dann langsam kritisch werden. Aber die Frage ist letztendlich wie weit sich die Wärme im Material ausdehnen kann und ob die Klinge nicht während dieses Lötvorgangs gekühlt ist, zudem wäre es auch interessant zu wissen welches Lot verwendet wird.
    Jetzt müssen mich die Randall-Fachmänner berichtigen, ich glaube glesen zu haben daß das Parierelement mit Neusilber verlötet wird, dann wäre es allerdings zumindest eine punktuelle Belastung, Neusilber hat einen sehr hohen Schmelzpunkt der je nach Beschaffenheit des verwendeten Neusilbers um die 1000 grad liegt. Aber das wissen die bei Randall auch, denen wird da auch etwas eingefallen sein.


    Aber lange Rede kurzer Sinn, es sind Steckangelmesser. Wenn jemand ein Steckangelmesser zerstören will, dann gelingt es ihm auch, egal wer sie hergestellt hat.


    Ich bin einfach einmal so frech sie spitze zu finden, die Jungs bei Randall wissen anscheinend immer noch genau was sie tun.


    Was ist übrigens mit der Qualität der Lederscheiben? Da sehe ich auch noch Ansatzpunkte für Kritik, vielleicht sollte man einmal überprüfen ob die Kühe die das Leder großzügigerweise spendeten auch artgerecht gehalten wurden.


    Viele Grüße
    Roman

    werter Lars,
    es liegt mir fern jetzt mit Dir ob deiner begründeten Kritik zu hadern, dann wären wir auf einem Niveau angekommen daß ich tunlichst vermeiden möchte.


    Ja, es fällt mir überhaupt nicht schwer das zu sagen, Du hast Recht, ich habe pauschalisiert. Es gibt natürlich Stähle die auch in diesem Bereich feine Schneiden bilden, aber eine Pauschalisierung beinhaltet leider in ihrer ureigensten Natur immer wieder ein zum Teil auch breites Spektrum von Ausnahmen.
    Wenn ich darin zu oberflächlich war bitte ich das zu entschuldigen, dessen ungeachtet habe ich mir auch herausgenommen Stahl mit einer Betonmauer zu vergleichen, darin erkennt ja auch der Fachmann daß es dabei nicht um eine tiefschürfende Abhandlung über die Stähle ging, sondern vielmehr um den Versuch das ganze ein bißchen lebhaft in den Vorstellungsbereich zu rücken.
    Grund für diese Pauschalisierungen und bildhafte Darstellung ist es nicht das Wissen von Metallurgen, die hoffentlich mit zusammengekniffenen Hühneraugen darauf herabsehen, auf den Plan zu rufen, sondern einfach nur eine einfache Erklärung abzugeben.


    Jetzt kommts, leider habe ich diese Liste der Stähle und ihrer Eigenschaften ohne weiter nachzudenken um 02:15 Uhr einfach übernommen. Das war leider ein Kardinalfehler. 1.2379 wirft naturgegeben Probleme auf. Es ist seine Natur daß er große Karbide enthält die sich nach Verformungsgrad zeilig oder netzförmig anordnen, auch hängt die Verteilung dieser Karbide vom Seigerungsgrad ab, je nach Blockgröße, Lage im Block sind die Seigerungen stark ausgeprägt, das bewirkt zu alledem noch Härteunterschiede.
    Man hat zwar keine Freude daran aus ihm feine Schneiden zu machen, aber es ist wie Du schreibst "und vermittelt so den Eindruck einer hohen Schärfe". Ich wage einmal zu glauben, das reicht den meisten Anwendern dieses Stahls, wenn er ja den Eindruck einer hohen Schärfe vermittelt wird er schon ein bißchen scharf sein.


    Was ein Witz, ich versuche einen Stahl schön zu reden den ich selbst aus all den genannten Gründen nicht gern verarbeite, aber was solls.


    Ich gebe es auch offen hier zu, und hoffe daß es viele lesen, ich bin weit davon entfernt die Grundlagen der Metallurgie zu verstehen, dementsprechend kann ich sie leider auch nur leidlich beachten. Es fehlt mir leider auch die Zeit mich tiefergehend damit zu befassen, in der Zeit in der ich mich dahingehend endlich einmal tiefschürfend weiterbilden könnte muß ich armer Tropf am Amboß stehen und Werkzeuge und Klingen schmieden, aber ich habe vielleicht einfach nur Glück beim Schmieden.
    Mir fällt da übrigens der Vergleich zwischen Astronomen und Astronauten ein, die einen haben ein immenses Wissen um alle astronomischen Angelegenheiten, die anderen fliegen einfach dahin.


    Letztendlich, ich bin auch im Besitz des Buches von meinem Namensvetter und dem Buch von Herrn Rapatz, Ausgabe 1942. Beides sind hervorragende Bücher die jedem Leser einen immensen Einblick in den Werkstoff Stahl ermöglichen. Leider verstehe ich nicht alles was Herr Rapatz schreibt, aber ich bin auch kein Metallurg, sondern tröste mich einfach damit daß der Bauer und der Metzger die guten Koteletts machen und nicht die Molekularbiologie.


    Viele Grüße
    Roman

    ich halte von dem Angebot nichts, es beweist nur vielmehr, daß in einer hochtechnisierten Industriestadt im fernen Japan keine durch die Arbeit am Amboß ergrauten Meisterschmiede ihrer Arbeit nachgehen, sondern HighEnd Kopierfräsen ihren Dienst tun.


    Viele Grüße
    Roman

    Code

    werter Kommandeur,


    so ein Vorhaben wie diese Liste der üblich verwendeten Messerstähle zu erstellen ist zwar eine hehre Aufgabe, ist aber unglaublich relativ, geschweige denn kann sie mal so aus dem Handgelenk geschüttelt werden.


    Es müßten jeweils die gleichen Messer aus den gleichen Stählen immer wieder unter verschiedenen Bedingungen getestet werden, dann müßten die Anwender hier ihre Erfahrungen zu Buche bringen. Was die Liste absolut in die Nichtverwertbarkeitszone bringt ist allerdings, es gibt einen Haufen Stähle, die wie ich schon geschrieben habe, einfach sowohl zum Haumesser taugen als auch zum "Skalpell". Es ist nur eine Frage der Wärmebehandlung was aus ihnen wird. Wo siedeln wir diese an?


    Was das Preis/Leistungsverhältnis betrifft, dann kommen wir schon in den Bereich der Wahrscheinlichkeitsberechnung. Bei dieser Firma werden die Messerrohlinge aus Blech herausgestanzt, bei anderen von Hand am Schleiftisch geformt. Die Firma zahlt pro kg ein paar Cent für den Stahl, ein Dreimannbetrieb wird ihn nicht unter 3 Euro das kg bekommen.


    Damast ist die gleiche Kiste, bei einer Firma werden da scheunentorgroße Platten unter Vakuumbedingungen verschweißt, wo anders steht ein einsamer Schmied der die Pakete von Hand am Amboß zusammenschweißt. Ist es ein reiner Dekordamast, ein Leistungsdamast, welche Lagenzahl, die verwendeten einzelnen Komponenten? War es ein Federhammer, ein Lufthammer, mit welchem Bärgewicht schlagen die zu, welches Feuer wurde verwendet, ist es eine reine Stahlkombination oder eine gemischte mit Eisen, so kann man weitermachen bis zum Nimmerleinstag. Dann kommt natürlich immer wieder der berechtigte Einwand, -das ist doch kein Damast, das ist mehr oder weniger ein Verbundschweißen-, richtiger Damast ist geschmolzen und nur Wootz ist Damast.


    Nimm einfach Tonys Messer wie Dir schon mehrfach empfohlen wurde, es ist aus gutem Stahl, es hat seinen Dienst auf allen Teilen dieser Erde schon gemacht und Tony würde bestimmt nicht seine Gesundheit an dieses Messer hängen wenn er irgendwelche Bedenken hätte.


    Wenn Du allerdings aufbrechen willst um einst wie ein spanischer Landedelmann gegen Windmühlen anzutreten und ihm darin gleichzutun wenn Du versuchst den Idealstahl zu finden der deinen Bedürfnissen hundertprozent entspricht ist es zwar ein ehrenhaftes Unterfangen, aber aussichtslos.


    Vielleicht kann ich dich aber damit trösten Du bist nicht allein, wir sind alle bei Dir und sind auch auf diesem Weg. Ich habe sogar schon versucht aus den Zähnen von Untertagegesteinsfräsen Klingen zu schmieden. Es wurde vermutlich die einzige ihrer Art, zwar so gut wie kein Chrom, aber so dicht im Gefüge daß das Ding nicht rosten kann. Gehärtet habe ich es in bis auf 0 grad gekühltes Salzwasser in dem sich Eiswürfel befanden, es gab einen Ton von sich wie ich es noch nie von Stahl gehört habe, die Klinge riß aber nicht. Ich habe mit ihr Nägel aller Größe gespalten, sie ging nicht kaputt und zeigte keine Scharten. Selbst das Hacken in einen 120 kg schweren Werkzeugstahlklotz zeigte nur kaum sichtbare Abriebspuren. Ich war dem Ideal so nah, leider war die Schärfe nur mittelmäßig, und nachschleifen konnte man das Ding nur mit einer Schruppscheibe auf der Flex und einem freien Nachmittag. Also wieder nichts, aber wir machen alle weiter.


    Viele Grüße
    Roman


    PS: ich habe diese Klinge noch, sie baumelt an einem Draht am offenen Fenster der Schmiede neben anderen Klingen aus ähnlichem untauglichen Material. Aber eins hat sie zumindest, wenn der Wind die Klingen bewegt und sie gegeneinander schlagen, dann gibt sie wunderschöne Töne von sich.

    grundsätzlich kann man eine solche Liste wohl schwerlich erstellen. Das Thema Stahl ist eine hochkomplexe Sache, dazu kommen noch persönliche Erfahrungen und die damit verbundenen Vorlieben für diesen oder jenen Stahl. Zudem ist das eine Sache die unter Messerfreunden sehr schnell die Gemüter bewegt, obwohl man hier unter uns sehr sachlich damit umgeht.


    Die grundlegende Entscheidung ist meist korrosionsfest oder nicht. Stahl mit gut 12 % Chrom als Legierungsbestandteil wird als "rostbeständig" angesehen. Zu dieser Sorte gehören die klassischen erzeugten Chromstähle und die pulvermetallurgisch erzeugten Chromstähle.
    Egal wie der Stahl heißt, Chrom hat leider die schlechte Angewohnheit größere Karbide zu bilden und dann dahingehend die Schneideneigenschaft was den feinen Schnitt betrifft negativ zu beeinflussen.


    Bei rostträgen oder einfach rostenden Stählen fehlt die Chromlegierung oder ist unter 12 % enthalten, diese haben feinere Karbide, haben eine feine Schneide und rosten einfach.


    Aber, wir wollen ja keine metallurgischen Grundsatzdiskussionen um Stahllegierungen usw. führen. Ich versuche es einfach mal einigermaßen mit meinem bescheidenen Wissen ein wenig für Legierungsneurotiker darzustellen.


    Vergleichen wir einmal den Stahl mit einer Betonmauer. Die klassischen unlegierten Stähle bestehen aus einer guten Portion Beton der mit kleinen Kieselsteinen oder gebrochenen kleinen Kieselsteinen besteht. Wir gießen jetzt die Schalung mit in unserer heimischen Betonmischmaschine angerührten Masse aus. Das Endresultat ist eine feste Mauer, wenn ich mit dem Hammer auf diese schlage brechen kleine Stückchen Beton und kleinste Steinchen ab. Vergleichbar mit einem klassischen schwach legierten Stahl der aus einer massiven Matrix (das wäre der Beton) und kleinen Karbiden (das sind unsere Steinchen) besteht. Eine feste Sache die eine feste Oberfläche behält (vergleichbar mit der Schneidenstabilität). Zerschlage ich die Mauerkrone mit dem Hammer, entsteht eine Oberfläche aus der viele kleine Steinchen herausschauen.


    Wenn ich jetzt die Oberliga betrete wird eine andere Mauer gebaut, gleiche Verschalung, aber andere Komponenten. In unserer Mauer befindet sich eine Armierung, die Betonmischung besteht aus gröberen Steinen und weniger Beton. Wenn wir die Schalung entfernen haben wir zwar augenscheinlich die gleiche Mauer, aber das Innenleben hat sich drastisch geändert. Der Beton wurde professionell von großen Maschinen gemischt und mit mittelgroßen bis großen Kieseln durchsetzt. Unsere Mauer macht einen absolut stabilen Eindruck, schlage ich mit dem Hammer auf diese, kann es allerdings dazu kommen daß ein größerer Kiesel sich löst und ein größeres Loch entsteht. Bearbeite ich die Mauer mit dem Hammer habe ich eine Mauerkrone aus der dicke Kiesel herausschauen, diese sind allerdings jetzt nicht mehr zu zertrümmern.


    So könnte man sich ganz grob den Unterschied zwischen klassischen Stählen und PM-Stählen vorstellen, die Karbide sind in PM-Stählen relativ dick (vergleichbar mit den Kieseln in der zweiten Mauer), der Beton an sich (die Matrix im Stahl) ist nicht so üppig vorhanden, weil zu viele größere Steine aller Arten (vergleichbar mit den Legierungsbestandteilen) darin enthalten sind. Die zertrümmerte Oberfläche unserer zweiten Mauer ist nach dem Hammereinsatz (das eigentliche Schneiden mit einer Klinge) eine grobe Sache, die allerdings sehr stabil ist (vergleichbar mit der Schneide eines Messers aus PM-Stahl).


    Es ist leider momentan kein Superstahl in den nächsten 14 Tagen zu erwarten, es war bis heute nicht möglich einen astzacken rostfreien Stahl mit einer hochbelastbaren Klinge die auch eine feinste Schneide aufweist zu erzeugen.
    Wir werden uns wohl weiterhin mit Kompromissen abfinden müssen, aber das ist uns ja bis heute gut gelungen.


    Die Frage "Was kann ein Stahl und was kann er nicht?" ist eine noch kompliziertere Geschichte. Es kommt zuerst einmal darauf an, was kann diese Messerform und was kann sie nicht, dann stellt sich dir Frage -welcher Stahl- ist für die jeweilige Messerform der beste und der am billigsten zu produzierende.
    Da kommen so viele einzelne Anforderungen daß man die Sache aus der Sicht was ein Stahl kann und nicht kann gar nicht beantworten kann.


    Es gibt Stähle aus denen kann man alle möglichen Messer machen, weil ihr Bearbeitunsspektrum unglaublich weit gefächert ist, andere hingegen haben ein kleineres Fenster was ihre letztendliche Anwendung betrifft.


    Ich gebe zum Schluß einfach mal ein paar Anstöße, ich hoffe es werden noch mehr von uns dazu etwas schreiben.


    Die Stähle mit den Bezeichnungen C 45, 55, 60 70, 80, 105, 125; aufsteigend immer härtere und feinere Schneiden, sehr stabil, gut zu schärfen; die unteren Vertreter dieser Reihe ergeben sehr gute belastbare Haumesser, obere Kategorie Messer für feine Schnitte;


    1.2379, hochlegierter Kaltarbeitsstahl, ergibt sehr feine stabile Schneiden;


    1.2519, mittellegierter Kaltarbeitsstahl, ergibt ebenfalls feinste Schneiden,


    1.2842, hervorragender allgemein benutzbarer Stahl, ergibt sehr gute Schneiden mit hinreichender Stabilität,


    1.3505, als Vertreter der Kugellagerstähle, feinstes Gefüge im Stahl, sehr stabil, ergibt herausragende Schneiden,


    1.2510, erreicht eine sehr gute Schnitthaltigkeit und ist sehr zäh,


    M2 oder 1.3343, extrem schnitthaltig, biegsam, leider sehr schwer nachzuschärfen


    A2 oder 1.2363, ein extrem zäher Stahl mit hervorragender Eignung für größere Messer,


    das sind nur ganz wenige Vertreter der nicht korrosionsfesten Liga.


    Jetzt würde ich gern ein wenig über PM-Stähle schreiben, aber dieses Feld überlasse ich den geschätzten Anhängern der PM-Stähle, die werden über diese auch gnädiger zu Werke gehen als ich.


    Ich hoffe , ich konnte nicht allzu sehr langweilen, aber das Thema -Stahl zu Messern- füllt ganze Bibliotheken, und das seit Jahrhunderten, ich konnte das einfach nicht in drei Sätze packen. Ich hoffe mir wird diesbezüglich vergeben.


    Viele Grüße
    Roman

    das sieht doch alles schon sehr gelungen aus, mir gefällt das Messer auch.


    Was das Härten von rohen Klingen betrifft kann ich Stefan nur beipflichten, 1 mm ist schon ziemlich stramm wenn man nachher eine Schneidphase an einer gehärteten Klinge noch anbringen will. Es ist zwar durchaus im Bereich des Möglichen, aber wozu soll man sich eine solche Arbeit machen.
    Ich weiß auch nicht wer diesen Milmeter in Umlauf gebracht hat, vermutlich jemand der einen starken wassergekühlten Schleifstein zur Verfügung hat. Ich habe zwar so ein mittelalterliches Gerät mit einem fast sechzig Zentimeter durchmessenden feinen Sandstein zur Verfügung, aber schleife meine Klingen immer weitgehendst scharf, vor dem Härten stumpfe ich sie allerdings mit der Feile.


    Bei Eisen3chlorid gibt es allerdings große Unterschiede, aber Stefan hat da auch schon einen guten Tip gegeben, das Zeug von einer großen Elektrofirma ist dabei nur zweite Wahl.


    Beim Härten kann man sich allerdings auch mit Härtefolie behelfen, ist zwar nicht jedermanns Sache, aber es hält den Stahl relativ sauber vor Verzunderung. Wenn es jemand versucht mit Härtefolie, dann sollte er sich allerdings seiner Sache sehr sicher sein, weil ein Härten nach Glühfarbe ist dann nicht mehr drin.


    Viele Grüße
    Roman

    ich trage die halbhohen Haix im Dienst immer ein paar Jahre lang bis sie ihren Geist aufgeben, ein paar hohe Stiefel habe ich nach 13 Wintern meinem Sohn gegeben, der reißt sie jetzt runter. Ich mache auf dem flachen Land Dienst und die Schuhe müssen durch alle möglichen Untergründe marschieren, zudem wiege ich keine 70 kg, so daß das auch noch auf ihnen lastet.


    Egal wie, man geht gut drin, aber das Ideal sind sie natürlich nicht. Man bekommt auch in den Goretex-Schuhen irgendwann feuchte Füße, zudem wird das Oberleder klatschnass. Die Sohle ist auf sehr glatten Untergründen auch Mist, aber das hat Micha schon beschrieben.


    Ich kann mir nicht helfen, wenn einer draußen eine längere Geschichte durchzustehen hat die über ein paar Tage geht, dann wird man wohl auf Stiefel wie Lundhaag, Sorel, oder gleichartige zurückgreifen müssen. Der Unterbau eines normalen Stiefels wo sich Leder an die Gummisohle anschließt wird irgendwann aufgeweicht sein, egal wie sie heißen oder welches Leder man benutzt.
    Sogar meine Bergstiefel von Scarpa die mich schon seit 1986 durch die Welt begleiten und aus Leder bestehen daß die Konsistenz von Knochen hat werden trotz ausreichend Fett irgendwann nass.


    Immerhin haben wir ja eine schöne Auswahl von allem möglichen Schuhwerk zur Verfügung, da wird sich doch was finden. Es ist ja nicht so wie früher wo man mit einem paar Stiefel in den Krieg ziehen mußte, unmenschliche Märsche machte bei Wind und Wetter, und der Witz, die meisten kamen mit allen ihren Zehen heim, trotz Kälte, Nässe und Grabenfuß.


    Viele Grüße
    Roman

    Innovation wohin man schaut.


    Werter aemkei, das waren beides gute Eifällte und in Anbetracht der verwendeten Maschinen sind gute Ergebnisse entstanden.
    Falls es Kritik geben sollte, alles konstruktive einfach ignorieren.
    Falls die Klingen die Schneide nicht halten sollten, melde dich einfach, bei Arbeiten mit Flex und Schleifbock entstehen erfahrungsgemäß Temperaturen die die verwendeten Stähle schlagartig ausglühen. Der Vorteil dieser Stähle ist aber dabei, man hat sie auch wieder schlagartig normalisiert und gehärtet.


    Weiter so.


    Viele Grüße
    Roman