grundsätzlich kann man eine solche Liste wohl schwerlich erstellen. Das Thema Stahl ist eine hochkomplexe Sache, dazu kommen noch persönliche Erfahrungen und die damit verbundenen Vorlieben für diesen oder jenen Stahl. Zudem ist das eine Sache die unter Messerfreunden sehr schnell die Gemüter bewegt, obwohl man hier unter uns sehr sachlich damit umgeht.
Die grundlegende Entscheidung ist meist korrosionsfest oder nicht. Stahl mit gut 12 % Chrom als Legierungsbestandteil wird als "rostbeständig" angesehen. Zu dieser Sorte gehören die klassischen erzeugten Chromstähle und die pulvermetallurgisch erzeugten Chromstähle.
Egal wie der Stahl heißt, Chrom hat leider die schlechte Angewohnheit größere Karbide zu bilden und dann dahingehend die Schneideneigenschaft was den feinen Schnitt betrifft negativ zu beeinflussen.
Bei rostträgen oder einfach rostenden Stählen fehlt die Chromlegierung oder ist unter 12 % enthalten, diese haben feinere Karbide, haben eine feine Schneide und rosten einfach.
Aber, wir wollen ja keine metallurgischen Grundsatzdiskussionen um Stahllegierungen usw. führen. Ich versuche es einfach mal einigermaßen mit meinem bescheidenen Wissen ein wenig für Legierungsneurotiker darzustellen.
Vergleichen wir einmal den Stahl mit einer Betonmauer. Die klassischen unlegierten Stähle bestehen aus einer guten Portion Beton der mit kleinen Kieselsteinen oder gebrochenen kleinen Kieselsteinen besteht. Wir gießen jetzt die Schalung mit in unserer heimischen Betonmischmaschine angerührten Masse aus. Das Endresultat ist eine feste Mauer, wenn ich mit dem Hammer auf diese schlage brechen kleine Stückchen Beton und kleinste Steinchen ab. Vergleichbar mit einem klassischen schwach legierten Stahl der aus einer massiven Matrix (das wäre der Beton) und kleinen Karbiden (das sind unsere Steinchen) besteht. Eine feste Sache die eine feste Oberfläche behält (vergleichbar mit der Schneidenstabilität). Zerschlage ich die Mauerkrone mit dem Hammer, entsteht eine Oberfläche aus der viele kleine Steinchen herausschauen.
Wenn ich jetzt die Oberliga betrete wird eine andere Mauer gebaut, gleiche Verschalung, aber andere Komponenten. In unserer Mauer befindet sich eine Armierung, die Betonmischung besteht aus gröberen Steinen und weniger Beton. Wenn wir die Schalung entfernen haben wir zwar augenscheinlich die gleiche Mauer, aber das Innenleben hat sich drastisch geändert. Der Beton wurde professionell von großen Maschinen gemischt und mit mittelgroßen bis großen Kieseln durchsetzt. Unsere Mauer macht einen absolut stabilen Eindruck, schlage ich mit dem Hammer auf diese, kann es allerdings dazu kommen daß ein größerer Kiesel sich löst und ein größeres Loch entsteht. Bearbeite ich die Mauer mit dem Hammer habe ich eine Mauerkrone aus der dicke Kiesel herausschauen, diese sind allerdings jetzt nicht mehr zu zertrümmern.
So könnte man sich ganz grob den Unterschied zwischen klassischen Stählen und PM-Stählen vorstellen, die Karbide sind in PM-Stählen relativ dick (vergleichbar mit den Kieseln in der zweiten Mauer), der Beton an sich (die Matrix im Stahl) ist nicht so üppig vorhanden, weil zu viele größere Steine aller Arten (vergleichbar mit den Legierungsbestandteilen) darin enthalten sind. Die zertrümmerte Oberfläche unserer zweiten Mauer ist nach dem Hammereinsatz (das eigentliche Schneiden mit einer Klinge) eine grobe Sache, die allerdings sehr stabil ist (vergleichbar mit der Schneide eines Messers aus PM-Stahl).
Es ist leider momentan kein Superstahl in den nächsten 14 Tagen zu erwarten, es war bis heute nicht möglich einen astzacken rostfreien Stahl mit einer hochbelastbaren Klinge die auch eine feinste Schneide aufweist zu erzeugen.
Wir werden uns wohl weiterhin mit Kompromissen abfinden müssen, aber das ist uns ja bis heute gut gelungen.
Die Frage "Was kann ein Stahl und was kann er nicht?" ist eine noch kompliziertere Geschichte. Es kommt zuerst einmal darauf an, was kann diese Messerform und was kann sie nicht, dann stellt sich dir Frage -welcher Stahl- ist für die jeweilige Messerform der beste und der am billigsten zu produzierende.
Da kommen so viele einzelne Anforderungen daß man die Sache aus der Sicht was ein Stahl kann und nicht kann gar nicht beantworten kann.
Es gibt Stähle aus denen kann man alle möglichen Messer machen, weil ihr Bearbeitunsspektrum unglaublich weit gefächert ist, andere hingegen haben ein kleineres Fenster was ihre letztendliche Anwendung betrifft.
Ich gebe zum Schluß einfach mal ein paar Anstöße, ich hoffe es werden noch mehr von uns dazu etwas schreiben.
Die Stähle mit den Bezeichnungen C 45, 55, 60 70, 80, 105, 125; aufsteigend immer härtere und feinere Schneiden, sehr stabil, gut zu schärfen; die unteren Vertreter dieser Reihe ergeben sehr gute belastbare Haumesser, obere Kategorie Messer für feine Schnitte;
1.2379, hochlegierter Kaltarbeitsstahl, ergibt sehr feine stabile Schneiden;
1.2519, mittellegierter Kaltarbeitsstahl, ergibt ebenfalls feinste Schneiden,
1.2842, hervorragender allgemein benutzbarer Stahl, ergibt sehr gute Schneiden mit hinreichender Stabilität,
1.3505, als Vertreter der Kugellagerstähle, feinstes Gefüge im Stahl, sehr stabil, ergibt herausragende Schneiden,
1.2510, erreicht eine sehr gute Schnitthaltigkeit und ist sehr zäh,
M2 oder 1.3343, extrem schnitthaltig, biegsam, leider sehr schwer nachzuschärfen
A2 oder 1.2363, ein extrem zäher Stahl mit hervorragender Eignung für größere Messer,
das sind nur ganz wenige Vertreter der nicht korrosionsfesten Liga.
Jetzt würde ich gern ein wenig über PM-Stähle schreiben, aber dieses Feld überlasse ich den geschätzten Anhängern der PM-Stähle, die werden über diese auch gnädiger zu Werke gehen als ich.
Ich hoffe , ich konnte nicht allzu sehr langweilen, aber das Thema -Stahl zu Messern- füllt ganze Bibliotheken, und das seit Jahrhunderten, ich konnte das einfach nicht in drei Sätze packen. Ich hoffe mir wird diesbezüglich vergeben.
Viele Grüße
Roman