Beiträge von juchten

    ich muss zu meiner Schande eingestehen daß ich das mit den Griffschalen erst bemerkt habe als s30v es geschrieben hat, obwohl man es vermutlich in natura besser erkennen kann. Das mit dem Anschliff sehe ich erst gar nicht auf dem PC.


    Wie dem auch sei, das Messer gefällt mir auch so sehr gut.


    Die Japaner lassen manchmal bei Schmiedearbeiten einen kleinen Fleck unbearbeitet um durch die sonst entstandene Perfektion nicht die Götter sauer zu stimmen, sieh es einfach so. Perfektion ist auch nicht immer perfekt, so ist das Messer auf jeden Fall ein Unikat, es als B-Ware einzustufen wird, so glaube ich, der geleisteten Arbeit nicht gerecht.


    Viele Grüße


    Roman

    zum Klingenaufbau was den Stahl des Messers betrifft,aufgrund eigener Schlamperei fand ich in meinem Stahlsammelsurium den Weißpapierstahl nicht. Kurzerhand habe ich ihn durch alten Feilenstahl ersetzt, das Messer ist dreilagig, außen zwei Lagen Reineisen, innen die Feile.
    Viele Grüße
    Roman

    sieht gut aus Christoph, beim nächsten klappts auch mit dem Schliff. Immer an die Terrier denken, mit dem Schwanz wedeln und weiter beißen.


    Viele Grüße


    Roman



    PS: Superholz

    zuerst freu Dich mal an dem Messer, es lohnt sich einfach nicht alles zu ergründen oder zu hinterfragen, egal wie neugierig man ist.
    Diese beiden Stählen miteinander zu verschweißen ist allein beachtenswert, das ist keine Sache für den heimischen Schmiedeherd, da muß man wirklich Nägel mit Köpfen machen, egal ob es sinnvoll ist oder nicht die genannten Komponenten miteinander zu verschweißen.
    Ansonsten, ich sehe den einzigen Vorteil bei einem Schweißdamast aus zwei Stählen darin daß man am Ende der ganzen Schienenschweißerei nicht noch eine frische Schneidlage einschweißen muss. Wie gesagt, ob man da einen Sinn sucht gerade diese beiden Stähle miteinander zu kombinieren, das ist alles spekulativ. Dabei kommt auch kein Superstahl heraus, jede Feuerschweißung, egal wie vorsichtig und am unteren Bereich der Schweißhitze ausgeführt, verbessert keinen der Stähle und führt garantiert nicht zu einem Superstahl.
    Was mir aber abseits aller miesepeterischen Betrachtungen super gefällt ist die Mustersteuerung, da verstand jemand wirklich sein Handwerk, wenn das Messer dann noch schneidet ist alles in Ordnung.
    Viele Grüße
    Roman

    ich bin zwar kein "Stahlprofi", egal wie immer man das auch wird, aber ich glaube deine Frage kann mit letztendlicher Gewißheit nur jemand beurteilen der eine entsprechende Ausbildung/Studium hat und dem die benötigten Gerätschaften zu einer Werkstoffprüfung zur Verfügung stehen. Alles andere ist in diesem Fall wohl bestenfalls Spekulation.
    Es ist nämlich eine Sache sich ein bißchen über Stahl zu unterhalten, mit der einen oder anderen Vorliebe wie "hier ein Spritzerchen Mangan und dort eine Prise Niob oder sonst irgendetwas" oder verwertbare Aussagen über das Verschweißen von diesen beiden genannten Stählen und das Endprodukt zu machen.
    Wie gesagt, ich bin kein Stahlprofi, ich will auch jetzt keine Passagen aus Büchern abschreiben oder sonst wen zitieren, vergiß es, die Kiste ist mir einfach zu hoch und ich bin fest davon überzeugt daß diejenigen die diesen Schweißdamast hergestellt haben auch nicht genau wissen was da vor ihnen liegt.
    Viele Grüße
    Roman

    was für eine Frage, gehobene Anlässe. Zu so etwas werde ich nie eingeladen.
    Ich habe auch keinen schwarzen oder sonstigen Anzug, ich trage bestenfalls eine relativ neue Jeans und eine von meinen beiden Tweedjacken.
    Was Messer betrifft, wenn es dann mal soweit ist die bessere der beiden Tweedjacken anzuziehen habe ich ein kleines Schweizer Messer dabei um keinen zu erschrecken, desweiteren zumindest etwas klappbares wie ein Harpy oder sonstwas, in einer der Jackentaschen steckt noch ein Guardian, man weiß ja nie.
    Viele Grüße
    Roman

    wenn man den Griff abziehen kann, dann ist doch alles gut.
    Man besorgt sich ein Stück Aluprofil, man hat ja die Maße anhand der zu ersetzenden Teile, bohrt die Löcher und greift zu einer Feile. Voila, nach einer Stunde ist die Grobform rausgefeilt, selbst wenn man kein begnadeter Handwerker ist. Im Anschluß mit feinem Schleifpapier glätten, dann wieder alles zusammenbauen.
    Viele Grüße
    Roman


    PS: das geht natürlich auch mit einem Stück Messing, ein bisschen guter Wille und der Umbau ersetzt einen langweiligen Sonntagvormittag vorm Fernseher.

    ich hatte die Aufgabe das Messer von Chris zu härten.
    Der vorliegende Stahl lässt sich mit herkömmlichen Mitteln die einem in einer normalen Schmiede zur Verfügung stehen eigentlich gut härten. Nach dem Glühen wurde die Klinge in einen Lehmmantel gepackt, der im Bereich der Schneide nur als Schmutzschicht zu erkennen war, der hintere Teil der Klinge war mit einer cirka 4 mm dicken Schicht eingepackt. Erwärmt wurde bis zur Härtetemperatur von 1.2842, dann in warmen Öl abgeschreckt, das Anlassen habe ich auf der Feuerbegrenzung neben dem Schmiedefeuer vor sich gehen lassen. Das Ergebnis war für mich zufriedenstellend.
    Soweit so gut, aber ob es zu unterschiedlichen Härtebereichen gekommen ist, wer kann da schon hineinsehen? Die beste Art das zu erkennen ist natürlich das Zutagetreten einer "Hamonlinie", aber um diese zu erzeugen muß man Sachen mit dem Stahl machen die 1.2842 vermutlich mal übersteht und mal nicht übersteht. Wer will das aber machen mit einer Klinge die einem nicht gehört, ich kann Chris ja nicht sagen: "Tut mir leid alter Junge, deine Arbeit an dieser Klinge war sehr gut, aber leider umsonst." (Beigefügt: Klinge, fragmentarisch, 5 Stücke)
    Ich glaube zwar nicht daß Chris dann mein Todfeind werden würde, aber man müßte dann doch die Wärmebehandlung ein wenig neu überdenken, im speziellen die sorgsame Behandlung von Klingen die einem nicht gehören.
    Wenn durch das Einpacken im Lehm ein geringfügiger Härteunterschied in der Klinge entstanden ist, explizit Schneide im Arbeitsbereich, Rücken ein wenig darunter, so kann man schon bei 1.2842 von Erfolg reden. Ich habe die Klinge angeätzt mit Eisen3Chlorid, man sah zwar mit viel Wohlwollen eine andere Schattierung im hinteren Klingenbereich, aber ob das ein massiver Härteunterschied war, das kann man nur mit entsprechender Gerätschaft letztendlich sicher überprüfen. Zumindest kam es zu keiner Entkohlung, die Klingenoberfläche war mit Hilfe einer Drahtbürste und der Sisalbürste auf der Poliermaschine wieder ohne Probleme blitzblank zu bekommen.
    Ansonsten, wer es einmal selbst versuchen will mit unterschiedlichen Härtebereich in der Klinge und der Hamongeschichte, Torsten (laBlatte) hat dazu sehr ausführlich hier geschrieben (nochmal meinen Dank an Torsten wegen dem Tip mit der Speisestärke, das war für mich ein Quantensprung, aber das ist eine ganz andere Geschichte). Wenn man aber den Eigenversuch macht, dann bitte einen Stahl verwenden der für diese für den Stahl sehr üble Kiste besser geeignet ist als z. B. 1.2842.
    Ansonsten gefällt mir das Messer auch sehr gut, ich bin auch gespannt was jetzt noch kommt.
    Viele Grüße
    Roman


    PS: Geständnis: Ich habe heute morgen im mf einmal nachgesehen wer diese selektive Härtung (1.2842) schon versucht hat, da gibt es wirklich einige Wagehälse die so etwas wie eine sichtbare "Härtelinie" erzeugt haben, aber es war wohl nicht das gleiche wie bei z. B. 1.1545 (C105) oder gleich gearteten Stählen, zudem hatten diese ihre eigenen Klingen der Prozedur ausgesetzt.
    Man muß sich dabei vor Augen führen daß man die auf Härtetemperatur gebrachte Klinge zuerst in warmen Salzwasser, dann erst in warmen Öl abschreckt, eine Sekunde zu lang im Wasser und es macht "PLING" (nur häßlicher im Ton), und glühender 1.2842 und Wasser (selbst wenn es 60 Grad hat) sind wirklich keine guten Freunde.

    ich mach mir keinen großen Kopf, es ist nur so daß Martin Recht hat.


    Ich wundere mich schon seit langem über 1.2379, eigentlich bin ich ja kein großer Freund davon. Aber vielleicht hat dieser Stahl doch in all seiner Kompexität ein bißchen Spielraum nach allen Seiten.


    Oder aber, er erinnert sich ganz einfach an das zornige Feuer in dem er gemacht wurde und ist dann einfach ein bißchen gnädig zu mir.



    Viele Grüße und Freude mit deinen Messern


    Roman

    hallo Martin (ich schreib mal hier die Antwort hin anstatt Martin eine PN zu schicken, es können ja alle mitlesen),


    deinen Ausführungen zu widersprechen wäre pure Anmaßung, sind sie doch alle richtig.



    Ich würde jetzt gern mein Tun als wenigstens halbrichtig hinstellen, aber damit würde ich der Metallurgie entgegentreten die sich ja bekanntlich nicht irrt, genausowenig wie die Physik.


    Aber auch dort gibt es Nischen, wenn auch ganz kleine, wo die Gesetzmäßigkeiten zwar nicht umgangen, aber vielleicht ein bißchen milder gestimmt werden können.


    Unser Stahl von dem wir sprechen ist ein richtiger Brocken, mit seinen Legierungen ist er zwar im nicht weichgeglühten Zustand nur schwer zu bearbeiten, aber weichgeglüht kann man ihm gut zu Leibe rücken.


    Die großen Karbide die er hat kann man bekannterweise durch keine Wärmebehandlung irgendwie kleiner machen, sie sind einfach drin, da hilft auch kein Tiefkühlen. Allerdings ist durch das Tiefkühlen der Restaustenit zu vermindern und eine noch höhere Härte zu erreichen, so habe ich es wenigstens dunkel in Erinnerung.


    Was das Härten an der Luft betrifft, auch wieder richtig, aufgrund der massiven Legierung in unserem Stahl härtet er vermutlich schon wenn man ihn anhustet.


    Dann muß ich leider noch Abbitte tun, meine Ausführungen waren dahingehend nicht erschöpfend was die Härtetemperatur betraf.


    Die Härtetemperatur muß ich anhand der Glühfarbe mit einem Rest Tageslicht beurteilen, es war vermutlich mehr Richtung 1000 Grad als ein bisschen über 900 Grad, die Haltezeit kann ich beim besten Willen nicht sagen, vielleicht ein paar Minuten wenn überhaupt.


    Übermäßig Restaustenit schließe ich einfach mal aus, die Härte würde ich als befriedigend bezeichnen.


    Ich weiß, das ist alles irgendwie nicht wissentschaftlich, aber es ist mir doch wenigstens gelungen die Klingen ausreichend zu härten ohne sie zu verzundern oder zu verbrennen. Daß sie am Rücken weicher sind als an der Schneide ist eigentlich nicht möglich, vielleicht hat sich Robert getäuscht.


    Was das Härten im Schmiedefeuer betrifft, vielleicht habe ich den Zustand getroffen daß die Klingen leicht, aber schnell zu sehr erwärmt worden sind, so können Klingen bessere Leistung zeigen als bei einer geregelten Thermoanlage (das ist schon gar nicht von mir, hab ich abgekäst).



    Viele Grüße


    Roman



    PS: Mit dem Lehm hast Du auch Recht, den habe ich wegen der Entkohlung darauf belassen. So, das wars aber Martin, wenn ich noch was zu dem Härten schreiben muss, ich glaube dann muss ich wirklich etwas zurecht stottern, wobei ich mich hiermit schon schwer getan habe. Ich wollte eigentlich nur Robert die Klingen härten.

    was man nicht alles macht wenn einem ein Messer nicht gefällt, aber es sieht gut aus.
    Abgesehen davon, wenn es dir so besser gefällt ist es eigentlich egal was ich darüber schreibe. Trotzdem, es sieht so irgendwie "stichiger und geradliniger" aus. Die Arbeit war bestimmt, wie Du geschrieben hast, kein Zuckerlecken, nehmen doch gerade kleine Klingen schnell Wärme an. Wenn Du mal etwas größeres umschleifen musst kannst Du gern vorbeikommen, ich habe einen alten ehrwürdigen 60 cm durchmessenden motorbetriebenen Nassschleifstein (über Treibriemen aus Leder und einem Antriebsrad aus Eichenholz), da kannst Du dann schleifen ohne dass es heiß wird.


    Viele Grüße
    Roman

    hallo Martin,
    die Physik mit einem Schmiedefeuer und zwei Trögen mit Wasser und Öl zu überlisten ist mir nicht möglich. Wenn das selektive Härten bei diesem Stahl das gewünschte Resultat brachte bin ich zwar anscheinend erfolgreich gewesen, aber wichtiger für mich ist daß Robert damit zufrieden ist. Ein Meister der Härtekunst bin ich auch nicht, sonst hätte ich längst diesen Nelkenhamon zustande gebracht.
    Ich würde dir jetzt gern so eine richtige Anleitung für das selektive Härten von 1.2379 geben, mit Zitaten von berühmten Leuten drin und jeder Menge Fremdwörter, aber ich glaube ich kann das nicht. Erstens kann ich keine Zitate einfügen, zweitens steht bei den berühmten Leuten immer das drin was ich mit dem Stahl nicht gemacht habe und wenn jemand diese ganzen Fremdworte liest wird er ohnehin müde.
    Ich mache es ganz kurz, ich habe die Klingen mit Lehm dünn eingestrichen und im Holzkohlefeuer langsam Wärme ziehen lassen, als ich dachte sie sind gleichmässig warm, wurden sie mittels Gebläseluft auf gut 800 grad gebracht, dann habe ich die Luft abgestellt und sie ein paar Stunden im Feuer belassen.
    Als sie an der Luft abgekühlt waren wurde der Lehmmantel an der Schneide entfernt un im hinteren Bereich der Klinge belassen und dieser Teil mit einem dickeren Lehmauftrag versehen. Im Anschluß habe ich den Lehm mit der Heißluftpistole angetrocknet.
    Die Klingen wurden in ein Holzkohlefeuer (cirka 5 kg Holzkohle) mit dem Rücken nach unten eingehalten bis sie gleichmäßig Wärme gezogen hatten, ich schätze von den Glühfabe her waren sie bei gut 600 grad angelangt, vielleicht ein wenig drüber. Mittels der Gebläseluft habe ich ziemlich schnell auf gut 900 Grad gebracht und dort gehalten bis meine Nerven nicht mehr mitspielten (ich habe auf keine Uhr gesehen, ich habe sie so lange dort gehalten bis ich glaubte ihre Farbe wird trotz gedrosselter Luft heller, und da es keine Klingen von mir waren habe ich nichts riskiert, die ersten Klingen von Robert waren nämlich leicht verzundert, das wollte ich auf keinen Fall mehr).
    Abgeschreckt wurden sie dann in gut 50 grad warmen Öl, das Anlassen habe ich auf der Feuerbegrenzung vom Schmiedefeuer im Lehmmantel besorgt. Ich glaube ich habe sie gut eine dreiviertel Stund dort belassen, solange die Spucke nicht an den Klingen kleben blieb war alles gut, nach dem Anlassen wurden sie in warmen abgestandenen Regenwasser abgekühlt.
    Getestet habe ich sie mit einer frischen Feile, der Klang an der Schneide gefiel mir gut nach dem Abschrecken und das die Feile nach dem Anlassen unmerklich griff gab mir auch Hoffnung. Ich hab sie dann mit der ganzen Klingenseite an einen Amboss aus Werkzeugstahl geschlagen und der Klang der Klingen gefiel mir.


    So, tut mir leid daß ich es gestern nicht schon geschrieben habe, war einfach zu müde nach dem Nachtdienst. Ich weiß daß ich dabei so ziemlich alles falsch gemacht habe was die Wärmebehandlung von 1.2379 vorsieht, aber anders bin ich zu keinen Ergebnissen gekommen. Es tut mir auch leid daß ich keine exakten Temperaturangaben machen kann, aber ich käme mir komisch vor mit irgendwelchen Temperaturfühlern in meinem Schmiedefeuer, das ist ja wie Fiebermessen an Plätzen wo die Sonne nicht hinscheint.
    Die Stahlkundigen und die die es werden wollen werden mir vermutlich auch bescheinigen daß das alles gar nicht so geht und mir dann mit den berühmten Zitatkästchen zu Leibe rücken.


    So, ich habe jetzt die ganzen Erkärungsversuche gelöscht, ist mir doch egal was die denken. Das ist der Vorteil wenn man älter wird, man macht sich nicht mehr viel aus Kritik.



    Viele Grüße
    Roman

    das Messer gefällt mir auch sehr gut.


    Es hat ein, mal abgesehen von der augenscheinlich perfekten handwerklichen Verarbeitung, sehr stimmiges Aussehen. Ich bin zwar kein so großer Freund von einseitigen Anschliffen, aber hierbei passt das auch, vor allem diese flach gehaltene Spitze finde ich gelungen. Die Griffgestaltung rundet die Sache ab, so hätte sich vermutlich Myamato Musashi sein Frühstücksmesser vorgestellt.


    Viele Grüße


    Roman

    die Messer sind einfach nur sehr gut geworden Robert, so sehen sie noch besser aus als im Rohzustand, obwohl ich dir ja schon gesagt habe daß sie auch blank schon super sind.



    Martin,


    ich habe das selektive Härten verbrochen, vermutlich habe ich damit gegen alle Regeln und Gesetzmäßigkeiten der Wärmebehandlung von 1.2379 verstoßen. Vermutlich werden mich dafür stählerne Dämonen in der Hölle mit Ketten aus lamellaren Karbiden geißeln.



    Viele Grüße


    Roman

    Du hast leider Pech, ich bin kein Stahlkundiger sondern ein Pragmatiker der übelsten Schattierung, deshalb wird meine Erklärung, wieso Messer aus Feilenstahl, etwas oberflächlich.


    Mit dem Feilenstahl ist es ganz einfach, man nimmt eine alte Feile, erwärmt sie und schmiedet dann ein Messer daraus. Im Anschluß glüht man sie und dann erwärmt man das mittlerweile gestaltangenommene Messer wieder im Feuer bis es die Härtetemperatur erreicht hat und steckt es in handwarmes Öl zum Abschrecken. Dort lässt man es solange drin bis es immer noch zischwarm ist (was ein Ausdruck, sagen wir einmal so, wenn man draufspuckt bleibt die Spucke nicht dran hängen), im Anschluß legt man es auf die Feuerbegrenzung des Schmiedefeuers und lässt es dort zwanzig Minuten liegen bis man es im Löschtrog oder an der Luft abkühlt.
    Voila, gegen alle Regeln der komplizierten Klingenherstellung verstoßen und trotzdem ein brauchbares Messer in der Hand. Natürlich geht das auch ohne Schmieden, man glüht die Feile über Nacht im Grill aus und rückt ihr dann mit dem Bandschleifer oder einer ihrer Artgenossen zu Leibe, die Wärmebhandlung ist dann fast die gleiche, aber das Resultat ist wieder ein brauchbares Messer.
    Ob man die Spuren des alten Feilenhiebs belässt oder ganz entfernt liegt an dem der das Messer macht, ganz wie man will.


    Jetzt stellt sich die Frage nach dem wieso, weshalb und warum. Mein Namensvetter hat sich die Mühe gemacht etliche Stähle in Leistungsdiagrammen dazustellen, ich muss wirklich sagen, obwohl es mir als Laie nicht zusteht, diese Diagramme sind genial. Sie zeigen eindeutig daß es sich bei dem im Diagramm dargestellten Feilenstahl um einen absolut potenten Spitzenstahl, was die Verwendung als Messerstahl betrifft, handelt.


    Aber abseits aller Bücher sehen wir uns einfach mal die Feilen an. Nicht diese Dinger aus dem Baumarkt, sondern alte verrostete große Feilen von früher. Es gibt sie in unterschiedlichen Größen, meist waren diese Monumente des Schweißes einfach größer als die schmalbrüstigen Feilen von heute. Das hatte vermutlich mehrere Ursachen. Einmal konnte der angehende Adept des metallbearbeitenden Berufs in geradezu meditativer Feilarbeit versunken das Erlernte aus der Berufsschule stundenlang geistig vertiefen oder einfach nur fluchend und mit den langsam an den Händen keimenden Blasen seine Feilarbeit beenden.


    Der zweite Aspekt ist der der uns interessiert, diese alten Feilen wurden nachdem sie irgendwann meditativ fluchbeladen stumpf geworden waren nicht weggeworfen, sondern zum Herrn Feilenhauer gebracht. Dieser glühte die Feilen in einem Ofen aus, dann wurde der alte Hieb entfernt, ein neuer Hieb eingeschlagen und die wieder scharf gewordene Feile gehärtet. So war ein Feilenleben lang, aus diesem Grund hatte sie eine entsprechende Größe, vermutlich war sie aber auch deshalb groß weil man damit anständig abtragen konnte, in einer Zeit wo die Flex noch nicht überall im Gebrauch war.
    So eine Behandlung wie das mehrfache Aufarbeiten bedingte allerdings einen Stahl der von guter Qualität war, und den hatten diese alten Feilen.


    Doch irgendwann kam auch eine Zeit in der die alten Feilen im wahrsten Sinn des Wortes ausgedient hatten, Maschinen übernahmen die Feilarbeit und die großen alten Werkstattfeilen wurden immer weniger gebraucht. Der Beruf des Feilenhauers verschwand und die Zeit der Wegwerffeilen hatte begonnen. Die alten Feilen wanderten in irgendeine Ecke, viele landeten beim Schrotthändler, aber es gab Gottseidank so viele von ihnen daß wir immer noch aus diesem alten Fundus schöpfen können (es gibt natürlich auch heute noch sehr gute Feilen, aber die alten kosten meist nichts).


    Lassen wir aber die alten Zeiten ruhen, Fakt ist und bleibt, Feilenstahl eignet sich hervorragend um daraus gute Messer zu machen. Ich wage noch einen kleinen kulinarischen Vergleich, in der heutigen Zeit sehnt sich oft der Gaumen des Feinschmeckers, der allzu häufig mit Wachtelhintern die mit Peitschen aus Zitronengras gegeißelt wurden malträtiert wird, ganz einfach nach einem Kotelett in Butterschmalz, gewürzt mit Salz und Pfeffer.


    Viele Grüße
    Roman


    PS: Vielleicht muß man es auch metaphysisch sehen, in vielen alten Feilen ist in Wirklichkeit ein gutes Messer verborgen, man muß es nur aus dem stählernen Korsett des Feilenleibes befreien, bevor irgendwelche gefühllose Zeitgenossen sie einschmelzen um daraus irgendwelche Dosen zu machen. Diesem Verlust entgegen zu wirken soll unsere Aufgabe sein.

    jetzt wollen wir uns bitte nicht ereifern nur weil Alex das geschrieben hat was mir schon beim Schmieden aufgefallen ist. Seitwärts betrachtet ist wirklich schlank gehalten, aber der Übergang von der Klinge an den Griff hat gut 7 mm, so konnte ich das glaube ich gut verantworten.


    Ich habe die Maße nicht mehr genau im Kopf, ich habe nur einmal gemessen, ich glaube es ist gut 40 mm breit und fast 300 lang, es wird wohl gut ein Pfund wiegen und liegt sehr satt und zuverlässig in der Hand (das war auch eigentlich mein Ziel, bis es der Hand gefällt und nicht meinem oder einem fremden Auge).


    Es war auch in keinem Fall Ziel der Übung irgendein Ausstellungsstück oder sonst etwas schön sauber gefinishtes Messer zu machen, es ging rein darum ein Messer zu machen das auch beim Einklopfen von Nägeln nicht schlapp macht. Was noch, der Erl ist bis auf das Aufdornen der Löcher für die Schrauben aus vollem Material um ein Gegengewicht für die Klinge zu bekommen, der Griff ist altes gebeiztes und geöltes Eichenholz.
    Soviel wollte ich auch gar nicht schreiben, ansonsten bin ich froh daß es gefällt.


    Viele Grüße
    Roman

    eigentlich ist es kein Grund zur großen Verwunderung.
    1095, ich traue mich einmal ihn als Verwandten von 1.1545 zu betiteln, wenigstens stiefbrudermäßig. Er hat nicht die gleiche Güte wie 1.1545 ( C105), zumindest habe ich das so gelesen bei einem der Stahlgelehrten, aber was Rost betrifft ist das egal, beide rosten brüderlich zusammen.


    Was als Fakt übrig bleibt, er ist nicht rostfrei oder korrosionsfest oder wie auch immer. Wenn man ihn mit einer Wicklung versieht, ob eingeölt oder nicht, wird er über kurz oder lang Flugrost ansetzen und still vor sich hinrosten. Unter einer solchen Wicklung hält sich die Feuchtigkeit sehr gut und kann in Gemütsruhe dem Stahl ihre Aufwartung machen.
    Wie kann man das verhindern? Was weiß ich was lange hält, bei den "normalen" Werkzeugstählen kann man diesbezüglich über keine Brücke gehen. Vielleicht ein sauberes Vorpolieren mit Wachs und einer Tuchscheibe, das hält gewöhnlich eine Zeitlang, eine Schnellbrünierung, vielleicht mit Leinöl bestreichen und warten bis es fest ist, Klarlack, mit Senf einstreichen, mit Epoxyd versiegeln, oder oder oder....


    Er wird trotzdem irgendwann wieder rosten, wenn man nicht regelmässig nach ihm sieht. Also, Du wirst dich weiterhin an deinem Messer erfreuen (hoffe ich zumindest mal) und einfach öfter einölen oder sonstwas unternehmen wenn dir der Flugrost nicht gefällt. So schlimm setzt der den Messern auch nicht zu, in nassen Keltengräbern lagen auch keine Schwerter aus S30V und die haben 2000 Jahre durchgehalten, in dieser Zeit hätte auch ein PM-Stahl seine Flügel gestreckt.


    Viele Grüße und weiterhin Freude mit dem Messer
    Roman

    zum Segeln würde ich eins dieser klappbaren Seglermesser mit Marlspiecker benutzen. Ich habe vom Segeln so viel Ahnung wie von interstellarer Raumfahrt, aber irgendwie sehen die Dinger kultig aus.
    Was ich allerdings von diesen Messern weiß ist daß sie sehr gut wieder zu schärfen sind. Wenn man mit einem Messer Tauwerk oder Seile schneidet ist man froh wenn es wieder schnell in Form kommt, das sind nämlich die Materialien die einer Schneide erfahrungsgemäß bei normalem Gebrauch am meisten zusetzen.
    Diese Messer kosten bis cirka 50 Euro, dann hat man schon ein Werkzeug das einen zuverlässigen Eindruck macht, auch nicht zu vergessen daß sie fast alle einen bösartig massiven Marlspiecker und fast alle einen Schäkelöffner haben.


    So, dann hättest Du noch rund 150 Euro übrig für das andere Messer. Du wirst vermutlich so viele Ratschläge bekommen daß es gar nicht darauf ankommt daß ich dir zu diesem oder jenen Messer rate. Außerdem habe ich keinerlei Erfahrung mit Bären in den Kalkalpen, wenn ich dir dann zu diesem oder jenen Messer raten würde endet es vermutlich mit einem Lachkrampf deinerseits oder Du stehst schwer lädiert mit einem windigen Anwalt vor meiner Tür und verlangst in irgendeiner Form Wiedergutmachung.


    Fjällniven macht eigentlich Sachen die Hand und Fuß haben, vielleicht sollte man beim Schärfen den Winkel flacher halten, dann wird die Schneide erfahrungsgemäß bissiger, so würde ich den Schliff angehen, aber das ist eine ganz subjektive Kiste.


    Viele Grüße
    Roman

    danke für deine Frage. Es hat mich eigentlich nur am Rande interessiert, das Messer an sich liegt mir nicht richtig (ist aber Gottseidank Geschmackssache), aber dadurch habe ich ein bisschen recherchiert und bin natürlich auf der Seite von diesem Dünnbrettbohrer gelandet der die Messer alle kaputt macht.
    Es gelang diesem schwabbeligen Männlein mit dieser Dämlackmaske wirklich Steine mit dem Messer zu trennen, das sagt zwar gar nichts aus, aber die Spitze überstand es einigermaßen (ich glaube dabei hat er den Griff beschädigt, konnte aber nicht alles schauen, mehr als zappen in diesen Beiträgen halte ich nicht aus).
    Ich gehe einfach mal so per Ferndiagnose davon aus daß es ein Buck ist (ich habe übrigens das 110 und das General, bis heute habe ich nie bereut sie gekauft zu haben, das Buckmaster steht auch noch irgendwann an, genau wie das Kalinga).


    Über den Stahl kann ich gar nichts sagen, 420 heißt soviel wie ungefähr 0,5 % Kohlenstoff und cirka 12% Chrom. Das ist zwar im Vergleich zu den hyperlegierten Stählen von heute im Prinzip das gleiche wie ein Doppeldecker aus dem 1. WK und so ein Kampfjet von heute (eigentlich wollte ich Nighthawk schreiben, aber hier ist was Stahl betrifft nicht Nomen est Omen). Aber wofür braucht man einen Kampfjet? Der 420 ist zwar im übertragenen Sinn der Doppeldecker, aber im Gegensatz zu dem Jet kann man den mit dem Ratschenkasten und ner Tube Klebstoff flicken, für den Kampfjet braucht man eine Werkstatt wo sich die schlauen Ingenieure gegenseitig auf die Füße treten und verzweifelt nach dem Fehler suchen.
    Auf jeden Fall wird er gutmütig seinen Dienst tun, ich denke auch vor allem verlässlich.


    Viel Spaß mit dem Messer wenn Du es ergatterst
    Roman