ja, Micha, Asche über mein Haupt, ich habe es erst jetzt gelesen, aber die letzten Wochen waren, wie Du weißt, ein bißchen bedrückend. Und dein Bericht über dieses Messer war ein einsamer Sonnenstrahl an diesem Morgen, der nur dadurch glänzt wenn das Licht sich auf den Regenpfützen spiegelt.
Dein Bericht war, ich sage das einmal so, konsequent, gerade in Anbetracht darauf, dass es sich eigentlich um ein schnörkelloses Messer handelt. Über das verwendete Material verschwende ich kein Wort, Leder, Micarta und Stahl, daraus macht man eben Messer, und alle Materialien (auch der erprobte österreirische Stahl) sind bewährt.
Das Messer erinnert mich an Loveless, aber offen gesagt erinnern mich viele Messer an Loveless, das ist fast ein Wortspiel. Ich wage mich mal weit aus dem Fenster heraus, kein anderer hat den Messern der Neuzeit so seinen Stempel aufgedrückt wie Herr Loveless. Wenn das Wort konsequent schon einmal gefallen ist, ich verwende es auch bei Loveless, Konsequenz hat sein Tun bestimmt. Erst selbst geschmiedet (verdammt, wo sind diese Messer geblieben, vermutlich in irgendwelchen Tresoren!?), dann kam das Schleifen an die Reihe. Wenn ein Mann von Messern leben muss, oder will, dann geht nichts mehr an der Schleifmaschine vorbei, man will ja nicht in einer Hütte mit einem Bohneneintopf tagaus und tagein leben, wie einst der gute Herr Henry D. Thoreau........
sorry, es geht mir wie einst Hadschi Halef Omar, als er Kara ben Nemsi einen Brief geschrieben hat, und dafür mehrere Monate brauchte weil in der Wüste gerade keine Tinte aufzutreiben war, aber ich sitze gemütlich in der Küche und habe die Tasse Kaffee erneuert und die Pfeife wieder angezündet....
Ich schweife ab, liegt wohl am Alter, also, "ad astra per aspera", Bob Loveless. Schnörkellose Messer, eigentlich auf den ersten Blick nichts außergewöhnliches, aber im Gebrauch zeigt sich das Außergewöhnliche. So geht es mir auch bei diesem Messer, was Du so schön in Szene gesetzt hast.
Das vorgestelle Messer hat keine "Zacken", keinen aufwendigen Anschliff (den man nur noch in einer Fachschleiferei für chirurgische Instrumente nachschleifen lassen kann), es ist eben ein Rundumpaket an der brauchbaren Vereinigung der verwendeten Materialien, das Endresultat eines konsequenten (ich kann mich heute Morgen anscheinend von dem Wort nicht trennen) Umsetzens.
Und, obwohl es mich sehr an Messer amerikanischer Fertigung aus lang vegangenen Jahrzehnten erinnert, es ist, wie ich lese, schon ausverkauft. Und das in einer Zeit, wo man anscheinend nur noch Messer akzeptiert, deren Vorbild anscheinend "Landschiffpanzer" waren.
Also, ungeachtet deines Reviews, das Messer findet augenscheinlich eine breite Akzeptanz, was wieder für die Schlichtheit spricht. Ich will es jetzt nicht in die "Retro-Ecke" stellen, die ja anscheinend momentan sehr in ist, solche Messer wie das -Cub- werden immer ihre Anwender finden, gerade weil sie das gut können was Messer eigentlich sollen, schneiden und stechen, ohne irgendwelches Beiwerk.
Die Lederscheide, ich wollte ja nichts dazu schreiben, aber sie erinnert mich an ein Bild aus der Werkstatt von Loveless, dort hingen eine Unzahl von Schablonen für den Lederzuschnitt, schön geordnet und beschriftet, eine Homage an die Perfektion des "kleinen Mannes" (wobei es ist ein Witz ist dass ich von einem kleinen Mann spreche, bin selbst alles außer ein Riese und reiche Viga nur bis zum Rippenbogen).
Also, um den Morgen nicht unnötig voll zu texten, ich bin kein großer Freund von Nachbauten von Loveless, nicht weil ich die Messer nicht mag, es sind nur soviele geworden. Das Messer spielt zwar für mich in dieser Liga, aber, jetzt versuche ich die Kurve zu kriegen um mir nicht Michas Zorn zuzuziehen, so wie ich die Bilder sehe ist es gelungen nicht nur in Richtung gebrauchsfähiges Messer erfolgreich umgesetzt zu haben, ich sehe vor allem auch ein Teil darin, dass die Umsetzung so perfekt in der Endbearbeitung gelungen ist, das es "finsihtechnisch" sich nicht hinter einem Loveless verstecken muss. Und, ich muss zugeben, für einen mehr als annehmbaren Preis, ich komme wieder auf die Lederscheide zurück, die macht die Sache mit ihrer Verarbeitung dann vollends rund.
Nochwas, bevor mich jemand in die "Loveless-hater-Ecke" stellen will, ich leiste mir Gefühle, auch schlechte. Jedesmal wenn ich so ein perfektes Messer sehe werde ich neidisch, nicht nur bei Loveless, auch bei den von ihm insperierten Messern. Aber das beschleicht mich auch bei anderen Messern, ich gebs zu, ich mag Holger, Andreas und Markus auch nicht, hehe.
Micha, es war mir eine Freude das alles zu lesen und auch die Bilder zu betrachten.
Viele Grüße und einen nicht so regenreichen Sonntag
Roman