viel hilft viel, das könnte man fast als Überschrift für die einzelnen, immer wieder in Mode kommenden, Stähle nehmen. Der hier besprochene Stahl ist ein Schnelldrehstahl, Schnelldrehstähle als Messerklingen zu benutzen ist nichts neues, macht sich aber immer wieder gut.
Wenn man einen Stahl wie den C125W zur Messerklinge formt, dann hat man schon ein ordentliches "Schneideisen" in der Hand, legiert man einen derartigen Stahl derart wie den CPM M4, dann hat man auch ein ordentliches "Schneideisen" in der Hand. Gut, so einfach kann man es nicht stehen lassen, aber es bleibt ein Fakt.
Eine Klinge wird durch "sattes" Zusetzen von Legierungen nicht zum Supermesser, es ist halt aus aufwendiger hergestellten Stahl gemacht. Aber wir sind ja bei den Schnelldrehstählen gelandet. Die Herren Taylor und White, Pioniere in Sachen schnell drehender Stähle, haben bei der Firma Bethelem Steel Stahlgeschichte geschrieben. Erstmal war es möglich, dank hochlegierter Stähle und ausgefeilten Wärmebehandlungen endlich einmal auf einer Drehbank Höchstbelastungen zu realisieren, ohne dass die Schneideisen "wegtropften".
Es ist auch noch gar nicht so lange her mit den Drehstählen, sie wurden Mitte des 19. Jahrhunderts erfunden und die besagten Drehbankvorführungen konnte man damals auf der Weltausstellung in Paris, wir schreiben das Jahr 1900, bewundern.
Für Ingeieure war das fast interessanter als die elektrische Glühbirne.
Kommen wir auf den CPM M4 zurück, selbst wenn dieser Stahl nur z. B. 0,8 Prozent Vanadium mit auf den Weg bekäme, ist er immer noch ein "satter Brocken" was Legierungszusatz betrifft, mit der Menge an Wolfram und Vanadium ist er den Anforderungen, die sich bei großer Geschwindigkeit und der dadruch entstehenden Hitze, bestens gewachsen.
Jetzt könnte man natürlich den Vernünftigen spielen und herablassend Äußerungen darüber machen, ob ein solcher Stahl überhaupt für eine Messerklinge nötig ist. Auf der einen Seite sagt man, vielleicht zu schnell, ja, auf der anderen Seite kann man aber auch sagen, wieso nicht?
Durch seine ausgeklügelte Verteilung der Legierungen und seine Herstellung kann man daraus selbstredend eine Messerklinge machen, ob sie dann wirklich in dem Sinne besser ist als eine Klinge aus 1.2550 wird sich zeigen. Marginale Unterschiede wird man vielleicht feststellen, wobei ich dafür auch keine Hand ins Feuer legen möchte.
Aber wie gesagt, Gefallen macht schön. Ich warte immer noch auf Klingen aus den pulvermetallurgisch erzeugten ASP-Stählen von Erasteel, aber vielleicht ist das dann doch zuviel des Guten.
Viele Grüße und Freude mit deinem Messer
Roman
ps: wenn wir schon stahlgeschichtlich unterwegs waren, die nur im Flüsterton besprochenen Ausscheidungshärter, heute -Maraging-Stähle- genannt, wurden schon von Herrn Rapatz in seinem Buch "Die Edelstähle" besprochen, in der Ausgabe von 1942.