so wie ich das lese hast Du ja schon Lehrgeld in Form von investierter Arbeitszeit bezahlt. Ich kann Dir leider keine fundierten Tips geben, ich bin was Bogenbau betrifft ein totaler Theoretiker. Ich habe zwar einige Bücher über dieses Thema gelesen weil es mich immer schon fasziniert hat, werde aber nie einen Bogen bauen oder einen Pfeil abschießen, der ausführende Teil des Bogenschießens, was uns Menschen ja schon seit Jahrtausenden begleitet, hat mich nie interessiert.
An deiner Stelle würde ich mich an Stefans Vorschlag halten, auf jeden Fall einen Könner seines Fachs aufsuchen und dort ein paar Tage verbringen (dort scheint es mir allerdings auch einige Beutelschneider und Seifenblasenkonstrukteure zu geben, getreu nach dem Motto: Gestern noch Specksteinschnitzer, heute Bogenbauer).
Der Bogenbau, oder noch viel besser, die Bogenbaukunst ist, so wie ich das verstanden habe ein ganz komplexes Fachgebiet. Ich gebe ehrlich zu, wenn ich mich nicht dem Schmieden zugewandt hätte wäre das etwas was mich als Handwerk gefesselt hätte. Als ich vor Jahren die Bücher über die Bogenbaukunst gelesen habe wurden mir Zusammenhänge was Holzbearbeitung betrifft erst richtig klar. Der Bogenbau beginnt im richtigen Aussuchen des Baumes, dem Fällen und dem Aufreißen des Stammes. Man muß in der Lage sein den gerissenen Stamm zu beurteilen, zu sehen wie die Jahresringe wo und wie dicht liegen. Das Trocknen an sich ist ja fast ein Handwerk für sich, geschweige denn daß man ein wahrer Alchemist sein muß um entsprechende Lacke noch selbst anzurühren um die Stirnflächen des Holzes vor zu schnellem Austrocknen zu schützen. Das Ausarbeiten eines Rohlings erfordert das Können eines Zimmermanns, das Zurichten eines Bogens das eines Schreiners. Zwischendurch ist es sehr vorteilhaft wenn man Physiker ist, um sich im Klaren zu sein wie das Aufbauen der Kraft in den Wurfarmen vonstatten geht und auch in die Tat umgesetzt wird. Das Herstellen einer Sehne war früher eine Kunst die im Geheimen blühte, in den Niederlanden gab es anscheinend die besten Bogensehenhersteller, aus Gründen der Wahrung ihres Berufsgeheimnisses waren nach historischen Quellen die Fensteröffnungen der Werkstatt zugemauert, was vermutich bei der damaligen Beleuchtung eine Zumutung war und nach Lehrlingen verlangte die die Augen einer Eule hatten (solche seltsamen körperlichen Voraussetzungen gibt es übrigens auch in anderen Berufen, die japanischen Handwerker die die Scheiden für die Blankwaffen machen sagen immer, daß ein Scheidenbauer gute Zähne haben muß. Das begründet sich allerdings darin daß nach dem Leimen die Holzteile der Scheide zusammengebunden werden und der Handwerker dazu einen Teil des Fadens mit den Zähnen festhält).
Offen gesagt wundert es mich gar nicht daß der Bogenbauer nicht nur in früherer Zeit ein sehr angesehener Mann war. Ich bin auch der festen Überzeugung daß die Kunst des Bogenbauens eine der anspruchsvollsten Handwerkskünste ist die es noch gibt. Ich schließe mit den Worten von Dean Torges, "Weil wir beim Bogenbauen andauernd Entscheidungen treffen müssen, die nicht von Anfang an absehbar und planbar sind, handelt es sich dabei eben um mehr um eine Kunst als um eine Wissenschaft. Sonst könnte ja jeder, der Mikrometer, ein Vergrößerungsglas, ein Hygrometer und ein paar mathematische Formeln beherrscht, perfekte Selfbögen am Fließband herstellen."
Viele Grüße und Erfolg bei diesem wunderbaren Tun
Roman
PS: Am meisten verwundert mich beim Bogenbauen daß der Bogenbauer überhaupt zeitmäßig dazu kommt einmal einen Pfeil abzuschießen.