tja, was Martin schreibt kann man schlecht von der Hand weisen und so tun als wäre eitel Sonnenschein.
Das ist Federstahl, der kann schon mal Mucken machen, gerade wenn es lang und dünn wird. Eins wird er aber, ausreichend hart, das ist zumindest schon mal etwas. Das ist allerdings das Wenigste, das Problem bleibt die Form die er angenommen hat nach der Abschreckerei.
Ich lasse jetzt einmal die ganzen möglichen speziellen Wärmebehandlungen beiseite, erstens habe ich mich damit nie befaßt und zweitens müßte ich das alles noch abschreiben, was ich Euch und vor allem mir ersparen möchte.
Martin hat das Wort schon geschrieben, selektiv, damit kann man eventuellen Verzug bei diesem Stahl auch vermeiden, bzw. in Grenzen halten. Wenn man eine fertig bearbeitete Klinge aus diesem Stahl zweimal derart glüht daß sie schwach rot zeigt (im Dunkeln), und sie jeweils an der Luft erkalten läßt, ist die Sache zu bewerkstelligen. Der Rücken wird mit Lehm eingestrichen und dieser dann getrocknet. Die Klinge wird vor dem eigentlichen Erwärmen auf die Härtetemperatur zuerst einmal vorgewärmt, dann im Feuer auf Härtetemperatur gebracht. Das Abschrecken an der unteren Grenze der Härtetemperatur kann man in 20 Grad warmen Salzwasser besorgen, das Anlassen auf einer heißen Platte, oder auf einem vorgewärmten H-Trägerchen im offenen Feuer. Wenn die Anlassfarbe von bronze nach schwach violett "kippt", würde ich sie abkühlen, fertig. Sollte sich wirklich Verzug eingestellt haben, dann kann man ihn aufgrund des "weichen" Rückens beseitigen.
So geht es zumindest bei mir über die Bühne, nach dem Abschrecken greift die Prüffeile nicht mehr, dann ist für eine Schneide eigentlich eine brauchbare Härte erreicht, nach dem Anlassen selbstverfreilich.
Es gibt noch einen Anhaltswert bei diesen Stählen, 1 % Silizium läßt die Umwandlungstemperaturen um jeweils cirka 20 Grad steigen, daran kann man sich auch grob orientieren. Ansonst gilt, obwohl ich mich wiederhole, das was Martin schreibt, keine Experimente. Alles was ich da oben geschrieben habe funktioniert, aber es funktioniert bei mir, und das heißt keinesfalls daß das jederzeit und überall von jedermann reproduzierbar ist. Das hängt mitnichten damit zusammen daß ich ein begnadeter Handwerker bin, sondern einfach an der Gewohnheit. Ich verschmiede oft Federstähle, mal zu diesem oder zu jenem, das ist alles.
Viele Grüße
Roman