mit großem Interesse habe ich deine Facharbeit gelesen. Du hast logisch argumentiert, durch die Aussagen eines Generals Authentizität in die Arbeit gebracht und bist zu einem deiner Ausführungen entsprechenden Gesamturteil gekommen.
Ich vertrete allerdings bezüglich dieser ganzen Problematik eine total andere Meinung. Persönlich finde ich es weitaus realitätsbezogener, daß kein humanitärer. sondern ein handfester finanzieller Grund hinter diesem ganzen Tun zu finden ist. Vorausschicken muß ich allerdings noch, falls es in einer derart gelagerten Lage innerhalb einer Generation zu diesen schönen Zuständen kommen kann, wieso hat das denn sonst nirgendwo funktioniert. Etliche afrikanische Länder, nur als Beispiel zu nennen, haben trotz massiver Hilfe bis heute keinen Standard erreicht, der sich im Wesentlichen vor dem vor 50 Jahren unterscheidet, im Prinzip hat sich in der kompletten dritten Welt für die einfache Bevölkerung gar nichts geändert.
Vielmehr ist der Grund für das Einschreiten in diesem Land darin zu suchen, daß global abschöpfende Konzerne dort ihre Interessen durchsetzen wollen. Als Beispiel ist nur der Plan der Turkmenistan-Afghanistan-Pakistan-Indien Pipeline (TAPI) zu nennen oder eine neue Zugstrecke um kostengünstig Märkte im Osten zu erreichen. Das einzige Problem an diesem ganzen Tun ist leider Afghanistan. Die Russen haben versagt, die Amis wie üblich auch. Jetzt soll das Ganze unter dem Deckmantel der -humanitären Hilfe- mit vereinten Kräften (leider gehören wir da auch dazu) über die Bühne gezogen werden. Die TAPI ist keineswegs vom Tisch, das Ding steckt bereits mehr als in der Planungsphase. Diesen Herbst ließ der werte Herr Igor Setschi, seines Zeichens Russlands Vize-Preimierminister, verlautbaren, daß man bezüglich dieser Pipeline schon konkrete Vorstellungen hat. Übrigens hat Herr Erich Follath dazu einen sehr guten Artikel im Spiegel, unter der Überschrift "Großes Spiel, Teil 2" veröffentlicht.
Mit diesen schönen Plänen werden dann endlich die Ansprüche der Großkonzerne in greifbare Nähe gerückt, die Pipeline schaufelt Geld in die Taschen der Russen und der Amerikaner, der geplante Ausbau der Zugverbindungen ermöglicht den kostengünstigen Abtransport von Bodenschätzen. Und natürlich alles zum Wohle der Afghanen, wer das glaubt ist mit dem Klammersack gepudert. Gegipfelt hat dieses Lügenschloß darin, daß uns verkauft wird, dort würde kein Krieg herrschen. Teufel nochmal, wenn irgendwo meine Soldaten zusammengeschossen werden von anderen Bewaffneten, dann ist das für mich Krieg, und keine Wortklauberei. Aber diese Regierung, die über solchen Mumpitz diskutiert, ist die gleiche, die ihre höchste Vertreterin sagen läßt, ich zitiere: ".............die Deutschen haben in den letzten Jahrzehnten über ihre Verhältnisse gelebt." Das ist keine Frechheit, das ist schon unter der Gürtellinie, wenn wir Verschwender nicht über unsere Verhältnisse gelebt hätten, dann könnte diese Bundeskanzlerein ihre Phrasen noch irgendwo im Osten dreschen, abgesehen davon daß unsere Volksvertreter dafür sorgen, daß wir unser Geld unter die ganzen Bankroteure streuen dürfen. Aber zurück zum Thema.
Afghanistan, ist wie in deiner Facharbeit richtig angeführt, überhaupt das Exportland für illegale Drogen. Dieses lukrative Multimilliarden Dollar Geschäft floriert wie der Teufel, man ist sozusagen vom heimischen Herd aus ein Globalplayer, und braucht nicht einmal die Pluderhose gegen eine Bundfaltenhose auszutauschen. Wenn einer glaubt, diese Leute würden tatenlos zusehen, wie wir den Fortschritt in dieses Land bringen, und damit die Geschäfte dieser Verbrecher stören könnten, der täuscht leider. Diese Verbrecher haben keinerlei erkennbare Skrupel, sie werden sich mit allem wehren was ihnen zur Verfügung steht, das haben sie ja schon mehrmals gezeigt. Veränderungen jedweder Art bedeuten für diese Leute nur, es geht nicht mehr so weiter wie bisher, oder es könnte nicht mehr so weitergehen. Egal zu welchem Ergebnis man kommt, sie werden darin zumindest eine Gewinnschmälerung sehen, und um das zu verhindern wird zu jedem Mittel gegriffen.
Meiner Meinung nach rettet ein sofortiger Abzug unserer Soldaten vor allem einmal das Leben unserer Soldaten. Dieses Land wird nie in eine Staatsform wechseln, die auch nur annähernd mit westlichen Staatsformen zu vergleichen ist (wobei das auch mit Abstrichen zu bewerten ist), weder heute noch in fünf Generationen. Dort herrscht im Prinzip Krieg seit ein paar Jahrhunderten, was zeichnet uns denn aus, daß wir glauben diese Zustände ändern zu können? Wir haben es nicht im Nahen Osten geschafft, wir haben es nicht in vielen Ländern Afrikas geschafft, genauso wenig wie in mittel- und südamerikanischen Ländern, und auch im fernen Asien gibt es immer noch genug Länder, in denen eine Misere der anderen folgt.
Ich glaube, ich werde zum Abschluß auf ein Zitat von Herrn Peter Scholl-Latour hinweisen, er sagte einmal in einem Interview: "Wir werden uns daran gewöhnen müssen, daß der Unruhezustand im Nahen Osten der Normalzustand ist." Nun gut, es gilt zwar nicht für den Nahen Osten, aber ich denke, es ist ohne einen Spagat machen zu müssen, auf Afghanistan übertragbar. Wir werden dort auf Dauer nichts ändern, so traurig das auch ist. Die Hilfe, die wir geleistet haben oder noch leisten werden, erkaufen wir mit dem Leben unserer Soldaten, das ist für mich kein tragbarer Zustand.
Viele Grüße
Roman