ich sags mal ganz salopp, ob die Klinge aus einem Stahl gemacht worden ist, der pulvermetallurgisch erzeugt worden ist oder aus einer "herkömmlichen" Schmelze stammt ist trotz aller Unkenrufe eigentlich egal. Es wird immer darauf ankommen wofür ich eine Schneide bzw. eine Klinge gebrauche. Ein Tauchermesser muß korrosionsfest sein trotz Salzwasser und braucht keine Filetierarbeiten zu verrichten, ein Aufbruchmesser taugt nicht als Tranchierbesteck usw.
Sobald ich anfange Stähe zu Messerklingen zu verarbeiten, die Karbide ausbilden, dann ist das Feld eben riesengroß, vor allem wenn die Härterei nicht optimal verläuft. Dann müssen wir immer noch persönliche Vorlieben, unsere Neugier und vor allem die nicht endenwollende Suche nach dem Idealstahl mit ins Feld führen (Gottseidank, sonst wären wir ja einfach zu bedienen).
Es ist nun mal so, der Stahl der Messerklinge wird uns immer beschäftigen, es werden immer Standpunkte vertreten, die korrosionsbeständige PM-Stähle anführen und es wird immer eine Liga geben, die auf niedrig legierte Kaltarbeitsstähle schwört. Der eine wird die Klinge loben, die zwar eine gute Arbeitsschärfe hält bei wenig Nachschleifen, der andere wird immer den Stahl auswählen, den man mit dem nächsten Kiesel aus dem Bach wieder schärfen kann.
-geronimo- führt kreisrunde Ausbrüche und Probleme an mit Klingen, dazu sollte es eigentlich nicht kommen. Wenn ich natürlich z. B. 1.2842 so anlasse, daß er eine sehr harte feine Schneide bildet, dann kann ich von dem Stahl nicht mehr erwarten, daß er Knochenkonakt gänzlich ohne Blessuren übersteht, lasse ich ihn hoch an verschenke ich dieses Potential an möglicher feiner Schärfe.
Jetzt sind wir wieder da wo wir angefangen haben, Messerklingenstähle sind auf ihren Verwendungszweck hin auszuwählen, egal ob einem dieser oder jener Stahl gefällt. Was die Härte betrifft, das Härtepotential ist im Prinzip schon ausgeschöpft bei einem Federstahl wie C 60, härter bekommt man normal keine Klinge, die HRC-Werte sprechen dann für sich. Bei einem Anlassen mit cirka 280 Grad wird er einen brauchbaren Teil seiner Härte behalten bei sehr guter Zähigkeit, ein Knochen dürfte dann kein Problem darstellen. Leider ist es nichts mit Korrosionsbeständigkeit bei diesem Stahl, so können wir jetzt weitermachen bis zum "St.-Nimmerleinstag", wir werden nie einen gemeinsamen Nenner finden (auch wieder Gottseidank, sonst würde uns ja dieses treffliche Thema durch die Lappen gehen).
Wie soll man es wohl recht machen, einen zähen harten Stahl, der korrosionsfest ist, die Schärfe gut hält und sich bei Bedarf gut nachschäfen lässt, das wäre wohl die Lösung, günstig soll er auch sein. Mir fallen zu jedem Punkt ein paar gute Stähle ein, aber egal wie ich es drehe, einen der wirklich alles in Idealform beinhaltet, der fällt mir nicht ein.
Viele Grüße
Roman