Beiträge von juchten

    das Schleifen von Hand ist nach wie vor eine ziemlich übungsintensive Sache. Früher, aber auch heute noch, gehört es zu bestimmten handwerklichen Tätigkeiten, Schreiner, Zimmermänner um nur zwei zu nennen. Im Prinzip alle, die ein Werkzeug benutzen das eine scharfe Schneide oder Kante hat müssen, oder sollten das können. Ganz früher ist der werte Herr Scherenschleifer über die Dörfer gezogen um eben die Scheren, aber auch sonst alles was schneiden soll zu schärfen. Unlängst habe ich einen modernen Vertreter dieser alten Zunft gesehen, im Kofferraum waren zwei Schleifmaschinen befestigt und sonst alles was man zum schärfen braucht, und er war tätig bei der Sache um meinem Freund Ali die langen Messer zu schärfen um dieses aufeinandergestapelte Fleisch in Stücke zu schneiden.


    Aber zum Thema, ein Schleifen von Hand bedarf eigentlich keiner Hilfsmittel außer Wasser (Öl), Stein und die Klinge. Es ist weiter nicht nötig irgendwelche Hilfsmittel zum Winkelhalten einzusetzen, man schleift an und besieht sich das was man angerichtet hat und macht dann so weiter oder ändert den Winkel. Das ganze hat leider den berühmten Haken, es ist eine dieser verfluchten handwerklichen Tätigkeiten die aussehen als könnte jedes Kind sie im Handumdrehen erlernen, aber selbst ist man frustriert in wenigen Minuten. Eine Schneide die stumpf ist, sprich rund gearbeitet, beschädigt oder einfach keinen Biß mehr hat muss geschliffen werden. Ist man bei der Sache und will nur daß die Schneide weiter bissig ist reicht es unter Umständen mit einem kleinen Stein nachzuschärfen, bzw. den Grat zu halten oder einfach einen Wetzstahl zu benutzen. Das ist der kleinste Eingriff an einer Schneide, ist die Schneide so stumpf geworden daß ein kurzes Abziehen keinen Erfolg mehr bringt oder Beschädigungen zu erkennen sind muß neu eingeschliffen werden.
    Das was jetzt kommt hat ein sehr gutes solides Frustpotential, Steine die nicht greifen oder keine Leistung bringen, Hin- und Hergewackel von Klinge und Stein, und und und. Die sicherste Methode zu Werke zu gehen ist daß man zumindest ein Teil fest fixiert, Klinge oder Stein. Habe ich kleine Steine fixiere ich die Klinge, habe ich große Steine fixiere ich die Steine (außer sie sind so groß daß sie von allein liegen). Entweder ich bearbeite den Stein mit der Klinge oder ich bearbeite die Klinge mit dem Stein, ganz salopp gesagt.


    Wenn es um einen Grundschliff geht kann ein Stein nicht grob genug sein, selbst einige Sensenwetzsteine sind es nicht, ihre Oberfläche ist zu dicht um eine neue Schneide einzurichten. Der erste Schliff soll gewährleisten daß man eine Grundschärfe oder -schliff zur Verfügung hat die man weiter bearbeiten kann. Ist der Grundschliff bissig scharf ist im Prinzip über die Hälfte der Arbeit getan, jetzt geht es nur noch darum einem vorhandenen Schliff eine feinere Oberfläche zu verpassen. Das geschieht dann entweder mit feineren Steinen oder Schleifpapier. Sollten es Steine sein machen die belgischen Brocken eine gute Figur, ich will es nicht pauschalisieren, aber irgendwie hat man mit einem belgischen Brocken oft sehr schnell das gewünschte Ergebnis, vor allem "kann er gut" mit den meisten Stählen.
    Was man nicht vergessen sollte, schleife ich von Hand ist es das gleiche als feile ich von Hand, nachdem ich mich an den richtigen Winkel gewöhnt habe streiche ich den ersten Schliff immer in eine Richtung und fange nicht an zu "rühren", habe ich diesen ersten Schliff erfolgreich angebracht, dann schleife ich mit dem gleichen Stein in die andere Richtung. Jetzt stellt man fest, daß die anfangs rauhe Oberfläche, die ich beim ersten Schliff erzeugt habe fast gänzlich verschwindet. Benutze ich z. B. einen Sensenstein (billig und handlich) fixiere ich die Klinge. Das geschieht derart, daß die Klinge logischerweise mit der Schneide zu mir zeigt, dann beginnt man mit dem Schleifen, man wird sehr schnell selbst feststellen wie einfach das ist und vor allem in welche Richtung man am besten zuerst schleift.


    Meister Fujishiro im fernen Tokio könnte über das Schleifen, oder bei ihm treffender -Polieren-, von Hand viele Seiten schreiben und tagelang referieren. Es ist mitnichten so daß es einfach ist, bei ihm kommt natürlich noch dazu daß er ein fundiertes Wissen über japanische Klingen haben muss, aber das gehört nicht hierher. Er hat geschrieben, daß er 10 Tage benötigt um die Klinge eines Katanas mit Steinen zu polieren, dafür hat er eine Unmenge an Schleifsteinen, viele vermutlich teurer als ein Kleinwagen, bzw. für Geld gar nicht mehr zu erwerben, weil es sie nicht mehr gibt. 10 Tage, von morgens bis abends, das zeigt letztendlich das totale konsequente Tun. Wenn ich das umrechne, 10 Tage für eine Katanaklinge, dann müßte man eigentlich für ein Messer mit einer 10 Zoll-Klinge schon fast drei Tage berechnen, das wären zumindest 24 Stunden schleifen.
    Ich denke soweit muß man nicht gehen, wir schleifen ja unsere Messer und keine japanische Staatsschätze, aber ein bißchen Sorgfalt und Mühe, vor allem Geduld sollte man beim Schleifen von Hand schon mitbringen. Die Oberflächen der Steine müssen gerade sein, wenn nicht werden sie ebenfalls neu eingeschliffen, dann muss ein Wasserstein auch Wasser haben, und davon reichlich, außer es ist einer von den japanischen Steinen die mittels einer Schlämmschicht arbeiten, aber der braucht auch Wasser.
    Und vor allem, wenn es sich vermeiden lässt, rechtzeitig schleifen, das ist weitaus entspannter als eine komplett neue Schneide einschleifen zu müssen, das kommt noch früh genug. Und, fast vergessen, nicht nur der Besitz und das Benutzen einer Klinge sollen Freude machen, sondern auch die Pflege und Wartung, sonst käuft man sich besser ein Elektro- oder Teppichmesser. Es wird ja nicht verlangt in dieser schlimmen gebückten Haltung der japanischen Schleifer zu sitzen, die einen normal gewachsenen Mitteleuropäer innerhalb weniger Stunden dahin bringen würde, daß man ihn in dieser Stellung wegtransportieren müsste, genau wie einst die Bündelmumie des Ra-ho-tep, um durch einen geschickten Orthopäden wieder zurecht gebogen zu werden, in der Hoffnung daß es dabei nicht so irreperabel kracht wie einst bei Ra-ho-tep, den man zum außer Lande schmuggeln in handlichere "Portionen" brachte. Ganz abgesehen von diesem Hocker auf dem die japanischen Meister der Steine und Spieglepolitur zu sitzen pflegen, ich weiß ich bin dahingehend nicht fair, aber mir tun die Polierer leid, das letzte Mal daß ich einen Hocker in dieser Form zu Gesicht bekam war auf einem Tempelrelief, auf dem ein Kastrationshocker für assyrische Tempeldiener in Stein geschlagen war.


    Wie dem auch sei, von Hand schleifen macht Freude, man spannt Klinge oder Stein ein und schärft eine Klinge. Dabei geht alles um uns verloren, wir tun etwas was wir Menschen schon seit Anbeginn der Zeit taten, das gilt natürlich auch für die Freunde von technischen Einrichtungen beim Schärfen, das Tun bleibt ja dasselbe, wenn auch nicht das gleiche (obwohl, ich trage dabei auch keinen Einteiler aus ungegerbtem Fell, es ist eher eine etwas ruhigerer Arbeit mit brennender Pfeife, zudem ziehts dann nicht nicht so an exponierten Stellen).


    Viele Güße
    Roman
    PS: Und glaubt keinen Filmchen wo ausgewachsene Messer mit "Maniküresteinchen" geschliffen werden, das ist erstens gefährlich und zweitens ist man selbst man nicht dabei, um die Schärfe einmal zu prüfen; früher sagte man "Papier ist geduldig", heute muß man wohl sagen, "zweidimensionale Illuminationsgeräte sind geduldig"

    einen Plastikgriff mit Leder auffüttern ist ein gewagtes Unterfangen, was meist mit Frust endet, weil dieses Tun auf Dauer einfach nicht hält oder ein unschönes fertiges Produkt ergibt. Leder hat nun mal die Eigenschaft Handschweiß und die damit verbundenen Salze aufzunehmen, diese wandern ins Leder und kristallisieren dort, und meist da wo es kein Weiterkommen mehr gibt, und das ist leider die Klebestelle. Die Folge ist dann meist ein Ablösen des Leders von der Klebefuge.Bei einem guten Schuh ist das unerheblich, man verwendet dazu einen hochflexiblen Lederkleber und diese Schuhe sind im ganzen Aufbau aus Leder, er kann also "durchatmen" und es kommt zu keinem Stau von irgendwelchen Feuchtigkeiten oder den damit verbundenen Salzen.
    Ein Messergriff aus Lederscheiben ist eine ganz andere Liga, man benutzt dazu sinnigerweise lohgares Sohlenleder, weicht es vor dem Kleben nicht ein, sondern verklebt es um einen starren Aufbau zu erhalten mit einem sicheren Zweikomponentenkleber, und zwar mit ausreichend Klebstoff, da Leder die Eigenschaft hat porös zu sein und direkt einen Teil des Klebers aufzunehmen. Die Kontaktstellen müssen aufgerauht sein und nach dem Kleben gepresst werden, das ergibt dann einen ziemich festen Lederklotz, aus dem man dann den Griff schleifen kann, ein abschließendes Polieren mit verschiedenen heißen Wachsen und ein letztendliches Ölen versiegeln das Leder dann auf längere Zeit.
    Die Problematik der Lederverarbeitung ist bei einem nachträglichen Füttern auf einen bestehenden Griff auch darin zu erkennen, daß es eben kein künstliches Material ist und immer arbeitet. Es wäre unter Umständen denkbar den bestehenden Griff mit einer Raspel aufzurauhen, dann unter Zuhilfenahme eines Zweikomponentenklebers dünne Lederschichten in mehreren Lagen aufzubringen, um schließlich mittels schleifen einen passenden Griff für die eigene Hand zu formen. Dann hätte man bestenfalls ein Endresultat was vielleicht anfangs in die Hand passt, aber auf Dauer auch nicht besonders aussieht und den eigentlichen Griff hingerichtet hätte.
    Offen gesagt würde ich von dieser Leder-Plastikverbindung Abstand nehmen. Es wäre vielleicht sinnvoller sich festen Stoff in Farbe des Griffes zu besorgen, dann einen langsam aushärtenden Zeikomponentenkleber und schichtweise einen "Zusatz-Micarta-Eigenbau" ins Auge zu fassen. Fertig ausgehärtet kann man sich diesen Griff auf die eigene Hand formen und muss sich keine Gedanken mehr über sich lösende Lederschichten machen. Aber auch bei diesem Tun wird ein sorgfältiges präparieren des ursprünglichen Griffs mittels Schleifpapier oder Feile und ein noch sorgfältigeres Entfetten Grundvoraussetzung sein.
    Wenn es wirklich Leder sein soll, dann wird wenn es von Dauer sein soll nicht viel anderes übrig bleiben als den jetzigen Griff zu entfernen und einen Lederscheibengriff in Angriff zu nehmen.
    Viele Grüße
    Roman

    das mit dem Endura hört sich zwar alles gut an, aber es kommt letztendlich darauf an wofür Du ein solches Messer benötigst. Sobald man nur "Schnippseleien" machen muss reicht es allemal aus, wenn man es wirklich braucht um damit diverse Arbeiten zu erledigen ist es im Prinzip nur noch eingeschränkt benutzbar. Die verwendeten Stähle halten die Schneide nicht viel länger als herkömmliche Stähle und die Stabiltiät eines Enduras ist nicht mehr als ein Witz, die Bohrung für die Klingenachse ist viel zu nahe am Rand der Klingenwurzel, mir sind schon zwei Stück einfach abgebrochen. Offen gesagt wirkt es nicht nur "plastolin und billig", es ist es auch. Das einzig gute daran ist das es wirklich sehr gute Trageeigenschaften hat und gut in der Hand liegt, obwohl beim festen Griff die Griffschalen mir zu elastisch sind.
    Wie gesagt, je nachdem was Du vorhast mit dem Messer, das gezeigte Böker wäre mir offen gesagt lieber, weil vielseitiger.
    Viele Grüße
    Roman
    PS: Es ist im Prinzip ein Witz daß ich das schreibe, ich bin eigentlich ein Spyderco-Fan und habe genug davon, aber man muß alles aus der Sicht der Verwendbarkeit betrachten

    der Infi ist ein sehr guter Kompromiss nach allen Seiten, aber das -nonplusultra- werden wir weiter suchen müssen, egal was irgendwelche Testfilmchen proklamieren. Busse macht Spitzenmesser, selbst wenn sie C45-Blech verwenden würden wäre ihre in meinen Augen sehr schöne Linienführung nicht weg zu diskutieren, abgesehen davon daß sie einfach superb satt in der Hand liegen.
    Viele Grüße
    Roman
    PS: "wenige bis gar keine Karbide vermuten läßt", er hat ausreichend Karbide, allein der Chromanteil sorgt schon dafür, Ambosse wird auch ein Busse nicht zerschneiden, obwohl manche durchaus diesen Eindruck vermitteln

    Erik, da ist alles wo es hin gehört. Offen gesagt haben deine Messer nur einen Makel, zumindest was meine Sicht deiner Arbeit betrifft, das ist wirklich die Liga wo man sich nicht mehr traut es zu benutzen weil es so schön ist, obwohl ich restlos davon überzeugt bin daß es alle Arbeiten zu vollster Zufriedenheit erledigt.
    Viele Grüße
    Roman

    Ookami, das hättest Du besser früher geschrieben, so hätte ich in der Zeit wo ich was hierzu geschrieben habe am Bach fischen gehen können. Du hast mit wenigen Sätzen das gesagt, was ich eigentlich mit dem ganzen Geschreibsel da oben versucht habe zu sagen. Ich bin voll und ganz deiner Meinung, die Kunden bekommen immer das was sie wünschen und nicht das was sinnvoll ist, hier gilt auch der Grundsatz eines Wunschkonzerts "Sie wünschen, wir spielen".
    Viele Grüße
    Roman

    es ist Stahl, soweit so gut. Nur das Härten ist so eine Sache, es gibt eben Stähle die glänzen auf ganz anderem Gebiet, da stehen Verformbarkeit, gute Bearbeitungsmöglichkeiten etc. im Vordergrund. Der Stahl den Du da bekommen hast ist zu vielem zu gebrauchen, aber leider wirds klingentechnisch nur zu einem Brieföffner reichen, wie Du schon geunkt hast. Stahl braucht, gesetz dem Fall wir reden von niedrig legierten Stählen, zumindest mal gut 0,4 % Kohlenstoff um als Klinge brauchbar zu sein, 0,6 % wären schon sehr brauchbar (Katanas liegen bei 0,6 bis 0,7 %). Die 0,2 %, die Hendrik treffend anführt, sind durchaus ausreichend um eine gewisse Härte zu erzeugen, bloß reicht es leider nicht um eine einigermaßen standfeste Schneide zu bekommen, dafür brauchen wir eben ein bißchen mehr.


    Ansonst ist eine Stahlplatte immer eine Stahlplatte (das ist kein Versuch weise oder schlau zu wirken oder irgendeinen philosophischen Durchfall zu erzeugen), so etwas kann man immer gebrauchen. Stahlplatten geben einem ein gutes Gefühl, auch wenn man keine Messer daraus machen kann. Es gibt immer wieder in einer Werkstatt eine Möglichkeit ein Stück aus dieser Platte zu verarbeiten, sie in passende Teile zu brennen, sägen oder trennen um dann etwas Neues daraus zu machen. Stahl speichert durch seinen Kohlenstoffgehalt wie eine Schellackplatte alles Gesprochene (oder Gefluche) dank seinem, hier auch niedrigen Kohlenstoffgehalt, auf subatomarer Ebene. So hat man immer ein Stück fluchbeladenes "Eisen" da rumstehen, man kann jederzeit ein Hexenmesser daraus schmieden (die schneiden ja nur Kräuter, dafür wirds schon reichen) und schleifen, oder mit einer daraus geschmiedeten Lanze auf "Unholdjagd" gehen. Falls es wirklich einmal ein extrem fluchbeladenes Stück Stahl sein soll empfiehlt sich folgende Vorgehensweise.


    Man schneidet sich das benötigte Stück heraus, natürlich großzügig bemessen und plaziert es hier und da wo die werten Familienmitglieder es sehen und sich gern darüber ärgern. Vor allem die Ehefrauen haben mitunter die Angewohnheit sich nicht recht mit herrenlosem Stahl, der sich plötzlich im Badezimmer befindet anzufreunden. Aber das ist nur eine oberflächliche "Fluchaufladung", nicht tiefgreifendes, dafür müssen wir schon mehr in die Trickkiste greifen. Um das Stück Stahl mit der notwendigen emotionalen "Ladung" an ausschweifenden Worten zu versehen ist uns unser Nachbar behilflich. Wir werden in der Dunkelheit, natürlich namentlich bei Vollmond (leider müssen wir hier Abstriche machen, da wir lageangepasst reagieren müssen, jeder andere Mond tut es auch), unser Stück Stahl auf seinem Rasen plazieren. Um die richtige "Magnumladung" Flüche zu erhalten ist es sinnvoll, einen Gummihammer mitzuführen und den Stahl so tief in das Erdreich einzuschlagen, dass die Gräser ihn um ein Viertel überragen. Gern kann man auch das Stück, das nach oben herausragt vorher grün anstreichen, so rostet er nicht über Nacht und kann trotzdem die Kraft der Erde in sich aufnehmen.


    Am nächsten Tag haben wir nichts anderes zu tun als uns mit fadenscheinigen Arbeiten im Garten die Zeit zu vertreiben. Rein zufällig ist unser Nachbar auch derjenige, der immer dann den Rasen mäht wenn es einem gehörig auf den Zeiger geht. Da springt er an, der knatternde Gleichmacher der Gräser und zieht mit unserm Nachbarn obenauf die Runden über das Grün. Gleich einem König auf einem selbstfahrenden Thron knattert er über seinen Rasen, ein Sonnenhut (ebenso lappig wie häßlich) auf seinem Haupt um ihn vor der Gluthitze zu schützen, die uns nicht weiter beeindruckt, wir sitzen unterm Kirschbaum und lassen es uns gut gehen, Schatten, Limonade mit Schaum und eine Partagas Lusitania lassen uns in dem imaginären Glauben auf Kuba am Strand zu sitzen und einem Motorboot zuzuhören, das aufbricht um den Marlinen nachzustellen.
    So plötzlich, obwohl wir es jede Sekunde erwarten, kommt dieser Schrei, nein, nicht von unserem Nachbarn, seine Reaktion ist noch nicht weiter als das das Geräusch Probleme hat im Gehirn umgesetzt zu werden. Es ist der metallische Schrei dieses Unruhestifters, dieses knatternden Grasmörders, seine propellerartigen Schneiden, die mit allem grünen kurzen Prozess machen haben einen würdigen Gegner gefunden, man glaubt sogar zu hören, daß sich da nichts mehr dreht außer der Achse auf der diese unheilvollen Schneiden einst ihre Bahnen zogen.
    Jetzt endlich kommt das auf was wir schon so sehnsüchtig gewartet haben, eine wahre Kanonade Flüche, gleich einem Strom aus einer Jauchepumpe, ergießen sie sich aus dem Mund unseres Nachbarn über unser Stück Stahl. Was man nicht alles tut um ein bißchen Tradition am Leben zu halten. Wutentbrannt stürzt der arme Mann nun zu unserem Gartentor herein, in der einen Hand das nur leicht malträtierte Stück Stahl, an einem Ende grün mit einer leichten Kerbe, und einem gebrochenen Rasenmähermesser. Total schockiert über den Unsinn der Jugend und ihrem schlechten Charakter gesellt er sich zu einem und wir geben ihm natürlich ob der erlittenen Schmach gerne etwas Limonade (natürlich keine Lusitania). Leider können wir das Rasenmähermesser nicht reparieren, das seltsamerweise wirklich mehr beschädigt ist als wir vermutet haben. Großzügig wie wir sind leihen wir unseren Rasenmäher aus, nicht jedoch ohne ihn vorher ermahnt zu haben den ganzen Rasen nach weiteren solcher "Fallen" zu untersuchen, was uns hoch und heilig zugesagt wird. Überhaupt, es geht doch nichts über gute Nachbarschaft, natürlich kann er den Metallschrott in die alte Zinkwanne werfen zu dem anderen Werkstattabfall.


    Jetzt haben wir es, ein gutes handfestes Stück fluchbeladenes Eisen. Nachdem Nachbar und unser Rasenmäher ihre Arbeit aufgenommen haben stürzen wir zu der Zinkwanne, greifen das Objekt der Begierde, doch, was ist das?
    "Schockschwerenot", da laust mich doch der Affe, da habe ich doch im Vorfeld meines nächtlichen Ausfluges auf Nachbars Rasen das Stück Eisen mit einem halbzöllig dicken Stück Federstahl vertauscht, auch noch der, der nicht weichgeglüht war!? Was eine Misere, naja, da steht ja noch der Topf mit grüner Farbe, während der Nachbar mäht wird gepinselt, des Nachbarn Rasenmähermesser ist bestimmt die Tage wieder repariert, und Farbe soll ja gut trocknen.


    Viele Grüße
    Roman
    PS: Das ist keine Anstiftung aus deiner Stahlplatte solche Fallen zu konstruieren, man kann auch sinnvolles daraus machen.

    das mit dem "alten Freund" gefällt mir sehr gut, auch dass 440C und 420HC nicht in der Versenkung verschwinden zeigt dass letztendlich solide, wenn auch nicht mehr gut zu bewerbende Qualität, immer noch benutzt wird und ihren Mann steht.
    Als ich das mit dem "alten Freund" gelesen habe ist mir seltsamerweise ein Maskenball eingefallen, vermutlich ist noch etwas von diesem roten Rebensaft in der Oberstube. Achso, Maskenball, ja, stell sich doch jemand mal einen Maskenball vor bei dem nur alte Bekannte ihren Mummenschanz treiben, alles selbstredend maskiert.
    Nur gibt es keine Demaskierung in dem Sinn und der Maskenball dauert jetzt schon ein paar Jahre, oder Jahrzehnte. Immer wenn man eine neue Maske sieht ist man wieder hocherfreut und staunt, nur wenn man neben dem Maskenträger auf der Toilette steht schaut man wieder in Onkel Fridolins Gesicht. Erstaunt, aber nicht enttäuscht über Onkel Fridolin, geht es wieder ins Getümmel.
    Viele Grüße
    Roman
    PS: Nur Onkel Franz haben wir ausgeladen, der alte Miesepeter hat ne Liste wer welche Maske trägt und findet das auch noch lustig.

    das Rambomesser wäre natürlich ein Kracher gewesen, aus dem First Run von 100 Stück waren zwar fast zwei Dutzend in Deutschland gelandet, aber weit weit hinter der Schmerzgrenze. Das Schlieper gab es in zwei Ausführungen, eins mit kurzer Klinge, das durchaus heutzutage noch als modern durchgehen würde und eins mit einer längeren Klinge. Mich haben sie nicht richtig überzeugt wegen diesem nach Plastik aussehenden Griff, aber das Schlieper da irgendwie etwas billiges bauen würde konnte ich mir auch nicht denken.
    So, jetzt wieder zu Aitor, und zwar gebrochene Aitors. Das ist gar nicht so weit hergeholt, es gab wirklich welche die sind gebrochen wie Glas, ein Dschungelking II ist auch mir gebrochen, trotz "Härtepunkt" auf der Klinge, als Ersatz habe ich mir damals ein Buck 110 schicken lassen, irgendwie war mein Vertrauen ein wenig erschüttert, bis ich dann doch in einem Waffengeschäft in Mainz mich zu dem Dschungelking I entschlossen hatte. Das widerrum war herrlich unhandlich, wirkte aber doch stabil. Kurzum, wie ich schon geschrieben habe, es hat so ziemlich alles normale an Belastung mitgemacht, einschließlich auf einen Stock pflanzen und Hecken ausdünnen, aber die Rückensäge ist natürlich der totale Schwachsinn, welcher Werkzeugmacher würde auf die Rückseite einer Säge eine scharfe Klinge machen? Aber Gefallen macht schön, das Rambomesser ohne Rückensäge würde ich auch nicht wollen.
    Viele Grüße
    Roman

    ja danke, ich nehme auch einen.
    Neblig und gefroren, was will man mehr, soll noch einer sagen, es gibt kein Novemberwetter mehr.
    Viele Grüße
    Roman
    PS: @judge1401; Chris, es betrübt mich wirklich immer wenn ich von dem Treffen lese, aber ich bringe es wirklich nicht gebacken, wenn ich das in die Tat umsetzen will müßte ich im Krankenschein kommen, das ist ein bißchen gewagt. Ich brauche einfach noch mehr Vorlaufzeit, ich müßte jetzt wissen wann die Treffen nächstes Jahr sind.

    ein handliches und kompaktes Messer, augenscheinlich handwerklich einwandfrei umgesetzt. Mir geht es ebenso, die unterschiedlichen Bohrungen gefallen auch.
    Viele Grüße
    Roman
    PS: Die Rückensäge ist natürlich Geschmackssache, sieht aber gut aus.

    ich hab noch eins:
    aitor.jpg
    Es war damals ein Notkauf weil ich dachte ich brauche so etwas einmal, hehehe. Das Rambo von Hibben war zu teuer, ebenso das von Borger, also blieb nur das übrig. Es ist halt so etwas, immerhin ist es bis heute nicht kaputt gegangen und hat einiges ausgehalten. Es lässt sich gut schärfen und hält diese auch zufriedenstellend. Das ist soweit alles was mir dazu einfällt, natürlich total unhandlich, Griff kalt und rollt in der Hand (das Rambo rollt auch), die Rückensäge ist natürlich der gleiche Gimmick wie bei allen Rückensägen, total unnütz. Der kleine Skinner ist gut, aber das kann man ja billiger haben.
    Man trägt dieses Unikum mit sich herum und kann nicht mehr damit machen als mit dem Opa-Messer von Roselli, das auch nur einen Bruchteil davon gekostet hat, aber einen gewissen metallenen Charme hat es eben, und es glänzt noch immer schön metallisch, immerhin.
    Viele Grüße
    Roman
    PS: Ganz vergessen, diese Zwille ist natürlich der Abschuss, damit kann man wirklich rein gar nichts anfangen

    1.3505 ist ein Wälzlagerstahl, seine Eignung als Klingenmaterial ist unbestritten, er rostet eben, aber damit kann man leben.
    Er lässt sich auch gut schmieden, ich hatte zumindest mal keine Probleme damit. Es ist zwar durchaus möglich ein "Riesenkampfmesser" aus diesem Stahl zu machen, aber ich sehe seine Stärken in anderen Bereichen, aber jeder wie er möchte, ich will da keinem im Wege stehen.
    Viele Grüße
    Roman