das Schleifen von Hand ist nach wie vor eine ziemlich übungsintensive Sache. Früher, aber auch heute noch, gehört es zu bestimmten handwerklichen Tätigkeiten, Schreiner, Zimmermänner um nur zwei zu nennen. Im Prinzip alle, die ein Werkzeug benutzen das eine scharfe Schneide oder Kante hat müssen, oder sollten das können. Ganz früher ist der werte Herr Scherenschleifer über die Dörfer gezogen um eben die Scheren, aber auch sonst alles was schneiden soll zu schärfen. Unlängst habe ich einen modernen Vertreter dieser alten Zunft gesehen, im Kofferraum waren zwei Schleifmaschinen befestigt und sonst alles was man zum schärfen braucht, und er war tätig bei der Sache um meinem Freund Ali die langen Messer zu schärfen um dieses aufeinandergestapelte Fleisch in Stücke zu schneiden.
Aber zum Thema, ein Schleifen von Hand bedarf eigentlich keiner Hilfsmittel außer Wasser (Öl), Stein und die Klinge. Es ist weiter nicht nötig irgendwelche Hilfsmittel zum Winkelhalten einzusetzen, man schleift an und besieht sich das was man angerichtet hat und macht dann so weiter oder ändert den Winkel. Das ganze hat leider den berühmten Haken, es ist eine dieser verfluchten handwerklichen Tätigkeiten die aussehen als könnte jedes Kind sie im Handumdrehen erlernen, aber selbst ist man frustriert in wenigen Minuten. Eine Schneide die stumpf ist, sprich rund gearbeitet, beschädigt oder einfach keinen Biß mehr hat muss geschliffen werden. Ist man bei der Sache und will nur daß die Schneide weiter bissig ist reicht es unter Umständen mit einem kleinen Stein nachzuschärfen, bzw. den Grat zu halten oder einfach einen Wetzstahl zu benutzen. Das ist der kleinste Eingriff an einer Schneide, ist die Schneide so stumpf geworden daß ein kurzes Abziehen keinen Erfolg mehr bringt oder Beschädigungen zu erkennen sind muß neu eingeschliffen werden.
Das was jetzt kommt hat ein sehr gutes solides Frustpotential, Steine die nicht greifen oder keine Leistung bringen, Hin- und Hergewackel von Klinge und Stein, und und und. Die sicherste Methode zu Werke zu gehen ist daß man zumindest ein Teil fest fixiert, Klinge oder Stein. Habe ich kleine Steine fixiere ich die Klinge, habe ich große Steine fixiere ich die Steine (außer sie sind so groß daß sie von allein liegen). Entweder ich bearbeite den Stein mit der Klinge oder ich bearbeite die Klinge mit dem Stein, ganz salopp gesagt.
Wenn es um einen Grundschliff geht kann ein Stein nicht grob genug sein, selbst einige Sensenwetzsteine sind es nicht, ihre Oberfläche ist zu dicht um eine neue Schneide einzurichten. Der erste Schliff soll gewährleisten daß man eine Grundschärfe oder -schliff zur Verfügung hat die man weiter bearbeiten kann. Ist der Grundschliff bissig scharf ist im Prinzip über die Hälfte der Arbeit getan, jetzt geht es nur noch darum einem vorhandenen Schliff eine feinere Oberfläche zu verpassen. Das geschieht dann entweder mit feineren Steinen oder Schleifpapier. Sollten es Steine sein machen die belgischen Brocken eine gute Figur, ich will es nicht pauschalisieren, aber irgendwie hat man mit einem belgischen Brocken oft sehr schnell das gewünschte Ergebnis, vor allem "kann er gut" mit den meisten Stählen.
Was man nicht vergessen sollte, schleife ich von Hand ist es das gleiche als feile ich von Hand, nachdem ich mich an den richtigen Winkel gewöhnt habe streiche ich den ersten Schliff immer in eine Richtung und fange nicht an zu "rühren", habe ich diesen ersten Schliff erfolgreich angebracht, dann schleife ich mit dem gleichen Stein in die andere Richtung. Jetzt stellt man fest, daß die anfangs rauhe Oberfläche, die ich beim ersten Schliff erzeugt habe fast gänzlich verschwindet. Benutze ich z. B. einen Sensenstein (billig und handlich) fixiere ich die Klinge. Das geschieht derart, daß die Klinge logischerweise mit der Schneide zu mir zeigt, dann beginnt man mit dem Schleifen, man wird sehr schnell selbst feststellen wie einfach das ist und vor allem in welche Richtung man am besten zuerst schleift.
Meister Fujishiro im fernen Tokio könnte über das Schleifen, oder bei ihm treffender -Polieren-, von Hand viele Seiten schreiben und tagelang referieren. Es ist mitnichten so daß es einfach ist, bei ihm kommt natürlich noch dazu daß er ein fundiertes Wissen über japanische Klingen haben muss, aber das gehört nicht hierher. Er hat geschrieben, daß er 10 Tage benötigt um die Klinge eines Katanas mit Steinen zu polieren, dafür hat er eine Unmenge an Schleifsteinen, viele vermutlich teurer als ein Kleinwagen, bzw. für Geld gar nicht mehr zu erwerben, weil es sie nicht mehr gibt. 10 Tage, von morgens bis abends, das zeigt letztendlich das totale konsequente Tun. Wenn ich das umrechne, 10 Tage für eine Katanaklinge, dann müßte man eigentlich für ein Messer mit einer 10 Zoll-Klinge schon fast drei Tage berechnen, das wären zumindest 24 Stunden schleifen.
Ich denke soweit muß man nicht gehen, wir schleifen ja unsere Messer und keine japanische Staatsschätze, aber ein bißchen Sorgfalt und Mühe, vor allem Geduld sollte man beim Schleifen von Hand schon mitbringen. Die Oberflächen der Steine müssen gerade sein, wenn nicht werden sie ebenfalls neu eingeschliffen, dann muss ein Wasserstein auch Wasser haben, und davon reichlich, außer es ist einer von den japanischen Steinen die mittels einer Schlämmschicht arbeiten, aber der braucht auch Wasser.
Und vor allem, wenn es sich vermeiden lässt, rechtzeitig schleifen, das ist weitaus entspannter als eine komplett neue Schneide einschleifen zu müssen, das kommt noch früh genug. Und, fast vergessen, nicht nur der Besitz und das Benutzen einer Klinge sollen Freude machen, sondern auch die Pflege und Wartung, sonst käuft man sich besser ein Elektro- oder Teppichmesser. Es wird ja nicht verlangt in dieser schlimmen gebückten Haltung der japanischen Schleifer zu sitzen, die einen normal gewachsenen Mitteleuropäer innerhalb weniger Stunden dahin bringen würde, daß man ihn in dieser Stellung wegtransportieren müsste, genau wie einst die Bündelmumie des Ra-ho-tep, um durch einen geschickten Orthopäden wieder zurecht gebogen zu werden, in der Hoffnung daß es dabei nicht so irreperabel kracht wie einst bei Ra-ho-tep, den man zum außer Lande schmuggeln in handlichere "Portionen" brachte. Ganz abgesehen von diesem Hocker auf dem die japanischen Meister der Steine und Spieglepolitur zu sitzen pflegen, ich weiß ich bin dahingehend nicht fair, aber mir tun die Polierer leid, das letzte Mal daß ich einen Hocker in dieser Form zu Gesicht bekam war auf einem Tempelrelief, auf dem ein Kastrationshocker für assyrische Tempeldiener in Stein geschlagen war.
Wie dem auch sei, von Hand schleifen macht Freude, man spannt Klinge oder Stein ein und schärft eine Klinge. Dabei geht alles um uns verloren, wir tun etwas was wir Menschen schon seit Anbeginn der Zeit taten, das gilt natürlich auch für die Freunde von technischen Einrichtungen beim Schärfen, das Tun bleibt ja dasselbe, wenn auch nicht das gleiche (obwohl, ich trage dabei auch keinen Einteiler aus ungegerbtem Fell, es ist eher eine etwas ruhigerer Arbeit mit brennender Pfeife, zudem ziehts dann nicht nicht so an exponierten Stellen).
Viele Güße
Roman
PS: Und glaubt keinen Filmchen wo ausgewachsene Messer mit "Maniküresteinchen" geschliffen werden, das ist erstens gefährlich und zweitens ist man selbst man nicht dabei, um die Schärfe einmal zu prüfen; früher sagte man "Papier ist geduldig", heute muß man wohl sagen, "zweidimensionale Illuminationsgeräte sind geduldig"