wir können das nicht einfach so aus der zeitlichen Ferne betrachten und mit den heutigen Stählen vergleichen. Die Japaner waren und sind Meister darin ihren rohen Ausgangsstahl entsprechend auf- und abzukohlen, wie vermutlich auch unsere europäischen Vorfahren sehr wohl wußten wie man einen harten Stahl durch Aufkohlen erzeugen kann. Die ganz grobe Richtung ist, dass die Japaner einen harten Mantelstahl mit weichem Kernstahl haben, hier hingegen die Schneidleiste entweder eingebettet in weichen Stahl oder aufgesohlt wurde. Erschwerend kommt noch hinzu dass die Übergänge alle extrem fließend sind, die Japaner waren ebenso Meister darin einen Schwertrohling aus mehreren einzelnen Teilen als zwein aufzubauen, genau wie man hierzulande aufwendige Damaszierungen verwendetete, sowohl für Innen- wie für Außenlagen.
Knackpunkt ist nach wie vor, egal wo ein Schwert gefertigt wurde, wie hoch der Kohlenstoffgehalt war der alles weitere beeinflusste. Wir müssten ganz vorne anfangen, beim rohen Erz, wie es verhüttet und weiterverarbeitete worden ist. Alles andere ist rein spekulativ. Wenn wir genau wüßten welches Erz verwendet wurde, z. B. bei den Wikingern (gehen wir mal davon aus dass ein Wikingerschmied es auch gemacht hat, es wurden ja auch frisch und munter Schwerter aus anderen als Winkingerschmieden in Gebrauch gehalten) und wie es genau weiterverarbeitet wurde, dann könnten wir Rückschlüsse auf die alten Schwerter ziehen.
Grundsätzlich, ich glaube ich habe es schon geschrieben, war es eine sehr aufwendige Sache, die Luppe war alles andere als homogen und konnte es durch mehrfaches Verschweißen zu einem Stück Stahl geformt werden dass brauchbar war. Erst danach hatte man die Möglichkeit eine längere Klinge anzugehen. Inwieweit z. B. die tordierten Einlagen aus härtbarem Stahl bestanden weiß ich nicht, ich weiß aber dass Stahl desto öfter man ihn verschweißt immer mehr Kohlenstoff und eigentliche Ursprungsmasse verliert. Auch wenn man eine gewisse Federkraft erzeugen möchte ist das vermutlich eine sehr kitzelige Sache gewesen, wenn ich bedenke dass man die Mitte des Schwerts eigentlich auf eine Temperatur anlassen müsste die wieder die gehärtete Schneide ausglüht, so würde mich mal sehr interessieren wie sie das gemacht haben.
Das Riesenproblem was zu unendlichen Diskussionen führen kann ist einfach dass die Möglichkeiten fast unendlich sind und eigentlich kein Schmied damals aufgeschrieben hat wie er was angestellt hatte, leider. Das erinnert mich wieder an die indischen Schmiede, die letzten die angeblich hochwertigen Wootz herstellten. Man hat in Indien ellenlange Texte über religiöse Geschichten verfasst, wie irgendwelche Götter oder ähnliche Gestalten in Mörserbottichen reitend Gebirgsflanken dank ihrer Zauberkraft zum Rutschen brachten, meterweise feinste Farbzeichnungen wie man unter Aufbietung von Knochen- und Gelenkverrenkungen diverse Stellungen während der Fortpflanzung einnehmen kann, aber keiner von diesen Schmierfinken hat mal ein paar Sätze dazu geschrieben was ein Schmied damals in seinen Tiegel schüttete um einen Wootzrohlung zu erzeugen, ich will ja nicht vermessend werden, aber es hätten ja ein paar Zeichnungen gereicht.
Viele Grüße
Roman