Beiträge von juchten

    das ist es gerade was mich ein wenig seltsam stimmt, gerade die Aufnahmen von Chris.
    Die Klingen werden doch nicht gegossen, sie werden aus Flachmaterial herausgetrennt, das heißt doch nicht mehr oder weniger dass ich im Bereich des Erls genauso viel Material zur Verfügung habe wie an der Klinge. Es sollte doch ein leichtes sein einen stabilen Erl stehen zu lassen. Kostensparend ist es zudem, man muss nicht soviel Zeit dafür aufwenden den Erl kleiner zu machen und man braucht nicht soviel Griffmaterial.
    Viele Grüße
    Roman

    Man kann sich zu diesem Eigenbau durchringen, aber nötig ist es eigentlich nicht. Ein Kreuzschlaghammer mit einer runden Finne tut den Dienst genauso, vor allem schlägt er dadurch dass er eben bei weitem nicht so hart ist wie eine Klinge keine Beschädigungen in diese. Es funktioniert einwandfrei. Wer keinen Kreuzschlaghammer oder einen fertigen Richthammer kaufen will kann einfach einen Fäustel im entsprechenden Gewicht mit Hilfe einer Schruppscheibe oder durch Schmieden in Form bringen. Kostenpunkt sind cirka 20 Euro, Schrupp- und Lamellenscheiben, Strom und Kauf eines einfachen Fäustels mit eingerechnet.
    Viele Grüße
    Roman

    meine Erfahrungen was Sinn-Uhren betrifft sind schon ein paar Jahre her, da hat Herr Sinn noch Schwarzweißfotos von den Uhren verschickt und stand hinter seiner sehr handwerklich betonten Firmenführung. Ich habe seitdem eine Taucheruhr von dieser Firma, selbst nach einem Sturz mit dem Motorrad und einem erheblichen Schaden an der Uhr konnte sie damals für 150 DM wieder instand gesetzt werden, ein stolzer Preis in Anbetracht dessen dass die Uhr damals 330 gekostet hatte. Aber das ist lange her.
    Als Herr Sinn, der ein Mann klarer Worte war ("wieso kostet eine Uhr 2000 Mark wenn in ihr ein 58 DM-Werk seine Arbeit verrichtet") gestorben war und die Firmenführung in andere Hände kam hat sich in meinen Augen alles grundlegend geändert, vor allem die Preise. Meine Uhr hatte auch einen kleinen Preisanstieg zu verzeichnen in der Zeit als Herr Sinn noch die Geschicke seiner Firma leitete, sie kostete nach Jahren knapp einen Fünfziger mehr, nach der Änderung der Geschäftsleitung hat sie von heute auf morgen 880 DM gekostet und das Uhrband was bis dann für 50 DM ersetzt wurde sollte vor zwei Jahren 150 Euro kosten.
    Wo sind sie hin, die bodenbehafteten alten Zeiten? Ich habe meine Sinn mehrmals reparieren lassen, sie blieb einfach immer stehen obwohl ich sehr auf sie geachtet habe, bis ich es leid war. Sie liegt irgendwo bei den Memorabilien, ich glaube im Keller oder auf dem Dachboden, ich weiß es nicht mehr.
    Ich habe nichts gegen Sinn, die Uhren gefallen mir immer noch gut, aber kaufen werde ich mir keine mehr, geändert hat sich viel, aber es sind seltsamerweise immer noch die gleichen Uhrwerke drin wie zu Herrn Sinns Zeiten.
    Wenn eine Uhr alles mitmachen soll, dann würde ich zu einem dieser modernen Armbandwecker tendieren die ein Quartzwerk haben und denen Stöße und Knuffe egal sind, was soll schon kaputtgehen, die Chips sind festgeklebt und nichts bewegt sich. Diese haben natürlich den Nachteil dass sie bei weitem nicht so gediegen aussehen wie z. B. eine Sinn.
    Es tut mir leid dass gerade ich, da ich ein Freund hergebrachter klassischer Technik, gerade was Uhren betrifft bin, so etwas sagen muss. Ich weiß, die Uhren sind aus dem besten Stahl gemacht und sind mit in den Weltraum geflogen, machen Dienst bei Kampfpiloten und unter Wasser, aber das ist es gerade was mir übel aufstößt. Meine Lebensweise beinhaltet weder Flüge mit Mach4 oder Tauchfahrten in Tiefen wo selbst ein Riesenkrake zu einer noch unförmigeren Masse zerquetscht wird, fahre keine Rennen und stürze mich nicht schwerbeladen mit Kampfausrüstung des Nachts aus irgendwelchen Fluggeräten, die Zahnrädchen hassen mich vermutlich und versagen ihren Dienst.
    Viele Grüße
    Roman
    PS: Es ist auch ein Kuriosum bei diesen ganzen technischen Feinheiten der Uhrenbaukunst zu verzeichnen, seltsamerweise tickt eine Roskopf-Taschenuhr die zu Zeiten Kaiser Wilhelms schon ihren Dienst versah, zwei Weltkriege überstanden hat und noch etliche Jahrzehnte danach immer noch unentwegt, braucht nur alle paar Jahre einen Blick von einem Uhrmacher um trotzig weiterhin laut und vernehmbar meine Zeit in kleine Stückchen zu hacken.

    so, ich hoffe es geht jetzt so, tut mir leid dass es so lange gedauert hat, aber der PC und ich sind nicht die besten Freunde. Die Bilder vom fertigen Messer kommen die Tage wenn der Griff fertig ist.
    Viele Grüße
    Roman

    das Leuku spukt mir schon lange im Kopf herum, ich habe zwar ein gekauftes von irgendwann, aber ich wollte immer eins haben das aussieht als hätte man es eins aus vergangenen Zeiten in der nordischen Wildnis gefunden. Das Messer ist für mich ungewöhnlich, aber so ist es eben, der Stahl war ein Geschenk von Holger (Hosch), der Griff ist das Überbleibsel einer Birkenknorre, das seltsame daran ist dass die Knorre viele schöne Messergriffe ergab, ich aber den Griff meines Messer aus einem Stück Stämmchen was noch an der Knorre dran war genutzt habe.
    Genug erzählt, Bilder
    tacticalforum.de/attachment/89287/5f2dae3a.s.jpgb476dba0.s.jpg3942330d.s.jpg88d98774.s.jpg
    Man siehts von Anfang an, von der Spitze an in Form geschmiedet, in Lehm gepackt, gehärtet, angelassen neben dem Feuer und das Endresultat ist die Klinge nach dem Polieren.
    Die Bilder mit Griff kommen die Tage.
    Viele Grüße
    Roman
    PS: Holger sein mir nicht böse wenn ich es nicht so schön poliere wie Du, aber das Messer wird das tun wozu die Messer da sind, ich brauche dann keinen schönen Hamon, mir reicht es allemal wenn ich weiß dass er da ist.

    Chris, das ist ein wunderschönes Messer geworden. Ich ziehe wirklich meinen imaginären Hut vor dieser Arbeit. Falls Du mal arbeitslos werden solltest brauchst Du dir vermutlich keine Gedanken zu machen. Ich hoffe Arne bringt das Messer mit zum Treffen, ich muss dieses Messer mal in der Hand haben.
    Viele Grüße
    Roman
    PS: Wenn das noch ein paar Jahre so weitergeht, dann bin ich wirklich froh dass ich Erstlingswerke von Dir in sicherster Verwahrung habe.

    Pascal, das Messer ist wirklich ein Stück hervorragende Arbeit. Ich kann es drehen und wenden wie ich will, es gefällt einfach. Die Verarbeitung ist auch sehenswert, eigentlich hätte ich ja spaßeshalber gern etwas unter Punkt 2 geschrieben, aber das hast Du mit dem Messer zunichte gemacht, ich kann nichts feststellen was außer positiver Kritik ein Wort wert wäre.
    Viele Grüße
    Roman
    PS: Fast vergessen, natürlich sehr schöne Linienführung, alles handwerklich sehr sauber verarbeitet, Schliff sitzt einwandfrei, Nieten im richtigen Abstand, Griffschalen symetrisch, Stahlwahl gefällt mir, Oberflächen perfekt, was noch? es fällt mir nichts mehr ein, Teufel Pascal, das Messer ist fast schon zu aalglatt.

    das Messer ist wunderschön geworden Maik, ich lasse mal den handwerklichen Aspekt beiseite, dass Du das beherrschst ist mehr als augenscheinlich.
    Die Form, ich glaube ich könnte mich der Form gut anfreunden. Im Gegensatz zu Pascal finde ich den Übergang Griff zur Klinge für mich persönlich einwandfrei, speziell wenn man es vorn greift und einen Teil der Klinge mitgreift um zu schneiden. In diesem Fall hat die Hand einen guten Halt dort wo die Schneide beginnt. Da ich ohnehin ein Freund von hohen Kochmesserklingen bin kommt mir die chopperähnliche Form auch entgegen.
    Viele Grüße
    Roman
    PS: Das Wort -nur- kannst Du wirklich weglassen, so ein Messer kann man nicht -nur- mal nebenbei anfertigen

    Rasenkrieger,
    bei deinem Vorhaben kann ich Dir eins mit auf den Weg geben, wenn Du glaubst dass -vergleichbar mit- "eine schwache Aussage" seitens von Martin ist, dann zeigt mir das offen gesagt dass Du eigentlich nicht weißt um was es geht, wenn ich dann noch solche Dinge lese wie "wen interessiert es wieviel Vanadium etc........", dann rundet sich für mich eigentlich alles.
    Natürlich sind Stähle nur vergleichbar miteinander, gerade diejenigen die herkömmlich erzeugt werden, Legierungsgehalte können Schwankungen jenseits von 50% haben. Und wenn Du glaubst dass das keinen interessiert, dann kann ich Dir sagen, es interessiert spätestens denjenigen der die Klinge härten muss, das ist nämlich genau der Zeitpunkt wo alles "Larifari-Gespräch" über Messer machen aufhört.
    Wenn deine Meinung über Busse-Messer eben nicht die Beste ist, das haben wir ja jetzt verstanden. Wenn Du es genauso gut machen kannst oder machen willst, mach es jetzt.
    Ich bin nicht der Pressesprecher von Herrn Busse, aber ich verstehe nicht wieso man Anstoss an seinen Messern findet? Der Mann ist erfolgreich, na und! Der Weg steht jedem offen, meckern kann jeder, machen die Wenigsten.
    Viele Grüße
    Roman

    Rasenkrieger, es kommt schon darauf an wie der Stahl legiert ist, dabei ist auch zu berücksichtigen dass es Schwankungen dabei geben kann. Ansonst scheinst Du ja Zugang zu dem Stahl zu haben, besorg ihn Dir, mach ein Messer und härte es, oder lass es machen, wir sind alle gespannt.
    Viele Grüßé
    Roman

    hallo Pascal,
    ich habe das nicht geschrieben um Dich von deinem Schaffensdrang abzuhalten, sondern weil ich vor vielen Jahren durch so eine Aktion ein altes Messer im Prinzip total versaut habe. Es war ein ziemlich altes Bowiemesser, ich schätze dass es um die vorletzte Jahrhundertwende angefertigt wurde. Es hatte einen unmöglichen Horngriff und ich habe in einem Anfall von Wahnsinn das Ende des Horngriffs gekappt. Als ich das Messer danach in der Hand hielt wurde mir schlagartig bewußt dass ich die ganze Ausstrahlung des Messers innerhalb von 45 Sekunden mit einer Säge zerstört hatte. Vor fast 30 Jahren konnte man Epoxydkleber nicht an jeder Ecke kaufen, also stand ich ziemlich verloren da.
    Versuch das Messer so zu erhalten wie es ist. Kleb den Riss mit Epoxid oder Propellerleim zusammen, Löcher mit Holzkitt auffüllen und flach schleifen, etc.
    Wenn Du Experimente machen willst, dann ist das mehr als verständlich, kauf Dir doch einfach einen Taschenmesserbausatz ohne Griffschalen, dann kannt Du alles mögliche damit anstellen.
    Wie gesagt, das ist nur ein Vorschlag, du kannst zwar das Messer wieder mit fremden Materialien aufbauen, aber es wird nie wieder dasselbe Messer sein.
    Viele Grüße
    Roman

    das Härten in einem offenen Feuer ist nach wie vor eine Geschichte für sich, ich fange einfach noch einmal von vorn an. Vorab, was ich jetzt schreibe ist zum Teil Wissen aus alten Schmiedebüchern und dem wie ich es umsetze, auch ein bißchen was so schiefgehen kann.


    Wir fangen beim Feuer an, die Feuerführung ist bei einem offenen Schmiedefeuer nach wie vor sehr wichtig, sie ist die Grundvoraussetzung dafür dass alles so funktionieren soll dass ein zufriedenstellendes Ergebnis erzielt wird. Zum Härten nimmt man am besten Holzkohle, daran hat sich auch heute nichts geändert. Holzkohle brennt leicher als Schmiedekohle, aus dem Grund benötigt sie auch weniger Gebläseluft, was das Verzundern reduziert. Die Holzkohle sollte gleichmässig groß sein, japanische Schmiedelehrlinge müssen nicht ohne Grund die Kohle zum Schmieden auf ein gleiches Maß bringen. Das dient nicht dazu die Lehrbuben zu schikanieren, sondern sorgt dafür dass ein gleichmässiger Gluthaufen erzeugt werden kann, große Stücke brauchen länger als kleinere um zu glühen, das erklärt sich von selbst.
    Das Feuer sollte ausreichend groß sein, zumindest so groß dass eingeblasene Luft nicht das Härtegut trifft, diese verzundert sonst sehr schnell den Stahl und sorgt für ein ungleichmässiges Erwärmen, eingeblasene Luft die nicht durch ausreichend heiße Glut streicht kühlt den Stahl sonst partiell immer wieder ab.
    Das Feuer muss ruhig anbrennen, sonst zerfällt im Bereich der Gebläseluftzufuhr schon die Kohle zu Asche und die oberen Kohlenschichten fangen gerade an zu brennen. Also immer mit der Ruhe, beim Härten gibt es nur zwei Feinde, Eile und Helligkeit außerhalb des Feuers.


    Dein Stahl ist 1.3505, ein Weichglühen ist in einem offenen Feuer nicht möglich, dafür braucht es elektronisch einzustellende Thermoeinheiten unter Ausschluss von Sauerstoff. Das Ziel eines vorab gehenden Glühvorgangs ist es den Stahl so zu beeinflussen dass er bearbeitbar ist. Beim 1.3505 reicht es eigentlich ihn einmal auf Rotglut zu bringen und ihn in Asche auskühlen zu lassen. Die Spannungen sind dann weitgehendst beseitigt und vorhandene Härte ist damit auch beseitigt.


    Ist die Klinge fertig geschliffen und dabei an verschiedenen Stellen heiß geworden reicht es aus ihn einmal auf schwache Rotglut zu bringen und einfach an der Luft abkühlen zu lassen, so ist er einigermassen eingestellt aufs Härten.


    Das Datenblatt, es gibt sehr wertvolle Hinweise darauf was der Stahl für einer ist und womit man rechnen muss, allerdings bezieht es sich nicht auf eine Messerklinge, sondern auf ein Stück Härtegut mit der Kantenlänge von 25 mm, bzw. sind abweichende Angaben vermerkt. So hat man einen Anhaltswert und kann sich ungefähr darauf einrichten wie man zu verfahren hat.


    Die Klinge muss sauber und trocken sein vor dem eigentlichen Härten, säubern und entfetten, ist kein Entfetter zur Hand, einfach gut in Spülwasser mit einem Spülwamm abreiben.


    Wenn es ans Härten geht, die Klinge neben dem Feuer anwärmen, dann die Klinge mit dem Rücken nach unten in die Glut stellen und langsam Wärme ziehen lassen, die Schneide kann sich außerhalb des Feuers befinden. Sinn ist es ein gleichmässiges Erwärmen zu erzielen. Es ist einer Messerklinge nicht förderlich wenn der Schneidenbereich genauso lange der Glut ausgesetzt ist wie der Rücken, Stahl verdirbt im Feuer bei zu hoher Temperatur genauso wie bei zu langem Halten auf optimaler Temperatur. Das geschieht nur zu einfach wenn man die Klinge einfach in die Glut einhält und wartet bis sie gleichmässig erwämt ist. Gerade das hier ist der Punkt bei dem ein Stahl wie 1.3505 einem zeigt wie heikel das Härten in einem offenen Feuer sein kann.
    Die Esse auf dem Foto wurde von oben mit Luft versorgt, beim nächsten Härtevorgang einfach ein Stück Stahlrohr seitlich am Boden der Esse anbringen (abschließend mit der Esseninnenwand), dann die Luft seitlich einblasen, selbst wenn man die Klinge mal ein bißchen hin und her bewegen muss ist das nicht schlimm.
    Sobald der Rücken durch die Gluteinwirkung anfängt zu glühen wird Luft eingeblasen, und zwar schön sachte. Das könnte bei einer Behelfsesse so aussehen dass man einen Föhn/Staubsaugergebläse mittels eines Fahrradschlauchs mit dem Stahlrohr verbindet (es reicht wenn das Stahlrohr einen halben Meter lang ist, es wird den Gummi des Fahrradschlauchs nicht verbrennen weil die eingeblasene Luft für genug Kühlung sorgt, zudem kann man die Luftzufuhr dadurch steuern dass man ein Stück Seil um den Fahrradschlauch schlägt und ihn ein wenig zuschnürt, so kommt immer soviel Gebläseluft im Feuer an wie nötig ist) und so für eine seitliche Luftzufuhr sorgt, im Prinzip genauso wie bei den japansichen Essen.
    Also, wenn der Rücken Rotglut zeigt Luft einblasen, dann solange erwärmen bis der Rücken hellrot zeigt, die Klinge im Feuer wenden und mit der Schneide nach unten ebenfalls solange erwärmen bis diese auch hellrot zeigt, wir sind bei cirka 850 Grad. Es ist nicht tragisch wenn man sie im Feuer vor und zurück bewegt, so kann man dafür sorgen dass die Spitze der Klinge, wo man das wenigste Material hat, nicht solange der Hauptglut ausgesetzt ist.


    Im Feuer selbst die Klinge nicht im Bereich der Hauptglut halten, sondern ein wenig abseits davon, so ist der "Hitzeschlag" der am stärksten glühenden Glut nicht so hoch.


    Wenn die Klinge überall Härtetemp. hat, dann raus mit ihr und abschrecken. Öl ist gut, Öl verhindert fast immer das schlimmme -krack-, ein Geräusch was davon kündet dass wir dem Stahl zuviel zugemutet haben und mehrere Arbeitstunden umsonst geschliffen, gefeilt und gebohrt haben. Je mehr Öl desto besser, es reicht allerdings auch wenn es 20 Grad hat, ein Aufwärmen des Öls ist bei 1.3505 nicht nötig. Die glühende Klinge bleibt solange im Öl bis sie ausreichend abgeschreckt ist, 100 Grad ist ein guter Anhaltewert. Wer kein Thermometer zur Hand hat um Fieber bis 100 Grad zu messen, wenn Spucke auf ihr köchelt ist es gut.


    Das Anlassen imm Backofen ist eine sichere Sache, man weiß genau wo man dran ist. Über die Anlasszeiten in einem Backofen kann ich nichts sagen, ich lasse neben dem Schmiedefeuer an. Wenn man das machen will ist es sinnvoll einen Teil des Schneidenbereichs schnell blank zu breiben, ein nasser Wetzstein oder 100er Schmirgel macht das ruckzuck (Schmirgel ein paarmal falten, die Wärme zieht sehr schnell durch eine Lage Schmirgelpapier und versucht sofort ohne Rücksicht auf Stand und Ruhmestaten des Ausführenden die Finger ebenso auf Temp. zu bringen). Brauche ich eine Klinge die meist Schneidarbeiten verrichten soll reicht es wenn man sie auf strohgelb anlässt, soll die Klinge belastbarer sein würde ich sie auf violett anlassen. Das Abkühlen besorge ich in abgestandenem Regenwasser, abgestandenes Leitungswasser tuts auch. Ich benutze eben nur Regenwasser weil ich eine undichte Stelle im Dach der Schmiede habe, dort habe ich einen Eimer aufgestellt.
    Ich bin mal ehrlich, ich stelle die Klingen zum Anlassen neben das Feuer, lasse die Gebläseluft auf unterster Stufe ein wenig das Feuer in Gang halten, rauche dabei ein bißchen Pfeife und wenn ich glaube es reicht und die Spucke an der Klinge mit einem gewissen Ton bruzzelt kühle ich sie ab. Soll eine selektiv gehärtete Klinge aus Federstahl angelassen werden brenne ich das Öl im Lehmmantel ab, man muss dabei nur genau in dem Augenblick abkühlen wenn die richtige Temp. erreicht ist, das kann ich nicht erklären, das muss man einfach zeigen.


    So, normalerweise sollte die Klinge jetzt nicht verzogen oder verzundert sein, ein mehrfaches seitliches Schlagen an die Ambossseite überstehen ohne fragmentarisch durch die Luft zu fliegen, ebenso sollte die Schneide keine Macken zeigen wenn man sie ein wenig in ein stück runden Baustahl schlägt.


    So, das muss jetzt ausreichen, ich habe jetzt alles aufgeschrieben was ich zum Härten von 1.3505 weiß.


    Viele Grüße
    Roman

    am besten lässt Du mal alles wie es ist und ersetzt gar nichts, das ist meine Meinung. Die Griffschalen sauber abschmirgeln und feinchleifen, dann mal sehen wo sie beschädigt sind, wieder alles mit Holzleim zusammenkleben. Die Platinen auch sauber machen, die Klinge selbstredend auch wieder in Schuß bringen. Zum Schluss das Messer wieder verstiften und fertig.
    So ein Messer würde ich immer versuchen mit allen seinen Teilen zu erhalten.
    Viele Grüße
    Roman
    PS: Bei Verstiftungen die keinen Kontakt mit beweglichen Teilen haben, wenn man denen einen kleinen Schlag mit einem Hämmerchen in der Mitte verpasst, dann haben sie eine schwache Biegung. Wenn sie so eingeschlagen werden braucht man sie nicht einmal mit Kleber zu sichern.

    Fangen wir mal so an, das ist ja eine heikle Kiste, wenn eine feine Messerschneide Ausbrüche bei starker Belastung davonträgt, dann ist das schon möglich. Schuld würde ich primär nicht den Stählen geben, sondern einer nicht ganz optimalen Wärmebehandlung, es gibt ja Messer aus D2 die so etwas klaglos wegstecken. Auch ist dieser Stahl heute nicht mehr dergleiche wie er noch vor einigen Jahren war. Ich verweise mal auf die Firma Uddeholm, Härtenews Nr. 2 aus 2008, dort wird auch schon diverses bemängelt am 1.2379 und auf den verbesserten Sverker21 verwiesen, der eine deutlich engere Analysegrenze, besser Karbidverteilung etc. hat.
    Der D2 wird aufgrund seines ganz eigenen Charakters immer für Überraschungen sorgen, gute wie schlechte (leider), die Wärmebehandlung ist eine Sache für sich, gerade weil die Analysengrenzen als "akzeptabel" gelten, was vielleicht für einen industriellen Anwender ausreicht, aber nicht immer für eine Messerklinge.
    Um auf das Messer zurückzukommen, schleif einfach eine grobe Schneide ein, dann muß man weitersehen.
    Viele Grüße
    Roman

    da liegt vermutlich irgendwo ein Übersetzungsfehler oder Mißverständnis vor. Nimm Dir mal eine Knetrolle mit 10 mm Durchmesser und drück die platt, dann siehst Du wieso sich hier einige, mich eingeschlossen, wundern.
    Viele Grüße
    Roman
    PS: Davon abgesehen, das Messer ist schön

    einwandfreie Arbeit Chris, sie sehen beide einfach sehr gut aus. Ich erspare jetzt Dir und allen anderen langes Geschwätz über handwerkliche Umsetzung oder wie gut dies oder jenes ist, die Bilder sprechen schon für sich selbst, in natura sind sie bestimmt noch schöner.
    Viele Grüße
    Roman
    PS: Übrigens danke für den Hinweis aus Sibert, das Messer #27 hats mir angetan, dort sind wenigstens bei einem die Hohlnieten ein wenig aus der Flucht, ansonst bekommt man ja Minderwertigkeitskomplexe bei einem solchen Perfektionismus.

    vielen Dank für deine Recherchen Eule, Du hast dir damit wirklich Mühe gemacht.


    Vorab Kibo, deine Frage ist durchaus berechtigt, diese ganzen schlauen Laborleute heutzutage können wohl herausfinden was in dem Stahl drin ist, nur wie die das damals angestellt haben wissen sie nur zum Teil. Man kann sich einfach ein gutes Essen vorstellen bei dem auch Kartoffeln gereicht werden, jeder weiß wie man eine gekochte Salzkartoffel erkennt, nur woher die Kartoffel stammt und welches Salz oder Wasser und wie lange die Kartoffeln gekocht wurden, das weiß man nicht. Oder man sieht es mehr kunstfertig, jeder der sich dafür interessiert weiß aus welchem Holz eine alte gute Geige gemacht wurde (die weniger guten natürlich auch), die Bäume wachsen heute auch noch, aber trotzdem ist kein Sägewerksbesitzer mit Universitätsabschluss in Holzkunde in der Lage eine Stradivari zu schnitzen.
    Seid mir nicht böse wenn ich jetzt nicht so akribisch recherchiere, gehen wir das Ganze einfach mit einfachen Umkehrschlüssen an.


    Die Wikinger, wenn einer diese Burschen für irgendwelche alles plattklopfenden Grobiane hält, dann ist er falsch gewickelt. Wenn eine Kultur derartige Schiffe bauen kann und einer derart rüden Natur trotzen kann, dann hatten die Wikinger vermutlich viel mehr Wissen drauf als wir es uns heute vorstellen. Was Waffen betrifft wundert es mich nicht dass sie größtenteils aus dem Ausland stammten, die Herstellung ist aufwendig und dort oben im Norden war man derart damit beschäftigt zu überleben dass man vermutlich nicht auch noch diese Art des Handwerks bis zur absoluten Blüte bringen konnte. Schade eigentlich, sie saßen dort oben auf sehr hochwertigen Erzen, leider hätten sie tief buddeln müssen.
    Ein heutiger Unternehmensberater hätte einem Wikingerkönig übrigens für die importierten Waffen gratuliert: "Bravo mein Guter, halten Sie sich nicht mit dieser Waffenherstellung auf und denken Sie global, -Outsourcing- ist das Zauberwort, um Erfolg zu haben beschränken Sie sich auf das was Sie am besten können, Boote bauen und leicht aggressiven Außenhandel."


    Was das Niederschreiben von Techniken der Stahlerzeugung und der Weiterverarbeitung betrifft, das man so etwas nicht niederschrieb kann mehrere Gründe gehabt haben. Grundlegend glaube ich mal daran dass der Schmied einfach nicht schreiben konnte, wenn man am Amboss steht und dort alles von Hand machen muss lassen sich die Gänsefedern nicht mehr so leichthändig anspitzen, zudem hatte man keine Zeit irgendwelche Klöster aufzusuchen, um die hohe Kunst des Schreibens zu lernen.
    Wo wir gerade bei den Klöstern sind, natürlich wurde dort alles niedergeschrieben, da gab es Bibeln, Bibeln und Bibeln, dann diverse andere religiöse Bücher - wie Bibeln. Natürlich gab es noch andere Bücher, aber es waren meist Bücher für Leute die Geld hatten, und die kümmerten sich nicht um Handwerksangelegenheiten, Handwerker waren da und sollten gefälligst das tun wozu sie da waren und das Maul halten. Es gibt diverse Gedichte, Singsang, großartige Kriegserlebnisse von Chronisten niedergeschrieben (ausnahmslos Lügner) und was weiß ich nicht noch alles, aber es wäre doch keinem Mann von Stand eingefallen bei einem Schreiber und Buchhersteller ein Buch anfertigen zu lassen was über Schmiedearbeiten oder das Gerben von Häuten handelt.


    Dann gibt es vermutlich noch eine Erklärung für das Fehlen expliziter Anweisungen der Stahlherstellung und dem Schmieden von Waffen. Alles was man niederschreibt kann gestohlen werden und jeder Schmied weiß wenn er die Aufzeichnungen eines anderen Schmieds in der Hand hat und lesen kann, oder vorgelesen bekommt, um was es geht, und was noch viel wichtiger ist -wie es geht-. Sagen wir einmal so, es gab Grimoires über das Heraufbeschwören von apokalyptischen Zuständen, man konnte diverse Dämonen heraufbeschwören und ihnen dann aus einem Gedichtsband für das Betören von Edelfrauen ein paar Zeilen vorlesen, oder auch einfach sonst etwas, Atlanten mit sehr wagemutigen Einteilungen unserer Erde, natürlich alchimistische Schriften (fast ausschließlich samt und sonders Unsinn, was sollte auch jemand niederschreiben der das ganze Jahr tags und nachts irgendwelche Dämpfe einatmet oder gelegentlich einfach explodiert mit seinem Plunder), Abhandlungen über dies und das was man als Mann oder Frau von Stand so brauchte oder glaubte zu brauchen, aber kein anständiges Handwerksbuch.


    Ich stelle es mir mal so vor. Der Herr Adelige hat einen Schmied der einwandfreie Schwerter schmiedet. Sehr schön, er begibt sich mit seinem Schreiber (natürlich konnten die Adeligen auch nur zum Teil schreiben, es war nicht unabdingbar nötig schreiben zu können um adelig zu sein, es reichte durchaus einfach brutal und gefühllos zu sein) zum Schmied und lässt genau alles aufschreiben wie man ein solches Schwert herstellt. Das Büchelchen wird natürlich einen wohlklingenden Namen bekommen und in die Bibliothek eingereiht werden, man kann zwar selbst bestenfalls nur ein paar Buchstaben mühsam lesen, aber als Mann von Welt hat man ein paar Bücher. Nachts wacht unser Herr Adeliger schweißgebadet auf und es kommt ihm die Erkenntnis dass er mächtig Mist gebaut hat, das Büchelchen beschreibt ja exakt wie man diese excellenten Schwerter herstellen kann und es steht einfach so zwischen den paar anderen Büchern. Flugs steht er auf, streift sich die leichten Blechstiefel Nr. 4 -für Ausflüge in der Burg- über, gürtet sein Schwert über den haarigen Schlafrock, eine leichte Kettenhaube wirds wohl tun bis zum Bücherraum. Klappernd wie ein Schlossgespenst rappelt er in die Bücherecke, greift das Büchelchen mit dem Titel "ueber dass aufklauben der richtigen steine und das schmyden einer schwertklinge" und wirft es so schnell wie möglich in das nächste Kaminfeuer was noch ein bißchen Glut zeigt. Die großen Hunde davor bleiben übrigens unbeeindruckt, sie haben um diese Zeit schon schlimmeres gesehen.


    Mit einem Wort, welcher Schwachsinniger hätte etwas niederschreiben lassen was einem anderen landgierigen Halsabschneider genützt hätte um ebenfalls so gute Waffen in die Hand zu bekommen wie man sie selbst hat.


    Und ja, die Franken haben excellente Waffen gemacht und waren schlau genug es nicht aufzuschreiben. Noch etwas, fast hätte ich dir Frage bezüglich der Härte der Schwerter vergessen. Es ist eigentlich ganz einfach, alles was nicht aufgekohlt war konnte nicht gehärtet werden, es fehlte einfach der Kohlenstoff.
    Viele Grüße
    Roman