das ist das Problem solcher Diskussionen, ein Messer hat einen Schaden bei einem "Test" davon getragen. Gut, man ist zufrieden wenn das eigene Messer nicht aus der Arretierung springt, aber das hat nichts mit Messern von Pohl oder Spyderco oder sonst einem Anbieter zu tun.
Der Grund für solche Diskussionen ist in der Bauart zu finden. Es ist fast unmöglich unter den vorhandenen Platzmöglichkeiten unter Anbetracht des Gewichts eine Verriegelung zu konstruieren die diesen "Überprüfungsmethoden" standhält. Sobald ich, wie treffend aufgeführt, eine Verriegelungsnase, respektive Hammer, einrasten lasse bin ich gezwungen hier und da Material wegzunehmen um diesen Mechanismus funktionieren zu lassen. Bei dem Police hängt das Ganze an einem 3 mal 3 mm messenden Hammer, bei anderen Messern wird es nicht viel anders aussehen.
Der Test ist wohl irgendwo ein Maßstab, aber wer gewährleistet mir denn dass ich bei der ganzen Klingenrückenschlagerei nicht den Mechanismus beschädige, wenn er auch das erste Anschlagen augenscheinlich gut überstanden hat. Es gibt Materialrisse in Stahl die halten jahrelang um im entscheidenen Moment das Versagen des Mechanismus zu verursachen.
Hier beißt die Schlange sich selbst in den Schwanz, wir müssen mit diesem Kompromiss leben. Ein Klappmesser soll ja im wahrsten Sinne des Wortes ein klappbares Messer sein, für den Moment in dem ich kein feststehendes habe. Primärziel ist das Schneiden, oder früher auch das Stechen. Ich kann da keine Wunderdinge erwarten, gerade in Anbetracht dessen was mir an Material an dieser Stelle eines Klappmessers zur Verfügung steht. Irgendwie stelle ich mir ja auch vor dass man ein Klappmesser ohne Problem in der oder an der Hosentasche tragen kann, es soll nicht schwer sein und und und...........
Da wir ja alle Vergleiche mögen habe ich einmal die Maße im Bereich des Klingengangs von zwei Messern ausgemessen, Spyderco Police und ein altes Gerber Parabellum.
Die obere Griffbreite bei dem Police beträgt 23 mm, Parabellum 65 mm; breiteste Stelle am Klingenende (ab Beginn der eigentlichen Schneide) des Spyderco gut 16 mm, Parabellum 38 mm; die Rundung selbst beim Spyderco 12 mm, Parabellum 28 mm; die Achse des Police hat vier Milimeter, das Gerber eine 10 mm verschraubte Achse. Gewichtsmässig trennen sie cirka 20 Gramm, das Gerber ist schwerer.
Fazit: Das Gerber ist das stabilere und bessere Messer.
Realtität: Mumpitz
Bei beiden Messern liegen ganz verschiedene Grundgedanken zugrunde, das Police ist ein handliches schlankes Schneidmesser mit sehr hohem Penetrationspotential, im Rahmen der Bauweise so gut und stabil konstruiert wie möglich, allein von der Stahlwahl her schon gar nicht gedacht um seitliche Kräften standzuhalten, was aber bei der ganzen Geometrie ohnehin keinen Sinn macht. Schneidet durch alles gut durch und bleibt lange scharf.
Das Parabellum ist ein Kompromiss durch und durch. Primäraufgabe ist ein funktionierendes stabiles Schneidmesser, sämtliche Konstruktionsmerkmale gehen in die Richtung so etwas wie ein noch halbwegs leichtes Arbeitsmesser in der Hand zu haben. Die Stahlwahl und Härte sind auf Mißbrauch ausgelegt, hält gut die Schneide wenn man weiches schneidet, zähes und hartes Material werden auch geschnitten, danach muss man nachschärfen, was auch gerade aufgrunddessen gut über die Bühne geht.
Ein Stabilitätsvergleich wird automatisch immer zugunsten des Gerber ausfallen, allein die Materialstärke würde einen Test schon absurd erscheinen lassen, zudem selbst ein bißchen mehr an Material bei Stahl schon unproportional belastbarer wird, geschweige denn bei doppelten Materialstärken.
Genauso würde ich auch alle anderen Messer betrachten, immer jeweils im Rahmen der Möglichkeiten ihrer Konstruktion. Da spielt es keine Rolle womit geworben wird oder was man sich wovon verspricht, ein Klappmesser ist an ganz enge Toleranzen gebunden, die kann kein Konstrukteuer auf Seite wischen. Diese Toleranzen beinhalten ganz einfach eine relativ filigrane Technik, ich bin mal ganz vorsichtig, ich würde von diesem bißchen beweglichen Stahl nie das Ultimative verlangen, egal von wem das Klappmesser kommt.
Ich greife mir jetzt selbst mal an die Nase, solche seltsamen Überprüfungsmethoden wie das heftige Anschlagen des Klingenrückens an einen festen Gegenstand machen schon irgendwie Eindruck auf mich, ich nehme mich da gar nicht aus. Das ist aber das gute alte Spiel, die Emotionen schreien: "was ein Miststück, bricht beim ersten Geklapper an ein Stück Holz auseinander, so ein Ding kaufe ich nie mehr", der Pragmatiker sagt dann ganz ruhig: "Das hätte ich Dir gleich sagen können du Depp, schau dir doch mal das bißchen Stahl dort an, wie soll das denn halten, und selbst wenn es hält oder nicht, wer sagt dass ein anderes Messer aus der Reihe nicht wieder anders reagiert".
Viele Grüße
Roman