Beiträge von juchten

    das hier ist so eine Angelegenheit wo ich hin- und hergerissen bin. Eigentlich gebe ich allen vernünftigen Einwänden Recht, von Franks Post aus angefangen. Eigentlich sehe ich das auch so, man sollte nicht blindlings in eine nicht bekannte Baustelle investieren. Eigentlich hat man nur ein altes Werkzeug in der Hand, es hat nicht mal ideellen Wert, also was solls? Das ist ja auch alles vernünftig.


    Verdammt, es kann doch nicht immer alles vernünftig sein, der Mann will ein Messer aus einem Fleischerbeil machen lassen und wir stellen uns an wie ein mittelmässiger Waschmaschinenelektriker, der einem, anstatt endlich mal den Schraubenschlüssel in die Hand zu nehmen, etwas von dem Vorteil der schonenden Unterhosenschleuderei bei modernen neuen Waschmaschinen erklärt.


    Also, melde Dich bei diesem Schmiedekurs an und nimm dein Fleischerbeil mit, der Schmied wird schon etwas damit anfangen zu wissen.


    Wenn es dich vorab beruhigt, natürlich kann man aus dem Fleischerbeil ein Messer machen, ob man genau die Klingen daraus machen kann die Dir vorschweben steht auf einem anderen Blatt, aber ein Umbau ist machbar. Natürlich kann man nicht blindlings unvernünftig sein, ein bißchen Handwerk ist auch bei Unvernunft unverzichtbar.
    Man sollte zuerst einmal die Griffschalfen entfernen, die sind vermutlich ohenhin so mit Fett getränkt das kein Kleber sie mehr kleben kann. Mit der Lamellenscheibe schleift man den Erl an und schaut sich den Funkenstrahl an, dann weiß man die ungefähre Richtung. Danach würde ich einfach mal den Erl erwärmen auf cirka 750 grad und in Öl abschrecken, lässt es sich nicht mehr feilen ist es gut, lässt er sich feilen muss man stufenweise den Härtevorgang etwas höher ansetzen, zuerst die Abschreckmedien immer schroffer werden lassen, hilft das nicht die Härtetemp. erhöhen. Sobald man die richtige Konstellation gefunden hat weiß man wo man dran ist. Früher gabs auch nicht immer Stähle mit Datenblatt, ging auch.


    Nach dem Feststellen wie man das Material härten kann einfach mal alles auf cirka 700 Grad erwärmen und an der Luft abkühlen lassen. Danach weitgehendst metallisch blank machen und einmal mit Penetrant und Fixierer überprüfen ob nicht irgendwo Risse zu finden sind, sind Risse zu finden ist eigentlich meist die Geschichte zu Ende, sind keine aufgetreten macht man einfach weiter. Klingenform großzügig ausschneiden, in Form schleifen und härten. Meist ist es so das man nur eine Klinge aus diesen Teilen machen kann, egal ob Gertel oder eben einem Fleischerbeil, der Zahn der Zeit hat eben sprichwörtlich seine Spuren hinterlassen.


    Ich bin wie gesagt auch hin- und hergerissen zwischen dem Aufwand den man treiben muss um aus dem alten Beil eine Klnge zu machen, aber was hilfts, wo steht das Messermachen etwas mit Vernunft zu tun haben muss?
    Da gibt es eine Werkstatt die diese alten Mercedes 300 SL wieder herrichten, da kann so ein Auto schon mal mehr als eine halbe Million Euro kosten bis er endlich wieder tiptop da steht. Wo ist da die Vernunft, für das gleiche Geld gibt es zwei schissneue Mercedes SLS mit allen Schikanen. Stimmt, aber eben keinen 300 SL, man kann mit beiden nicht mehr als fahren, aber ein Gullwing ist Kult, der SLS muss es erst werden.


    Die Schneide von dem alten Fleischerbeil hat ihre Standfestigkeit bis heute bewiesen, obwohl sie vermutlich mit einem Hammer durch Knochen geschlagen wurde, und das über viele Jahre, mit dieser Leistung muss man zuerst einmal gleichziehen.


    Viele Grüße
    Roman

    so wie es auf dem Foto aussieht ist das Fleischerbeil nicht aus rostfreiem Stahl, sonst hätte es keine so tiefen Rostnarben, davon abgesehen kann man rostfreie Stähle sehr hoch härten, wenn das auch aus markttechnischen Gründen nicht oft gemacht wird.
    Es kommt darauf an wie sehr sich die Klinge vom Rücken her zur Schneide hin verjüngt, je mehr gleich starkes Material desto besser ist die Ausbeute und man muss nicht so viel schmieden. Es wäre zwar schön wenn man genau wüßte um welchen Stahl es sich handelt, aber das würde man beim Heraustrennen der Klingen schon merken, bzw. am Funkenstrahl einigermaßen erkennen können.
    Die Kosten musst Du im Einzelnen mit dem absprechen der so ein Vorhaben angeht, wenn es nur rein um die Klingen geht und keine Beschläge (Griff etc.) dazukommen wird es schon nicht so teuer werden.


    Es ist auf jeden Fall ein schöner Gedanke, sonst liegen solche alten Werkzeuge doch immer nur rum und keiner weiß mehr etwas damit anzufangen, wenn noch Erinnerungen damit verbunden sind würde ich jederzeit zu dem Schritt raten.
    Viele Grüße
    Roman

    es ist durchaus möglich einen Stahl, also auch ein Messer, mehr als einmal zu härten. Es bleibt aber natürlich ein Vorgang den man nicht beliebig oft wiederholen kann.


    Dieses "mehrmalige Härten" ist nichts unbekanntes, gerade japanische Schmiede haben aufgrund ihrer Methode des Härtens öfter damit zu tun. Natürlich verläuft bei dieser Methode nicht immer direkt alles wie sich der japanische Meister wünscht, die Hamonlinie soll danach schön sichtbar sein und das Schwert (was natürlich nach westlicher Beurteilung kein Schwert sondern ein Säbel ist, wobei mir der Begriff -Schwert- für ein Katana irgendwie mehr zusagt) bekommt beim Härtevorgang in Wasser seine charakteristische Krümmung (diese Krümmung hat natürlich auch manchmal ihre eigene Vorstellung von krumm werden, was natürlich darin endet das die Krümmung nicht so verläuft wie der Schmied sich das vorstellt).


    Also, das Katana ist krumm, aber nicht so krumm wie der Meister es will und der Hamon sieht aus als ob ein Huhn mit schmutzigen Füßen über die Klinge gelaufen ist. Was solls, also alles wieder ins Feuer und ausglühen, bei cirka gut 700 Grad wird die Klinge ihre Härte verlieren und der Meister darf sich erneut mit der Lehmmischerei beschäftigen. Kurzum, Meister Yoshihara beschreibt in seinem Buch drei bis fünf "Härtevorgänge", und solange das Schwert gut geschmiedet ist sollte es das überstehen.


    Stahl und Feuer sind beileibe keine so guten Freunde wie man meint, Feuer schadet dem Stahl mehr als man glaubt, vor allem wenn man nicht aufpasst. Es ist zwar möglich mehrmals zu härten, allerdings ist es keine erstrebenswerte Sache. Ich denke wenn man das Umschleifen einem Fachmann überlässt braucht man sich keine Gedanken darüber zu machen.


    Viele Grüße
    Roman

    ein "nachhärten" gibt es in diesem Sinne nicht, bei solchen Vorhaben heißt es immer "alles oder nichts".
    Klingen die beim Schleifen heißgelaufen sind müssen gänzlich geglüht, dann wieder je nach Vorgabe für den Stahl neu gehärtet werden.


    Die Kilngen für Messer werden fast ausschließlich aus Kaltarbeitsstahl hergestellt, demzufolge ist keine gegen eine thermische Belastung die beim Schleifen entstehen kann gefeit, selbst Warmarbeitsstähle halten nur bedingt Temperaturen über 400 Grad aus, und wenn, dann ist es meist kein Bauteil was eine feine Schneide hat.


    Viele Grüße
    Roman

    werter -kreativito-,
    die ersten Antworten fielen vielleicht nicht so aus wie Du es dir vielleicht vorgestellt hast, gerade bei deinem ersten Beitrag. Aber das Kind ist ja noch nicht in den Brunnen gefallen, sondern nur mal nass geworden. Ich bin auch nicht der Herr Oberlehrer, aber wenn etwas schon ein bißchen her ist, wie die Beiträge über diese Messer, und wieder etwas neues dazu geschrieben wird liest man es eben, neue Erkenntnisse sind ja nie von der Hand zu weisen.


    Ich habe mir auch einmal die Mühe gemacht diese ganzen kreativen Seiten durchzublättern, natürlich nur im übertragenen Sinn, heutzutage geht uns ja das Durchblättern ein wenig ab durch diese ganze Elektronik, naja, zumindest benutzen wir immer noch die Finger. Das macht ja augenscheinlich einen kreativen bunten Eindruck, aber ich weiß offen gesagt nicht was das alles mit einem Messer zu tun hat. Ein Messer ist kein Bild, Bilder kann man betrachten und sich eine Meinung bilden.


    Ein Messer ist ein Gegenstand den man allein durch das Betrachten nicht erfassen kann, die Augen senden zwar die Nachricht das dieses Messer einem gefällt oder nicht, aber Messer muss man in die Hand nehmen. Seltsamerweise funktioniert ein Messer auch ohne Augen, die Hände geben das Gefühl wieder was das Auge nicht erfassen kann und wenn es schneidet merkt man in der Hand wie die Schneide durch das Schneidgut gleitet (idealerweise). Es reicht mitnichten nicht ein Bild von einem Messer irgendwo im Internet zu sehen und zu glauben das es gut ist. Glauben hat mit einem Messer gar nichts zu tun, wer Nachhilfestunden in Glaubensfragen braucht schließt sich besser einem Bibelkreis an. Messer hat etwas mit Handwerk zu tun, und zwar in allen Aspekten.


    Ein Messer anzufertigen erfordert Handwerk, heutzutage auch Maschinenwerk bei Serienfertigung, aber letztendlich hat ein Mensch das Messer in der Hand um etwas damit etwas zu werken. Und jetzt sind wir beim Thema. In dem Moment wo ich ein Messer in der Hand habe kann ich es erst mit allem erfassen, nicht nur mit dem Auge, sondern vor allem, wenn wir schon beim erfassen sind, mit den eigenen Händen. In diesem Moment werde ich nicht sehen, sondern begreifen durch ergreifen und erfassen durch in die Hand fassen, ob das Messer meiner Hand liegt und ob es die Balance hat die mir zusagt.


    Ich bin kein Experte der Rechtschreibung oder ein Literaturkritiker, aber Du kannst doch nicht in deinem Text schreiben: "Ich finde das es eigentlich sehr gut ist" und "Naja, ich denke für die Preisklasse sind das eigentlich ganz gute Messer."
    Das hört sich im Umkehrschluss nicht sehr überzeugt an, wenn ich das Wort -eigentlich- lese bedeutet es für mich immer, eigentlich gefällts mir doch nicht so, und wenn ich lese -naja, ich denke-, das ist schon mehr Urteil als das was dann noch an Worten folgen kann. Der Schlusssatz war auch nicht gerade in einem Forum über Messer und Ausrüstung der Aufruf zum fachlich werden, hier wurde schon jede Menge über diese Messer geschrieben, die Meinungen gehen zwar, dafür sind es ja Meinungen, in diese oder jene Richtung, aber im Großen und Ganzen kann man schon nachlesen was wir für Meinungen von diesen Messern haben, bzw. hatten, sie sind ja schon niedergeschrieben (damit habe ich versucht den Satz mit dem Hinweis auf die Suchfunktion zu umgehen).


    Wenn das Ganze einmal abschließend interpretieren darf, diese Messer sind nicht in deinem Besitz sondern Du bist aufgrund ihrer visuellen Erscheinung und ihrer Werbung halbwegs davon überzeugt das es für das Geld gute Messer sein können. Ich fürchte das ist ein bißchen dünn um überzeugend zu wirken. Besorg Dir die Messer und schau mal wie sich die Klingen bei dem was Du von einem Messer erwartest verhalten.


    Viele Grüße
    Roman


    PS: -gucken- würde ich eigentlich in keinem Satz verwenden (nagut, ich habs eben auch geschrieben)

    hallo Edgar,
    das MIcarta sieht auf jeden Fall auf den Fotos super aus. Jurte gibt einfach eine super Struktur, aber der Preis dafür war mir zu hoch, ich hatte genau die gleichen Probleme die Du schilderst. Um diese Lufteinschlüsse zu verhindern habe ich mit diesen kleinen Tapetenrollern gerollt was das Zeug, bzw. die Rolle, hergab, es waren immer noch Einschlüsse drin, dabei war das 24 Stunden Epoxyd schon sehr flüssig. Auch das Verdünnen des Epoxyds mit Aceton war ein Schritt in die falsche Richtung, jetzt hatte das Epoxyd die Fließeigenschaft von Wasser, aber dafür härtete es irgendwie immer mal so und mal so aus. Ich gebe es zu, aus mir wird kein Chemiker.
    Dann habe ich das Projekt Jurtemicarta mal wieder aus Eis gelegt.


    Den nächsten Anlauf werde ich wohl im Herbst machen, dann sind die Nächte länger und man bekommt wieder mehr Einfälle. Der nächste Akt wird wohl eine Form aus Stahl sein, dann werde ich es einmal mit einer beheizten Form versuchen, vielleicht wirds ja dann besser. Ich bin ja fast gezwungen noch einen zweiten Anlauf zu machen, ich habe ja noch genug Jurte hier rumliegen um mindestens eine Hippiekolonie mit Schultertaschen auszustatten.
    Viele Grüße
    Roman


    PS: nur für die experimentierfreudigen Nachahmer der Aceton-Verdünngeschichte. Gewöhnlich schlage ich das ganze Jurte-Epoxydgesummse in eine Frischhaltefolie ein, das funktioniert eigentlich ganz gut (in Anbetracht dessen was gut funktionieren kann, die ein oder anderen Klebespritzer sind schon in die Kalkulation mit aufzunehmen). Aber ein Epoxyd-Acetongemisch hat da schon etwas andere Vorstellungen, abgesehen davon das es riecht als wäre man in der Hölle der in Sünde gefallenen Chemiker, läuft das Zeug wie Wasser überall hin, was noch erfreulicher dabei ist, Aceton löst diese Frischhaltefolien im Handumdrehen auf, den Rest kann man sich ja vorstellen.

    vielleicht sollten wir einmal etwas pragmatischer an die Angelegenheit heran gehen und uns ein paar primäre Gedanken machen.


    Primärgedanke ist ein 500 Gramm Schlosserhammer der aus Geschützrohrstahl hergestellt ist. Primär ist das Geschützrohrstahl keinen Deut besser ist als der Stahl der für gewöhnlich für Hämmer verwendet wird (ein Hammer braucht keine ballistische Hilfestellung zu leisten, lassen wir Thors Hammer mal außen vor). Primär ist das dieser Hammer trotzdem fast augenblicklich ausverkauft war, was nicht für die Qualität des Hammers, aber für die Qualtiät der Werbung spricht, lassen wir Vergleiche mit Messern die auch Geschützrohrkomponenten in der Klinge haben außen vor.


    Primär ist das so ein Hammer falls er in Kleinserie gemacht wird enorme Kosten verursacht, allein das Zurechtschneiden und -schmieden wird schon alles andere als günstig, von einem Damasthammer mal ganz zu schweigen.


    Primär ist das keiner so etwas wirklich braucht, ein Damasthammer von 500 Gramm wovon vermutlich jedes Gramm mindestens einen Euro kostet benutzt keiner um ja keine Schrammen rein zu schlagen, zumal man ja für die Arbeit einen 500 Gramm Schlosserhammer aus BW-Beständen für nicht mal vier Euro bekommt (garantiert von einer deutschen Hammerschmiede).


    Primär ist dann das unser Hammer im Wohnzimmer liegt und die Ehefrau irgendwann doch einmal diese verflucht harten Stahlstifte, an die man Bilder hängt, in die Wand schlägt. Natürlich wird sie mit diesem verflucht harten Stahlstift einen Stein unter dem Verputz treffen und hundertprozentig wird unser Geschützrohrdamastsuperteuerhammer einige satte Kerben von diesem unscheinbar kleinen Stift bekommen. Na gut, wir werden sie rausschleifen oder rausschleifen lassen, aber es ist nicht mehr der Hammer der er einst war, gebraucht und zurechtgeschliffen, abgesehen von der Diskussion mit der Ehefrau (die natürlich ganz lapidar die Meinung vertritt das ein Hammer zum Arbeiten ist und wenn dieser "scheißteure" Hammer nicht mal einen Stift in die Wand bekommt ohne schartig zu werden sowieso nichts taugt).


    Primär ist wenn man sich eine Portion 500 Gramm Schlosserhämmer aus einem BW-Bestand besorgt, Preis in der Bucht momentan bei 3,70 Euro das Stück, ein Logo einlasert, genauso am Ende dasteht, nur das einem die Scharten im Hammer egal sind weil man den Hammer sowieso benutzt zu dem wozu er gemacht wurde und noch jede Menge Geld im Geldbeutel übrig ist um sich einen anderen Herzenswunsch zu erfüllen (mal abgesehen von der Diskussion mit der Ehefrau, die natürlich unseren TF-Hammer lobt weil man damit endlich mal etwas im Haushalt machen kann).


    Sekundär ist das wir keinen Hammer aus Geschützrohrstahl haben, was auch nicht mehr als ein ausrangierter Lagerbestand der BW ist, genau wie der Hammer für keine vier Euro.


    Ein Hammer ist ein Hammer, er sollte vor allem gut in der Hand liegen, der Stiel ist fast wichtiger als das Hammergehäuse.


    Viele Grüße
    Roman

    ich habe nicht vor Damast aus Panzerstahl zu schmieden, es ging mir nur um das Härten des Geschützrohrstahls. Man kann zwar Hämmer aus Damast machen, aber das erschließt sich mir nicht, offen gesagt erschließt sich mir nicht einmal wieso man so homogene Stähle wie wir sie heutzutage haben miteinander verschweißt.
    Panzerstahl kann Hupi08 anscheinend besorgen, der hat damit zu tun.
    Viele Grüße
    Roman

    @Jörn, die Hämmer gibts bei mir, eigentlich schmiede ich neben den Klingen auch Werkzeug. Wenn es "used look" sein sollte, dann mache ich sie eben nicht sauber nach der Fertigstellung. Die abgebildeten Hämmer sind allerdings meine Handhämmer, der dicke links außen mal außen vor, den brauche ich eigentlich selten (nicht weil ich leistenmässige Befürchtungen habe, ein 7 Kilo Handhammer ist eigentlich nur selten im Einsatz, zudem wackelt dann immer der eine Fensterrahmen bedenklich).


    @Robert, Du kannst gern vorbeikommen wenn Du hier in der Nähe bist. Mach Dich allerdings darauf gefaßt dass ich meist in der Schmiede ungefähr den gleichen Freiraum habe wie man zwischen den Hämmern auf der Werkbank erkennen kann, ich kann allerdings ein wenig Zeug beiseite stellen. Bilder mache ich mal noch ein paar die Tage, obwohl Daniel eigentlich meine ganze Unordnung ins rechte Bild gesetzt hat.


    Viele Grüße
    Roman

    @Roman was ist denn mit Panzerstahl? Kannst bearbeiten?


    -prinzipiell ja, ich kann Panzerstahl bearbeiten, falls mir nicht gerade ein Stück vorgelegt wird das eine Tonne wiegt. Ich habe allerdings dahingehend keine Möglichkeit Hämmer aus Geschützrohrstahl zu schmieden weil sich mir das Tun verschließt. Nicht das ich es schlecht machen will, ich weiß nur nicht wie man dieses Material entsprechend wärmebehandelt. Es gibt zwar Analysen von diesen oder ähnlich legierten Stählen, nur wie man speziell diesen Stahl härtet entzieht sich meiner Kenntnis. Ich kanns ja mal einfach machen, ich rufe, nachdem ich mal ermittelt habe wer die Geschützrohre herstellt und wärmebandelt dort an und frage wie die Wärmebehandlung aussieht. Die Texte die ich dann noch texte werde ich wohl mit einer Zehentastatur bewerkstelligen müssen und mich danach mit Herrn Lecter in der Nachbarzelle über Spaziergänge in Florenz unterhalten. Ich kann mir selbst in dieser mitteilungsfreudigen Gesellschaft heutzutage nicht vorstellen das man mir mitteilt wie man Geschützrohrstahl wärmebehandelt.


    Aber Spaß beiseite, diese Geschützrohrstähle sind ein Kapitel für sich. Abgesehen davon das sie den enormen Druck ihrer eigentichen Bestimmung aushalten müssen dürfen sie ja nicht so legierungs- und härtemässig eingestellt sein das sie bei Abkühlung anfangen plötzlich eine andere Härte anzunehmen. Man stelle sich einmal vor, ein paar Schüsse aus dem Kanonenrohr und es härtet lustig an der frischen Luft so aus wie es will (und sie sind ja letztendlich für den Krieg gemacht, der geht auch weiter bei Regen und tiefen Außentemperaturen), beim nächsten Schuß kann ich nur hoffen das dieser ferngezündet wird und sich niemand mehr im Panzer aufhält.


    Also, ich bleibe bei meinen normalen Hämmern, die haben ihren Dienst bis jetzt gut getan.
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    Viele Grüße
    Roman

    den Erl einfach heiß in den Griff schlagen kommt mir ein bißchen unfertig vor, zudem würde ich das machen bevor die Klinge gehärtet wird um mögliche Wärmeeinflüsse auf die Klinge auszuschließen.


    Herr Bergland beschreibt in seinen Ausführungen detailgenau wie man eine schlüssige Verbindung zwischen einem Messer mit Spitzerl und einem Griff bewerkstelligt. Was dieses Vorgehen erheblich vereinfacht ist eine Bohrung längs in den Griff wo der Erl befestigt werden soll. Man spannt einen Bohrer (Bohrerdurchmesser sollmder Dicke des Erls entsprechen) in die Bohrmaschine und bohrt ein Loch das so tief in den Griff reicht wie der Erl lang ist. Dann bewegt man den Bohrer ein wenig hin und her (bei Standbohrmaschinen den Griff ein wenig hin und her bewegen), so das eine längliche Bohrung entsteht.
    Jetzt den Erl erwärmen, die Klinge dabei mit einer Zange festhalten, dann wird der glühende Erl in die Bohrung eingeführt bis die Klinge bündig anschließt, Es ist möglich das man das mehrmals machen muss, nicht erschrecken wenn mal eine Flamme schlägt oder ein zu schmal gehaltener Griff einfach platzt, dann gehts eben von vorne los.


    Sobald das alles geglückt ist bekommt der Erl ein paar Kerben gefeilt, das Loch wird ein bißchen von dem verkohlten Holz gesäubert und dann gießt man einfach Epoxid in die Bohrung und setzt den Erl dann dorthin wohin er gehört. Man macht das schön langsam und dort wo ausfließendes Epoxid nicht so arg zu Ärgernissen führt.


    Zum bohren sind diese Holzbohrer mit Zentrierspitze geeignet, man kann sie genau ansetzen und sie sind ziemlich scharf, was diese seitliche Bohrlocherweiterung vereinfacht. Für den verkohlten Kram aus dem Bohrloch rauszukratzen fertigt man sich einfach ein Werkzeug an was man beim Messermachen sowieso immer gebrauchen kann. Ein Langes Stichsägeblatt wird in einem kleinen Feilenheft eingeklebt, damit kann man das angekohlte Loch für den Erl säubern und wenn man die "Glühnummer" nicht machen will kann man damit das Loch für den Erl so freiräumen das es auch die Feuergeschichte geht.


    Viele Grüße
    Roman

    @Dominik,
    wenn deine Messerklingen keinen anderen Belastungen ausgesetzt sind als Du selbst es bist brauchst Du dir keine Gedanken über die Klingen zu machen.


    Falls dich interessiert wie Wärme auf Stahl wirkt, darüber gibt es sehr gute Fachbücher. Ich erwähne jetzt einfach mal das Buch von Herrn Prof. Dr.-Ing. Volker Läpple aus der Bibilitothek des technischen Wissens. Dort sind alle Wirkungen von Wärme auf Stahl explizit erläutert, nicht vom Hörensagen oder von sonstigen Erfahrungen, den Mann kann man ruhig zitieren, das was dort steht ist Fakt.
    Wenn Dich Anlassvorgänge in ihren einzelnen Wärmeabstufungen, 0 bis 100 Grad Celsius, 100 bis 200 Grad Celsius, usw. interessieren, dort ist alles haarklein erklärt, von Standardhärtevorgängen bis zum Borieren.


    Stahl fängt immer an zu reagieren wenn er erwärmt wird, er reagiert überhaupt immer auf Außentemperatur, in irgendeiner Weise ist in dem Zeug immer etwas los, aber letztendlich ist es ohne Bedeutung für ein Messer. Wenn man eine Klinge nicht gerade stundenlang über 180 Grad aussetzt oder schockgefroren auf minus 200 Grad in die Ecke wirft ist es ihr eigentlich alles egal. Stahl altert auch, das tun aber Steine auch, irgendwann sind selbst selbst dicke Steine zu Kieselsteinchen geworden, das passiert ja auch ganzen Gebirgen. Stahl erleidet selbstverständlich das gleiche Schicksal, nur hat Stahl eine etwas andere Vorstellung von Alterung. Klingen aus Gräbern von vor zweitausend Jahren waren immer noch als solche zu erkennen und wiesen zum Teil noch waffenfähigen Stahl auf.


    Also, wer sich mit seinen Klingen beerdigen lässt und den Vorteil genießt nach zweitausend Jahren wiedererweckt zu werden wird seine Klingen in einigermaßenem Zustand wieder neben sich finden und muss keine neuen kaufen, Gesetz dem Fall das man nass gelegen hat, dann ist Korrosion natürlich nicht auszuschließen. Im Falle einer nassen mehrtausendjährigen Lagerung würde ich Klingen aus 440C empfehlen, der rostet wirklich selbst nach Attacken mit Kupfersulfat nur leidlich, er wird also ebenso geduldig auf die Erweckung warten wie sein Besitzer (der hoffentlich bei einer solchen Lagerung eine Windel aus Kevlar trägt).


    Viele Grüße
    Roman

    So ein Messer gehört einfach nicht mehr in die heutige Zeit, allein die Fertigung entspricht schon nicht mehr der Vorstellung wie man ein Taschenmesser baut. Keine Skizzen, keine ausgeklügelten PC-Programme, keine CNC-Fräse und keine Werkstatt an der man jederzeit am offenen Herz operieren kann (wobei ich mir das auch manchmal wünsche, nicht die OP am Herz sondern eine blitzsaubere Werkstatt).


    Die üblichen Verdächtigen, Schraubstock, Feuer, Amboss, Hämmer, Zangen und als Geständnis an die heutige Zeit, eine Standbohrmaschine von 1963 (ja, sie läuft mit Strom). Ziel ist ein Klappmesser in der spanischen Bauweise, groß, wuchtig und gefährlich (bei dem System mit Auflagefeder nicht nur gefährlich für andere, sondern auch für den Benutzer, sozusagen ein Frictionfolder mit "Russischroulette-Verriegelung für die Finger").
    Ich will gar nicht in Detail gehen, bis man endlich ein Stück Horn vom indischen Wasserbüffel gefunden hat was passt, schon gar nicht was für ein Geruch entsteht wenn man es bearbeitet, das Anfertigen sämtlicher Beschlagteile, das Schmieden und Einpassen der Klingenachse, das ist hier ein 10 mm im Durchmesser messender konischer Niet der die Klinge bombenfest hält, mit dem Nachteil bei der Fertigung das bei einem Hammerschlag alles sitzen muss sonst kann man alles in die Tonne treten.


    Vielleicht mache ich noch eine Verriegelung dazu, das ist ja jederzeit möglich bei diesen Messern, im Prinzip ist ja alles darauf ausgerichtet das man alle anfallenden Arbeiten auch nach dem Zusammennieten von Griff und Klinge machen kann, bis jetzt hält es mal, aber mit einer richtigen Verriegelung der Klinge erscheint es mir doch sicherer, vor allem in Hinblick auf die Größe der Klinge. Ich habe als Vergleich eines dieser Arbeitsmesser von Mora dazugelegt, so kann man sich die Größe des Klappmessers besser vorstellen.
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    Viele Grüße
    Roman

    das Messer ist wirklich außergewöhnlich gut geworden Chris. Du baust zwar immer Messer die sofort Auge und augenscheinlich auch der Hand gefallen, aber das hier ist meines Erachtens nach ein Volltreffer, da stimmt eigentlich alles.


    Ich würde ja jetzt sagen "weiter so", aber ich frage mich langsam wohin "weiter so", das Thema Stahl/Micarta/Kydex ist so langsam was an sinnvoll Machbaren machbar ist erschöpft. Ich bin auf jeden Fall gespannt was Dir noch alles einfällt.


    Viele Grüße und weiter so, egal wohin
    Roman


    PS: Übrigens, diese Klingenform, die hat mich heute morgen schon beschäftigt. Die Klinge hat mich an ein Benchmark Rolox erinnert, also habe ich bei der Suchmaschine -Benchmark Viper- angegeben, da habe ich auch ein Viper von früher gefunden, aber auch die neue Ausführung des Viper, das neue sieht offen gesagt so nach Asien aus das es einem fast aufstößt, während das alte Viper an eine richtige Handwerksarbeit erinnert. Bei dieser Benchmarkrecherche habe ich übrigens auch eins gefunden auf dem groß -First Production Run- draufsteht und es schon ohne Aufdruck als Serienmesser 1987 zu haben war. Aber das nur am Rande.

    Ein Schmiedekurs wäre wirklich der beste Einstieg, auch in Hinblick auf anfallende Nebenkosten. Selbst in Anbetracht dessen das Du Benzin und Übernachtung wahrscheinlich noch dazu rechnen musst ist das gar nichts im Vergleich zu dem dem was Du an Kosten in den Sand setzen kannst wenn Du es ganz autodidatktisch angehst.
    Die Idee mit den Büchern ist gut, so bekommt man einen Einblick in die ganze Materie, das Buch von Herrn Bergland, -Die Kunst des Schmiedens- ist zwar nicht nur für Messerschmiede geschrieben, aber es gibt einen guten Einblick in das Handwerk des Schmiedens. Fachbücher wirst Du beim Hephaistos-Verlag finden, Fachbücher die das Schmieden von Stahl im klassischen Schmiedefeuer behandeln wirst Du z. B. bei -buchfreund- finden. Einfach Wärmebehandlung, Härten dort eingeben und dann erscheinen die Buchtitel aus alten Zeiten.


    Du wirst nicht an dem Buch -Der Schmied am Amboss- und auch an dem -Merkbuch für Fehler bei der Warmbearbeitung von Eisen und Stahl- von Mayer-Sidd/Hutterer vorbeikommen. Wenn das Schmieden einer Klinge auch etwas werden soll und man weiß was dabei geschieht wird auch Herrn Rapatz Buch -Die Edelstähle- auf die Liste gesetzt werden müssen.


    Viele Grüße
    Roman

    die Kontur der Scheide gefällt mir sehr gut, auch sieht ihre Farbe in diesem naturfarben irgendwie aus als wäre sie schon lange im Gebrauch und hätte eine wunderschöne Patina angenommen.
    Die Nähte, die sitzen alle im gleichen Abstand und sind augenscheinlich sauber vernäht, nur sticht mir irgendwie der Abstand von der Naht bis zur Außenkante ein wenig ins Auge, der scheint mir ein wenig kurz ausgefallen zu sein. Da würde ich beim nächsten Mal ein wenig Leder mehr überstehen lassen, abschneiden kann man einfach besser als dranstücken.
    Normalerweise gilt ja Nahtlochabstand=Entfernung Naht zur Außenkante, aber mir gefallen die etwas breiteren Abstände der Nahtlöcher bei deiner Messerscheide sehr gut. In dem Fall würde es ja heißen das man immer noch einen guten Fatzen Leder neben der Naht hätte, was auch optisch nicht soviel hermacht. Wie gesagt, das ist Geschmackssache, aber mir hätten noch cirka 3 mm Leder mehr bis zur Außenkante noch ein bißchen besser gefallen.
    Viele Grüße
    Roman

    das würde Euch so passen, immer schön Entscheidungen an andere abschieben.
    Ich sehe mich schon, Pfeife rauchend und grübelnd in der Schmiede sitzen bis mir ein Name für eine Klinge einfällt, wie vom Blitz getroffen aufspringend, die Klinge weit über mich hebend und mit lauter Stimme den Namen der Klinge den Göttern zurufen.


    Diese Kaspernummer werde ich mir mal ersparen, ich springe in der Werkstatt nicht ruckartig auf, dann tut man sich immer weh an den Dingern die man schon vor Wochen wegstellen wollte. Und überhaupt, Klinge in die Höhe ist auch Mist, je nachdem wo ich steht habe ich dann ein Loch im Dach, und den Göttern werde ich auch nichts lauthals zurufen, da fällt einem immer die Pfeife aus dem Mund und meist in einen Löschtrog, und fast immer in den mit dem steifen Fett.


    Macht mal schön, bei mir gibts nur Abkürzungen, Namen denkt Euch mal schön selbst aus. Das konnte ja nur eine von Arne´s Ideen sein, was soll ich mir nicht alles ausdenken. Nachher kommen die Steinmetze und wollen das ich ihren Meißeln Namen gebe, so was wie "Hauweg" oder "Spaltgut", in der Richtung. Es stehen noch ein paar Hämmer an die Form annehmen sollen, wie soll ich die denn nennen, "Schlagdrauf" oder "Treffgut".


    Ich geh jetzt mal etwas schaffen.
    Viele Grüße
    Roman