wo ein Wille ist, ist zwar immer ein Weg, aber nicht automatisch der Erfolg den man sich erhofft.
Das Problem "kleinerer Stein-perfekter Schliff" ist vermutlich so alt wie die Menschheit. Jetzt sind wir wieder bei Küchenmessern. Sind wir mal ehrlich, eigentlich achten wir alle viel zuviel auf die Messer die nichts schneiden müssen als auf die Messer die jeden Tag arbeiten müssen. Keine Sorge, ich bin keiner der "Wasser predigt und Wein säuft", ich muss mich auch immer darauf achten die Kochmesser einigermaßen bei Laune zu halten. Aber Fakt ist, wenn das Kochmesser nicht mehr schneidet hat man zu lange gewartet, die Schneide ist, wenn man sie unter eine Lupe betrachtet, rund geworden.
Irgendwann geht es jeder Schneide so die im Dauereinsatz ist und bei der nicht jeder Tag die gesamte Schneidfase wieder auf Vordermann gebracht wird. Schneiden, Wetzstahl, sonst ein Schärfsystem, schnell schnell, geht schon wieder. Das ist alles legitim und kein Beinbruch, aber irgendwann ist die Schneide rund, das ist so sicher wie das berühmte "Amen" im Gebet. Jetzt kommt der große Moment wo die Schärfsysteme beweisen können wozu sie gemacht worden sind. Da man geneigt ist ein Messer schonend zu behandeln will man, meist ob man will oder nicht, auch schonend mit der Schneide umgehen. Das ist auch kein Beinbruch, bringt aber bei einer rund gewordenen Schneide nicht viel, es geht nicht voran, man kippt automatisch in die Bewegung um überhaupt ein wenig Schärfe zu erzeugen. Dann passiert der Teufelskreislauf, wir schleifen die Rundung. Das sieht dann so aus das man den Grad der dabei entsteht als Schärfe empfindet, das ist aber keine neue Schneide, sondern lediglich ein abstehender Grad, ein bißchen abgekipptes Metall, mehr nicht. Jetzt wischt man die Klinge sauber und wischt natürlich auch den Grad mit weg, Fazit: wir sind soweit wie vorher und ärgern uns, geben naturgegeben zuerst dem Schärfsystem, dann dem Messer, dann dem Stahl und zum Schluß vielleicht uns die Schuld. Endresultat: schlechte Laune und noch immer ein stumpfes Messer.
Also, ich nenne diese Messer jetzt mal Arbeitsmesser, egal ob sie in der Werkstatt, im Wald, auf der Jagd oder in der Küche ihren Dienst tun müssen. Messerschneiden die unter schwerem Beschuss stehen büßen ihre Schneide ein, man kann sie mit Wetzstählen oder sonstigen Behelfsmitteln eine Zeit bei Laune halten, aber das ist nur eine Frage der Zeit bis sie nicht mehr schneiden. Das Einzige was jetzt hilft ist das Einrichten einer neuen Schneide. Das Einrichten einer neuen Schneide kostet immer ein wenig Material, das ist unabdingbar, Klingenstahl nutzt sich beim Gebrauch ab und wächst nicht dabei. Ein großer Schleifstein, z. B. ein aggressiver Korundstein, leistet hier gute Dienste. Ich kenne mich bei den ganzen Schleifsystemen am Markt nicht so gut aus, aber die werden wohl auch eine grobschleifende Option haben.
Mit diesem groben Stein wird die neue Schneide eingerichtet. Ich erkläre es jetzt einmal so als ob das Messer in einem Schraubstock eingespannt wäre, dann kann man es sich besser vorstellen. Also, wir stehen vor dem Schraubstock, das Messer ist so eingespannt dass die Klinge links aus dem Schraubstock herausschaut, Schneide zu uns gerichtet. Jetzt wird wie beim Feilen von der Spitze zum Ricasso hingeschliffen, und zwar solange bis man die neue Schneide mit dem bloßen Auge erkennen kann und sie sich scharf anfühlt. Im Anschluss wird mit dem gleichen Stein vom Ricasso in Richtung Spitze geschliffen, so werden die ganzen Spuren vom ersten Schliff einigermaßen plan geschliffen.
Jetzt das Ganze umgekehrt, Messer schaut aus dem Schraubstock rechts heraus. Wie gesagt, alles umgekehrt, erster Schliff jetzt vom Ricasso zur Spitze, dann plan schleifen von der Spitze zurück zum Ricasso.
Danach sollte sich eine Schneide eingestellt haben die schon sehr bissig ist, was man jetzt mit dieser Schneide macht ist jedem selbst überlassen. Diese neue Schneide kann man sofort benutzen nachdem der Grat abgezogen ist, man kann sie auf feineren Steinen oder mit Schmirgel oder was weiß ich feinschleifen, polieren, honen, über Leder abziehen usw.. Aber aller Feinschliff und Poliererei setzt voraus dass eine Schneide vorhanden ist die scharf ist und die Grundlage für einen Endschliff bietet. Solange man nur die rund gearbeiteten Schneidfase so bearbeitet das keine neue Schneide entsteht entsteht nur Frust.
Wie gesagt, das Leben eines Arbeitsmessers ist nicht lustig, es muss jeden Tag brennen, und zwar wie eine Kerze die an beiden Enden Feuer hat. Diese Messer sind meist schon so vom Stahl eingestellt das sie grobe Schleiferei oder Maschinenschleiferei klaglos wegstecken. Man kann auch einen Kult um diese Messer machen, aber eigentlich sind sie Verbrauchsgegenstände. Und manchmal wenn ich gefragt werde was ein gutes Gebrauchsmesser ist, dann fällt mir immer die gleiche Antwort ein, es soll sich gut greifen lassen und eine Schneide haben die ein paar mm breiter ist als normal, dann schleift man nicht direkt so ins Material das die Proportionen schnell verloren gehen, der Stahl spielt eigentlich keine Rolle.
Viele Grüße
Roman