um auf die im "Anfangs-post" gestellten Fragen Bezug zu nehmen, Herr Franck von der Firma Schmiedeglut ist eine "sichere Bank" was Messerklingen (und natürlich auch fertige Messer) betrifft.
Das Messer an sich zu beurteilen ist für mich persönliche eine reine Gebrauchsfrage, wenn sich jemand so ein Messer anfertigen lässt und es genau nach seinen Vorgaben umgesetzt wird hat der Auftraggeber das was er haben möchte, beziehungsweise das was seinen Erfahrungswerten entspricht.
Inwieweit das jetzt anderen zusagt oder nicht ist wieder ein anderes Thema. Das Messer ist augenscheinlich gut gemacht, handlich aufgrund seiner Größe und man kann die Griffbewicklung erneuern falls es nötig ist. Eine Griffwicklung bringt immer die üblichen Vor- und Nachteile mit sich, einem liegt Paracord als Griff, der andere kann nur mit fester Beschalung.
Die Form an sich ist zwar nichts neues, es ist ein "klassisches" Messer, reduziert auf das Wesentliche. Ich kenne mich zwar mit Bushcraft nicht so aus, aber das soll doch irgendwo das Ziel dieser Sache sein, mit dem Wesentlichen draußen klarzukommen.
Der Stahl, hier C100, ist ein niedriger legierter Kaltarbeitsstahl mit cirka 1 Prozent Kohlenstoff. Der Stahl ist gut zu verarbeiten, ob warm oder kalt, lässt sich gut härten und ergibt formidable Messerklingen. Schmiedehaut ist nicht jedermanns Geschmack, aber wenn diese nicht gesäubert wird wird die Klinge gerade an dieser Stelle so gut wie gar nicht rosten, glühender Stahl und Öl haben dort eine derartige Oberfläche geschaffen das von Korrosion lange Zeit keine Rede sein kann. Das gleiche gilt übrigens für den Griffbereich der Messerklinge, nicht gesäubert nach dem Abschrecken kann auch Staunässe durch Paracord dort nicht viel anrichten.
Korrsosion bei "Kohlenstoffstählen", ein nicht enden wollendes Thema, der Stahl ist zwar gut, aber der schlimme Rost frißt die Klinge auf. C100 weist nach Kontakt mit diversen Korrosionsmedien natürlich Korrosion auf, irgendwann ist das bei jedem Stahl der Fall, BG42 rostet auch wenn man ihn mit Kupfersulfat besprüht. Aber wer besprüht schon seine Messerklinge mit Kupfersulfat, außer er ist bei den Expeditionstruppen auf dem Planeten "Kytex2", wo nach dem morgendlichen Quecksilberregen der vormittägliche Kupfersulfatnebel aufzieht.
Aber wir wollen nicht in die Zukunft abschweifen, halten wir uns an Fakten über Messerklingen die nicht über die erforderliche Menge Chrom verfügen. Falls es irgendwelche Zweifel, die es ja immer gibt, hinsichtlich der Beständigkeit von nicht korrorsionsbeständigen Stählen in Form einer Messer- oder Schwertklinge geben soll, verweise ich einmal auf das vorzüglilche Buch "Knives Dagger & Bayonets" von Herrn Dr. Tobias Capwell, explizit auf die Seiten 24 und 25. Dort sind Saxklingen abgebildet, mitteleuropäischen Ursprungs und ein Fund aus England.
Auf Seite 25 unten sind zwei Saxklingen, datiert auf das 6. Jahrhundert nach Christus, abgebildet. Beide Saxklingen zeigen Spuren von erheblicher Lochfraßkorrosion, sind aber immer noch einwandfrei als Saxklingen zu erkennen. Der Erhaltungszustand lässt zwar keine Verwendung mehr als Werkzeug oder Waffe zu, aber er ist immer noch so gut dass man exakt erkennen kann um was es sich handelt (die Formen laden gerade dazu ein diese Waffen/Werkzeuge wieder nachzuschmieden /-schleifen).
Soviel zu Korrosion nach gut 1300 Jahren.
Aber es gibt auch noch einen anderen Fund (es gibt natürlich noch mehrere andere Funde von Saxklingen) einer Saxklinge, das sogenannte
-Sax von Beagnoth-. Sei mir jetzt keiner böse wenn ich nicht alle Daten zu diesem Fund hier aufführe, im Internet gibt es bei Wiki... einen aufschlussreichen Bericht dazu. Die Herkunftszeit wird in die Zeit vom 9. oder 10. Jahrhundert beziffert, also ist das gute Stück über 1000 Jahre alt. Gefunden wurde es in der Themse in England. Die Klinge ist in einem vorzüglichen Erhaltungszustand, sämtliche Inschriften, natürlich in Runen, sind noch zu erkennen (und für den Sachkundigen natürlich zu lesen), und das nach 1000 Jahren. Das Bild des Sax in dem besagten Buch zeigt eine längliche schlanke Saxklinge, wunderbar gearbeitet und macht den Eindruck dass es nach einem erneuten Schliff wieder gebrauchsfähig sein könnte. So eine Klinge lässt einen wieder ehrfürchtig auf das Können unserer Altvorderen blicken, gemessen am Lebensalter eines Menschen war es sprichwörtlich eine Klilnge für die Ewigkeit (und das ohne Chrom).
Also, Klingen aus einem Stahl wie C100 zeigen selbstverständlich je nachdem was ihnen widerfährt Korrosion, aber wegrosten tun sie so schnell nicht.
Die Unsterblichen unter uns können den letzten Textteil natürlich ignorieren.
Viele Grüße
Roman