Postmann, ich habe etwas Wichtiges vergessen. Zuerst (also viel zu spät -zuerst-), Dankeschön, dass Du dir diese Mühe gemacht hast und uns auch die Bilder gezeigt hast.
Natürlich hat Northmannsquest Recht, repräsentativ kann ein solcher Vergleich nicht sein, aber offen gesagt bin ich im Zweifel ob Postmann das überhaupt wollte?! Er hat den Fakt geschaffen, dass er mit zwei Taschenmessern eine Portion Schnittgut zertrennt hat bis eins stumpfer war als das andere. Also, mal abgesehen davon dass der TÜV nicht dabei war, mir reicht in der Nachbesinnung so ein Test alle Male aus.
Jetzt kommt das was automatisch kommt, wie kann der oder dieser Stahl versagen, da sind alle Parameter daran Schuld, Postmann (Du musst entschuldigen) sowieso. An Legierungen kann es nicht liegen, Legierungen täuschen sich nicht und können deshalb keine Fehler machen, überhaupt, amerikanische Messermacher sind sündenfrei (natürlich sind sie nicht sündenfrei, schlilmmstenfalls ein wenig unbekümmert, ....Amerika ist wunderbar, ZDP und Wonderbra.....)
Also, als ewig Gestriger nehme ich mir mal raus ein wenig zu diesen Stählen zu sagen, keine Sorge, es wird keiner dabei schlecht abschneiden, ich habe zu allen Stählen die gleiche Affinität (ich bin diesbezüglich auch sündenfrei und habe kein "obskures Verhältnis" zu irgendwelchen kristallinen Strukturen, wobei ich damit nicht ausschließen will dass es Planeten gibt wo man solche Verhältnisse als normal betrachtet....)
Die härtesten Stähle früher waren bekannt als Riffelstähle (der Name kommt von den geriffelten Mühlenwalzen), es waren wolframlegierte Stähle (wen es interessiert, Rapatz, -Die Edelstähle-, Ausg. 1962, Seite 220, auf Seite 223 spricht man dann von hrc Werten zwischen 68 bis 70 hrc). Die Zusammensetzung dieser Stähle ähnelt schon der von PD1), und schon damals ging es um den Preis für Legierungen. Viel geändert hat sich also bis heute nichts, auch heute machen die Preise für die Legierungszusätze die Musik bei der ganzen Stahlgeschichte.
Worauf ich als ewig Gestriger hinaus will, man war hausbacken und bodenständig. Ich gebe zu, die Unbekümmertheit der Cowboys hatten wir nicht, wir haben sie eigentlich immer noch nicht, aber hoffen durch blindes Nachahmen diese Unbekümmertheit zu bekommen (....Amerika ist wunderbar, ZDP und Wonderbra.....).
Kein Mensch wäre damals auf die Idee gekommen eine Messerklinge aus Riffelstahl zu machen, wozu auch, das Zeug ist derart hart dass es schon bei Hartmetall nicht an die Tür klopft, sondern schon im Hauseingang steht. Also blieb man treu und brav, natürlich ohne Unbekümmertheit, bei den Stählen die sich für Messerklingen eignen, zähharte Stähle, die man ohne Problem härten und auch scharf halten konnte, wer wollte kaufte sich ein Messer mit Chromzusatz, -rostfrei- war damals schon schwer in Mode.
Endlich wurde die Messerwelt erleuchtet und die Amerikaner benutzten 440C (... Amerika ist wu......), wir konnten hier nur staunen, verdammt, da hätte man auch selbst drauf kommen können, wenn wir nur unbekümmert wären. Immerhin, kein Problem, den Stahl haben wir ja auch hier, also ist alles im Lot. Und "schwuppdiwupps" (nein, nicht wie im Sturwwelpeter wird jetzt durch Max und Moritz ein weiteres Hähnchen durch den Schornstein gehoben) geht es mit den Legierungen weiter und 154CM wurde (nein, nicht aus der Taufe gehoben, der war längst da, nicht nur in Amerika, ....Amerika ist ............) bekannt. Ich kann mich noch gut daran erinnern, man tuschelte wie Verschwörer von diesem Stahl, es war der absolute Geheimtipp. Im Nachhinein betrachtet ist das Ganze natürlich nicht mehr als ein Gimmick, Leute die im Prinzip von Metallurgie nicht viel Ahnung haben geben die Marschrichtung an, und hier, wo im Stahlschlüssel alles drin steht, schaut keiner rein und alle marschieren mit (immerhin, endlich waren wir unbekümmert, ....Amerika ist wunderbar........).
Und der Rest von der Geschichte, man sagt uns was momentan angesagt ist, und wir sagen uns das dann gegenseitig an, kein Mensch fragt wie es um die metallurgische Ausbildung eines amerikanischen Messermachers bestellt ist, es wird alles einfach blilnd angenommen und als Dogma behandelt. Das ist kein "Abputzen" von amerikanischen Makern, es gab und gibt dort etliche Vertreter ihrer Zunft die sowohl entsprechende Vorbildung etc. hatten der haben, andere allerdings nicht (immerhin, dahin haben wir es auch geschafft, ......Amerika ist wunderbar..........). Aber wir waren immer schon groß darin uns sagen zu lassen was modern ist, ich erinnere mich diesbezüglich an die Lobpreisungen, die die trockenen Weine erfahren haben, es konnte kein Wein trocken (das ist die offizielle Bezeichnung, ich nenne das sauer) genug sein, mit spitzen Lippen wurden sie degustiert und dann, nachdem die zu Fäusten zusammengepressten Gesichter sich wieder entzerrt hatten, ging das Loben weiter (mancher Essig war bekömmlicher). Das aber nur am Rande.
Darin sehe ich den "Hund begraben", die Welt der Metalle ist nicht nur hart, sie hat auch allerhand zu bieten, und sie hat schon immer Menschen verleitet, gerade wenn man das Geheimnisvolle sucht, oder dem "Gral des Stahls" (was immer das auch ist, es gibt ihn nicht, und die Wahrheit hat Herr Gerfin schon vor langen Jahren in einem wundervollen Satz zusammengefasst: "Stahl ist Stahl und verhält sich wie Stahl") nachspioniert.
Da wurde jahrhundertelang der Härte des Stahls nachgespürt, gefaltete Klingen wurden mit dem Blut Unglücklicher abgeschreckt, Rennöfen zu Glas geschmmolzen und was weiß ich nicht noch alles, trotzdem dass ich ein Gestriger bin, so alt bin ich dann doch nicht dass ich mich an das alles erinnere).
So, jetzt sind wir endlich bei den "modernen Riffelstählen" angekommen, hochlegierte Spezialstähle, in Vakuumöfen erschmolzen und danach wieder mit sich selbst verschweißt, eigentlich müsste das der Gral des Stahls sein. Jetzt haben wir ihn endlich, nur müssen wir so gut wie nichts mehr schneiden, ist das kein Anachronismus?
Wir bekommen alles protionsgerecht vorgesetzt und die Messer müssen nur noch hobbymässig an den Start gehen. Ja, jetzt haben wir endlich den Gral und was benutzen diejenigen, die jeden Tag von Morgens bis Abends schneiden müssen, Klingen aus 1.4034.
Aber ich glabue das reicht jetzt langsam und bin genug vom Themas abgedriftet. Wie auch immer, ich bin jetzt mehr als vorher davon überzeugt, trotz aller Parameter und Legierungen, PD1 ist aufgrund seiner Wolframlegierung stabiler geblieben (ja, jetzt bin ich endlich auch unbekümmert, ........Amerika ist wunderbar............., die Edelstähle von Herrn Rapatz stehen im Regal und Rammstein läuft)
Viele Grüße
Roman