Beiträge von juchten

    Ferndiagnosen sind bei einer solchen Angelegenheit immer so eine Sache, aber versuchen wir es mal.


    Bei den Bildern ist mir das Bild in der MItte am sympathischsten, wenn der helle Bereich der ungehärtete Teil der Klinge ist, dann ist der Hamon ja an der richtigen Stelle und sieht schön wellenförmig aus.
    Das Herauspolieren einer Härtelinie ist wieder eine ganz andere Kiste, die Japaner haben da gut lachen, der von den japanischen Schmieden verwendete Stahl ist dafür wie gemacht und die Jungs die das Polieren übernehmen haben eine sehr lange Lehrzeit, die wissen also genau auf was es ankommt.


    Die Stahlbezeichnung von Dir sagt mir zwar nichts, aber wenn wie gesagt die Klinge auf Bild 3 eine solche Trennlinie zeigt dürfte eigentlich alles soweit in Ordnung sein.


    Also, Klinge zeigt Hamonlinie bei ätzen mit Essig, beim Schleifen verschwindet wieder die Linie teilweise. Ich glaube Du musst von vorn anfangen. Zuerst einmal die Klinge mit überschleifen bis Korn 1200, dabei sollte schon die Hamonlinie auf der blankgeschliffenen Klinge zu sehen sein. Wenn die Linie klar erkennbar ist, dann ist alles gut.


    Jetzt würde ich mit verdünntem Eisen3Chlorid ätzen, 1 Teil Eisen3Chlorid auf 3 Teile Wasser, die MIschung auf cirka 60 bis 80 Grad erwärmen. Ich will jetzt nicht ewig ausholen wegen den Sicherheitsvorschriften bei dieser Mischung und den Umgang mit Säuren, bitte nachlesen und gut aufpassen.


    Die warme verdünnte Säure mit einem Pinsel auf die Klinge auftragen, mehrmals mit dem Pinsel wieder überstreichen, dann ändert sich die Färbung des Stahls sehr schnell. Im Anschluss mit Wasser abspülen und mit einem Stückchen 1200 Schmirgel die Klinge wieder blank schleifen. Das Ganze noch einmal wiederholen, dabei sollte die Trennlinie immer deutlicher werden.
    Im Anschluss muss man ein bißchen tricksen, ein weiteres Polieren mit Polierpulver aus Japan (20 Gramm für 12 Euro) oder einfach Töpferton aus dem Eimerchen nehmen (5 Kilo für 10 Euro) hilft schon gut weiter, eine sehr metallisch wirkende Oberfläche erzeugt fein gemahlener Hammerschlag (abgefallener Zunder vom Stahl beim Schmieden, im Mörser zerkleinern und dann sieben). Mit Hammerschlag poliert erscheint die nicht durchgehärtete Oberfläche der Klinge leicht glänzend, der harte Schneidenbereich wirkt metallisch matt. Alles natürlich je nachdem wie oft man poliert.


    Letztendlich ist es ein dauerndes Versuchen, manche Klingen lassen das alles mit sich machen, andere wollen nach mehrmaligem Ätzen so gut wie keine Hamonlinie mehr zeigen.


    Viele Grüße
    Roman

    rundum gelungene Sache. Diese Schrauben und Horn habe ich auch noch nicht gesehen, passt aber sehr schön.
    Der Stahl, soll das 1.2210 heißen?
    Viele Grüße
    Roman

    "Jewgeni", danke für das Zeigen von den vielen Messern.



    Was mir wirklich immer wieder Freude bereitet ist, dass dort noch viele Macher ein Parierelement anfertigen. Ich weiß, ich bin ein ewig Gestriger, aber irgendwie sieht für mich ein Messer mit Parierelement einfach gelungen aus.
    Messer wie das "Blackfeather" und das "Pleuel" sprechen auch eine Sprache für sich, anscheinend sind in diesem Land etliche gute Macher beheimatet (ist ja auch kein Wunder, ist ja groß genug).



    Viele Grüße
    Roman


    PS: Wenn der letzte Satz (also nicht der hier) in kleinen Buchstaben rüberkommt bin ich ein Opfer der Technik geworden, bzw. mein Satz.

    der Stock gefällt mir auch, es ist wohl der ureigenste Charakter der Eiche jedem der einen geraden Stock sucht immer die Stöcke so anzubieten, dass sie entweder gerade sind und keinen Knauf haben, oder einen schönen Knauf haben und dann eben irgendwo einen Knick. Was solls, Eiche ist Eiche mit der Erklärung kann ich leben.


    Jörg, Schwarzdorn kann auch reißen, wieso auch nicht? Ich versuche es auch immer möglichen Schäden vorzubeugen, genug Holz abschneiden, Schnittflächen schnell versiegeln und trocknen im Schatten. Es passiert trotzdem immer wieder. Das Einzige was mir einfällt, die Jungs die das Bruyere-Holz für die Pfeifenmacherei suchen gehen, die lagern das Holz zunächst monatelang in trockenem Sand, aber irgendwie ist mir das zuviel Aufwand.


    Viele Grüße
    Roman

    die Mitgliederzahl steigt fast täglich, dass es da immer zu "Reibungsflächen" kommt bleibt gar nicht aus, und ich glaube Chris nur zu gern, dass es einen Haufen Arbeit hinter den Kulissen gibt.


    "Harter Kern", dazu möchte ich mich einmal äußern. Ich mache hier keinem Menschen einen Vorwurf, jeder kann dieses Forum nutzen, soweit ich weiß und keiner wird gezwungen etwas zu schreiben. Ein Blick in die Mitgliederliste ist aber besser, also einmal "Zahlen auf den Tisch". Wie jeder nachsehen kann hat die Mitgliederliste 213 Seiten, ab Seite 21 findet man die Mitglieder die mehr als 100 Beiträge haben, das sind rund 10 Prozent.
    Auf den ersten 10 Seiten findet man die Mitglieder die regelmässig schreiben, ich drücke mich jetzt einmal so aus. Das ist für mich der "harte Kern".


    AccuBond, ich kann es Dir leider nicht ersparen, Du bist auf Seite 7 aufgeführt, also bist Du alles andere als ein stiller Mitleser und mit der Anzahl deiner Beiträge wohl auch bei denen die den "Karren immer schön am Laufen halten", also auch im harten Kern.


    Ich sage es hier nochmal, wenn einer eine "Hartekernverschwörung" hier vermutet, er ist gerne eingeladen abends im chat einmal mit zu diskutieren. Auch diesen Halbsatz schreibe ich immer alle paar Monate, im chat meldet sich nur selten ein "Neuer" mal an. Und es stimmt, die "Chatmannschaft" kennt sich persönlich, viele treffen sich nicht nur auf den Treffen, sondern auch sonst. Das hat nichts mit Verschwörung zu tun, sondern mit Freundschaft, die sich nicht damit begnügt auf das "Ok-Zeichen" bei einer Freundschaftseinladung zu drücken.


    Ansonst, für mich persönlich ist das Forum hier ein Teil meines Lebens geworden, sonst würde ich nicht morgens um halb sechs hier sitzen. Und mich stört keine steigende Mitgliederzahl, auch kann ich keine "Verrohung" feststellen, weder hier noch auf Treffen. Und wenn die "Vielschreiber" nicht wären, dann könnten sich Etliche sonstwo einen Account auf einer Verkaufsbasis einrichten.


    Viele Grüße
    Roman

    irgendwie finde ich es immer komisch dass man sich an dem Thema Stahl so reiben kann, anscheinend spielen persönliche Vorlieben doch irgendwo eine Rolle, die darin gipfeln andere Stähle zu diskriminieren (ich nehme mich da nicht aus, 1.2379 liegt mir persönlich immer noch nicht, allerdings ist 1.2379 heute in verschiedenen "Darreichungsformen" auf dem Markt und funktioniert aufgrund seiner besseren Herstellungsart durchaus als Klinge, ich werde also einen Teufel tun und stur auf einem Standpunkt stehenbleiben).


    Wir dürfen auch nicht vergessen dass etliche Stähle, aus denen man Klingen fertigt, eben nicht auf das mögliche Härtemaximum eingestellt werden, das geht dann zugunsten ihrer Brauchbarkeit als Klinge. Wir werden weiterhin akzeptieren müssen, dass viele Stähle die wir als Klingenstahl kennen, eben deshalb immer ein bißchen Kompromiß nach hier oder da darstellen, sonst hätte man nicht viel Freude an dem Messer.


    Die Stahlforschung ist eine sehr eigendynamische Angelegenheit und steht nicht still, das darf sie auch gar nicht. Jeden Tag ergeben sich neue Anforderungen an dieses "alte" Material der Menschheit und die Metallurgen tun ihr Bestes um diesen Anforderungen gerecht zu werden. Wenn wir uns die Buchausgabe von "Die Edelstähle" von1942 ansehen, hat man ein Buch mit 482 Seiten in der Hand, in der fünftten Auflage von 1962 hat Herr Rapatz schon Mühe sein zusammengefaßtes Wissen auf 1020 Seiten unterzubringen. Würde der gute Herr Rapatz noch unter uns weilen, und ungeachtet der elektronischen Medien auf eine Buchausgabe bestehen, so müßte man die Ausgabe 2015 vermutlich mit einem Gabelstapler transportieren.
    Noch ein Vergleich, in dem Büchelchen über das Härten der Werkzeugstähle von 1917, dass die Gebrüder Böhler herausgegeben hatten, konnte man das Härten inklusive Erklärungen auf 68 Seiten unterbringen, heute führt der Stahlschlüssel über 70.000 verschiedene Stähle auf.


    Selbstredend "fallen" dabei etliche Stähle an die als Klingenmaterial taugen, sie einzeln aufzuführen, ihre Vor- und Nachteile zu erörtern und ihre möglichen Verwendungszwecke für Schneidaufgaben etc., würde vermutlich auch schon ein sattes Buch füllen.


    Aber letztendlich entscheidet ja der Anwender was für ihn das Optimum darstellt. Trotz der enormen Entwicklung, was die Stähle betrifft, hat sich aber das Schnittgut nicht groß geändert. Es ist doch immer wieder Holz, Fleisch, Leder und Fasern, in allen Erscheinungsformen.


    Trotz der enormen Vielfalt der Stähle ist es anscheinend doch sehr schwer eine Messerklinge so zu "konfektionieren" dass sie vielen Anwendern entgegenkommt. Darin sehe ich eigentlich den Ansatzpunkt für oft kontroverse Diskussionen, wir haben alle verschiedene sehr persönliche Bereiche in denen wir eine Klinge benutzen.


    Es ist doch immer wieder ein Wechselbad der Gefühle, wenn ich das einmal so sagen darf. Da hat man endlilch ein Messer was einem gefällt und was gut in der Hand liegt, es schneidet wie der Teufel und hält die Schneide. Nach zwei Wochen beschlägt es und man sieht Flugrost, schon wünscht man sich dieses Messer korrosionsbeständiger. Also kommt das Messer in korrosionsbeständig ins Haus, dann stellen wir fest dass es nicht den gleichen Schnitt hat wie das nicht korrosionsbeständige, oder es hält die Schneide nicht so gut oder sonst etwas. Die einzelnen Parameter mache ich jetzt nicht fest an korrosionsbeständig oder nicht, man kann sie austauschen wie man will. Das kann darin enden dass man sich in einem Zustand der dauernden "Klingenunzufriedenheit" befindet, trotz dem Angebot von vielen Messerstählen.


    Jetzt stellt sich die emotionslose Frage, "wo ist das Geheimnis der Weisheit", zumindest was Klingenstähle betrifft. Ich weiß es nicht und wie soll man diese Frage beantworten, im Angesicht von den vielen Anwendern und ihren persönlichen Vorlieben und Anwendungen?


    Persönlich vermute ich dass diese Diskussion noch lange nicht abgeschlossen ist, diesen "Nonplusultra-Stahl" gibt es nicht.
    Das erinnert mich jetzt an etwas was nur entfernt mit Messern zu tun hat, die Fliegenfischerei. Herr Charles Ritz (es ist wirklich der "Ritz" von den Ritz-Hotels) hat ein wunderbares Buch über das Fliegenfischen geschrieben, der Titel ist -Erlebtes Fliegenfischen-. Am Anfang beschreibt er wie er als Junge mit Brotkrümeln Fische gefangen hat, dann kommt der große Inhalt des Buchs über das Fliegenfischen, das Werfen mit der Flugschnur, Vor- und Nachteile von Wurftechniken, ebenso wie die optimale Fliegenrute beschaffen sein soll und die optimale Angelfliege, Fischabenteuer in der ganzen Welt usw. usw..........." Wenn man das Buch gelesen hat glaubt man dass das Fischen mit der künstlichen Fliege die einzige Wahrheit ist was das Fischen betrifft. Und mit welchem jähem Satz lässt dieser Prophet der Fliegenfischerei, im Rückblick auf 80 Lebensjahre, sein Buch enden:


    "Brot, fällt mir da ein, war ein ausgezeichneter Köder".


    Irgendwie ist so etwas ernüchternd.


    Viele Grüße
    Roman


    PS: Ich hoffe allerdings, dass diese Abgeklärtheit uns noch nicht so schnell erreicht, das Suchen nach dem optimalen Messer/Stahl kann auch viel Freude machen

    Postmann, ich habe etwas Wichtiges vergessen. Zuerst (also viel zu spät -zuerst-), Dankeschön, dass Du dir diese Mühe gemacht hast und uns auch die Bilder gezeigt hast.


    Natürlich hat Northmannsquest Recht, repräsentativ kann ein solcher Vergleich nicht sein, aber offen gesagt bin ich im Zweifel ob Postmann das überhaupt wollte?! Er hat den Fakt geschaffen, dass er mit zwei Taschenmessern eine Portion Schnittgut zertrennt hat bis eins stumpfer war als das andere. Also, mal abgesehen davon dass der TÜV nicht dabei war, mir reicht in der Nachbesinnung so ein Test alle Male aus.


    Jetzt kommt das was automatisch kommt, wie kann der oder dieser Stahl versagen, da sind alle Parameter daran Schuld, Postmann (Du musst entschuldigen) sowieso. An Legierungen kann es nicht liegen, Legierungen täuschen sich nicht und können deshalb keine Fehler machen, überhaupt, amerikanische Messermacher sind sündenfrei (natürlich sind sie nicht sündenfrei, schlilmmstenfalls ein wenig unbekümmert, ....Amerika ist wunderbar, ZDP und Wonderbra.....)


    Also, als ewig Gestriger nehme ich mir mal raus ein wenig zu diesen Stählen zu sagen, keine Sorge, es wird keiner dabei schlecht abschneiden, ich habe zu allen Stählen die gleiche Affinität (ich bin diesbezüglich auch sündenfrei und habe kein "obskures Verhältnis" zu irgendwelchen kristallinen Strukturen, wobei ich damit nicht ausschließen will dass es Planeten gibt wo man solche Verhältnisse als normal betrachtet....)


    Die härtesten Stähle früher waren bekannt als Riffelstähle (der Name kommt von den geriffelten Mühlenwalzen), es waren wolframlegierte Stähle (wen es interessiert, Rapatz, -Die Edelstähle-, Ausg. 1962, Seite 220, auf Seite 223 spricht man dann von hrc Werten zwischen 68 bis 70 hrc). Die Zusammensetzung dieser Stähle ähnelt schon der von PD1), und schon damals ging es um den Preis für Legierungen. Viel geändert hat sich also bis heute nichts, auch heute machen die Preise für die Legierungszusätze die Musik bei der ganzen Stahlgeschichte.


    Worauf ich als ewig Gestriger hinaus will, man war hausbacken und bodenständig. Ich gebe zu, die Unbekümmertheit der Cowboys hatten wir nicht, wir haben sie eigentlich immer noch nicht, aber hoffen durch blindes Nachahmen diese Unbekümmertheit zu bekommen (....Amerika ist wunderbar, ZDP und Wonderbra.....).
    Kein Mensch wäre damals auf die Idee gekommen eine Messerklinge aus Riffelstahl zu machen, wozu auch, das Zeug ist derart hart dass es schon bei Hartmetall nicht an die Tür klopft, sondern schon im Hauseingang steht. Also blieb man treu und brav, natürlich ohne Unbekümmertheit, bei den Stählen die sich für Messerklingen eignen, zähharte Stähle, die man ohne Problem härten und auch scharf halten konnte, wer wollte kaufte sich ein Messer mit Chromzusatz, -rostfrei- war damals schon schwer in Mode.


    Endlich wurde die Messerwelt erleuchtet und die Amerikaner benutzten 440C (... Amerika ist wu......), wir konnten hier nur staunen, verdammt, da hätte man auch selbst drauf kommen können, wenn wir nur unbekümmert wären. Immerhin, kein Problem, den Stahl haben wir ja auch hier, also ist alles im Lot. Und "schwuppdiwupps" (nein, nicht wie im Sturwwelpeter wird jetzt durch Max und Moritz ein weiteres Hähnchen durch den Schornstein gehoben) geht es mit den Legierungen weiter und 154CM wurde (nein, nicht aus der Taufe gehoben, der war längst da, nicht nur in Amerika, ....Amerika ist ............) bekannt. Ich kann mich noch gut daran erinnern, man tuschelte wie Verschwörer von diesem Stahl, es war der absolute Geheimtipp. Im Nachhinein betrachtet ist das Ganze natürlich nicht mehr als ein Gimmick, Leute die im Prinzip von Metallurgie nicht viel Ahnung haben geben die Marschrichtung an, und hier, wo im Stahlschlüssel alles drin steht, schaut keiner rein und alle marschieren mit (immerhin, endlich waren wir unbekümmert, ....Amerika ist wunderbar........).


    Und der Rest von der Geschichte, man sagt uns was momentan angesagt ist, und wir sagen uns das dann gegenseitig an, kein Mensch fragt wie es um die metallurgische Ausbildung eines amerikanischen Messermachers bestellt ist, es wird alles einfach blilnd angenommen und als Dogma behandelt. Das ist kein "Abputzen" von amerikanischen Makern, es gab und gibt dort etliche Vertreter ihrer Zunft die sowohl entsprechende Vorbildung etc. hatten der haben, andere allerdings nicht (immerhin, dahin haben wir es auch geschafft, ......Amerika ist wunderbar..........). Aber wir waren immer schon groß darin uns sagen zu lassen was modern ist, ich erinnere mich diesbezüglich an die Lobpreisungen, die die trockenen Weine erfahren haben, es konnte kein Wein trocken (das ist die offizielle Bezeichnung, ich nenne das sauer) genug sein, mit spitzen Lippen wurden sie degustiert und dann, nachdem die zu Fäusten zusammengepressten Gesichter sich wieder entzerrt hatten, ging das Loben weiter (mancher Essig war bekömmlicher). Das aber nur am Rande.


    Darin sehe ich den "Hund begraben", die Welt der Metalle ist nicht nur hart, sie hat auch allerhand zu bieten, und sie hat schon immer Menschen verleitet, gerade wenn man das Geheimnisvolle sucht, oder dem "Gral des Stahls" (was immer das auch ist, es gibt ihn nicht, und die Wahrheit hat Herr Gerfin schon vor langen Jahren in einem wundervollen Satz zusammengefasst: "Stahl ist Stahl und verhält sich wie Stahl") nachspioniert.
    Da wurde jahrhundertelang der Härte des Stahls nachgespürt, gefaltete Klingen wurden mit dem Blut Unglücklicher abgeschreckt, Rennöfen zu Glas geschmmolzen und was weiß ich nicht noch alles, trotzdem dass ich ein Gestriger bin, so alt bin ich dann doch nicht dass ich mich an das alles erinnere).


    So, jetzt sind wir endlich bei den "modernen Riffelstählen" angekommen, hochlegierte Spezialstähle, in Vakuumöfen erschmolzen und danach wieder mit sich selbst verschweißt, eigentlich müsste das der Gral des Stahls sein. Jetzt haben wir ihn endlich, nur müssen wir so gut wie nichts mehr schneiden, ist das kein Anachronismus?
    Wir bekommen alles protionsgerecht vorgesetzt und die Messer müssen nur noch hobbymässig an den Start gehen. Ja, jetzt haben wir endlich den Gral und was benutzen diejenigen, die jeden Tag von Morgens bis Abends schneiden müssen, Klingen aus 1.4034.


    Aber ich glabue das reicht jetzt langsam und bin genug vom Themas abgedriftet. Wie auch immer, ich bin jetzt mehr als vorher davon überzeugt, trotz aller Parameter und Legierungen, PD1 ist aufgrund seiner Wolframlegierung stabiler geblieben (ja, jetzt bin ich endlich auch unbekümmert, ........Amerika ist wunderbar............., die Edelstähle von Herrn Rapatz stehen im Regal und Rammstein läuft)


    Viele Grüße
    Roman

    wir können jetzt gern Schnellarbeitsstähle schön reden um daraus Klingen zu machen, aber nur ein paar Anmerkungen.
    Um nur einige zu nennen, erasteel bietet neben lesco und cpm noch ganz andere hochlegierte Stähle an, ich verweise gerade mal auf ET1 (1.3355), die Nummer nur damit man ihn nachschlagen kann, seine anderen Brüder in hoher Härte schlagen in die gleiche Kerbe.



    Nur, wenn ich jetzt lese, dass ein mit 20 Prozent Chrom legierter Stahl nach ein paar Stunden in Wasser, egal woher das Wasser kommt, anfängt zu rosten, dann hat derjenige, der die Wärmebehandlung gemacht hat, vermutlich einem Schimpansen die Hitzeregelung überlassen.
    Und noch ein Wort zu Schnellstählen, Ihr kennt doch alles Bohrer und wisst wie leicht die hochqualitativen Bohrer brechen, genauso brechen Klingen aus diesem Material, egal auf welchem Feld der Ehre sie getestet werden.


    Wir reden jetzt nämlich von Stählen die ihr optimales Leitungsspektrum zwischen 65 und 70 hrc ausspielen, natürlich kann ich sie auf 58 hrc härten und dann mit der Weisheit kommen dass jetzt die Karbide die Schneidarbeit machen, aber dann kann ich auch einen 1.4112 nehmen und muss mich nicht mit knapp 10% Wolfram rumschlagen, die jede Klinge in dem Sinne eigentlich unbrauchbar machen. Vor allem, ich muss kein Material kaufen was das Mehrfache eines guten Klingenstahls kostet, Wolfram und Vanadium sind teuer, Kobalt auch (wobei ich mich frage wieso eine Messerklinge kobaltlegiert sein muss, aber vielleicht muss man ja mal die glühende keramisierte Innenschicht eines Vakuumofens mit dem Messer auskratzen).


    Viele Grüße
    Roman


    PS: Vielleicht bin ich im Alter jetzt total innovationslos geworden, aber diese extrem hochlegierten Stähle weisen, außer dass sie im pulvermetallurgischen Herstellungsverfahren erzeugt worden sind, legierungstechnisch nichts auf, was man nicht schon bei Rapatz nachlesen kann, und das in der Ausgabe von 1942.

    persönlich vertrete ich den Standpunkt, dass man bei den genannten Stählen in Form einer Schneide, Gesetz dem Fall es handelt sich um den gleichen Anschliff und Härte bei gleichen Abnutzungsversuchen, keinen Unterschied feststellen wird.
    PD1 dürfte, ganz salopp ausgedrückt, mit seiner "Wolfram/Vanadium-Mischung" genauso dastehen wie s30V mit seinen 4 % Vanadium und seinen 14 % Chrom, s30V wird wohl korrosionsbeständiger sein als PD1.
    Dass hier der PD1 besser, im wahrsten Sinne des Wortes, abgeschnitten hat als der s30V, wird an der Kliingengeometrie, respektive dem dünner ausgeformten Anschliff liegen.


    Viele Grüße
    Roman

    auch dieses Messer ist ohne Fehl und Tadel, auch hier gefällt mir alles, auch die Farbe der Liner. Eigentlich gerade die Farbe der Liner, dieses Grün harmoniert in meinen Augen hervorragend mit dem Schwarz, Rot und Weiß finde ich langsam ein wenig hausbacken.
    Viele Grüße und Freude mit dem Messer
    Roman

    mir gefällts eiinwandfrei, auch die Farbe der Liner. Das Messer steht keiner "Profiarbeit" nach, mehr kann ich dazu nicht sagen.
    Was die Farbe der Liner betrifft, wieso nicht diese Farbe, wenn man nicht regelmässig neues macht bleiben wir ja alle auf der Stelle stehen.
    Viele Grüße
    Roman

    also, dieses Bowie war eine Arbeit für Rolf, Vorgabe war ein nicht so geschwungener "Hecht" an der Spitze (Pandurenspitze, Du kannst mich gern berichtigen Micha), aber doch von "satter" Länge. Herausgekommen ist eine Klinge die ein bißchen von den "Arkansas-Toothpicks" beeinflusst wurde, die Klingenlänge beträgt, soweit ich das noch in Erinnerung habe 12 Zoll (Pascal, 300 mm).
    Es ist trotz seiner Größe immer noch gut zu handhaben, der Stahl ist aus einem Stück ausgesuchter Blattfeder von Hand geschmiedet worden und selektiv gehärtet (wenn man den Hamon nicht so gut sieht, die Klinge ist nach dem Polieren ein wenig eingefettet worden).
    Die "Kleinen" waren alle aus C75. Ich hatte noch mit Robert die Rede über diese Messer, ich habe noch ein paar in der Schmiede liegen, aber die haben ein bißchen Rost abekommen, deshalb hatte ich sie nicht vorbei.
    Viele Grüße
    Roman

    so etwas endet damit dass man zuerst in einem anderen Forum die Treffen postet, dann kommen noch Anfragen für das X oder Y -Forum, dann die Frage bei Negativbescheide, "wieso darf ich nicht, andere durften es doch" usw.


    Wenn es so kommt dass Bilder von unseren Forentreffen in anderen Foren gezeigt werden, dann werden wohl einige nicht mehr auf unseren Treffen zu sehen sein, das ist meine Befürchtung. So etwas führt dann ruckzuck dazu dass solche Treffen immer von weniger Leuten besucht werden und zum Schluss lässt man es dann.


    Viele Grüße
    Roman

    Das Geheimnis liegt eigentlich nicht so sehr in der Methode, sondern in der Vorarbeit. So wie die "Vorschreiber" schon angeführt haben ist ein -entfetten- des Stahls unabdingbar um eine gleichmässige und dunkle Einfärbung zu erhalten.
    Persönlich nehme ich Aceton, mehrfach aufgetragen und mit einem sauberen Lappen immer wieder abgewischt wird der Stahl eigentlich ziemlich sauber.
    Zum ätzen nehme ich Eisen3Chlorid. Das Eisen3Chlorid erhalte ich in der Kläranlage, dort wird es für die dort ablaufenden Prozesse benötigt und es fällt beim Auffüllen der Tanks immer ein bißchen was ab. Bei diesem Eisen3Chlorid handelt es sich um eine braune sirupähnliche Flüssigkeit, die man noch im Verhältnis von 1 zu 3 mit Wasser mischen kann. Wenn man diese Mischung dann erwärmt und mit einem Pinsel auf den Stahl aufträgt geht es eigentlich sehr zügig mit dem "einfärben", man kann auch mehrmals nach kurzen Wartezeiten wieder die Säure auftragen, so wird die Klinge bei jedem Mal ein wenig dunkler.


    Von Schwefelsäure würde ich abraten, sie färbt nicht so gleichmässig wie Eisen3Chlorid, zudem ist das eine sehr giftige und gefährliche Chemikalie, und für den Gebrauch in den eigenen Wänden sollte man eigentlich davon Abstand nehmen.


    Viele Grüße
    Roman

    440c im Grillfeuer härten ist nicht möglich, Holzkohle erreicht ohne Einsatz von Gebläseluft nicht die erforderliche Härtetemperatur. Aber selbst in einem offenen Schmiedefeuer ist das Härten eines solchen Stahls bestenfalls unter großem Aufwand möglich, optimale Ergebnisse kann man allerdings kaum erwarten.
    In einem offenen Feuer kann man weder die erforderlichen Vorwärmstufen noch eine geregelte optimale Härtetemperatur genau halten.
    Viele Grüße
    Roman

    wenn das Messer ein Kreis hätte werden sollen (diese "werden-sollen"-Ausdrücke schreibt man besser nicht direkt nach dem Aufstehen, vierter Anlauf), dann würde ich sagen, er ist schön rund. Obwohl, ich glaube diese eine Öse an der Scheide, ganz unten am Ende, der fehlt ein Zehntel Milimeter zum Rand, kann aber auch der Blickwinkel sein......................
    Ich hoffe Du bringst das Messer nächste Woche mit.
    Viele Grüße
    Roman

    das Messer ist Dir gut gelungen Andreas, handwerklich sauber umgesetzt, und was die Form betrifft, der Mann der es so wollte hat sich bestimmt Gedanken darüber gemacht wieso es so aussehen soll. Das heißt natürlich nicht, dass Du dir keine gemacht hast, schließlich sollte "der Gedanke ja zu Stahl werden", das muss ja auch irgendwie "über die Bühne". Eine Griffschraube mehr hätte mir persönlich besser gefallen, aber er wird auch so halten, das ist keine Kritik, nur ein Einwand von den Augen. So wie es aussieht müsste es gut in der Hand liegen, damit ist die Hälfte schon gewonnen.
    Die Formgebung finde ich auch gelungen, Rückenschneide hin oder her, hier habe ich den Eindruck dass sie ins Gesamtbild passt, inwieweit jeder mit so einem Anschliff glücklich ist oder wird, das bleibt jedem selbst überlassen. Die zweiseitig abgesetzte Zahnung sieht auf jeden Fall gut aus.
    Der Stahl selbst ist bekannt und tut auch seinen Dienst.
    Viele Grüße
    Roman




    PS: Was man sich sonst immer noch bei Messern für Gedanken macht ist fast schon ein philosophisches Thema geworden. Zuerst schreit die ganze Messerwelt in Empörung auf, ein bißchen später wird hinter jedem eingerosteten Opinel versucht dieser leidige Paragraph festzumachen. Es stimmt schon was ich mal in einem Buch gelesen habe:
    "Befolgen Sie keine Anweisungen. Mißtrauen Sie Anweisungen. Seien Sie auf der Hut vor Anweisungen. ....Anweisungen werden Ihnen in kleinen Schritten erteilt. Kleine Schritte machen Sie selbst klein. Wenn Sie erst einmal kleiner geworden sind, kommen Sie nicht mehr ohne Anweisungen aus, die Ihnen sagen was Sie zu tun und zu lassen haben..................."
    Da sind wir jetzt, und jetzt sagen wir selbst das kleine Messer gut sind. Und ich schreibe es noch einmal, ein großes Messer kann alles was ein kleines kann, ein kleines Messer kann bei Weitem nicht alles was ein großes Messer kann.


    PSPS: "einen habe ich noch" sagte Herr Waalkes immer, zumindest früher. Habt Ihr Euch schon einmal den § 55 WaffG durchgelesen, dort steht für wen dieses Gesetz nicht anzuwenden ist, es gilt nicht einmal für die Bundesbank, da werde ich mir in der freien Natur nicht für eine Sekunde Gedanken darüber machen was für eine Klinge ich dabei habe.............

    der Griff ist ja in dem Sinne jederzeit aus jedwedem Material herstellbar, aber ich denke dass der Ursprungsgedanke wohl ein salzwasserfester Griff war. Ich habe bei Michas Messer weder das eine noch das andere beherzigt, der Griff ist aus Leder und der Stahl ist ein Kohlenstoffstahl.
    Das Messer ist auch unter dem Begriff -poor man´s fighting knife" geführt worden, wieso auch immer, es lässt sich eben ziemlich flach tragen und wenn man die Klinge sieht kann man sich den Rest denken.
    Was den Stahl betrifft, vielleicht sollte man wirklich mal einen 1.4034 in Betracht ziehen.


    Viele Grüße
    Roman

    E.R.S.,


    dieses Messer von Micha geht auf ein Messer zurück dass man unter dem Begriff -Jack Crider Special- findet, Randall hat sie gemacht. Ursprünglich waren es Messer für "Big Gamer", also für Fischer die auf dem Meer den Marlinen, etc. nachstellen. Soweit ich weiß werden sie in der Form nicht mehr gebaut, die mir bekannten von Randall haben zumindet keine Dolchspitze mehr. Originale, falls man mal eins findet bewegen sich preislich hinter der Schmerzgrenze. Für gewöhnlich wurden sie mit aufgesetzten Griffschalen gebaut, Materialien waren unterschiedlich.


    @Norbert, die Klinge ist auch von mir. Ich richte die Klingen so ein wie gewünscht, von einer Schneide an einer komplett schmiederauhen Klinge bis zu komplett blank ist möglich.


    Ich hoffe ich konnte ein paar Fragen beantworten.


    Viele Grüße und einen schönen Abend
    Roman