vielleicht liegt die Sache ganz woanders begraben und ER will einfach mal etwas anderes anbieten, wieso auch nicht? Wie ich schon geschrieben habe, mir gefällt es auch so. Über Sinn oder Unsinn kann man, wie man sieht, ganz geteilter Meinung sein.
Micha, ich weiß, dass Pragmatismus bei Dir Vordergrund steht wenn es um Einsatzmesser geht. Da beisse ich kein Pfeifenmundstück durch, ich hau die Dinger dann lieber mal durch die Tonne als in die Tonne, dann sehe ich auch was gebacken ist.
Kibo, die Autoren die ich aufgezählt habe sind keine Professoren, sondern Ingeniuere oder Werkstattmeister. Und ohne jetzt streiten zu wollen, der Einzige, der hier einen festen Glauben hinsichtlich deiner Theorien haben muss bist Du selbst. Ich habe nur Fakten aus der Physik aufgezählt, mehr nicht. Natürlich kann man Monostahl unter großem Aufwand mit chromhaltigen Stählen belegen, ich ziehe auch meinen Hut vor den Schmieden, die das gut können, aber bringen tut das gar nichts, außer Arbeit. Chrom hat nur einen Vorteil, er dient dazu härtere Schneiden zu erzielen, Chromkarbide sind sehr hart, aber cirka 14 Prozent wird sich Chrom beim Härten derart in das Gefüge einbinden, dass eine gewisse Korrosionsbeständigkeit vorhanden ist.
Aber weder das eine noch das andere wird beim Härten eines Laminats eintreten, außer man beschädigt die Innenlage beim Härten. Für die Vorteile chromlegierter Stähle auszunutzen müssen diese auf eine Härtetemperatur von über 1000 Grad gebracht werden, Haltezeiten lasse ich mal außen vor. Dabei würde die Innenlage aus niedriglegiertem Stahl ebenfalls auf diese Temperatur gebracht werden und müsste aus über 1000 Grad abgeschreckt werden. Sowohl das Übertemperieren wie auch selbst das lange Halten auf "Optimal-Härtetemperatur" beschädigen den Stahl und es entsteht grobes Korn, und das nur im besten Fall, eigentlich entsteht dabei schon "Fluss" im Stahl, das sieht man schon bei leichter Überhitzung, schlierenartige Gebilde auf der Oberflache, ganz ohne Lupe und sogar mit meinen nicht mehr so guten Augen.
Was folgt, ich muss meine Dreilagenklinge, innen niedriglegierter Stahl, außen chromlegierter Stahl, auf der Härtetemperatur härten, die der Stahl der Schneidlage verlangt. Endresultat, Innenlage wird hart, niedriglegierte Stähle benötigen Härtetemperaturen zwischen sieben- bis neunhundert Grad (exakte Temperaturen lasse ich jetzt außen vor, die kann man selbst nachlesen bei -metallograf-), Außenlage bleibt ganz salopp gesagt "weich".
Jetzt hat man eine fertige Klinge in der Hand, innen hart und mit zwei Außenlagen versehen die aus nicht gehärtetem chromlegierten Stahl bestehen. Eigentlich kann man jetzt auch V2A nehmen als Außenlage, der sieht poliert auf einer Klinge super aus.
Und ich widerspreche auch bei 1.2550, wieso sollte der Stahl wegen seines Wolframs eine extrem stabile Klinge abgeben, eine extrem haltbare und belastbare Schneide ja, aber ansonst nicht stabiler als jeder andere Stahl. Abgesehen davon sieht man nicht soviele Messer aus diesem Stahl, weil man ihn vorsichtig schmieiden muss, Wolfram im Stahl verlangt seinen Preis an Aufmerksamtkeit und ich will gar nicht wissen wieviel Mal schon dieser Stahl beim Ausschmieden unganz geschlagen wurde und trotzdem Klingen aus ihm gemacht worden sind. Ich kenne diesen Stahl sehr gut, auch ohne Hochschulabschlussarbeit über Wolframkarbide, ein Teil meiner Warmmeißel und Treibmeissel sind aus diesem Stahl weil er ein bißchen besser die Wärme ab kann, aber auch gut gehärtete Meißel mit knapp 20 mm Durchmesser sind schon wie Glas gebrochen (ich gebs zu, die Anwendung der Meissel entsprach nicht der Anwendung einer Messerklinge).
Abgesehen davon gebe ich Dir gern Recht Kibo, je nachdem welche drei Lagen da zueinander finden und je nachdem welche Komponenten im Schweißverbund sind habe ich auch den persönlichen Eindruck, dass diese Monostahlklingen überlegen sein könnten. Allerdings nur ab einer gewissen Größe.
Ich habe persönlich die Erfahrung gemacht, dass, wenn man eine gute alte Feile als Innenlage verwendet und diese mit zwei Lagen st37 belegt und verschweißt, das Resultat ein sehr hartes Material ist. Dieser neue Werkstoff ist selbst nach dem Ausglühen noch so hart, dass ein Bandschleifer damit gut zu tun hat. Das ist wohl einer der Gründe wieso Herr Bergland seine Innenlagen auch "nur" mit Baustahl belegt.
Ansonst habe ich rein gar nichts gegen Schweißverbundstähle, man hält so eine alte Schmiedetechnik am Leben und je nachdem was man macht kann man z. B. alte Feilen wieder zu einem neuen Leben verhelfen. Nur, darin den Gral des Stahls zu sehen, das ist in meinen Augen ein wenig weit hergeholt.
Und wenn man ehrlich ist und einfach nur die Fakten sprechen lässt, Damast ist auch nicht elastischer als ein richtig eingestellter Federstahl. Wenn man bedenkt, dass man Federstahl um optimale Federeigenschaften zu erreichen wieder auf über 400 Grad anlassen muss kann man sich vorstellen was mit einer Klinge passiert, bei der man das auch macht. Die Härte einer Klinge nimmt beim Anlassen von 200 auf 300 derart ab, dass sie fast kaum noch zu gebrauchen ist, ab 300 Grad fängt die Blausprödigkeit an, wenn man sie auf 400 Grad anlässt hat sie eigentlich ihre Härte verloren. Silizium würde sie federnd halten, aber siliziumlegierte Stähle schweißen sich nicht. Dafür ist der Federstahl, der jetzt federt, aber nicht mehr hart
Was ich jetzt aufgezählt habe sind nicht meine Früchte, es sind einfache Fakten aus der Physik. Wenn man zwischendurch die physikalischen Grenzen überwunden hat werde ich gern zu demjenigen, der das bewerkstelligt hat, hinfahren um ihn kennenzulernen, nachdem er den Nobelpreis für die Neuordnung der physikalischen Grenzen in Stockholm in die Hand gedrückt bekommen hat.
Und jetzt, um meinen Bezug zu dem Eingangspost nicht zu verlieren und hier im ER-Unterforum bei der Stange zu bleiben, wieso sollte ER nicht dieses Dreilagenlaminat verwenden? Allein der Nimbus des japanischen Stahls reicht doch im Prinzip schon aus, schließlich müssen ja auch irgendwoher die Moneten kommen, auch bei ER. Und heutzutage, in einer sehr, sehr schnellebigen Gesellschaft muss man Butter bei die Fische geben, das hat nichts mit Anwenderverhalten zu tun, sondern mit Verkaufsstrategie. Und mal ehrlich, wenn eine Firma wie ER von den Leuten leben müsste, die Einsatzmesser berufsmässig brauchen, hätten sie längst die Türen zugesperrt.
Viele Grüße
Roman