Wieder einmal habe ich einen Beitrag von Roman voller Zustimmung und mit einem Lächeln der Sympathie gelesen 
SO grundsätzlich muß man es wohl erklären, wenn es ehrlich und treffend werden soll, glaube ich.
Nun mag es ziemlich schwierig sein, die tiefen Beweggründe von Handlungen und Vorlieben zu erkennen (erst recht, sie zu erklären), in anderen Bereichen unseres Lebens ist das eine Sache jahrelanger Reflexion, zuweilen der Psychoanalyse, und natürlich eben auch der Philosophie. Destilliert man das dann auf den Kerngehalt, bleibt auch nach meiner Meinung eine Aussage in Romans Sinne.
Das Messer ist der Archetyp des menschlichen Werkzeugs - und über dessen realen, körperlichen, konkreten Einsatz hinaus ist es für viele von uns wohl auch das Sinnbild dafür, eben deshalb auch ein "Werkzeug", einen Weg, eine Methode "zur Hand zu haben", mit der man universell alle Aufgaben erledigen kann, allen Anforderungen entsprechen kann, auf die man im Leben trifft. Wir schätzen das Messer als diesen universell einsetzbaren hilfreichen Gegenstand - und stellen ja auch deshalb immer wieder universelle Anforderungen an ihn, die bezeichnend sind, begeben uns auf die "Gralssuche" nach DEM idealen Einsatzmesser, der "eierlegenden Wollmilchsau" des Gebrauchsmessers, suchen den "optimalen" Fighter usw.
Es ist nicht nur in seiner Gegenständlichkeit ein solches Werkzeug, sondern eben auch ein Symbol für das Bewältigen vielfältiger Aufgaben und Gefahren, für deren Überwinden meinetwegen, daher ja auch unsere Hoffnungen auf seinen "Einsatzwert" als Werkzeug - und natürlich auch als sozusagen "grundsätzliche" Waffe, auch dieser Bereich ist ja eine Herausforderung, die das Leben an uns stellt, zumindest im Grundsatz (...der auch von Trägern weltanschaulicher Scheuklappen nicht weggequatscht werden kann...).
Der Gegenstand ist dann auch noch von seiner Struktur her so einfach, daß wir uns ihm emotional zuwenden und ihn "begreifen" können - bietet aber in seinen Feinheiten ein Universum von Möglichkeiten der Beschäftigung, der Tüftelei, der Suche nach Optimierung und Verbesserung, ob nun in der Metallurgie, der Ergonomie, funktionaler Verbesserungen, den Anwendungstechniken usw. Gerade die unter uns, die sich mit einiger Leidenschaft und mit entsprechend erworbener Sachkunde mit dem Thema beschäftigen, schätzen sicher häufig das Messer als diesen "eigentlich" simplen Gegenstand, der doch das Ergebnis langer Forschung, Entwicklung, Herstellungspräzision und/oder Handwerkskunst ist und hinter jedem Gestaltungsdetail eine Fülle von Überlegungen, Abwägungen, Versuchen, Entwicklungen verbirgt.
Als Gegenstand bietet er den Vorteil, gleichzeitig praktisch zu sein, dabei aber oftmals auch ästhetisch ansprechend zu wirken - selbst Leute, die sich kaum für Messer interessieren, werden das immer wieder bei bestimmten Messern bestätigen. Und als erwiesenermaßen praktischer Gegenstand bietet er sich den männlichen Messerfreunden auch noch als Objekt an, das man dann einfach auch "schön" gestalten und empfinden kann, ohne in der betont harten männlichen Norm-Empfindungswelt als weich zu gelten, wie etwa auch andere angeblich nur technische Dinge, etwa Uhren oder Autos...Besonders reizvoll kommt hinzu, daß gerade auch viele funktional besonders günstige Lösungen auch besonders gut aussehen, etwa schlanke symmetrische Dolchklingen, moderat gerundete Übergänge zwischen Anschliff und Fehlschärfe usw.
Geht man von Jugend auf mit Messern um, erinnert man sich eigentlich immer an die ersten eigenen Messer, an den Stolz, nun auch als so reif und zuverlässig eingeschätzt zu werden, solch einen mächtigen und wirksamen Gegenstand besitzen zu dürfen (...oder die klammheimliche Freude und Aufregung, es sich auch so besorgt zu haben...).
Diese GRUNDSÄTZLICHEN Punkte sind es, von Roman hier geäußert, die auch meiner Meinung nach den besonderen Zauber des Messers ausmachen, vor allen anderen Werkzeugen und - für uns - allen anderen Sammlungsgegenständen.
Highend-Material muß es keineswegs immer sein, um Kaufanreize zu wecken. Fachsimpeln, sich austauschen, auch Anerkennung für die eigene Sammlung oder die erworbene Sachkunde einfahren kann man sicherlich im Kreise entsprechend Interessierter auch in jedem anderen Sammlungsgebiet. Es gibt ja auch Zeitschriften, Tauschbörsen, wertvollste Sammlungen und Fachforen über entwertetes Porto oder Ü-Eier-Figuren...