Mensch, Torben, wir haben SOOO sehnsüchtig gewartet auf weitere Eindrücke von diesem imo hochinteressanten Messer! 
Dann leg ich mal einen vor, fände es aber sehr spannend, auch Deine vertiefte Meinung (gerade auch bei den umfassenden Vergleichsmöglichkeiten, die Du hast!) dazu auch noch "nachträglich" zu hören!

Nach dem ausgezeichneten Eindruck und den Anwendungserfahrungen mit dem "kleinen Bruder", dem R.E.D., das ich hier vorgestellt habe
"Bastinelli Creations" R.E.D. Mid-Tech - das rockt!
war die Neugier auf das "Gemini Team 6" groß, das Bastien Coves von "Bastinelli Creations" bei Lionsteel als Serienmodell hat bauen lassen.
Hier zunächst einmal einige Daten:
Klingenlänge mm: 145
Klingenhöhe max mm: 30
Klingenstärke mm: 4
Gesamtlänge mm: 265
Griffstärke mm: 15
Griffhöhe max mm: 30
Gesamthöhe max mm: 40(Unterkante Handschutz – Oberkante Griff)
Balancepunkt: im Subhilt
Schliff: flach rückenhoch
Material Klinge: D 2
Härte HRC: Keine Angabe, mutmaßlich 59 HRC
Material Griff: Kunststoff, schwarz
Scheide: Kydex einteilig, mm, Hohlnieten und Montagelöcher, zusätzlich Corudurascheide mit Vortasche
Nettogewicht g: 180
Bruttogewicht g: 270 (einschl. Kydex u. Teklok)
Das GT6 ist sozusagen der größere, dabei aber in der Klinge gleichzeitig schlankere Bruder des R.E.D., die Klinge ist 4 mm stark (1 mm stärker als beim R.E.D.) und im Unterschied zum dort verwendeten Böhler N690 hier aus D2.
Zum Vergleich und für den generellen Eindruck von den Raptoren schaut bitte in die Vorstellung des R.E.D.
Der in der Kontur sehr ähnliche Griff liegt etwas voller in der Hand, das Messer ist ja auch etwas größer, macht sich aber mit gerade einmal 180 g Gewicht in der Hand ebenfalls sehr leicht.

Auch die Haptik des GT6 ist sehr gut, deutlich angenehmer als bei vielen anderen Messern. Man geht einfach gern und leicht damit um, die „nach unten versetzte“ Klinge macht sich im Alltags- und Kücheneinsatz ebenso gut wie im Waffeneinsatz.

Der im Querschnitt etwas eckigere Griff als beim R.E.D. bietet in der Kontur dieselben Eigenschaften und Vorteile wie beim R.E.D. beschrieben. Rein subjektiv und im Direktvergleich „gewinnt“ dabei jedoch bei mir das R.E.D. Ich könnte mir durchaus eine 1:1 – Übernahme des R.E.D.-Griffs auch bei der größeren Klingenlänge des GT6 vorstellen, will man wirklich das Dirigieren des größeren Messers zusätzlich unterstützen, wären vielleicht e t w a s stärkere Schalen, meinetwegen bis zur Gesamtstärke des jetzigen GT6, eine Option gewesen.

Zumindest im Ersteindruck spricht mich auch das Kantenrunden von Viper beim R.E.D. und auch das dortige Finish stärker an als die Arbeit von Lionsteel. Auch die Kydex-Scheide des R.E.D. scheint weniger anfällig, die des GT6 ist am Mund relativ kompliziert mit stark nach innen umgebogenen dünnen Lippen gefertigt, bei dem dünnen Kydex werde ich das vermutlich irgendwann ruinieren....und mir dann bei Martin Stierlin oder Werner Lüttecken etwas Angemesseneres fertigen lassen, denke ich.

Bislang ist mir das zwar noch nicht „gelungen“, die jetzige Kydex führt jedoch zumindest subjektiv zu Abzügen in der „Haltungsnote“. Das Versorgen des Messers ist zuweilen ein wenig „frickelig“, vor allem aber läßt sich das Messer nicht wirklich optimal in Positionen tragen, aus denen ohne Gegendrücken des Daumens gegen die Kydex gezogen werden muß (Tipdown mit Schneide nach vorn, Tipup mit Schneide nach hinten). Gerade die schlechtere Eignung für die letztgenannte Trageweise führt bei mir wegen entsprechender Vorlieben für den Backup-Einsatz zu Punktabzug.
Dafür war beim Tausch beim GT6 für offenes Tragen eine sehr ordentlich gemachte Cordura-Scheide (ohne Kydex-Einlage) mit Vortasche dabei.

Auch das GT 6 "will" sofort und ausdrücklich in den Säbelgriff / Filipino Grip und liegt darin ausgezeichnet. Man legt quasi „automatisch“ den Daumen auf, auch für normale Schneidarbeiten.
Insgesamt ist der Ersteindruck auch nach einigen Trageerfahrungen aber sehr gut, eine Neuauflage aus einer Fertigung bei Viper wäre ein Traummesser!
Bastinelli ist für mich mittlerweile ein für SV- und/oder Kampfkunstinteressierte hochinteressanter junger Messermacher. Da wächst in den Fußstapfen von Perrin jemand sehr Kundiges heran, seine Customs finde ich zwar noch nicht so vielfältig, qualitativ aber besser als Perrin. Die Formensprache erinnert an Szabo (für mich einer der innovativsten und inspirierendsten Messermacher) und liefert Spannendes! Das R.E.D. kam nach dem GT6 in die Serienfertigung, ich meine in den Details da – neben dem Wechsel der Produktionsstätte eine gewisse Entwicklung zu entdecken.
Empfehlen kann ich überzeugt beide Modelle (trotz der anzuratenden Nachrüstung einer Custom-Kydex für das GT6), für uniformierten Kampfeinsatz sicher vor allem das längere GT6, ansonsten aber für jeglichen Privat- und Zivilgebrauch eher das für mich noch gelungenere R.E.D., das eines der insgesamt besten Serienmesser ist, die ich in den letzten Jahren in den Bestand aufgenommen habe.
Das GT6 ist imo ein ausgezeichneter Fighter und spielt da in einer "Liga" für mich mit dem Lennartz GTK, dem Williams Hissatsu, dem Perrin Bowie oder z.B. dem Al Mar SERE Fixed - also ganz oben in der leichten, schnellen Serien-Klasse!