Lieber Freund,
wieder sehr erfreulich und mit Lernpotential fürs Leben, so einen Beitrag von Dir zu lesen. Man kann also tatsächlich auch über einen Hammer etwas mit der Substanz von Überlegungen aus Marc Aurels "Selbstbetrachtungen" über das wahre, innere Wesen der Dinge schreiben.....oder, uns beiden wohl vertraut, etwas wie aus dem "Buch der fünf Ringe" von Meister Musashi:
"Schwert und Kurzschwert, Speer und Hellebarde sollten, statt allerlei Zierrat zu tragen, vor allem schneiden, Bogen und Gewehr robust und genau sein".
Das hat mehr Tiefe als funktionaler Pragmatismus bei der Materialauswahl im Werkzeugbau...
Was hast Du schon für schöne, nein: gute! Sachen für mich gemacht, durchaus auch martialische... Und da ist das Grundmaterial zuweilen auch vorher etwas anderes gewesen. Aber etwas wie Dein Entermesser hat es nicht nötig, seine Ausstrahlung daraus zu beziehen, daß der Stahl vorher etwas besonders Edles war, ob nun Elisabeth I.'s Keuschheitsgürtel oder Brustpanzer Heinrich des Achten....
Ausgewählt hast Du den Stahl stets allein nach der Überlegung, ob sich dieser spezifische Stahl nach seinen Materialeigenschaften besonders gut für DIE Zwecke eignet, die er nun in dem neuen, zu beurteilenden Gegenstand erfüllen soll - nicht danach, ob er einen "Nimbus" aus einer früheren, ganz anderen Verwendung mitbringt. Du wählst ganz nüchtern lieber etwas so Prosaisches wie eine Feile als effekthaschend etwas aus einem Kanonenrohr zu schmieden, das in seinem Anwendungbereich ein ganz anderes Anforderung- und Belastungsprofil zu erfüllen hat und danach beschaffen sein muß....
Und keines der Messer, die Du für mich gemacht hast, hätte das nötig gehabt oder dadurch gewonnen. Sie sind, was sie jetzt sind, bringen allenfalls in ihrer oft historisch angelehnten Gestaltung in ihrer jetzigen Form einen Zauber dessen mit, was solche Messer früher geleistet haben. Sie sind funktional, absolut zuverlässig und müssen sich ihre Ausstrahlung nicht aus dem früheren Leben ihres Materials leihen, sie haben genug eigene aus der profunden handwerklichen Gestaltung und aus Deiner Handschrift, die in dieser Runde nicht nur ich schätze.
Ein schöner Beitrag, nochmals meinen Dank dafür. Sowas kann man über das "Hämmern" hinaus mitnehmen ins Leben 