Dominations Frage war für mich schon früh in diesem Thread beantwortet, spätestens aber mit Romans Post: Es ging ja um Vorteile eines Anschiffs für belastende (Outdoor-) Anwendungen.
Führt man über diesen Punkt hinaus so eine Diskussion zu dogmatisch und vor allem zu "allgemeingültig", ohne Beachtung der konkreten Anwendungssituation, Ausrüstungsalternativen usw., wird sie völlig unsinnig. Ist der Weltmeister im Gewichtheben oder die Weltmeisterin im Bodenturnen der "bessere" Sportler, ist der Unimog oder der Ferrari das "bessere" Auto? Keiner käme auf den Gedanken, so etwas unbeachtlich der konkret zu lösenden Aufgabe allgemeingültig beantworten zu wollen. Bei Messerinteressierten findet man dieses Bestreben zuweilen, ob bei der Suche nach "dem besten" Messer für alles und jedes oder der nach "dem besten" Anschliff.
Roman - der ja übrigens selbst ganz ausgezeichnet ballig schleifen kann! - weist uns mit einer eingängigen Bildhaftigkeit, um die ich ihn wieder mal aufrichtig beneide, darauf hin, daß Eigenschaften und Gestaltungsvarianten von Messern eher nicht ein absolutes Optimum darstellen, sondern jeweils auch mit Einbußen anderer Eigenschaften "bezahlt" werden.
Ich habe mir angewöhnt, diese Leistungsmerkmale als "Skalenpositionen" zwischen einander entgegengesetzten, jeweils aber durchaus positiven "Maximalpunkten" zu betrachten: meinetwegen zwischen maximaler Belastbarkeit der Schneide und optimaler Schneidfähigkeit, zwischen maximaler Elastizität und Schnitthaltigkeit, zwischen massiver "Durchschlagskraft" und Führigkeit.....
Das führt erstens dazu, sich den Gedanken eines allgemeingültigen "Optimums" abzuschminken und zweitens genau darauf zu schauen, WAS mit dem Messer gemacht werden soll. Und zusätzlich darauf zu schauen, ob die dieser jeweiligen "Skaleneinstellung" zugrundeliegenden jeweiligen "Kompromisse" zwischen bestimmten Eigenschaften ein komplettes breites Anwendungsspektrum allein abdecken müssen oder durch Ausrüstungsalternativen (z.B. eben ein zweites, sehr schneidfreudiges kleines Messer oder ein Hebeltool für Werkzeuganwendungen) bestimmte Bereiche aufgefangen und abgedeckt werden und man die "Skalierung" dann nur noch einem spezifischeren Anwendungsbereich anpassen muß.
Dominatins Frage wäre ja ggf. anders zu beantworten, wenn er z.B. individuell eine Messer-Axt-Kombi vorziehen oder erklärterweise einen großen Chopper und ein kleines möglichst schneidfreudiges Messer mitführen möchte.
Übrigens hat Roman mir gerade das Mountain Man umgeschliffen - auch eine Frage des primär angepeilten Anwendungsbereichs. Chris "BFG" hat mit dem ursprünglich robust-ballig geschliffenen Messer einen Autotürrahmen zerhackt, das Schneidgut war hart genug, um einen tiefen Kratzer in die Messerflanke zu machen, konnte jedoch der Schneide nicht den kleinsten Ausbruch anhaben. Besser kann man nach meiner Überzeugung auch mit "Hype-Stahl" und High-Tech-Härtung einen Hard-User nicht machen, hätte Roman nicht schon vorher meinen vollen Respekt gehabt, hätte er ihn spätestens damit erlangt, auch nach Jahrzehnten der Anwendung und vielleicht 200 oder mehr Messern, die in der Zeit in meiner Hand waren....
Nun aber soll das Messer eher weichzielorientiert leistungsoptimiert werden, um das mal so technisch auszudrücken....Also schneidfreudiger, es muß keinen Amboß mehr zerhacken können, dafür soll es sein sattes Kilo Eigenmasse bedarfsweise maximal durch weicheres Schneidgut treiben können. Auch hier also nicht "DAS" Optimum, sondern eine anwendungsorientierte, spezifische "Skalenposition".
Zu solchen Tests wieder mal: Stimme Roman zu, bei allem Interesse an einer gewissen Leidensfähigkeit eines Hard-Users verwundert es nicht, wenn ein relativ unbeholfen agierender Anwender ein Messer durch stufenweises Aufhäufen von belastendem Unfug kaputt bekommt.
Was nützt mir die Erkenntnis, daß meinetwegen ein verkantender Depp oder einer, der es darauf anlegt, selbst einen Viertelzöller mit nem Schlagholz kaputtkloppt, wenn ich andererseits schon Moras und Lindbloms mit ein wenig Umsicht durch festes Scheitholz gekloppt habe.....Und welche Erkenntnis ziehe ich für mich als Anwender daraus, wenn ich kundige Leute wie Matthias "Geronimo" mit kleinen Messern oder Roman "Juchten" mit nem Zwölfzöller hantieren sehe - da sehe ich Informatives zum Messer, aber ohne eigenes Erproben, ohne das Herausfinden, welche Größe mir für welche Arbeit liegt, welche Techniken mir leichtfallen und welche eher nicht, werde ich auch damit nicht "DAS beste" Messer finden 