Beiträge von Micha M.

    1.2519 ist A2-Toolsteel, daraus bauen z.B. Bark River, Mission-Knives, Hogue Knives und viele andere Hersteller Messer, MoD hat daraus z.B. die Dieter-Modelle gebaut, Chris Reeve z.B. viele Hohlgriffmesser, die einen ausgezeichneten Ruf haben.
    Das Material ist zäh, nimmt eine gute Schärfe an und läßt sich "im Feld" nachschärfen. Es ist unbeschichtet nicht allzu beständig gegen Umwelteinflüsse und neigt bei einigen Modellen insbesondere zum Anlaufen bei Kontakt mit sauren Nahrungsmitteln - das aber im Umfang normaler Gebrauchsspuren, giftig ist sowas auch nicht.


    Womit wir bei C-Stahl wären: Wäre der ungeeignet, wären unsere Vorfahren ganz schön angesch....gewesen, denn alle ihre Gebrauchs- und Kampfmesser bestanden daraus. Auch unser Handwerkzeug ist selten aus "rostfreiem" Stahl. Das alles löst sich merkwürdigerweise trotz Unkenrufen NICHT im ersten Frühnebel schlagartig zu braunem Gebrösel auf. Alles Quatsch.
    Unterwegs reicht normales Ab- und Trockenwischen. Will man mehr Schutz, bietet sich eine beschichtete Klinge an. Das macht ein Pflegen des beschalten Teils unnötig und reduziert die Korrosionsanfälligkeit auf die Schneidfase. Insgesamt ist bester Korrosionsschutz regelmäßiger Gebrauch....


    Beschichtungen....jaaa, immer die Sorge, man würde nach der ersten abgeschnittenen Scheibe Salami unter Krämpfen und mit Pusteln ins modrige Grab taumeln.....Obwohl man zu Hause andauernd chemiebelastetes Zeugs aus innenbeschichteten Dosen in beschichte Pfannen füllt und mit Kunststoff-Küchengerät drin herum schaufelt, killt einen die Beschichtung schneller und tückischer als Chris Kyle. Viele Vorbehalte stammen aus der Zeit brünierter Klingen oder meinetwegen phosphatierter und stellen auf häufigen Gebrauch ab.


    Warum also k e i n C-Stahl? Weil es Hypes von "Superstahl" dieser oder jener Machart gibt? Am dogmatischsten und heftigsten (und akademischsten) werden diese Diskussionen von dem einen oder anderen Spezialisten geführt, der dann sein weißglutheiß-diskutiertes High-End-Tool aus cryo-vakuumgehärtetem Superdingenskirchen-PM-Stahl mit dem Hinweis "hat noch nie etwas geschnitten" auf den Gebrauchtmarkt gibt....


    Man darf ja nicht vergessen: Es geht hier um normale Gebrauchsumstände, keine wochenlangen Wanderungen ohne Möglichkeit des Nachschärfens, kein Abschwarten einer Obelixportion Wildschweinen. Zuweilen nimmt diese "Brauchbarkeitsdiskussion" geradezu groteske Züge an: Da wird ein Material, mit dem unserer Väter Väter (usw., Ihr müßt aber nicht Loretta zu mir sagen...), Millionen vom Bäumen gefällt, Tiere zerlegt und Feinde gekillt haben, als "ungeeignet" zum Anspitzen eines Wandersteckens oder Zerteilen eines Holzscheits erklärt....
    Ich hab ne ganze Reihe von handgemachten Messern aus diversen C-Stahl-Sorten, die alle bei Normalgebrauch sehr lange scharf sind - aber selbst industrielle Klingen aus 1095 oder 0170-6C (Carbon V) haben bei mir schon ganze Testreihen überstanden und hinterher noch immer Armhaare rasiert. Und das reicht dann nicht fürs Stöckchen, ne Portion Feuerholz und schlimmstenfalls noch den Dosendeckel der gebackenen Bohnen? Putzig....


    Daisetz stimme ich absolut zu: Nicht alles ist gleichermaßen für jeden Zweck IDEAL geeignet - aber brauchbar ist vieles. "Trotz" der Materialkunde-Heiligen Gerfin und Landes zerscheppern selbst D2-Haumesserklingen n i c h t beim Auftreffen auf ein Zweiglein wie Spekulatius, bei richtiger WB kann man damit durchaus viel anfangen, wenn man denn damit umgehen kann.


    C-Stahl hat ein feines, gleichmäßiges Gefüge, nimmt eine sehr gute Schärfe an und ist bei passender WB elastisch genug auch mal für einen Mißbrauch, wie er im Outdoor-Gebrauch vorkommen kann. Nicht umsonst kommt man bei besonderer Prellschlagbelastung von Klingen immer wieder auf den "guten alten" 1095 oder auch 5160 zurück, selbst bei Messermachern im Preisbereich, bei dem der Materialkostenanteil wenig Probleme macht.


    Daher hier auch noch mal ein Vorschlag eines sehr brauchbaren C-Stahl-Outdoorers, der viel eher ein Schneidwerkzeug ist als eine Behelfsschaufel oder ein Hebel: Peltonen Sissipuukko M95 oder etwas kürzer M07. Von einem Profi gemacht, sehr handlich, gut bezahlbar.


    Andere Alternative, gut zum Lernen und Erproben: Kombi kaufen mit einem etwas größeren und robusten Messer wie z.B. RD-7 oder Becker BK-7 oder Companion oder Rold Scout oder etwas in dieser Art, und für 15 zusätzliche Euronen ein Mora Companion in der etwas stärkeren Heavy-Duty-Ausführung. Wechselweise für alle Arbeiten verwenden und herausfinden, wo die Stärken in welchen Bereichen liegen und ob man eher Abstriche bei der Schneidleistung zugunsten von mehr Impact machen mag oder ein größeres Messer eher unhandlicher und ermüdender findet.


    Die paar Euro sind sehr gut angelegt, das Messer ist - egal, wie man sich später "endgültig" entscheidet, auf keinen Fall überflüssig, sondern findet seinen Platz im Auto, der Angeltasche, im Garten....oder gibt ein nettes Geschenk für den nächsten kleinen Pfadfinder ab :)

    Du schreibst ja selbst, daß Du Dich bei den einzelnen Modellen noch orientieren mußt, auf dem "Markt" sozusagen Einsteiger bist. Jetzt bekommst Du durchaus wohlgemeinste Vorschläge, die aber teils auf den Gedanken hinauslaufen, mit einer Stradivari müsse man eben auch sofort Geige spielen können wie Paganini.
    Mir ist das nicht vergönnt, ich geh jetzt 40 Jahre mit Messern um und entwickele immer noch meine Vorlieben weiter, verändere meine Meinungen, mache neue Erfahrungen.


    Du hast ein für Outdoorverhältnisse ganz normales Aufgabenprofil beschrieben. Und darauf gibt es selbst bei den sowohl im Outdoorleben als auch im Messerumgang noch so versierten Profi-Anwendern Antworten vom Mora bis zum Wiseman Survival-Tool, und dazwischen alles mit allen Klingenformen, -längen, -höhen usw. Dieser Anwender legt besonderen Wert auf Schneidfreudigkeit und betont den Aspekt der Nahrungsmittelzubereitung, der Versorgung von gefangenen Fischen, feinen Schneidarbeiten. Jener will unbedingt mit dem Messer am Gürtel auch ein Blockhaus errichten können, manndicke Bäume fällen und das eine mitgeführte Survival-Tool noch so mißbräuchlich verwenden. Dieser argumentiert wie Sears und möchte ein kleines Messer und macht alles Wuchtige mit einem mitgeführten Beil, jener liebt das freihandhack-freundliche große, schwere Camp-Knife. Wohlgemerkt, alles Experten. Nehberg liebt sein Glock, Tony Lennartz sein GEK, andere Outdoor-Profis vermarkten die verschiedensten Messer.


    Nur Du kannst für Dich selbst durch Gebrauch und genaue Beobachtung herausfinden, was Dir besonders liegt, womit Dir die Arbeiten besonders leicht fallen, was Dich an einer vorliegenden Messerform eher stört und was Dir besonders gefällt.


    Kauf Dir ein gescheites Messer. Schrott ist ziemlich rausgeschmissenes Geld,weil Du daran nix lernst, ein vernünftiges Messer gleicher Form könnte ganz andere Ergebnisse erbringen. Hier sind haufenweise Kandidaten genannt worden, mit denen man das alles erledigen kann und die deutlich weniger als ein Custom kosten. Benutze es soviel wie möglich und vor allem so bewußt wie möglich.


    DANN ist der Zeitpunkt da, sich zu verbessern und nach einem Messer zu suchen, das wirklich GANZ genau im Schnittpunkt aller Deiner eigenen Fertigkeiten, Anforderungen usw. liegt. Wer hat schon nur 1 Messer in seiner "Messer-Laufbahn"?? Wir haben alle mit einfachen Modellen angefangen, die nichtsdestotrotz für uns seinerzeit "gute Messer" waren und mit denen wir alles gemacht haben. Viele vergessen das heute gern und raten sofort zu High-End.


    Leg mal einen Bushcrafter nach Sears Vorstellungen oder ein Mora neben ein Wiseman Tool oder ein Hoodlum - und beantworte mir ohne vorheriges Erfahrungensammeln, in welche Richtung Dein Kaufwunsch sinnvollerweise gehen sollte :)

    Zu bescheiden, Jewgeni! :thumbup:


    Interessantes Review: Specs, sehr gute Bilder, interessante Anwendungen, auch noch Videos zur Erläuterung.


    Das ist informativ und gut gemacht!

    Jaaaaa, bei der Frage macht man so ein "Zitronengesicht" :)


    Selbst das Hissatsu ist primär für die Reversehaltung bestimmt und handhabt sich darin ausgezeichnet. Und Reverse ist der fehlende Guard wirklich kein Problem, da man schlimmstenfalls hinten den Daumen umlegen kann....


    Zudem haben sich Messerformen ohne Guard über Jahrhunderte gehalten, nicht nur in Japan, sondern z.B. auch bei nordischen und in deren Folge russischen Messern. Und zwar nicht nur für Gebrauchsmesser, bei denen das ja schnell einsehbar ist, sondern auch bei Fightern wie z.B. der "Smersh"-Reihe von NOKS. Wenn also das Abrutschen auf die Klinge bei fehlendem Guard mehr wäre als eine seltene Ausnahme, wäre diese Gestaltung zumindest bei spezialisierten Messern sicher doch im Evolutionsprozess schon verschwunden.


    Vorteile hat die Form z.B. durch ein Verhindern eines Verhakens eines Parierelements an Kleidung oder Umgebungsgegenständen. Und ich habe z.B. mein Hissatsu bei Tests auch schon forward in Balken gestochen oder durch Kevlar-Einlagen, bin allenfalls mäßig kräftig - jedoch noch nie vom Griff gerutscht. Der ist beim Hissatsu erstens ja auch konkav, zweitens sozusagen genoppt. Mindestens ebensoviel Halt bietet eine verschränkte Wicklung auf Rochenhaut, also eine klassische Lösung. Mir gefällt das sehr gut, vor allem epoxydgetränkt. So etwas gibt enormen Traktions-Halt.


    Andererseits ist der fehlende Guard auch "Kopfsache" - und ich habe die Erfahrung gemacht, forward wohl ohne Guard instinktiv etwas weniger "Gas" zu geben als mit - aber bei diesen Klingenformen immer noch deutlich genug zum Durchdringen eines Weichziels. Ich gebe bei Tests diese Messer auch ausschließlich in die Hand deutlich erfahrener Anwender, Anfänger bekommen bei mir kein Messer ohne Guard für einen Westendurchstichversuch in die Finger, gebe ich zu.


    Daher wäre zugegeben meine Lieblingslösung ein Hissatsu mit einem kleinen Guard, der die Fingerlinie nicht überragt und damit wenig Gefahr für Verhaken liefert. Nach vorn kann man so etwas auch gut runden, auch das hilft gegen Festlegen. Die Größe könnte ich mir wie beim SOG Tsunami vorstellen, sozusagen einem Modern-Tanto-Verwandten des Hissatsu. Eine europäische Alternative könnte z.B. ein Raptor (GT6 oder Lucy) von Bastinelli sein, sehr griffsicher forward wie reverse, leicht und schnell und mit sehr guter Penetrations- und Schneidleistung.
    Ein Custom-Hissatsu, sollte ich mir dann doch mal eins bauen lassen, hätte jedenfalls einen kleinen Guard :)

    Kriegen wir ein paar Bilder mehr, Hosch? Bittebitte :)


    Sieht ja leicht "persisch" aus, was ich - mit vielen hier - sehr mag. Ist nur so leicht gekippt schlecht zu erkennen....


    Das mußt Du Dir also wirklich nicht mit dem Bier "schön saufen" :)


    Sieht auch nicht so aus, als wäre das Ausgangsmaterial hinter dem Messer abgebildet..

    Ich hoffe ja, daß Buchsi z.B. sein wunderschönes klassisches Tanto hier auch noch mal kurz zeigt bzw. zumindest verlinkt :)


    LowEndD: Das mit der Einbuße der Penetrationsleistung bei American Tanto ist eine merkwürdige Sache, denn sie widerspricht eigentlich den Statements z.B. von Extrema Ratio und auch Brent Beshara. Tatsächlich penetrieren Tanto mit sehr steiler bis fast gerader Vorderschneide weiches Schnittgut ebenfalls sehr gut, falls die Schneide hinreichend scharf ist. Penetriert man aber widerstandsfähigeres Schneidgut, zeigen sich bei gleicher Auftreffenergie in meinen Versuchen doch Unterschiede zugunsten der "spitzeren" Formen. Ich hatte mal ein T3000S von ER, zunächst mit werksmäßiger, dann mit modifizierter, weniger steiler Spitze. Die Penetrationsleistung z.B. bei Holz oder dem bekannten Telefonbuchstapel stieg ersichtlich nach der Modifikation.


    Auch das Penetrieren von weichballistischem Schutzmaterial hat solche Gesetzmäßigkeiten: Hier zeigen klar die Spitzenformen einen Vorteil, die ein gutes Verhältnis zwischen Klingenvortrieb und Aufweitung des Schnittkanals haben, bei American Tanto also z.B. weniger steil ansteigen. Ein gutes Beispiel dafür ist das SOG Tsunami. Am besten sind Anstiegswinkel unter 45 Grad.


    Die beste Penetration erzielt man dabei nicht durch ein gerades Auftreffen einer Schneide und ein axthiebartiges Zerteilen der Gewebefasern, das entspricht zu sehr dem Zerreißvorgang durch ein Projektil, das Gewebe zeigt sich heftig widerstandsfähig. Hingegen penetriert eine Spitze wie die des Hissatsu oder des Otanashi, indem sie sich mit einer punktförmigen Spitze zwischen Kette und Schuß des Gewebes drängt und dann seitlich Faden um Faden zerteilt.
    Wird beim Vortrieb die Klinge durch eine nicht rasch/günstig dazu erfolgende Schnittkanalaufweitung "aufgehalten", neigen gerade längere Messer zum Abkippen, Penetrationsversuche sollte man daher nur bei gehöriger eigener Erfahrung und zudem nicht ungeschützt durchführen.
    Selbst Williams handelt in dem o.a. Video ein wenig leichtfertig beim Penetrationstest mit einem Folder in der ungeschützten Hand :)
    (Bevor das mit den Steinen und dem Glashaus kommt: Auf dem Foto hab ich auch keine Handschuhe an, das Messer wurde aber aufgesetzt und ohne Ausholschwung durch die Weste "geschoben", das läßt sich deutlich besser kontrollieren als ein wuchtiger Stich)


    Mikio & andere: Ja!! Das würde mich auch freuen, das hier nicht als One-Man-Show zu sehen, sondern auch schöne andere derartige Tanto einmal in einem Thread hier gesammelt zu finden! :thumbup:

    So pauschal möchte ich das nicht sagen....Ich hab auch etwa ein Dutzend Modern Tanto, und auch die haben ihre Stärken. Im Einsatzmesser-Mißbrauchsbereich z.B. bringen sie oft hohe Leistungen, auch das Schneiden mit der schrägen Vorderschneide im Hieb gehört zu ihren starken Seiten.


    Außerdem hab ich ja z.B. mit Martin Stierlin von Blade Systems mit den "Raptoren" auch Modelle mit einer sehr modernen Klingenform erarbeitet - und auch die "funktionieren" wirklich sehr gut in ihrem speziellen Anwendungsbereich. Als der "Karaptor" mit dieser Klingenform sich ein ausdrückliches Lob von Ray Dionaldo erworben hat, hat mich das schon sehr stolz gemacht....


    Mir ging es aber darum, die alte, "klassische" Form nicht als nachteilig oder veraltet bewertet zu sehen und an ihre eigenen Stärken, sowohl funktioneller als auch ästhetischer Art, zu erinnern :)


    Kürzlich habe ich einem Bekannten mein Otanashi Noh Ken gezeigt und die Antwort bekommen, das sei ja gar kein Tanto, weil es nicht die eckig-winklige Spitze mit "Unterspitze" und linear ansteigender "Vorderschneide" des American Tanto / Modern Tanto aufweist, das die Tanto-Vorstellung insbesondere der jüngeren Messerfreunde oder auch der nicht so messer-affinen Laien geprägt hat.


    Ähnlich wie beim Bowie, das in seiner Anfangszeit keineswegs immer eine Pandurenspitze, sondern nur eine gewisse Größe aufweisen mußte, hat sich bei den jüngeren Leuten die ihnen vertrauteste, weil allgemein nun verbreitetste Form durchgesetzt und das Begriffsfeld belegt.


    Ohne die Kenner langweilen und beleidigen zu wollen, daher mal ganz kurz "Die Sendung mit dem Micha" über Modern Tanto :)


    Diese Spitzenform ist eine moderne, amerikanische Erfindung und von bestimmten, einzelnen Kissaki-(Schwertspitzenformen) von Schwertern entliehen. Auch die hatten allerdings in den meisten Fällen k e i n e linear ansteigende Vorderschneide. Tanto jedenfalls hatten traditionell hauptsächlich eine vorn bogenförmig zur meist rückenspitzen Spitze ansteigende Schneide. Allerdings gab es schon traditionell durchaus sogar auch mittelspitze und beidseitig geschärfte Formen.


    Schwert und Tanto unterschieden sich in der Grundgestaltung im Umriß nicht zwingend sehr voneinander, was unter einem Shaku (etwa 30 cm, also ca. einem Fuß....bis auf den "buchsischen Fuß", der nach der "buchsischen Unschärferelation" irgendwo zwischen einem halben und einem Meter liegen kann) Klingenlänge lag, ging als Tanto durch, zwischen einem und zwei Shaku galt es als Wakizashi, über 2 Shaku als Katana, To usw.....Was mit einem meist geraden, ungeschmückten Griff versehen war war, kein Tsuba (Stichblatt) aufwies und eine Gesamtlänge von bis zu gut 10 Zoll (..jaaaaa, ca 25 cm) hatte, ließ sich als Kaiken / Kwaiken bezeichnen...Soviel mal gaaaanz grob und grundsätzlich.


    Ein Tanto konnte damit also sehr gut so ausschauen wie das "Denko" von Roman "Juchten" auf dem oberen Bild.
    Arrangiert man es so klassisch wie oben, könnte man schon auf den Gedanken kommen, die Entwicklung ginge schließlich weiter und das Modern Tanto sei der moderne Stein der Weisen, die traditionelle Form ein alter Hut. Weit gefehlt!


    https://www.youtube.com/watch?v=vHaTChCZFac


    Viele sehr namhafte Messer-Designer, oft auch mit Budo-Hintergrund, haben die alte Form nie aufgegeben und zeigen, was damit auch in moderner Gestaltung geht. Hier mal eine gewisse Auswahl :)



    Böker / Bud Nealy "Kwaiken"
    CRKT / James Williams "Hissatsu" und "Otanashi Noh Ken"
    CRKT / Lucas Burnley "Obake"
    Spyderco / Bob Lum "Tanto" Fixed
    CS / Barry Dawson "Spike"


    (Für diejenigen, die sich über die Mitzählung des Spikes wundern: Ich bin überzeugt, daß Dawson, der wunderschöne Kwaiken baut, zu den Spikes durch seine Befassung mit diesen Messerformen inspiriert wurde, systematisch handhabt sich das Messer absolut so wie ein Kwaiken).


    Hier noch mal ein Familienbild :)



    James Williams, dessen Entwürfe ich sehr schätze, hat mit der Klingenform der "Hissatsu"-Messerserie (Fixed und Folder, kleinerer Folder "Heiho", größerer Folder "Otanashi Noh Ken" mit Framelock, kleinere Version "Shizuka Noh Ken", Neuerscheinung Kwaiken "Yukanto") eine ca. 500 Jahre alte traditionelle Spitzengestaltung aufgenommen und in moderner Form umgesetzt. Was die können, zeigt das o.a. Video, ich habe selbst aber auch z.B. bei eigenen Penetrationstests mit ballistischem Weichschutz NICHTS gefunden, das dieser Klingenform bei einschneidigen Messern gleich käme.




    Im modernen Sinne sind diese Messer also heute "Yoroi Doshi" ("Durch die Rüstung") als funktionale Panzerstecher verbreiteten ballistischen Weichschutzes :)



    Auf das "Yukanto" warte ich daher schon ungeduldig...


    Auch die anderen abgebildeten Messer sind aber sehr penetrationsstark - und zuweilen auch sehr schön...



    Lum, Burnley und Nealy hier auf dem Gruppenbild, besonders das Lum Tanto hat nicht nur eine sehr angenehme, sanfte und dabei sichere Haptik, sondern überzeugt mich auch ästhetisch voll. Es lädt sehr zur Tipdown-Haltung ein (die bei klassischen Anwendungsformen gegeben wäre), handhabt sich aber auch forward und als Gebrauchsmesser sehr angenehm und leistungsfähig.
    Das abgebildete Messer gehört zum Sprint Run von 2014, über den ich mich sehr gefreut habe, weil der ausgezeichnete Entwurf in der Erstauflage sehr schnell vergriffen und begehrt war.




    Das Beispiel des Nealy-Entwurfs zeigt in seiner sehr modernen Gestaltung vielleicht noch besser, wie gut die tradtionelle Form auch funktional und in einer "tactical" aussehenden Gestaltung mithält, wie auch schon die Williams-Modelle.




    Nealy baut ja sehr funktionale Messer, er bietet Kwaiken sowohl ein- als auch zweischneidig an, die sich sowohl als EDC als auch als Backup sehr gut eignen. Leider ist diese Serie bei Böker mittlerweile auch vergriffen, die Customs liegen mittlerweile bei über 300 Euro...


    Auch ein "Auslaufmodell" ist leider der CS / Dawson-Spike, den ich sehr schätze. Die neuen Spikes mögen einfacher zu handhabende Gebrauchsmesser sein, sie haben aber eher den Zauber eines Mora und langen an den Nimbus der alten Spikes nicht annähernd heran. Die fast dreieckige Klinge läßt sich übrigens überraschend scharf bekommen :)


    Zusammen mit dem CRKT / Burnley "Obake" gehört es zu den kleinsten Vertretern in dieser Familie in meinem Bestand. Auch das "Obake" trägt sich angenehm "beiläufig" und diskret und macht sich z.B. als Zweitmesser für die Sekundärseite oder als kleines zusätzliches Messer bei leichterer Bekleidung ausgezeichnet.



    Also, Tanto-Freunde, es muß nicht immer die Modern Tanto - Form sein, auch die traditionelle Form wird modern ausgezeichnet umgesetzt, ist schön und leistungsfähig :)

    Ist ein sehr schönes Modell, sehr stimmig zwischen solchen Modellen wie Fairbairn Sykes, Kershaw Trooper und Kizlyar KO-2.....


    Höhö, sowas für einen Staatlichen Finanzüberwachungs-Dienst :)
    Ich hab Buchhalter wohl doch immer unterschätzt :)

    Tony, ich freue mich, daß alles geklappt hat!


    Das war sicher in der Sache richtig bis notwendig...und für die Nerven auch :)


    Die Kooperationspolitik bei Böker in den letzten Jahren läßt Zuversicht aufkommen, daß Du dort besser "andocken" kannst, verstanden wirst und Deine Ideen auch zuverlässig zu Produkten umgesetzt siehst, die dann auch im weiteren Verlauf zuverlässig "betreut" werden.


    Insbesondere Marc habe ich als einen Ansprechpartner mit hoher Sach- und Marktkunde kennen- und schätzengelernt und wünsche Dir wirklich, daß Du dort immer verständig, kompetent und engagiert angenommen wirst.


    Das läßt ja dann vielleicht auch noch auf weitere so praktische wie spannende Modelle hoffen! :thumbup:

    Großes Kino!


    Bemerkenswert, wie eigenständig dieser Entwurf trotz ganz anderer gefundener Lösungen für Griff und PE gelungen ist, obwohl das Vorbild doch in unseren Köpfen so stark verankert ist als einer DER Klassiker.....


    SEHR schöne Lösung, auf ein oberes PE zu verzichten und den letzten Bogen als Daumenauflage zu gestalten (so gern ich sonst auch beidseitige PEs mag...). Absolut stimmig.


    Das gilt für den ganzen Entwurf, der die bereits von Dir gewohnte Schlüssigkeit aufweist. Schnörkellos-elegant, weil einfach alle Formen, Proportionen und Detaillösungen "passen" und sich zu einem sehr harmonischen Ganzen verbinden.


    Wunderschönes Messer! :thumbup:

    Katapul - T!!! :thumbup:


    Das grazile Gerät wird in seiner Zartheit wohl nur noch von seinem Anwender übertroffen und spielt etwa in einer Liga mit Jörns EDCs oder Romans schlankem Stiefelmesser "Hernia Inguinalis" :)


    Jörg Sprave hätte seine helle Freude daran :)


    Tolles Ding!

    Meph und Andreas, ich seh das grundsätzlich wie ihr, aber tatsächlich ist die Sache ja noch ne Nummer komplexer, sobald man wirklich vergleichend mit bleibendem Aussagewert über eine Verifizierung der Materialangabe und des angegebenen Härtegrades hinaus auch noch auf das tatsächliche Ergebnis der WB (über den reinen Härtegrad hinaus) Aussagen machen will:


    - Die Geometrie kann man n i c h t ausblenden, da sie sich selbstverständlich auf die Haltbarkeits- und Schneideigenschaften der Klingen ebenso auswirkt. Und eine für den Zweck suboptimale Geometrie oder auch ein besonders belastungsanfälliges Klingenmaß werden auch bei qualitativ gleich guter WB verschiedene Ergebnisse bringen und zudem die Schwächen einer WB auch unterschiedlich stark hervortreten lassen.


    - Die WB ist n i c h t für den einzelnen Hersteller immer gleich, da sie bei firmeninterner Fertigung ebenfalls Umstellungen, Schwankungen, Verfahrensänderungen usw. unterliegen kann. Außerdem wird, auch wenn es hier mal anders anklang, gerade die Härterei schon gern als Lohnarbeit abgegeben, "Lohnhärterei" ist doch wirklich ein klassischer Begriff in der Metallbearbeitung und natürlich auch in der Messerproduktion


    - Das kann sich wunderbar auswirken, wie bei Paul Bos, es kann aber auch Probleme bringen wie bei der "berüchtigten" Charge großer ER-Federn (Nemesis und MPC), bei der nicht von ER gehärtete Federn eines zwischenzeitlich betrauten Lieferanten große Probleme machten.


    - Sowohl die Auswirkungen unterschiedlichlicher Geometrien als auch von Schwankungen in der WB ein und desselben Herstellers haben "klassische" Beispiele: Ontario hatte mit seinem 1095 mal für eine Zeit Härtungsprobleme, die sich sichtbar aber nur beim RTAK auswirkten, einem zehnzölligen Chopper, der ungleich mehr Prellschlag verkraften muß als ein RAT 3. Kershaw hatte anfangs Härtungsprobleme mit dem Outcast, ebenfalls einem Chopper. Freunde russischer Serienmesser werden auch Beipiele für mehr oder weniger gelungene Chargen-WB bei ein und demselben Hersteller kennen :)


    - Selbst die "alten Hasen" bewahren einen also nicht k o m p l e t t vor unangenehmen Überraschungen, wenn auch eine Bos-Härtung oder übrigens auch die Solinger WB für 440C und D2 schon große Wahrscheinlichkeiten bringen, ein sehr gewissenhaft gehärtetes Produkt mit entsprechend hoher Anwendungseignung zu bekommen (...wenn die Konzeption des Produktes stmmt...).


    - Man müßte dann also schon permanent vergleichstesten, mir ist wirklich KEINE Institution bekannt, die das leistet. Und als Konsument müßte man zudem bei einer Messerbestellung dann noch zusätzlich wissen, welcher Charge des Herstellers das bestellte Messer entstammt. Es gibt ja auch mal Lagerbestände aus Vorvorjahres-Produktion bei einigen Händlern....


    Also nehme ich hin, was Buchs geleistet hat - und das gibt ja schon mal die Kerninformation, daß sowohl die Angaben zum Material als auch zum Härtegrad seriös sind. DAS wollten wir ja sicher wissen....Ich erlaube mir mal den -respektvollen!- Scherz, daß mir das langt, wenn es selbst einem Präzisionsfreak wie "Nordwind" reicht :)

    Warunit, vielleicht hast Du Sinn und Umfang dieses Tests einfach ein wenig verkannt.


    Buchs hat - übrigens ausgezeichnet und für den vorgesehenen Umfang auch bestens fundiert - probeweise die Materialangabe des Herstellers überprüft, weil DAS für viele Interessenten der Problembereich des Messerkaufs chinesischer Anbieter ist. Es ist ja immer die Sorge da, man spiele bei vielen Anbietern sozusagen beim Vertrauen auf Materialangaben höherwertiger Stahlsorten eine Art "chinesisches Roulette". Wenn ich das hier richtig verstanden habe, ging es DARUM, und das ist Buchs bestens gelungen.
    Mensch, der kann ja nicht nur kochen, man könnte ja fast auf den Gedanken kommen, er hätte nebenbei auch noch gewisse technische Fertigkeiten :)


    Natürlich kann es bei so einer Überprüfung nicht auch noch darum gehen, gleich die gesamte Produktion - und zwar ausdrücklich dann auch noch chargenübergreifend - auf Feinheiten mehr oder minder gelungener Wärmebehandlung zu untersuchen, und zwar dann sinnvollerweise auch noch im Quervergleich mit Produkten möglichst aller Mitbewerber.


    Natürlich wäre das spannend, und Du bist herzlich eingeladen, so etwas umzusetzen und hier vorzustellen. Ich les ja schon ein paar Tage mit und habe eine derartige Analyse bislang tatsächlich noch nirgends finden können - übrigens nicht einmal bei Herstellern im Rahmen vergleichender Marktbeobachtung. Da die WB allerdings nicht zwangsläufig immer gleich oder vom gleichen Dienstleister durchgeführt wird, müßte man das - wenn man schon den von Dir angestrebten Aussagewert anstrebt - auch kontinuierlich als Prüfverfahren fortsetzen. Bonne chance!


    MIR reicht erst einmal, daß Buchs hier technisch fundiert belegt hat, daß zumindest beim vorliegenden Hersteller/Anbieter auch drinsteckt, was draufsteht....


    Buchs, vielen Dank und Kompliment! :thumbup:
    Verneige mich mindestens zwei Zoll (....also etwa einen halben Meter...)