1.2519 ist A2-Toolsteel, daraus bauen z.B. Bark River, Mission-Knives, Hogue Knives und viele andere Hersteller Messer, MoD hat daraus z.B. die Dieter-Modelle gebaut, Chris Reeve z.B. viele Hohlgriffmesser, die einen ausgezeichneten Ruf haben.
Das Material ist zäh, nimmt eine gute Schärfe an und läßt sich "im Feld" nachschärfen. Es ist unbeschichtet nicht allzu beständig gegen Umwelteinflüsse und neigt bei einigen Modellen insbesondere zum Anlaufen bei Kontakt mit sauren Nahrungsmitteln - das aber im Umfang normaler Gebrauchsspuren, giftig ist sowas auch nicht.
Womit wir bei C-Stahl wären: Wäre der ungeeignet, wären unsere Vorfahren ganz schön angesch....gewesen, denn alle ihre Gebrauchs- und Kampfmesser bestanden daraus. Auch unser Handwerkzeug ist selten aus "rostfreiem" Stahl. Das alles löst sich merkwürdigerweise trotz Unkenrufen NICHT im ersten Frühnebel schlagartig zu braunem Gebrösel auf. Alles Quatsch.
Unterwegs reicht normales Ab- und Trockenwischen. Will man mehr Schutz, bietet sich eine beschichtete Klinge an. Das macht ein Pflegen des beschalten Teils unnötig und reduziert die Korrosionsanfälligkeit auf die Schneidfase. Insgesamt ist bester Korrosionsschutz regelmäßiger Gebrauch....
Beschichtungen....jaaa, immer die Sorge, man würde nach der ersten abgeschnittenen Scheibe Salami unter Krämpfen und mit Pusteln ins modrige Grab taumeln.....Obwohl man zu Hause andauernd chemiebelastetes Zeugs aus innenbeschichteten Dosen in beschichte Pfannen füllt und mit Kunststoff-Küchengerät drin herum schaufelt, killt einen die Beschichtung schneller und tückischer als Chris Kyle. Viele Vorbehalte stammen aus der Zeit brünierter Klingen oder meinetwegen phosphatierter und stellen auf häufigen Gebrauch ab.
Warum also k e i n C-Stahl? Weil es Hypes von "Superstahl" dieser oder jener Machart gibt? Am dogmatischsten und heftigsten (und akademischsten) werden diese Diskussionen von dem einen oder anderen Spezialisten geführt, der dann sein weißglutheiß-diskutiertes High-End-Tool aus cryo-vakuumgehärtetem Superdingenskirchen-PM-Stahl mit dem Hinweis "hat noch nie etwas geschnitten" auf den Gebrauchtmarkt gibt....
Man darf ja nicht vergessen: Es geht hier um normale Gebrauchsumstände, keine wochenlangen Wanderungen ohne Möglichkeit des Nachschärfens, kein Abschwarten einer Obelixportion Wildschweinen. Zuweilen nimmt diese "Brauchbarkeitsdiskussion" geradezu groteske Züge an: Da wird ein Material, mit dem unserer Väter Väter (usw., Ihr müßt aber nicht Loretta zu mir sagen...), Millionen vom Bäumen gefällt, Tiere zerlegt und Feinde gekillt haben, als "ungeeignet" zum Anspitzen eines Wandersteckens oder Zerteilen eines Holzscheits erklärt....
Ich hab ne ganze Reihe von handgemachten Messern aus diversen C-Stahl-Sorten, die alle bei Normalgebrauch sehr lange scharf sind - aber selbst industrielle Klingen aus 1095 oder 0170-6C (Carbon V) haben bei mir schon ganze Testreihen überstanden und hinterher noch immer Armhaare rasiert. Und das reicht dann nicht fürs Stöckchen, ne Portion Feuerholz und schlimmstenfalls noch den Dosendeckel der gebackenen Bohnen? Putzig....
Daisetz stimme ich absolut zu: Nicht alles ist gleichermaßen für jeden Zweck IDEAL geeignet - aber brauchbar ist vieles. "Trotz" der Materialkunde-Heiligen Gerfin und Landes zerscheppern selbst D2-Haumesserklingen n i c h t beim Auftreffen auf ein Zweiglein wie Spekulatius, bei richtiger WB kann man damit durchaus viel anfangen, wenn man denn damit umgehen kann.
C-Stahl hat ein feines, gleichmäßiges Gefüge, nimmt eine sehr gute Schärfe an und ist bei passender WB elastisch genug auch mal für einen Mißbrauch, wie er im Outdoor-Gebrauch vorkommen kann. Nicht umsonst kommt man bei besonderer Prellschlagbelastung von Klingen immer wieder auf den "guten alten" 1095 oder auch 5160 zurück, selbst bei Messermachern im Preisbereich, bei dem der Materialkostenanteil wenig Probleme macht.
Daher hier auch noch mal ein Vorschlag eines sehr brauchbaren C-Stahl-Outdoorers, der viel eher ein Schneidwerkzeug ist als eine Behelfsschaufel oder ein Hebel: Peltonen Sissipuukko M95 oder etwas kürzer M07. Von einem Profi gemacht, sehr handlich, gut bezahlbar.
Andere Alternative, gut zum Lernen und Erproben: Kombi kaufen mit einem etwas größeren und robusten Messer wie z.B. RD-7 oder Becker BK-7 oder Companion oder Rold Scout oder etwas in dieser Art, und für 15 zusätzliche Euronen ein Mora Companion in der etwas stärkeren Heavy-Duty-Ausführung. Wechselweise für alle Arbeiten verwenden und herausfinden, wo die Stärken in welchen Bereichen liegen und ob man eher Abstriche bei der Schneidleistung zugunsten von mehr Impact machen mag oder ein größeres Messer eher unhandlicher und ermüdender findet.
Die paar Euro sind sehr gut angelegt, das Messer ist - egal, wie man sich später "endgültig" entscheidet, auf keinen Fall überflüssig, sondern findet seinen Platz im Auto, der Angeltasche, im Garten....oder gibt ein nettes Geschenk für den nächsten kleinen Pfadfinder ab ![]()