Nein, hat es nicht. Wie beim Resolza ist der Grund die Balance zwischen moderner Ausführung und Bezugnahme auf ein traditionelles Modell. Im 19. Jahrhundert war der Messerclip ungebräuchlich.
Vorbild des Razors ist die Messerform "Mozzetta", die im Italien des 19. Jahrhunderts aus rein rechtlichen Gründen verbreitet war. Den Bürgern in Italien (bzw. den Vorgängerstaaten dort) war damals das Führen spitzer Messer weitestgehend verboten, andererseits bestand und besteht immer Bedarf an einem schneidfähigen Alltagswerkzeug.
Man hat dann unter Rückgriff auf die Kontur der Rasiermesserklinge, nicht jedoch mit gleichem Schliff, ein Gebrauchsmesser ohne Spitze verbreitet. Das diente allerdings zu normalen Schneidarbeiten, eben als "spitzenkastrierter" Ersatz des verbotenen normalen Messers, und nicht zum Rasieren. Übrigens hat so ein Messer zwar keine Spitze für einen Stich im Jab, aber die Kante der wharncliffeartig bis nach vorn durchgezogenen Schneide mit der Vorderkante bietet für das Durchdringen flächigen Schneidguts eine "Unterspitze" wie die des American Tanto oder wie bei einem Cuttermesser.
Insofern ist auch die Nichteignung des ER-Modells "werktreu", es handelt sich hier eben um eine moderne Version eines traditionellen Alltags-Gebrauchsmessers, nicht um ein "taktisches Rasiermesser".
Worauf ER taktisch unklug hinweist, ist die Tatsache, daß es natürlich eine EIGNUNG gibt (und keine grundsätzliche Zweckbestimmung!), so ein Messer - wie eine Vielzahl anderer Alltagsgegenstände auch! - eben auch zum Kampf einzusetzen. In meinen Workshops zeige ich den Kolleg(inn)en ja auch gern mögliche Waffenanwendungen einer Vielzahl anderer Alltagsgegenstände (Büroartikel, Werkzeuge, Alltagsgegenstände, Küchengerät usw.) zur Verfeinerung des Gefahrenbewußtseins.
Es gibt ja primär auf Schnitte ausgerichtete Messer-Anwendungsstile, für die sich auch ein Messer ohne ausgeprägte Spitze eignet, auch wenn es für völlig andere Zwecke BESTIMMT und keine Waffe ist - für so etwas eignet sich dann natürlich auch ein Rasiermesser mit seiner extrem scharfen Schneide. Auch mit anderen Alltagsgegenständen kann man in diesem Sinne etwas anfangen - so gibt es ja z.B. einen traditionellen Anwendungsstil für Scheren, der im 18. und 19. Jahrhundert bei weiblichen iberischen und italienischen Gitanos verbreitet war.