Nochmals gelesen, wiederum mit Interesse am Thema und Anerkennung für den Autor. Und hochgeholt wegen des eigenen Neuzugangs 
Aus der Kershaw-Emerson-Kollaboration wurde ich mit dem 7K und dem 4KXL im Bereich der "Normalformen" bezüglich Emerson-Entwürfen bislang sehr gut bedient, Preis/Leistung ist sehr gut, vor allem sind die günstigen Kershaws weitestgehend frei von der "Streuung" der Fertigungsqualität, die bei den Emerson-Serienmessern zeitweise bei einzelnen Exemplaren feststellbar war: Klingenspiel, luschiger Detent, ausgemitteter Klingenstand im geschlossenen Messer...
Kershaw-Emersons nun verfügbar
Was habt ihr heute bekommen, was morgen? Nr. 10
Andererseits ist Emerson eben einer DER Trendsetter und Vorreiter der Tactical Folder, und Entwürfe wie das Rhino, Hattin oder eben Persian lassen sicher nicht nur meine Augen leuchten 
Doch es wäre sicher zu optimistisches Wunschdenken gewesen, auf ein Kershaw-Emerson-Persian warten zu wollen...
Aber Geduld bringt Segen...Sägen?....Messer! Ich hab einige Jahre geduldig "angesessen" und gewartet, ob ich nicht mal ein Persian finden würde, das zu einem erträglichen Kurs trotz Seltenheit und in einem zuverlässigen Zustand trotz besagter Streuung irgendwo aufploppen würde....Jetzt hat es geklappt 
Schönes neues Werkzeug in meiner "Tactical Tool Box" - hier mal mit anderen Werkzeugen in "all black"...


Ein interessanter Direktvergleich ist der mit dem CRKT / Williams Otanashi Noh Ken, einem meiner Lieblings-Folder.
Vergleichbare Größe, ähnliches Konzept, Unterschiede eben vor allem in der Griffgestaltung und der Klingenform.

Beide Messer liegen geschlossen etwa gleich gut in der Hand und eignen sich beide auch geschlossen als nonletale Impact-Tools, auch das im Griff üppigere Persian ist schlank genug, daß ich es mit meiner kleinen Hand noch sehr gut umfassen kann. Beide Messer fühlen sich haptisch und funktional neben der gängigen Forward-Haltung insbesondere auch reverse sehr "schlüssig" an und verwenden sich auch so. Während Williams bei den entsprechenden bogenförmig geführten Stichen bei gerader Klinge auf die richtige Schwungführung und Handgelenkhaltung setzt, hat Emerson die "Upswept"-Klingenform gewählt, die insbesondere im südlichen Raum seit Jahrhunderten auch bei entsprechenden Messern bewährt ist wie Khanjar oder Jambiya, bei modernen Mitbewerbern eben bei den sog. "Persian-" und "Scimitar-"Formen. Emerson hat das auch bei anderen auf den entsprechenden Anwendungsbereich konzentrierten Modellen wie dem legendären Rhino und dem Hattin aufgegriffen, auch andere Hersteller wie Spyderco halten entsprechende Modelle vor, bekannt ist insbesondere auch das Benchmade Bedlam, CS hat ebenfalls "Scimitar"-Modelle angeboten, die diese klassischen Vorbilder aufgegriffen.
Zur Auswirkung der Klingenform auf ein optimiertes Auftreffen der Spitze im bogenförmigen Stich kann man insbesondere zu einer Gruppe von Messern einiges nachlesen, die Tactical-Geschichte geschrieben haben - den diversen "Warrior" Modellen von Al Mar, REKAT oder Spyderco.
Spyderco Pygmy Warrior nach langer Wartezeit nun verfügbar
Kurz zusammengefaßt: Ziel ist, daß die Klingenbiegung so dem Schwungradius folgt, daß die Spitze bei geradem, gesperrtem Handgelenk im bogenförmigen Stich optimal auf das Schneidgut auftrifft und in der Fortsetzung des Bewegungsablaufs im Penetrationsvorgang optimal durchs Schneidgut geführt wird. "Nebeneffekt" soll sein, durch die bogenförmige Bewegung ggf. an den primären Wirkungsbereich auch "um ein Hindernis herum" heranzukommen....
Nachteil bei ZU stark angehobenen (wie auch abgesenkten bei Hawkbills) Spitzen ist die nachlassende Eignung zu einem geraden Stich. Das ist beim Emerson Persian beachtet - die Biegung ist so moderat, daß man forward das Handgelenk nur ein wenig senken muß, um die Spitze kontrolliert linear zur Unterarmachse penetrierend in ein Schneidgut zu drücken. Auch diese Art feinerer Schneidarbeiten kann man also mit dem Persian sehr gut machen - während es zum "Prockeln" durch sehr festes, widerstandsfähiges Schneidgut aufgrund seiner grazilen Spitzenform eh nicht gemacht ist, geht es linear in eine dicke Blisterpackung wie in ein Butterpäckchen 
Ganz wesentlich ist aber nicht nur die Auswirkung auf die Spitze, sondern die auf die Schneidwirkung im Hieb:
Upswept-Formen finden sich ja sehr häufig bei Skinnern, Jagdmessern zum Abhäuten von Wild - sie zeigen dort den Vorteil, daß man, von der Klingenachse aus gesehen, durch die hochgezogene Schneide nicht nur nach unten zur Schneidenseite arbeiten kann, sondern sozusagen auch nach vorn. Dass das nicht nur bei Bambi und Ninchen vorteilhaft sein kann, ist selbsterklärend.
Auch die Wirkung zur Schneidenseite hin soll nach der Wirkungs-"Philosophie" der Freunde aufgeschwungener Schneiden jedoch optimiert werden:
Bei Säbeln hat sich über Jahrhunderte diese Form bewährt, um die Schneide im Hieb nicht rechtwinling wie eine Axtklinge wie im Druckschnitt oder im Axthieb auf das Schneidgut zu schlagen, sondern schräg auftreffen und schneiden zu lassen. Dieser Effekt wird in der einschlägigen Fachliteratur und Diskussion zuweilen als "Golok-Effekt" oder "Guillotinen-Effekt" bezeichnet und besteht darin, daß die Schneide nicht ausschließlich im Druck- sondern durch das schräge Auftreffen und Eindringen mit der Wirkung eines Zugschnitts das Schneidgut durchtrennt.
Wie so viele andere Konzeptionen der Messerwelt kann man so etwas lieben, aber es finden sich auch immer andere versierte Anwender, die das Gegenteil vorziehen - hier also entweder die für uns "klassische" gerade Klinge oder sogar das "Gegenteil", also eine abwärts gebogene Klingenform. Dazu verweise ich hier gern mal auf einen kleinen Aufsatz zu einem legendären letzten Fairbairn-Projekt....
Practical Kuku Macan – PKM – TKS schmiedet die „Tigerklaue“ – Ein Kampfkunst-Messer als Projekt mit TF-Mitgliedern
Also nicht zum Missionieren, sondern nur zur Vorstellung EINER Konzeption stelle ich hier einmal das Emerson Persian optisch zwischen das Otanashi Noh Ken mit ansonsten sehr vergleichbarer gerader Klinge - und andererseits den Pygmy Warrior von Spyderco, einen nochmals verkleinerten Nachfolger des REKAT Hobbit mit starken Anleihen an das REKAT-Foldermodell Pocket Hobbit.

Kleine Randbemerkung: Zumindest im Spitzenbereich wird bei einigen Messern mit ansonsten gerader Klinge der angesprochene Effekt durchaus berücksichtigt - insbesondere ist der "Entenschnabel" (auch: Pandurenspitze) des Bowie-Messers letzlich funktional nichts anderes als eine vorn an eine ansonsten gerade Klinge angesetzte "Scimitar"-Form....
Nun sind unhandlicherweise (rechtlich gesehen im diesbezüglich im Gegensatz zu felix Austria eben leider sehr aufgeregten und symbolpolitischen Deutschland...) Messer wie die Warrior-Modelle von der Primäranwendung her eher HuS-Waffen...Bedlam, Pocket Hobbit & Co. außerdem ja eh auch Einhandfolder. Auch das Emerson Persian ist einer, und so kann offen bleiben, ob es wirklich primär zum Abhalten balkanesischer Meuchler im US-Einsatz in Bosnien konzipiert war oder - was mir nicht unwahrscheinlich erscheint - zahlenmäßig doch weit mehr Cevapcicis zersäbelt hat...wozu es bestens taugt, a wie b....
Da die Form für viele Anwender also zweifellos auch - und zwar ausschließlich - für friedliche, wenn auch vielleicht nicht vegane Anwendungen attraktiv und höchst geeignet ist, andererseits hierzulande aber die entsprechenden Einschränkungen und Erklärungsbedürfnisse bestehen, hier noch ein Vorschlag, um so eine Klingenform auch bei einem erklärungsfreien fixen Jagdmesser unter 12 cm Klingenlänge nutzen zu können:

Das Persian neben einem Case Ridgeback (nach einem Entwurf des legendären Blackie Collins), das es übrigens auch mit schwarzem Kunststoffgriff und schwarzer Cordura-Scheide gibt...Auch das Ridgeback schneidet übrigens bestens 
Ich hoffe, die Bilder haben dieses allerdings auch ohne meinen Anhang spannende und informative Review ein wenig bereichert - das gilt auch für meine Anmerkungen über Anwendungen und Aspekte der Gestaltung aus meinem Euch bekannten speziellen Blickwinkel 