Beiträge von Micha M.

    Wobei Du mit dem Nachdenken darüber in bester Gesellschaft bist :)


    Es gibt durchaus auf ein Sicherheits-Maximum bedachte Anwender, die Liner-Locks ohne Zusatzsicherung zumindest im Hard-Use-Bereich ablehnen. Rein technisch ist Walkers Konzept des Liner Locks NICHT das belastbarste technisch mögliche System.
    Wenn es also GANZ heftig werden soll, kann man - unter dem Datenblatt-Maximalaspekt sozusagen - darüber nachdenken, vielleicht auch was mit dem guten alten Backlock (ggf. noch mit Zusatzsicherung wie bei ER) oder ein Cold Steel mit Tri-Ad-Lock in den Bestand aufzunehmen. Auch der Axis-Lock (Benchmade) macht im Praxisgebrauch selbst bei den sehr preisgünstigen Ganzo-Nachbauten einen sehr zuverlässigen Eindruck.


    Der andere Weg wäre Beibehaltung des Liner Locks als Verschlußsystem - und ein Modell mit Zusatzsicherung für Hard-Use. Es gibt verschiedene Systeme, sehr bekannt ist das LAWKS von CRKT, das nicht neben den Liner greift, sondern die Rotation der Klingen-Hinterseite blockt. Oder die "brachiale" Lösung von ER, einfach ein Loch durch Rahmen und Klingenwurzel zu bohren, durch das man bedarfsweise blockend einen Splint schieben kann, auch da dreht dann nix, selbst wenn der Liner "aufgeben" sollte :)


    Die Freunde des möglichst geringen Liner-Wegs bis zum Verriegelungsstand sollten zuweilen einmal folgendes bedenken: Ebenso groß wie die technische Besorgnis des Durchwanderns und dadurch ausgelösten Hangs zum Kollabieren bei hohem Druck ist die eines versehentlichen Lösens im Gebrauch. Bezeichnenderweise setzt die Zusatzsicherung von Gerber (beim AF-Combat-Folder z.B.) NICHT zwischen Liner und Bewegungs-Endpunkt an der Flanke des zweiten Liners an, was ein Durchwandern verhindern würde - sie setzt auf dem "Rückweg" an und setzt sich HINTER den Liner, um ein Zurückdrücken auszuschließen. Bei diesem von Praktikern gestalteten System wird das also im Praxisgebrauch bei diesem Verschlußsystem offenbar sogar als das größere Risiko angesehen.


    Das spricht eher für "Dein" Messer als dagegen :)

    Relax :)
    Das Ding hat einen guten Ruf, ich kenn auch erfahrene Anwender, die eins benutzen.
    Die Sache mit dem "zu weit" durchgehenden Lock ist auch viel bedeutsamer bei sehr dünnen Linern, wie sie bei anderen - auch renommierten - Herstellern früher häufiger verbaut wurden. Steht der dann SEHR diagonal, wirken hohe Hebelkräfte eben nicht linear in die Längsachse des Liners, sondern leicht schräg dazu. Dann befürchtet man eben z.B. ein Lösen bzw. ein Durchbiegen des Liners.
    Aber dieser hier ist doch "fett" wie ein Frame Lock und steht zudem auch bei diesem Messer jetzt nicht SOOO schräg. Also alles gut....
    Ich hab Liner versuchsweise schon durchgebogen, aber dünne und absichtlich. Könnte mir bei diesem hier nicht wirklich einen irrtümlichen Impuls vorstellen, der den beim Arbeiten entsprechend beeinflussen sollte....

    Zumindest persönlich würde ich das nicht monieren. Die Hinterseite der Klinge ist hinreichend abgeschrägt, um ein zu schnelles weiteres "Durchwandern" zu verhindern, und der Liner selbst sieht nicht zu schräg oder gar vorn durchgebogen aus. Daher sehe ich keine Gefahr des Durchbiegens bei Belastung über das für dieses Verschlußsystem normale Maß hinaus. Ist zudem ein stabiler Liner mit genügender Stärke, nicht so ein fludderdünnes Dingelchen wie bei manch anderem Messer :)
    Also hätte ich kein Problem mit diesem Exemplar...

    Öl hat eine deutlich erhöhte Fließfähigkeit bei Erwärmung, verteilt sich dann also erheblich besser.


    Das wußten schon die Russen im Großen Vaterländischen Krieg und haben zuweilen ein Feuerchen unter ihren Lkw's entzündet, um diesen Effekt zu fördern. Mit Schwertern sollte man das aber nicht machen - in Samurai-Kreisen gilt das als unfein und würdelos und wird gemeinhin mit Seppuku geahndet, wie man schon im "Hagebaumarkt", dem technischen Nachfolgewerk des Hagakure, nachlesen kann...


    Auch Erwärmen in der Mikrowelle ist eindeutig der falsche Weg, obwohl der moderne Japaner sich bekannterweise durch Affinität zu moderner Technik auszeichnet. Schwerter gehören jedoch NICHT in die Mikrowelle: Sie detonieren nicht unversehens wie etwa Pudel oder auch dieser blöde Nymphensittich von Tante Lene, nachdem wir ihn endlich mit ein wenig Körnerfutter in den Kasten gelockt hatten....aber sie sprühen heftig Funken, und irgendwann steht man plötzlich im Dunkeln und schneidet sich an der noch immer scharfen Klinge die Fingerchen ab, die das Ölkännchen hielten. Daher steht in japanischen Gebrauchsanleitungen für solche Geräte gemeinhin auch "Keine Kinder, Kleintiere und auch nicht die schöne Katana hineintun in diese magnetisch-elektrische Kasten für Haushalt!"


    Also empfiehlt sich moderate Umluft in einem Backofen - und eindeutig die Verwendung wärmebeständiger Bratschläuche statt der ansonsten obligatorischen Frischhaltefolie....:)

    Erhellender Beitrag :clap:


    Ja, wieder mal der Eindruck, es müsse marketingbedingt halt wieder mal was Neues sein, ob das nun Sinn macht oder nicht.


    Und es stimmt: Schon beim S30V kann man sich dasselbe fragen, auch da "mußte" es halt hipper PM-Stahl sein, obwohl man solche Messer wunderbar z.B. aus dem alten 440C oder Böhler N690 bauen könnte, nur lockt man damit eben keine Maus mehr hinterm Ofen vor - und keine sammelnden Fans an die Kasse...


    So ein gut zur Hälfte auf Missbrauch ausgelegtes DB wäre vielleicht sogar aus "schnödem" 5160 "sinnvoller" als aus vergleichsweise spröderem PM - und man kann die Frage größerer Schnitthaltigkeit vielleicht ironisch eh bei einem Modell ein wenig relativieren, das eh nicht als Schneidteufel berühmt ist :)


    Insofern ist die Deutung in Deinem Beitrag, das Ganze sei doch wohl eher marketing- als anwendungsgesteuert, imo die völlig richtige Analyse.
    Machen wir uns nix vor: Wenn man immer wieder neue Modelle und zusätzliche bzw. eben "neue" Modell-Varianten auf den Markt und an den Mann bringen will, ist der eben meist NICHT mehr der Ultra-Anwender, mit dem man wirbt, sondern eher der Sammler, an dem man verdient.


    Also wird "hip" neu aufgelegt, optisch aufgebrezelt. Bei ZT wundert das keinen mehr...HIER wird es dann aber so deutlich, weil es beim DB eben nicht um den schon traditionell sammelorientierten Custom-Bereich Strider/Dwyer geht, sondern sozusagen um "das" Arbeitstier im Sortiment, "den" sprichwörtlichen User.


    Übrigens hab ich selbst, obwohl vom Ursprung her sehr anwendungsorientiert und immer noch mit dem Anspruch unterwegs bin, mit jedem Messer im Bestand auch mal "was zu machen", mittlerweile so viele davon, daß ich micht auch immer wieder dabei ertappe, neue zu kaufen, die mir einfach und zuweilen auch vor allem gefallen. So frei mache ich mich also auch nicht davon, längst nicht mehr NUR von Funktionalität geleitet zu werden, sondern ebenfalls darauf anzuspringen, daß so ein Messer auch - unseren speziellen ästhetischen Vorlieben entsprechend - ansprechend gestaltet ist. Dekor läßt also auch mich nicht (mehr) kalt :)


    Ärgern wir uns also meinetwegen über diese auch von mir immer wieder bekrittelte Tendenz der Orientierung auf den Sammlergeschmack unter der patriotisch geschwenkten Fahne der Ninjasealspecialops-Ausstattung...lächeln wir vielleicht auch darüber....aber eben auch über uns, die wir die Burschen kaufenderweise füttern und ermutigen, die uns da so pathetisch und zackig was für unser Sofa verticken :)


    P.S.: Ich sitz auch gerade und komm von meiner Couch,umgeben von allerlei Stahlwaren, die sich werbungsweise (und tatsächlich) wunderbar an Commando-Vests machen, mir aber momentan vor dem gemütlichen Winter-Russenhemd und an der Schlabber-Joggingbuxe baumeln :)

    Ich hab mich an D2-Klingen erinnert, die wir hier erprobt haben und die insbesondere nach Benetzung mit "Schweiß" (Blut) zwar oberflächlich, aber auch verflucht schnell korrodiert waren :)


    Nee, die 12 v.H. reichen für Korrosionsfestigkeit nicht wirklich hin, da müßte es schon so 14 plus sein....


    Wenn schon keine Stripes (die eben bei dem S30V für die oberflächliche Rostanfälligkeit hauptsächlich verantwortlich waren), hält Strider wenigstens mit der Materialwahl die Tradition aufrecht, daß so ein Ding eben auch mal rosten kann :)


    Würde mich nicht stören, aber mir sind die eben zu "nackelig".....Sonst würde mich das fette WP beim Messer-Affen schon reizen....

    Freue mich sehr über diesen Beitrag.
    Das M16 wird ja von einigen High-End-Freunden immer wieder gescholten, sozusagen popeliger AUS-8, keine Titan-Schalen....Tja, ich hab auch noch eins aus der Zeit, auch noch ohne LAWKS, muß 2000 gewesen sein, als ich das als meinen ersten "teuren" Folder gekauft hab, tatsächlich hat das Ding damals gut 200 Mark gekostet....


    Das Messer ist heute noch top in Ordnung und hat mich nie enttäuscht. Für mich immer noch einer DER Tactical-Folder schlechthin!

    Klar, ist eh von Rolf "geklaut" (....hat aber seinen Segen...) :)


    Der Griff wird wieder mal die Geister scheiden....MIR liegt das Ding gut in der Hand, ich hab ja z.B. auch kein Problem mit den alten CS / Dawson Spikes. Anwender mit sehr großen Händen werden sich da vielleicht etwas mehr "in der Hand" wünschen. Aber das kann man ja z.B. bedarfsweise mit Griff-Tape noch ein wenig ausgleichen.

    Sorry, das war aus dem Blickwinkel eines Besitzers einer "Mädchenhand mit Wurstfingern" in niedlicher Größe 8 :)


    Entwurf: Immer ran! :thumbup:


    Und vielen Dank für Deine Eindrücke, ich wußte, daß Du mindestens eines besitzt und auch hinreichend Vergleichserfahrung hast.


    Nun stehts mit Solution allerdings 1:1 für die jeweiligen Formen....ich hör Hanomag schon lachen :)