Ätzen mit Eisen3chlorid - Fragen

  • Hallo zusammen,


    ich möchte einige Damastklingen mit Eisen3chlorid ätzen (und nur damit). Ich habe 2x250g bei Conrad geordert und mich über verschiedene Sicherheitsmaßnahmen informiert. Nun zu meiner Fragen:


    1. In welchem Verhältnis (H2O - FeCl3) setzte ich die Brühe an?


    1.1. Reicht kochendes Wasser aus dem Wasserkocher, oder auf einem Gaskocher im freien durchgehend erwärmen?


    2. Wie lange muss der Stahl in der Brühe bleiben?


    3. Wie entsorge ich das Zeug am Ende?

  • das Eisen3Chlorid von Conrad kenne ich nicht, es wird wohl dieses Pulver sein. Mach doch einfach mal 250 Gramm Pulver und einen dreiviertel Liter Wasser, wenn es dann schön gelb ist, dann ist vermutlich alles in Ordnung.
    Ich gehe das Zeug immer in die Kläranlage holen, die bekommen im Jahr drei- oder viermal 25.000 Liter, da bleiben immer mal ein paar Liter im Schlauch übrig die den Weg in einen dunklen Kanister finden, der sich dann wieder bei mir unter der Werkbank findet. Ich mische diese Brühe immer eins zu drei, aber das Zeug ist extrem hochprozentig und von der Farbe her sieht es aus wie Zuckerrübensirup und ist auch ziemlich zähflüssig. Nach dem Mischen kommt es dann auf volle Umdrehungen, heiß machen muß ich gar nichts, angerührt, gut geschüttelt und fertig. Auftragen tue ich es mit einem steifen Pinsel, dann kommt man ziemlich schnell zum Erfolg.
    Entsorgen mußt Du es vermutlich nicht, es wird ja automatisch immer weniger.
    Im Großen und Ganzen muß man damit selbstredend aufpassen, es ist und bleibt eine gefährliche Chemikalie. Aber im Vergleich zu Schwefelsäure hält sich die Gefahr in kontrollierbaren Grenzen. Schwefelsäure ist eine ganz andere Liga, da darf man wirklich nicht vergessen dieses Teufelszeug ins Wasser und nicht umgekehrt zu schütten. Vor allem macht man das wirklich besser draußen und schaut wie der Wind geht, sobald die Schwefelsäure im Wasser ist geht es richtig los, wohl dem der ein hitzebeständiges Gefäß für diese Nummer gewählt hat. Die angerührte verdünnte Säure fängt fast sofort an zu kochen und entwickelt im Gegensatz zu Eisen3Chlorid erheblich bösartige Dämpfe, die man tunlichst vermeiden sollte einzuatmen.
    Wenn Du deine Klinge in dein Eisen3Chlorid tauchst siehst Du sofort Wirkung, laß sie einfach eine halbe Minute drin, dem Stahl kann an sich nichts passieren.
    Viele Grüße und viel Erfolg
    Roman

    panta rhei

  • Ich benutz auch Zeug von Conrad (die gelben Kügelchen zum Leiterplatinen ätzen). Mit 250g auf nem dreiviertel Liter bist da schon gut beraten. Wenn ich die im kalten Zustand auflöse und eintauche bekomme ich ein Grau auf der Klinge, mach ich das Ganze warm wirds schwarz, je nachdem wie dunkel du willst machst es ;). Achja, ich lass es meistens 1-3 Minuten drinnen....

    Mfg Andreas




    Ist das Spiel vorbei, landen Bauer und König in der selben Kiste.

  • Vorsicht beim Ätzen von Damasteel in zu gering konzentrierter Fe3Cl-Suppe - habe damit die Erfahrung mehrmals machen müssen, bis ich es geglaubt habe und ein paar fertig satinierte Klingen total versaut. Mit zu niedrig konzentrierten alten Suppen hatte ich nach ca 10 Minuten eine einheitlich graue Farbe beim Damasteel - also auch der an sich "säure-resitente" Teil des Damasteel wurde angeätzt - vermutlich durch die lange Dauer ... bei null Kontrast. Also besser kurz und höher konzentriert.


    Grundsätzlich rühre ich das Zeug auch so wie juchten eher hochprozentig an, um möglichst kurze Ätzzeiten zu erreichen - sprich nach maximal 2 min solle zB Damasteel sehr kontrastreich sein, aber noch nicht stumpf. Bei 1.2379 oder 1.2519 sollte dieser nach 30 sec dunkelst grau sein. Anwärmen tue ich der Einfachheit halber so, daß ich das ganze Wasserglas, in dem ich es aufbewahre in ein Metallwaschbecken stelle und dort heißes Leitungswasser einfülle, somit wird nach ein paar Minuten und etwas umrühren auch das Fe3Cl erwärmt.


    Das Aufbewahren der Lösung geht am am besten in Glas und das restliche Granulat jedenfalls luftdicht, es entzieht sonst Feuchtigkeit aus der Raumlauft und ist nach kurzer Zeit keine Granulat mehr sondern klebrige Masse!


    Für die angerührte Suppe nehme ich hohe Glaszylinder ... damit kann man längere Klingen mit verhältnismäßig wenig Flüssigkeit komplett eintauchen.


    Ach ja: Vorsicht mit diversen Reinigern usw. - dabei können giftige Dämpfe entstehen - also nicht selber etwas mischen, daß man nicht mischen soll.


    UND: Vorher gut entfetten ...zB mit Aceton, sonst gibt´s Flecken!


    Gruß, C.

    Einmal editiert, zuletzt von enrico ()

  • Vielen Dank für eure Tipps! :thumbup: Ich bin schon ganz aufgeregt, was am Ende herauskommen wird!

  • eine dumme Frage, wir reden immer davon wie man ein Stück Stahl in irgendwelche Säuren eintaucht, wie geht es denn danach weiter? Wer neutralisiert denn und wie sieht das Polieren aus, beim Hamon ist z. B. mit dem Behandeln mit Säure erst der erste Schritt getan was das richtige Sichtbarmachen betrifft, und viel anders sieht es bei Damast auch nicht aus. Ich stelle die Frage nur um irgendwelchen Enttäuschungen vorzubeugen.
    Viele Grüße
    Roman

    panta rhei

  • Dank' dir Roman, was das angeht habe ich mich bestens Informiert. Mir ging es eben nur um die o.g. Frage! ;)

    OT: Nach dem Ätzen schleife ich laaaangsam, fein und sauber an, poliere die Klinge(n) mit einem kurzgeschnittenen Stück Schaf. Neutralisiert wird mit Seife und Babyöl!

  • Wie bringt man denn ne Hamon so richtig schön zur Geltung? Dachte an Anätzen und fein ausschleifen, aber neutralisieren? Von dem wusst ich noch nichts....

    Mfg Andreas




    Ist das Spiel vorbei, landen Bauer und König in der selben Kiste.

  • Durch das Ätzen an sich erreiche ich eine "tiefe" Sichtbarkeit des Musters. Das mit dem Neutralisieren wurde mir so von meinem Opa beigebracht. Um die Feinheiten besser sichtbar zu machen heißt's schleifen, immer feiner und anschließend polieren. ;)

  • Ja das mit fein ausschleifen und polieren ist mir schon klar, nur das mit dem Neutralisieren hab ich ehrlich gesagt entweder überlesen oder es wird nicht so oft erwähnt/praktiziert....


    Das ganze nach dem Ätzen mit Seifenwasser abspülen? Dann kommen Feinheiten besser zur Geltung? ?(

    Mfg Andreas




    Ist das Spiel vorbei, landen Bauer und König in der selben Kiste.

  • Nein, damit neutralisiert man die Ätzflüssigkeit. Wasser an sich reicht eigentlich aus, allerdings möchte ich sicher sein, das ich die ganze Ätze restlos vom Werkstück bekomme! Tenside binden eben irgendwie irgendwas zusammen (wenn ich das so pauschal sagen darf/kann). Mit der Chemie habe ich es nicht so... ;)

    Einmal editiert, zuletzt von DocTools ()

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