Beiträge von andre

    Ganz auf die Schnelle aus „Europäische Hieb- und Stichwaffen“, Militärverlag der DDR, 4. Auflage, 1986 zitiert:
    „Ochsenzunge-Deutscher Begriff für an der Klingenbasis Ochsenzungenbreites Schwert des 15. Und 16. Jh.-der italienischen Cinquedea entsprechend. Auch die Partisanenklinge von gleicher Form so benannt.“


    „Cinquedea-Zweischneidiger Schwert- und Dolchtyp der zweiten Hälfte des 15. Und der ers-ten Hälfte des 16. Jh. Der an der Klingenbasis etwa fünf Finger (cinque dita) breit ist und sich nach vorn gleichmäßig verjüngt. Vornehmlich in Italien, aber auch in Spanien und Frankreich verbreitet.“
    Also eine Waffe die sowohl als Dolch als auch als Schwert bezeichnet wird. Welcher Begriff besser passt, ist wohl stark von der Klingenlänge abhängig.


    andre

    Sehr schöne Sammlung von Kukris hast Du.
    Zu der von Dir gestellten Frage, vertrete ich die Meinung, dass es besser ist, alte Beiträge wieder aufleben zu lassen, da dann das gesammelte Wissen wieder deutlich präsent wird.


    andre

    Möchte an dieser Stelle kurz auf die sogenannten Multitools und ihre Verwendung im dienstlichen Alltag eingehen. Würde vielleicht besser in das Thema Werkzeug passen aber ich denke, dass das Multitool gerade auch als vielseitig nutzbares Messer verwandt wird.
    Das Multitool ist schon seit etlichen Jahren aus dem militärischen und dienstlichen Alltag weltweit nicht mehr wegzudenken. Im Laufe der Zeit gelangte eine Vielzahl von Modellen auf dienstlichem Weg in verschiedenen Einheiten und viele Soldaten und Polizisten beschafften sich darüber hinaus auch privat einen dieser praktischen „Alleskönner“.
    Schwierig gestaltet es sich natürlich genau zu bestimmen welches Multitool von den Angehörigen verschiedener Einheiten geführt wird, da in den meisten Fällen ja nur das Etui zu sehen ist und nicht der Inhalt. Einen Überblick für deutsche Einheiten bietet das Buch von Dietmar Pohl „Messer deutscher Spezialeinheiten“. Weiterhin lässt die TL der Bundeswehr den Schluss zu, dass dort gegenwärtig das Leatherman „Charge+“ mit schwarzen Griffschalen für Spezialkräfte verwendet wird.
    In punkto Hersteller sind offensichtlich, zumindest in westlichen Streitkräften, die Modelle von Leatherman, Gerber und Victorinox am häufigsten anzutreffen. So spricht zum Beispiel Mark Owen in seinem Buch „Mission erfüllt“ davon, dass sein Teamführer ihn losschickte um sich vier Gerber Multitools zu holen. Auf Bildern von SEALs mit Multitool sind aber meist Leatherman Modelle zu sehen. Vielleicht hat sich ja „Gerber“ als Begriff für Multitools so etabliert wie einst „Buck“ als Synonym für Messer.
    Nicht unerwähnt soll bleiben, dass Multitools, die den heutigen sehr ähnlich sind, bereits während des „Zweiten Weltkrieges“ auftauchten. Beispielhaft seien die bei Stephens „Kampfmesser“ gezeigten Modelle der Special Forces einschließlich OSS und das Vielzweckklappmesser von Rodgers genannt. Auch die Streitkräfte Polens hatten eine gewisse Vorreiterrolle. Bereits 1969 wurde dort das wz 69 eingeführt. Beim wz. 69 handelt es sich um ein Tool mit Springklinge und diversen sonstigen Werkzeugen allerdings ohne Zange. Aufgrund der Klingenlänge ist dieses Tool in Deutschland verboten aber unter dem Suchbegriff" nóż wz. 69" finden sich entsprechende Bilder im Netz. Im Zuge der Modernisierung der Streitkräfte führte auch Russland ein Multitool unter der Bezeichnung 6E6 ein. Nachdem was ich bisher hörte, soll dies wohl Mannausstattung sein.
    Noch zum Abschluss sei erwähnt, dass es etliche Multitools mit NSN gibt.
    Neben dem zuvor schon genannten Buch von Dietmar Pohl fand ich Belege bei:
    - Pohl „Messer im Kampfeinsatz“; US-Infanterist Gerber Multi Plier 600; US-Infanterist mit Leatherman Charge TTI; Pilot Marinecorps SOG Power Lock
    - K-ISOM Spezial 3; ZUZ; Leatherman Etui/ Polizei Luxemburg Victorinox Etui
    - K-ISOM Spezial 4; Boarding Kompanie SEK M; Leatherman
    - K-ISOM Spezial 6;Fremdenlegion; Leatherman MUT?
    - K_ISOM Spezal 7; GSG 6; Victorinox Etuis
    - K-ISOM Spezial 1/2015; Seal; Leatherman Surge?
    - K-ISOM Spezial 1/2017; BuWe Fallschirmspezialzug; Gerber Suspension
    - K-ISOM 6/2008; Fallschirmjäger BuWe; Leatherman
    - K-ISOM 4/2009; Green Beret; Leatherman Etui
    - K-ISOM 3/2011; Marine BuWe; Leatherman
    - K-ISOM 5/2011; Libanon; Leatherman
    - K-ISOM 6/2011; Fallschirmjäger BuWe; Leatherman?
    - K-ISOM 6/2012; Fallschirmjäger BuWe; Victorinox
    - K-ISOM 4/2013; SEAL; Leatherman
    - K-ISOM 2/2015; Frankreich RAID; Victorinox Etui/ Schweiz SERE Kurs; Victorinox
    - K-ISOM 4/2015; PSA Bundespolizei; Leatherman Etui
    - K-ISOM 5/2015; PSA Bundespolizei; Leatherman Etui
    - K-ISOM 4/2017; SEK; Leatherman/ BuWe Jäger; Tool?
    - K-ISOM 4/2019 Niederlande Polizei DSI; Leatherman Etui


    Die im zweiten Bild gezeigten russischen sind, in meinen Augen, eine etwas andere Interpretation des Multitools.
    Verweisen möchte ich noch auf folgenden Beitrag von Brummbär:


    US Army Spax


    andre



    Hallo Brummbär,
    es handelt sich um ein sogenanntes Fassmesser oder englisch Barrel Knife. In dem Buch „100 legendäre Messer“, erschienen 2001 bei Tosa-Verlag, Wien, findet sich folgendes:
    „Dieses einfallsreiche System wurde von John Engström in Eskilstuna (Schweden) erfunden und im Jahr 1882 (Anm.: Die von Dir genannte Jahreszahl bezieht sich wohl auf die Firmengründung von Engström) patentiert. Zunächst wurde es in Nordeuropa zum Holzschnitzen verwendet, dann entdeckten es die Hochseefischer, und schließlich wurde es in diesem Teil der Welt zum Allzweckmesser. Sein Erfinder entwarf verschiedene Größen und ab 1893 fügte er sogar einen Korkenzieher hinzu. In den darauffolgenden Jahren wurde es in Frankreich, Großbritannien und sogar den USA verkauft.“


    Die Entstehung des Namen wird kontrovers diskutiert. Zum einen wird sie auf die Form des Griffes zurückgeführt und zum anderen gibt es die Version, dass die Messer in Fässern ver-schifft wurden.
    Weitergehende Informationen finden sich zum Beispiel im Messerforum.


    andre

    Möchte nun noch ein Messer zeigen, welches mit Sicherheit nur privat beschafft in den Dienst gelangte. Das Daniel Winkler Belt Knife. Insbesondere der Einsatz von Winkler Messern bei den USNavy Seals ist ja hinlänglich bekannt und sorgt mit Sicherheit auch mit für den Bekanntheitsgrad der Messer.
    Ich fand das Messer in der K-ISOM 1/2018 als Ausrüstung eines Seals. Eine weitere Erwähnung fand ich im Buch „Mission erfüllt“. Ich werde an dieser Stelle mal ein längeres Zitat aus dem Buch bringen, da ich mir vorstellen kann, dass auch die anderen Angaben zur Ausrüstung für den ein oder anderen hier interessant sind.
    „Bevor ich die Hose anzog, prüfte ich noch einmal jede Tasche meiner Uniform.
    In einer Cargo-Tasche hatte ich meine Einsatzhandschuhe und Lederfäustlinge für schnelles Abseilen. In der anderen Cargo-Tasche befanden sich ein Sortiment zusätzlicher Batterien, ein Kohlenhydrat-Gel und zwei Energieriegel. In meiner rechten Knöcheltasche hatte ich einen zusätzlichen Druckverband und in der linken Gummihandschuhe und mein SSE-Pack.
    In einer Tasche auf der linken Schulter spürte ich die zweihundert Dollar in bar, die ich mit-führte, falls wir in Schwierigkeiten gerieten und ich eine Fahrt bezahlen oder jemanden bestechen musste. Um freizukommen, braucht man Geld, und was wirkt besser als amerikanisches Bargeld. Meine digitale Olympus-Kompaktkamera steckte in der rechten Schultertasche. Und hinten am Gürtel hing ein Daniel-Winkler-Messer mit feststehender Klinge.“ (Quelle: Mark Owen „Mission erfüllt“; Heyne 2. Auflage 2014)


    andre




    Hallo
    Katz Messer Polizei Österreich glaube ich.


    Und die A.G. Russell so ende der 70er Jahre waren auch sehr beliebt. Russell Design bzw. findet man immer wieder Heute noch.


    Gruß Brumbaer

    Zum Katz Avenger habe ich bis dato nur im Visier Spezial "Militärmesser" gefunden, dass es von der norwegischen Delta geordert wurde. Von daher wäre es für mich interessant wenn Du eine Quelle für die Verwendung bei der Polizei in Österreich benennen könntest.


    Gruß,
    andre

    Ich meine schon das Braune (oder Grüne?) da für die A.S.E.K. Variante der Gurtschneider entscheidend ist. A.S.E.K. steht für Aircrew Survival Egrees Knife (Überlebens- und Ausstiegsmesser für Flugzeugbesatzungen).


    andre

    Als nächstes Messer möchte ich das SOG „Seal Pub“ zeigen. Auch für dieses Messer existiert eine National Stock Number wie für einige zuvor gezeigte Messer und somit ist eine offizielle Verwendung, zumindest in den US-Streitkräften, nicht auszuschließen. Auch der Name ist im Vergleich zu seinen Ahnen treffend gewählt.
    Es handelt sich, meiner Meinung nach, um ein fast zierliches Messer, dem man, zumindest sehe ich das so, auch die Fertigung anmerkt die zum günstigen Preis führt. Das Messermodell hat offensichtlich im Laufe der Zeit einige Überarbeitungen bezüglich des Griffs und der Fehlschärfe als auch der Stahlsorte erfahren. Auch existiert mit dem „Seal Pup Elite“ ein sehr ähnliches Messermodell und es gibt wohl auch schon Klone. Daher ist es schwierig bei den von mir genannten Quellen wirklich genau zu verifizieren, ob es sich wirklich um ein SOG „Seal Pup“ oder um ein Messer der zuvor genannten Modelle handelt.
    Für mich persönlich wäre dieses Messer nicht die Erste Wahl als Einsatzmesser, da mir insbesondere der Griff nicht wirklich gefallen mag. Dies ist natürlich nur meinen subjektiven Empfinden zuschulden und ändert nichts daran, dass auch dieses Messer, die Masse der Aufgaben, die heute Soldaten und Polizisten an ein Messer im Alltag stellen, erfüllt.
    Gefunden habe ich das Messer bei:
    - Pohl „Messer im Kampfeinsatz“; US-Marine
    - K-ISOM Spezial 4; polnische Kampfschwimmer
    - K-ISOM 2/2010; Ausrüstung dänischer Scharfschütze
    - K-ISOM 1/2011; kroatische SOF; US-Marine
    - K-ISOM 2/2011; SEK M-V
    - K-ISOM 1/2013; italienische Polizei
    - K-ISOM 2/2013; Brown Water Navy
    - K-ISOM 4/2013; tschechischer Polizist
    - K-ISOM 3/2017 ?; Navy Seal
    - K-ISOM 4/2019; Polizei Niederlande
    - K-ISOM 3/2015; russische Antidrogenbehörde
    - K-ISOM 5/2017; Fallschirmjäger BuWe


    Wie auch bei allen anderen Bildquellen die ich angab, ist es mir nicht immer möglich eine hundertprozentige Garantie dafür zu übernehmen, dass meine Interpretationen der Bilder richtig sind, dass Gegenteil ist wahrscheinlicher, von daher wäre ich dankbar, wenn Beiträge folgen würden, die zu Klarstellungen oder zumindest Diskussionen führen würden.
    Andre




    Das Material ist eher weich. Halasz beschreibt es in seinem zweiten Band. Seiner Meinung ist dieses Modell vor dem schwarzen dolchartigen Modell eingeführt worden, etwa ab Mitte der 60er Jahre. Eine bunte Ausführung soll als Spielzeug im Handel gewesen sein.


    andre

    Interessant, dass der Überlebensmesser-Hype der 80er auch über den Eisernen Vorhang geschwappt ist und das solche Messer auch tatsächlich ausgegeben wurden.
    War ja m.W. sonst eher selten (Aitor beim spanischen Militär).

    Die Vermutung, dass das KM 87 der NVA durch den Survivalmesser Trend der 80er Jahre entstand ist mit Sicherheit nicht von der Hand zu weisen. Ansonsten sind Messer mit Hohlgriff im Gebrauch bei Militär und Polizei eher selten. Ich persönlich bin auch der Meinung, dass die Nachteile dieser Messer überwiegen oder bei Abstellung der Nachteile zu einem hohem Preis führen. Übrigens soll wohl der Preis des KM 87 die Sowjetunion bewogen haben dieses Messer nicht einzuführen. Allerdings wurde gute zwanzig Jahre später von Izhmash ein Messer mit hohlem Griff produziert; NV-1-01, welches zumindest auf Fotos als Ausrüstung der Speznas zu sehen ist.
    Einen weiteren Klassiker der Hohlgriffmesser nämlich das Buck 184 glaube ich mal in einer Reportage über die Seals gesehen zu haben.


    andre




    Gab tatsächlich mehrere Modelle wobei ich der Auffassung bin, dass nur das erste Modell sich signifikant von den anderen unterscheidet, bei allen weiteren Modellen sind die Abweichungen eher marginal. Meine erste Weste erwarb ich für 30 DM an einem Stand in Berlin. Heutzutage ein Traumpreis für eine große Größe.


    andre

    Hab dann noch das unten gezeigte weiße Trainingsmesser aus DDR-Zeiten gefunden sowie die ja schon zuvor beschriebene Gummipistole. Wenn ich mich recht entsinne hat mein damaliger Chef diese Sachen aus dem Bereich Strafvollzug erhalten.


    andre




    Auf die Schnelle nur das Trainingsmesser der NVA-Fallschirmjäger und das A-F-Trainingsmesser gefunden. Irgendwo liegt noch ein weißes DDR-Kunststoffmesser neben dem Schwarzen und der Gummipistole.


    andre


    Hallo Jonathan und Brumbaer,


    das KM 87 der ehemaligen NVA ist natürlich ein Gerä,t welches Messer- als auch Bajonettsammler gleichermaßen anspricht. Dazu kommt die recht geringe Zahl von 2500 bis 3000 Stück. Dies führt zu Preisen die wirklich heftig sind. Ich persönlich würde das Geld für andere Messer ausgeben.
    Aber zurück zum KM 87. Meiner Meinung nach wurden etwas mehr als 3000 Stück hergestellt, davon etwa 2500 für die Ausstattung der NVA und die anderen ca. 500 für Testzwecke. Seriennummern sind bis etwas über 3000 belegt. In einem anderen Forum ist von der 3066 als höchste bekannte Nummer die Rede. Anhand dessen, was ich bisher in Erfahrung bringen konnte, vermute ich die 3199 als höchste Nummer (siehe hierzu „Militärische Blankwaffen in der DDR“ Barth und Max; Zweite Auflage; Eigenverlag) Ich selbst kann die 2642 belegen. In einem anderen Forum existieren Bilder des Messers mit der Nummer 0364 welches möglicherweise aus dem Truppenversuch stammt. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass auf Basis des KM 87, nach der Wende, ein Survivalmesser entstand welches, laut Eugen von Halasz, durch die Bundeswehr getestet, für gut befunden, aber nicht eingeführt wurde.


    andre


    PS.: Jonathan, welches Modell der Kampfweste zeigst Du in Deinem Beitrag?




    Es taucht immer mal das Gerücht auf, dass es Messer mit einer 58 Nummer geben soll. Bisher habe ich aber noch nirgendwo eine Bestätigung dafür gefunden. Daher gibt es außer 55, 56 und 57 nichts offizielles.
    Noch eine Frage zum 62Ks Messer. Ich finde immer nur, dass dieses Messer Anfang der 90er entstanden ist. Kannst Du bitte die Quelle benennen die von Mitte der 80er spricht.


    Danke vorab,


    andre