Im Juni/Juli dachte ich eigentlich das sich das Thema Corona erledigt hätte, aber leider stehen wir ab Montag in NRW wieder vor einem harten Lockdown.
Aus diesem Grund setze ich den Thread mal fort...
Ich war in der Stadt, ein paar Besorgungen machen. In den Supermärkten tätigten die ersten ängstlichen Mitbürger wieder die bekannten Hamsterkäufe für die vermeidlich wichtigsten Lebensmittel.
Der Blick in fremde Einkaufswagen offenbarte es - das Lieblingsgericht der Deutschen muß offenbar nach wie vor Nudeln mit Klopapiersauce sein. ![]()
Ich bin da etwas entspannter, da ich erstens noch einen 10-Jahres Vorrat an Wischblättchen (natürlich als Wertanlage) im Vorratsraum liegen habe. Und zweitens Nudeln mit Klopapiersauce nicht ganz so nach meinem Geschmack sind - viel zu viele böse Kohlenhydrate. Spiegel-/Rühreier mit Bacon oder Bohnen mit Speck sind schon eher das, was ich mir unter einer leckeren, proteinreichen Mahlzeit vorstelle.
Abends vor dem zu Bett gehen durchfuhr es mich: Was wenn die Leute plötzlich ihr Kaufverhalten ändern und statt der üblichen Cerealien plötzlich klafterweise geräucherte Schweineteile in die Einkaufswagen wandern?
Was wenn es beim Metzger meines Vertrauens, oder hilfsweise auch im Supermarkt, aufgrund eines diametral geänderten Konsumverhaltens zu einer akuten Bacon-Ebbe kommt? Ein baconloser Rührei OHNE Speck-Sonntag - eine lebensbedrohliche Vorstellung die mich nicht an erholsamen Schlaf denken lies.
Nassgeschwitzt wachte ich morgens auf und fasste einen Entschluss - das Zeug muss sofort und auf Vorrat selbst hergestellt werden!
Kurz das World Wide Web nach Rezepten durchforstet, die Machbarkeit geprüft und das Equipment gecheckt - es konnte losgehen.
Die beste aller Ehefrauen wurde beauftragt asap 3kg Schweinebauch einzukaufen, der Papa orderte derweil Pökelsalz, Gewürze, Räuchermehl und einen Sparbrand.
Der 3kg-Lappen Schweinebauch wurde derweil in 6 mundgerechte
Stücke zerteilt und mit Nitritpökelsalz und lecker Gewürzen gerubbt.
Anschließend wurden die Stückchen vakuumiert und wanderten für 14 Tage in den Kühlschrank. Die Päckchen habe ich täglich einmal gewendet, damit die gleichmäßige Durchrötung mit dem Nitritpökelsalz gewährleistet wurde.
Nach zwei Wochen befreite ich die Stücke aus den Verpackungen, spülte gründlich ab und hängte die Fleischstücke drei Tage zum Trocknen auf. Diesen Vorgang nennt man Durchbrennen.
Anschließend wurde der Sparbrand mit Buchenmehl und obenauf mit Tannennadeln und Wachholderbeeren bestückt und entzündet. Den Speck hängte ich in den Räucherturm meines Smokers. "Lasst die Spiele beginnen" dachte ich mir.
Der Sparbrand lief gut 12 Stunden, der "möchtegern" Speck wurde entnommen und einen Tag zum Auslüften aufgehängt. Dann wieder ab in den Räucherturm, insgesamt habe ich fünf Durchgänge gemacht bis mir die Farbe gefiel.
Nun folgte der schwierigste Teil. Der fertiggestellte Bacon wurde trotz des sinnbetäubenden Duftes NICHT sofort angeschnitten und probiert sondern nochmals für laaaange zwei Wochen zum Reifen aufgehängt. :bibber:
Hier nun das Ergebnis:
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Ich mache es kurz - das Zeug schmeckt sensationell. Feiner Rauchgeschmack, gut gewürztes Fleisch, angenehm feste Konsistenz und der Salzgehalt mit 35g pro kg Fleisch passt mir genau.
Ein absolut gültiger Versuch wie man vielleicht hier im Anschnitt sieht.
Ich kann hier nur zum Nachmachen animieren. Man benötigt zur Herstellung zwar etwas Zeit aber das Ergebnis entschädigt absolut, außerdem hat mir das Ganze einen Riesenspaß gemacht.
Wieder vakuumiert hält sich der Bacon theoretisch mindestens ein Jahr - bei mir wird er sicher deutlich schneller vertilgt sein. :drool:
Es wird definitiv nicht meine letzte Räucheraktion gewesen sein - Schinken nach Schwarzwälder-Art ist bereits in Planung und von einem befreundeten Jäger bekomme ich noch ein Stückchen Wildschein.
Bleibt gesund und sucht Euch einen netten Corona-Zeitvertreib,
Martin