Centurio, natürlich ist es allein DEINE Schuld!
DAS Ding wollte ich einfach haben....
Heute ist es angekommen - und ich bin schwer angetan von dem sehr handlichen Messer mit dem unhandlichen Namen, das ich in meinen Bestand aufnehmen konnte....

Einige Daten haben wir ja schon zusammengetragen (Gesamtlänge 257 mm - ich komme allerdings nur auf 255 - , Klingenlänge 115 mm, Klingenstärke 4 mm, Gewicht 181 g, Klingenstahl AUS-8, Platine Stahl, 2. Rahmenseite G10 ohne Liner),
hier noch mal als Ergänzung:
Rahmenlänge/-breite max. 33 x 140 mm
Stärke (Clip, Rahmen, Klingenachse/Zusatzsicherung) 14/10/13 mm
Stahlplatine und G10-Griffhälfte haben je ca. 3 mm Stärke der Spacer dazwischen ca. 4 mm
Der Clip wird von CRKT als "one-position-clip" bezeichnet, ich habe die winzige Schraube auch nicht gelöst, weil er für mich auf der richtigen Seite sitzt, ich bin aber ziemlich überzeugt, daß man den mittig hinten auf der Griffhinterseite aufgeschraubten Clip auch auf die andere Seite umsetzen können muß...
Für Linkshänder würde dann allerdings der recht stramme Framelock angesichts der erstaunlichen Werksschärfe des Messers beim Schließen zur Mutprobe 
Das Messer kommt erstaunlich scharf (mühelos rasierscharf) aus der Box - und schreckenerregend spitz. Seine Abkunft vom Hissatsu kann der Pieker nicht verhehlen, die Spitze ist aber noch ein wenig bissiger als bei meinem Fixed...
Trotz der sehr schlanken Bauweise hat man aufgrund der Griffhöhe genug in der Hand, die Handlage, ob in Handschuhen oder in der bloßen Hand, gefällt mir ausgesprochen gut. Insgesamt ist der Rahmen für eine satte Handlage einfach groß genug - und das ganze Messer auch:

Hier mal ein Größenvergleich mit anderen großen Foldern und zwei kleinen Messern: Das Otanashi-Noh-Ken ist größenmäßig sehr gut vergleichbar mit dem ER Nemesis Folder und mit dem großen Gerber AF Combat Folder, der auch fast aufs Gramm das gleiche Gewicht, jedoch einen deutlich stärkeren Griff hat (16/21 mm).
Ein SAK oder auch ein Spyderco / Perrin Street Beat sehen gehen solche großen Folder fast schon "verzwergt" aus.
Im Vergleich zum fixen großen Bruder erkennt man aber doch, daß das Otanashi-Noh-Ken bei gut dimensionierter und wirksamer Klinge doch diskreter geführt werden kann als das Fixed, dessen Klingengeometrie weitgehend übernommen wurde:

Die texturierte Oberfläche der G10-Griffhälfte in Verbindung mit der "Fingermulde", die beim geschlossenen Folder den scheibenförmigen, abnehmbaren Klingenheber umfaßt, wirken für mich übrigens im Ersteindruck sogar vertrauenerweckender für den festen Grip bei einem kraftvollen Stoß als die Griffgestaltung beim Fixed - das ich wenig Kundigen bei entsprechenden Durchstichversuchen im Gegensatz z.B. zum Fairbairn-Sykes NICHT überlasse....
Hier einmal drei In-Hand-Bilder (Relation: Handschuhgröße 8, also kleine Hand!), beginnend (als kleine Verbeugung vor Michael Janich
) im Fechtgriff...

James Williams, dem berühmten amerikanischen Sashimi-Schnellkoch, der die Hissatsu-Reihe als Sushi-Aufspießhilfe für stäbchenunkundige Europäer entwickelt hat, da ein Buckelsmesser natürlich die zarten Schöpfungen zermatschen würde (....jeder Messerkundige kennt natürlich diese Herkunft und Verwendungsbestimmung von Hissatsu und Heiho....), würde natürlich der Hammergriff hier besser gefallen...

...am besten aber wohl der Reverse-Griff....

Was MIR ausgesprochen gut gefällt: Man kann den Griff beim geschlossenen Messer wegen der schlanken Bauweise und niedrigen Klinge sehr gut und kraftvoll komplett umfassen. Zumindest bei meiner geringen Handgröße ragen dann vorn und hinten noch gute Stücke aus der Hand, für Kubotan-Techniken sollte es aber auf jeden Fall auch bei einer SEHR großen Männerhand bei 14 cm Grifflänge reichen
Bei sehr festem Umfassen spürt man dann ein geringes Nachgeben des G10, der aber insgesamt ausreichend stabil wirkt und beim geschlossenen Messer natürlich auch noch durch die dahinterliegende Klinge zusätzlich stabilisiert wird. Ein Kubotan ist übrigens - auch da wird mir jeder Kundige zustimmen - natürlich ein Tool zum Knacken von Walnüssen.....
Der Klingengang ist ein wenig fest, mit ein wenig "Mitschwung" aus dem Handgelenk öffnet das Messer aber flüssig genug, verstellen wollte ich also bislang nichts. Wave-open ist tipup wie tipdown einfach möglich. Die Zusatzsicherung läßt sich zufriedenstellend bedienen, besser von der Seite übrigens als von oben, wo man hinter eine ziemlich kleine Kante drücken müßte (der kleine Quer-Knopf am Bedienhebel ist nach innen gesetzt, um ein Hängenbleiben nicht zu provozieren).
Beim geöffneten Messer "möchte" der Daumen im Fechtgriff entweder in die Mulde der Zusatzsicherung (was in beiden Hebelpositionen möglich ist) oder auf den Klingenheber und findet dort auch gute Positionen.
Alternativ kann man das Messer auch weiter hinten fassen, das Griffende in den Handballen stützend...Dafür findet sich dann auf der Griffoberseite ein wenig zurückversetzt noch eine weitere gerade Daumenauflage.
Insgesamt macht das Otanashi-Noh-Ken auf mich einen wirklich guten Eindruck, Handlage und Handling sagen mir sehr zu, das Messer läßt sich sehr diskret tragen trotz seiner Eigenschaft als "Full-Size-Folder", die Klinge erscheint im Ersteindruck für den Anwendungsbereich sehr wirksam und begrüßte mich rasierscharf und einfach höllisch spitz.
Das ist allerdings KEIN hebelgeeignetes Brachialwerkzeug zum Betonblock-Popeln und insofern weder als Einsatz- noch als Gebrauchsmesser-EDC als mißbrauchertragendes Allzwecktool zu verwenden ....das wird die Spitze nicht hinnehmen und ist auch nicht dafür gemacht.
Wer allerdings wie gesagt einen wirklich leistungsfähigen Sushi-Piekser sucht, für den habe ich mit dem Otanashi-Noh-Ken hier eine Empfehlung auszusprechen 