Das Messer ist also schon eine gute Nummer größer als die bekannten kleinen Perrin-Modelle (und auch einiger anderer Bastinelli-Entwürfe wie Moons Kiss, Drago oder Rancunier) und rangiert in der Größenklasse der C-Modelle von Extrema Ratio, läßt sich aber auch im Zivileinsatz insbesondere auch aufgrund der sehr flachen Bauweise gut verdeckt tragen….Das ist stimmig, da im Privatbereich meist Ziel des SV-Messereinsatzes ein möglichst nonletales Zurückdrängen eines Angreifers ist, während im militärischen Spezialkräftebereich Auftrag oder zumindest sich ergebende Einsatznotwendigkeit ein sofortiges Erzielen der völligen Handlungsunfähigkeit des Ziels ist, sprich letaler Einsatz, bei dem eine größere Klinge mehr Möglichkeiten bringt.
Was die Machart angeht, beginnt der gute Eindruck schon vor dem Handling:


Das Messer ist wirklich sauber geschliffen, rasierscharf ab Werk, durch den „Trick“ eines allseits eine Spur überstehenden Full Tangs kommt man nicht nur in den Genuß der dort sehr sauber und griffig angebrachten Riffelungen (Griffende oben und unten, Daumenrampe vorn), sondern die Schalen stehen auch nirgends über.
Die etwa 4 mm flachen Schalen sind ebenfalls sauber gearbeitet, im Bereich des Subhilts sogar mit einer 3D-Kante zwischen vorderem und hinterem Griffteil.
Vor allem aber sind alle Kanten der Klinge und des Erls gerundet, wie etwa bei weit teureren Messern von Reeve oder Spartan Blades. Das ist für die Haptik noch angenehmer als für die Optik und steigert die Qualitätsanmutung des Messers noch deutlich. Da läßt man sich auch gern den Erl-Überstand gefallen wie etwa auch beim haptisch ebenfalls ausgezeichneten Reeve Green Beret. Prima gemacht!
Kosmetisches „Gimmick“: Die vier „Scratches“ des Firmenlogos auf der linken Klingenseite wirken auf den Bildern wie aufgedruckt oder geätzt, sind aber tatsächlich dreidimensional und wirken beim Befühlen verblüffend natürlich….
Bei einer Klingenstärke von 3 mm und der vorliegenden Gestaltung der Klingenspitze ist der Anwendungsbereich des Messers als Schneidwerkzeug sozusagen schon durch das Datenblatt definiert. Das R.E.D. soll kein Behelfshebel wie das Fulcrum C sein und sollte als Einsatzmesser in Einsatzbereichen mit „Zugangstechnik“ daher mit einem separaten Öffnungstool korrelieren.
Es soll schneiden und durchstechen, ob als Tool oder als Backup – und dafür ist eine Klingengeometrie mit rückenhohem Anschliff bei 31 mm max. Klingenhöhe und 3 mm Klingenstärke natürlich eine gute Voraussetzung – die hier durch einen sehr ordentlichen Schliff bestens unterstützt wird.
Was beim Betrachten der Messerkontur natürlich sofort auffällt, ist das „Versetzen“ zwischen der Mittelachse der Klinge und der Mittelachse des Griffs, der optisch sozusagen „höhergesetzt“ aussieht, wodurch die Schneide etwa auf der Höhe der Außenbögen der den Griff umschließenden Finger liegt, also niedriger als bei konventionell gestalteten Messern gleicher Klingenhöhe…

Probiert man das aus, zeigt sich – in diesem Anwendungsbereich – der Vorteil einer solchen Gestaltung: Vor dem Anstieg zur Klingenspitze ist die Schneide dadurch weiter vorn / unten als bei einer durchgehenden Längsachse…und damit näher am Ziel eines Hiebs. Zudem kann mit einer Droppoint-Spitzenform mit hoch ansteigendem Schneidenbogen gearbeitet werden, der im Hieb eine besonders gute Schneidleistung erzielt (…wie man u.a. sehr gut nachvollziehbar bei Tony Lennartz nachlesen kann, aber auch bei anderen Autoren mit Stichworten wie „Golok-Effekt“ oder „Guillotinen-Effekt“…): Das eher diagonale Auftreffen einer Schneide, auch einer gerundeten, ergibt bessere Durchtrennung durch Verbindung von Hieb und Schnitt als ein gerades, lediglich „hackendes“ Auftreffen einer geraden Schneide.
Bei der Gestaltung von Coves wird aber ein Nachteil vieler Droppoint-Formen komplett ausgeglichen, das Ausmitten der Klingenspitze, durch das ein Messer im Stoß bei Auftreffen auf Widerstand abkippen kann. Hier- beim R.E.D. – wird durch das Versetzen der Klinge nach unten insgesamt die Spitze in die Messermitte (Gesamt-Längsachse) gerückt.
Zudem kann man im Säbelgriff oder Filipono Grip, für den das Messer vermutlich primär gemacht ist, besonders gut den Daumen unterstützend und vor allem lenkend auf den Klingenrücken legen, wie Michael Janich das immer wieder sehr anschaulich zeigt. Und in anderen Haltungen stört der Versatz ebenfalls nicht….
Die Schneide ist auch nicht SO tief nach unten versetzt, daß beim Schneiden härteren Schneidgutes ein seitliches Wegkippen des Messers zu sehr gefördert würde – hier wirkt auch der zwar nur 11 mm starke, jedoch 30 mm hohe und zudem mit einem Subhilt versehene Griff wirksam entgegen, der ein Verdrehen oder gar Rollen des Messers in der Hand ausschließt.