Dirk, kein Mensch erwartet von einem Ferrari, daß man damit auch optimal durch den Schlamm und Wald rumpeln und Holz rücken kann...und das alles bei einem Verbrauch von 2 l / 100 km....
Eigentlich erwartet man von KEINEM Gegenstand, ob Gebrauchsgegenständen, Klamotten oder Nahrungsmitteln - daß sie für alle Anwendungsbereiche gleichermaßen optimal sein könnten, wie man auch mit ein wenig Menschenverstand von seinen Mitmenschen nicht erwartet, daß die alle alles gleich gut und am besten perfekt beherrschen, obwohl sie manches vielleicht dann auch wieder viel besser können als man selbst....
Nur bei einem Messer mag man sich ums Verrecken nicht von der Vorstellung der bis zum Erbrechen zitierten "eierlegenden Wollmilchsau" verabschieden
Das schließt übrigens den Gebrauch von Allroundern gar nicht aus - nur muß man sich dann eben auch vernünftigerweise bewußt machen, daß Vorteile in dem einen Bereich vielleicht die Leistung in einem anderen Bereich ein wenig reduzieren...und das hinnehmen.
Bei einem Messer als Schneidwerkzeug macht eine feine Spitze, bis zu deren vorderstem Ende das Messer gut schneidet, natürlich Sinn. Mit ihr lassen sich feine Arbeiten ausführen, sie ist gut für die Durchdringungsleistung der Klinge....
Kommt man in den Einsatzmesserbereich oder in einen Bereich der Waffenanwendung, bei der harte Materialien zu durchstechen sind, macht eine stabilere Spitze Sinn, eventuell eine Panzerspitze oder ein Hamaguri-Schliff oder im extremen Fall von für schweres Hebeln eingesetzten Messern als Multifunktionswerkzeug vielleicht sogar der Verzicht auf eine "richtige" Spitze zugunsten einer Beitel-Vorderkante.
Du suchst Dir häufig Messer nach einer besonders guten Erfüllung eines jeweils speziellen Teils der möglichen Anwendung aus - und kommst dann ganz regelmäßig nach ganz kurzer Zeit mit einer anforderungsmäßig diametral entgegengesetzten Anforderung, die wiederum eine andere Gestaltung nützlich macht.
Das mag eine Triebfeder bei der Messerentwicklung sein, in dieser extremen Form ist es aber nicht realistisch. Wir sind dann irgendwann wieder beim Öko-Ferrari-Jeep.....
Das soll jetzt aber nicht heißen, eine nicht absolut optimale Gestaltung mache bestimmte Anwendungen dann sofort schier unmöglich! Ich habe mit dem Schlagholz Feuerholz von großen Holzklötzen abgespalten - mit einem 2,2 mm starken Lindblom-Messer, ohne jeglichen Schaden.
Es kommt ja auf das Abspalten des Holzstücks an, nicht auf Draufprügeln wie ein Berserker.
Und irgendwo ist dann auch die "Obergrenze" des mit einem 12cm-Messer noch sinnvollen Verwendens als Beilersatz. Wenn Du im "vernünftigen" Bereich bleibst und den Kraftaufwand angemessen bleiben läßt, seitliches Heraushebeln vermeidest, sollte das Mohawk keinen wirklichen Schaden nehmen, wenn das nicht mal einem halb so starken Lindblom passiert ist.
Du kannst natürlich auch "auf Nummer sicher" gehen und Dir ein unkaputtbares Schlagholzwerkzeug bauen lassen, hier wurde kürzlich sowas vorgestellt, schönes Ding....Nur wirst Du dann vier Wochen später wieder ankommen und jammern, daß man damit ja mit der Spitze nicht 24 Geschichten aus dem Leben Musashis in ein Radieschen ritzen kann...und das ganze Spiel geht einfach von vorn wieder los 