Mich hat hier Einiges deprimiert...aber es ist nicht an mir, manchen für eine praktische "Vernunft" zu schelten, die doch primär die bequeme, vom Ergebnis her zugegeben meist ertragreiche und "erfolgreiche" Resignation vor dem tumben Mainstream ist. Paßt Euch an, soweit Ihr es mögt, einfacher ist es, es werden Euch Türen offenstehen, die mir verschlossen sind. Und es ist Eure Wahl.
Ich weiß aber auch, daß wir tumben Viecher wohl wirklich die Freiheit wenig schätzen, daß es eines restriktiven Gruppendrucks oft gar nicht bedarf, weil wir so gern mit Unseresgleichen mittrotten und uns dafür unauffällig und gleich machen, ganz von selbst sozusagen. Es gibt gerade eine hochwissenschaftliche Untersuchung über den aktuellen gesellschaftlichen Wert von Freiheit und die "Konkurrenz" zu Ordnung und gefühlter Sicherheit - die Ergebnisse wären sicher für die irgendwann einmal freiheitsliebenden, freiheits-sehnsüchtigen 68er ein Grund zum Heulen, wenn die nicht bei ihrem vielbeschworenen Marsch durch die Instanzen längst auch saturiert, angepaßt und zivil-uniformiert geworden wären. Für mich ist es ein Grund für ein Glas, mindestens eins.
Freiheit wird nicht verschenkt, sondern erkämpft - nicht im Sinne bewaffneten Kampfes notwendigerweise, aber im Sinne eines Kampfes durch langes Überzeugen, Dagegendrücken, Alternativen Aufzeigen.
Ich weiß, wovon Ihr redet, und ich weiß, wovon ich rede - ich kämpfe diesen Kampf, was das hier angesprochene Erscheinungsbild angeht, mein ganzes Leben lang, durch drei Berufsjahrzehnte hindurch und durch vier von fünf Lebensjahrzehnten mit meinem Umfeld.
Ich kämpfe dagegen, daß man völlig stimmig auch in meinem Berufsfeld ausschauen kann wie Heydrich oder Himmler, während man seinen Preis für ein Aussehen wie Dutschke zahlt. Und dagegen, daß Politik und Gesellschaft mir etwas vorschwafeln von "Seriosität und Vertrauen",während diese Herrschaften wissen müßten, daß die größten Verbrecher meist die ordentlichsten Anzüge tragen und die Verbrecher der historischen Bürde unseres Landes an bürgerlicher Spießigkeit kaum zu überbieten sein werden.
Diese erstickende Spießigkeit war keine einer kleinen elitären Gruppe, sondern gesellschaftlich tief verwurzelt - die erste Nachkriegsgenertion hat das erkannt, hat sich zu befreien versucht, auch in "Äußerlichkeiten", die doch eben auch ein Zeichen dafür sind, was man auf Anhieb an dem toleriert, der einem irgendwo begegnet. Und Toleranz ist nicht das Dulden des Mainstream, ist nicht das Akzeptieren dessen, das einem ohnehin vertraut und lieb ist...
Und bei UNSEREN Äußerlichkeiten zeigt sich eine unheilige Allianz der bürgerlich-konservativen Spießer mit den angeblich so offenen und progressiven und toleranten "Gutmenschen", die doch nur das "tolerant" hinnehmen, das in ihr eigenes kleines naives Weltbild passen mag.
Wir werden echte Freiheit und Toleranz nur bewahren oder erreichen, wenn wir nicht präventiv zur Vermeidung von Irritationen oder eigenen persönlichen "Nachteilen" mit oder ohne Anführungszeichen in Ärsche kriechen, ob die nun auf Stammtischbänken hocken oder in einem Töpferkurs....sondern diese mühsame, langwierige, lästige und zugegeben auch immer wieder mal für einen selbst nachteilige Überzeugungsarbeit fortsetzen, daß nicht in jeder Camo-Joppe ein Unhold und hinter jeder Bänker-Krawatte oder in jedem noch so erbärmlichen Büro-Sakko automatisch ein guter Mensch steckt.
Ich mag auch klamottenmäßig oder wegen meiner Vorliebe für Eisenwaren nicht im Gleichschritt marschieren, und es ist völlig zweitrangig, ob ich zum Badenweiler marschieren m u ß oder zu BAP (die das vermutlich unter diesem Gesichtspunkt ähnlich sehen würden!
) oder Hermann van Veen.
Political Correctness ist hier wie in den USA natürlich bei Berufspolitikern und "sozial engagierten" Menschen das Allerwichtigste. Es ist ein Begriff, der aufkam, als es durch den Moralverlust in Gesellschaft und Politik so absolut nicht mehr selbstverständlich war, daß man mit Anstand mit Menschen oder Themen umgeht. Faktisch ist hierzulande so mancher Auswuchs der Political Correctness, propagiert zuweilen von Leuten, denen das wirkliche Leben gelinde gesagt nicht nahe ist, das wirksamste Tool eines Bildungsbürger-Gutmenschen-Spießer-Alltagsfaschismus, der sich in idiotischen symbolpolitischen Albernheiten ergeht, während er längst aufgegeben hat, in dieser schnellen globalisierten Welt moralisch noch über Wasser zu bleiben und Grundsätze zu wahren. Umso wichtiger wird, daß die Sympbole "geachtet" werden...
Vielen von uns muß man schon gar nicht mehr gesetzlich verbieten, bestimmte Klamotten zu tragen, bunt oder oliv, oder Springerstiefel oder ein Taschenmesser. Wir sind ja ein freies Land....Es reicht meist, daß man sich um seinen Arbeitsplatz sorgt oder seine "Karriere" oder auch nur darum, scheel angeschaut oder mal gefragt zu werden, warum man so herumrennt. Und wenn das nicht reicht, wird verboten: Taschenmesser, das Feierabendbier in der S-Bahn...und wenn es nach einigen Gutmenschen geht, würde man den wenigen, die vor der eingeforderten Political Correctness nicht einknicken, gern auch noch Camo-Joppen verbieten.
Unanständiges Zeug, militaristisch und kriegsverherrlichend! Dieselben Leute schreien zwar momentan empört in Richtung Türkei, daß die ebenfalls camogewandeten Türkensoldaten mal nicht mehr nur rumstehen sollen sondern endlich auch diese ISIS-Monster killen, killen, killen.....Aber selbst mag man nicht so recht, und wenn man schon deutsche Soldaten irgendwo hinschickt (was gerade die Gutmenschen immer mehr und öfter machen wollen, man wundert sich), haben die zumindest nachher gefälligst ordentlich traumatisiert zu sein. Was für eine unehrliche und unanständige Denkweise, sich selbst so zu erheben und irgendwelches "Pack" zur Drecksarbeit zu schicken, dessen gesellschaftliche Basis mit möglicher Affinität zum Militärischen ja aussätziger scheint als Ebola-Patienten....
Wobei: Warum muß ich in Camo eigentlich Kriegsverherrlicher sein? Kann mir das Zeugs nicht einfach gefallen? Muß ich beim Kauf von Cowboystiefeln im politisch korrekten Deutschland demnächst dann auch den Besitz eines Pferdes nachweisen und einen in zwei Verwaltungszügen zu bearbeitenden "Antrag auf Erwerb von Führschuhwerk für regulär erworbene Gebrauchspferde" stellen? Oder beim Jeanskauf meine Sozialversicherungskarte mit der Berufsbezeichnung "nordamerikanischer Viehhirte" vorweisen? Neeneenee, nur Camo und Oliv ist böse, obwohl manche von diesen gutmeinenden Faschos dabei natürlich ausblenden, wie stolz sie vor langer Zeit mal mit "Nato-Jacken" und BW-Kampftaschen mit Peace-Symbol herumschwadroniert sind. Aber wer heute "tactical" ausschaut, ist zumindest sicher ein Militarist und Kriegstreiber und Unhold, jawoll, Gleichschritt in Ziviluniform gefälligst: Sakko, Krawatte, linksrechts, Brötchen, Brötchen...
Übrigens seh ich das "Argument" ja sogar hier, daß man ja mit Camo gar nicht urban getarnt ist, sondern sich sogar hervorhebt. Bei militärischer Denkweise oder zumindest taktischer ist das zugegeben richtig - aber muß ich denn bei der Wahl meiner Alltagsplünnen dann ZWANGSWEISE auch noch taktieren? Bin doch zumindest privat nicht dauernd bei der Obs!
Obwohl, mag OT sein, es in offen im Netz vorfindbaren Anti-Obs-Leitfäden gerade heißt, die wirklichen Observanten seien immer bemüht Mainstream 
Tragt, was Ihr wollt. Wägt ab, wie Ihr wollt. Meinen Segen habt Ihr, ich kann nur für mich selbst entscheiden, welchen Preis ich zu zahlen bereit bin. In meinem Fall hat das gekostet, glaubt es beruhigt. Und es ist immer noch mühsamer, erst einmal die Leute überzeugen zu müssen, daß erstaunlicherweise die Schufte eher ausschauen wie Madoff, Hartz, Homm, daß die Kriegstreiber eher die mit den Business-Anzügen sind....aber jedenfalls dieser langbärtige Kerl in Kongo-Tarn ehrlich zu ihnen ist, fair mit ihnen umgeht.
Einen Freiraum habe ich mir über 30 Jahre erkämpft, argumentiert...bestimmte Verwendungen stehen mir nicht offen. Okay! Andererseits habe ich eben diese Freiräume für mich, aber auch für Jüngere, die mir nun nachfolgen, erarbeitet...mit ihren Cargo-Buxen, ihrem Iro, ihrem Einsatzmesser....und für mich die Möglichkeit, heute meinem "Verein" mein Eisenwaren-Wissen in Seminaren zur Verfügung zustellen, wo man mich früher mißtrauisch beäugt hat, meiner Umgebung heute ganz selbstverständlich eines meiner Messer zu leihen, wo man sich früher geziert hat, daß ich überhaupt eins trage. Von nix kommt nix.
Sorry, das soll kein Wort zum Sonntag sein, macht daraus, was Ihr wollt - daß es mir wichtig ist, wird man merken.
Das alles in Springerstiefeln mit aufgeschlauftem Messer, olivgrünen Cargohosen in den Stiefeln und nem Neckie um den Hals, gerade zurückgekehrt vom Einkauf und dem Erwerb eines denkbar spießigen Weihnachtsengelchens 