Beiträge von Micha M.

    ProHunter: "Bescheiden"?? :scratch: Wohl eher nicht :) Du hast sehr schöne Stücke in Deinem Bestand!


    Pätte: Ist nicht so, daß ich D2 gänzlich ablehnen würde, sonst hätte ich es ja nicht gekauft. Bei richtiger WB - und das ist bei diesem "schwierigen Kind" wohl vor allem ausschlaggebend - ist das natürlich geeignet, und ich hab einige Messer aus D2, bei denen sich trotz der vielgescholtenen "groben Karbide", die man sich gerüchteweise ja speckwürfelgroß im Stahlteig vorstellen muß, gute Schneiden schleifen ließen. Auch spekulatiusgleich zerbröselt ist mir noch keins, metallurgischen Unkenrufen zum frechen Trotz. Alles gut :)


    Aber ich mag 440C bei guter WB wirklich als Gebrauchsmesserstahl, das Material hat mich bei einigen Messern über viele Jahre begleitet und mich nie enttäuscht. Ich mag ja auch den aufgehübschten "Cousin" des 440 C, den Böhler N690.
    Daher hätte das als Material für dieses Messer vorgezogen :)

    Das sieht wirklich klasse aus!


    Ich meine diese Klingenform mal vor 10-15 Jahren in einer MM-Ausgabe als "Reverse Tanto" bei einem unerreichbar teuren Custom-Messer gesehen zu haben. Jens Kubesch aus Fulda formt die Vorderschneiden seiner Tanto ähnlich.


    Ich finde aber ganz erstaunlich, wie diese sehr technologisch wirkende Gestaltung mit dem traditionellen Gesamt-Look und dem Finish harmoniert.


    Ein ungewöhnliches und sehr schönes Messer, ich kann sehr gut verstehen, daß Du das nicht liegenlassen konntest! :)

    Damit David nicht wieder mit mir schimpft, daß er meine Kurzvorstellungen im Neuerwerbungs-Thread nicht mehr wiederfindet :)...


    Voilà: Wilson Tactical Mod. 25 Fixed Blade



    "Eigentlich" hab ich dieses Jahr schon drastisch zuviel Kohle für Eisenwaren ausgegeben, die Begehrlichkeiten standen gleich Schlange und waren meist zu verlockend. Und Kohle verliert ihren Wert schneller, als mir ein Messer wegrosten kann, vermutlich selbst nach Ansicht der C-Stahl-Verschmäher. Außerdem ist "Eigentlich" eh das Grab aller guten Vorsätze - und irgendein Argument für Stahlwaren-Hedonismus werden wir hier mit gesammelter Bildung und Leidenschaft doch wohl noch auf die Beine bringen.


    Also hab ich mich von dem Messer mit der rassigen Hohlkehle verführen lassen, als es für einen sehr fairen Kurs bei Filofiel aus Sammlungsbestand angeboten wurde. Sehr häufig findet man Wilsons hier ja nicht, sie waren (zumindest mir) immer ne Spur zu teuer - und gerade das 25er wurde im Gegensatz zum 1er oder dem IWB-Modell nur sehr selten mal gezeigt...



    Das im Grunde schlanke Messer kommt mit seiner 135 x 30 mm - Klinge (für Freund Buchs: fünfeinviertel Zoll so etwa...) mit seinen 6 mm Klingenstärke vertrauenerweckend massiv und irgendwie "breitschultrig" daher und wiegt netto satte 340 g. Also was für mich :)
    Wilson hat 440 C und D 2 verbaut, dieses ist - leider - aus D 2. Die Gesamtlänge liegt bei 26,5 cm.


    Die beigestellte Kydex wirkt sehr stabil, hält das Messer bombenfest, gibt es aber auf noch einigermaßen moderaten gleichmäßigen Zug gut frei. Hingegen muß man es zum Einrasten kräftig hineindrücken - und dann rastet es sozusagen mit einem finalen Paukenschlag unüberhörbar als Signal "Anwendungsende. Messer an Ort".



    Das Wilson 25 spielt in derselben Größenklasse wie ein Reeve GB 5.5 (hier in der schönen alten Ausführung), die Klingenlänge liegt nur ein Viertelzoll darunter. Sehr ähnlich ist auch die ausgesprochene gelungene Ergonomie und angenehme Haptik. Auch die Schalen des bei 0,5 mm stärkerer Klinge im Umriß doch schlankeren Wilson sind 3D-geformt, tailliert mit einem mittleren "Bauch" und einer Zeigefingermulde.



    Praktischerweise paßt die Scheide des GB einschließlich des Einsatzes auch dem Wilson gut :)


    Hier einmal ein "Klassenfoto" robuster Einsatzwerkzeuge: Das Wilson zwischen einem Extrema Ratio Nemesis und einem Blade Systems Yoroi Doshi (Custom Knife):



    Optisch gereizt an dem Wilson hat mich wohl vor allem die Hohlkehle, so etwas sieht einfach rassig aus, meinetwegen sagt "sexy"...
    Das reizte dann vorhin auch zu dem folgenden Bild, bei dem sich Ost und West sozusagen an die Hohlkehle gehen :)



    Die Neuerwerbung begegnet einem regelmäßig benutzten Kizlyar Stalker 2....


    Neben Daten und Vergleichsmessern hier auch noch 2 In-Hand-Bilder, von denen die regelmäßigen Leser vielleicht noch wissen, daß es eher In-Händchen-Bilder sind bei Handschuhgröße 8 :)






    Das Lanyard ist nur für die Bilder erst mal drangeblieben, bei Messern dieser Art und Größe stört mich sowas eher und wird seinen Platz an einem meiner kleinen Fixed finden, an denen es als Ziehhilfe und verlängerter Fingerhalt bei Kurzgriffen mehr Sinn macht.


    Mist, ich bereue schon wieder nix.

    Du hast haufenweise Möglichkeiten:


    Wenn es Dir nur um die Scheide geht: Man kann die meisten Scheiden nachträglich mit einem Deep-Carry-Clip nachrüsten, den Du Dir für relativ kleines Geld anfertigen lassen kannst. Dazu braucht es keine komplette Custom-Kydex in den meisten Fällen.


    So eine Clip-Geschichte birgt aber immer das Risiko, mit dem Messer auch die Scheide gegen den Clip-Traktionswiderstand mit herauszuziehen.


    Was ebenso geht: Eine Befestigung mit einem Stückchen Gewebeband oder Paracord, das unten im Winkel des Taschenfutters angeheftet wird. Das kann sogar ich in 2 Minuten nachrüsten :)
    An so etwas lassen sich ganz leicht und mit höherer Ziehsicherheit alle Scheiden befestigen, die unten z.B. Hohlnieten oder sonstige Befestigungselemente haben.


    Bei diesen Trageweisen verschwindet das komplette Messer in der Tasche, es sei denn, Du stellst die Tragehöhe durch einen Deep-Carry-Clip so ein, daß z.B. nur ein Ring am hinteren Ende oder etwas zum Anfassen und Ziehen oben aus der Tasche herausragt.


    Das muß übrigens nicht zwingend ein Ring sein, mit nem Lanyard geht das auch gut. So ein Spartan Enyo mit Lanyard macht sich in der Tasche ziemlich gut :)


    Oder Du wählst ein Messer mit einem genügend großen Rahmengriff, z.B. das Gerber Ghostrike. Da kannst Du auch hinten hineingreifen - oder es z.B. hilfsweise (auch) an einem Lanyard oder so einem kleinen Knoten wie auf dem unteren Bild herausziehen. Das ist dann von außen gar nicht als Messer sicht-/erkennbar.


    Wenn es ein Ring sein soll...Balin hat ja schon Beispiele herausgesucht für Messser mit einem hinteren Griffring. Such halt mal nach "Karambit Fixed", da werden auch diverse Beispiele mit gerader Klinge und geradem Griff herauskommen, die sich eben nur durch den hinteren Griffring definieren.


    Mir fallen auf Anhieb auch Messer wie das Bastinelli Rancunier oder das Fox UTK ein, letzteres unten auf dem Bild. Das UTK hat eine sehr vielseitige Scheide, sehr gut auch unten anzubinden und/oder mit einem Zusatzclip für Deep-Carry in der Tasche anzuclippen. Das UTK ist in 2 Größen und auch einschneidig und mit oder ohne Schalen zu bekommen.


    Weitere Lösung: Du kannst an die meisten Neckies als Ziehhilfe so einen Ring anbringen, wie Du ihn unten bei dem schmalen CRKT Scottish Spike siehst. SOCP-Alternative für kleines Geld, man kann den Ring auch ergonomisch interessant hinten seitlich anbringen...


    Für meinen Geschmack sieht das Messer, das ein sehr schönes EDC wäre, für den Tischgebrauch im Griff vielleicht ein wenig massig aus. Der Griff wirkt auch in Relation zur Klinge relativ groß.
    Wenn Du zum Steakschneiden soviel Handfüllendes bräuchtest, stimmt was mit dem Fleisch nicht :)

    Gelangweilt hast Du uns keineswegs, ganz im Gegenteil! :thumbup:


    Informative und gut lesbare Darstellung.


    Als "Datenfreak" hätte ich mir allenfalls noch ein paar Daten gewünscht oder einen Link zur Produktseite, um es schneller selbst nachlesen zu können.


    Was das Schließen angeht: Sehe ich wie Du, man muß ja auch nicht unbedingt sein Herz daranhängen, es um jeden Preis einhändig wieder zu schließen - da ist flüssiges Öffnen für mich wirklich wichtiger. Und wenns schon unbedingt einhändig sein soll, kann man so etwas auch sicher gegen Oberschenkel oder Hüfte zuklappen :)


    Hatte auch lange starke Vorbehalte gegen Slipjoints (und hab noch immer deutlich lieber einen Folder mit Lock), muß aber auch "gestehen", daß ich mit Slipjoints mit wirklich starker Rückenfeder wie z.B. diesem hier oder dem Cognet Vendedouk auch keine großen Sorgen hatte.


    Daß es trotzdem Schwachsinn ist, zugungsten angeblicher innerer Sicherheit dann auf technische Sicherheit im friedlichen Alltagsgebrauch verzichten zu müssen, bleibt natürlich unbenommen :)

    Du mußt ein interessantes Büro haben, sicher auch viele Maxibriefe :)


    Das Messer gefällt mir sehr gut! :thumbup:


    Durch die obere Schor wirkt es trotz seiner satten Klingenstärke und ausgewachsener Maße doch sehr schlank und elegant.

    Diese Art von Überzeugungsarbeit meinte ich, Karhu. :)


    Zum Umgangston: Na ja, wir sind hier ja alle schon groß, und noch immer - bemerkenswerterweise auch nach dem ganz erheblichen Anwachsen des Forums über die intime kleine Anfangsrunde hinaus - sehe ich als Basis der Runde einen gewissen gegenseitigen Respekt...aber dann spricht man halt auch "Klartext" miteinander. Wir sind ja hier keine Selbsterfahrungsgruppe, in der wir uns dauernd unserer gegenseitigen Rücksichtnahme und Betroffenheit versichern müssen :) Aber, um mal in den dortigen Jargon zu verfallen: Ich bin ganz bei Dir bei dem Argument, bei dieser Überzeugungsarbeit eben den Leuten eher nicht mit einer ruppigen Breitseite zu kommen, sondern mit freundlicher Sachlichkeit.
    Auch dann kostet es Zeit und Mühe und wird immer auch bei manchen Angesprochenen scheitern - lohnt aber den Versuch, bei dem es um die Sache und auch um den Erhalt unserer Handlungsfreiheiten geht. Das betrifft ja nicht n u r Messer, sondern ebenso Auftreten, Kleidung, Haar- und Barttracht usw. Man muß da schon deutlich sehen, daß der Freiheitsdrang der Siebziger diesbezüglich verpufft ist, die Jugend überwiegend stylemäßig überzeugt angepasst daherkommt und z.B. in manchen Verwaltungen alte Zöpfe wieder hervorgekramt werden, indem man per Erlass eben die Zöpfe gern wieder abschneiden und den Leuten ein Erscheinungsbild aufdrängen möchte, mit dem sie tadellos wieder den Sturmbannführer-Statisten abgeben könnten...Der Gesamtkontext des Stellenwerts individueller Gestaltungsfreiheit zählt.


    Ich schlag mich jetzt seit 35 Berufsjahren damit herum :)
    Was Messer angeht, erinnere ich mich noch SEHR gut an Zeiten, in denen mir Großkopfete ernsthaft vorschlugen, mir doch lieber so ein böses Messer als Arbeitshilfsmittel von den jeweils Betroffenen auszuleihen, ganz ungeachtet der Tatsache, daß diese das nicht müssen und mich dann auch zutreffend für unorganisiert, unprofessionell und auch unvorsichtig halten würden, von der Gefahr durch kontaminiertes Fremdwerkzeug (...bei unserer Klientel keine Spökenkiekerei....) mal ganz abgesehen. JA, ich hab immer auch Auseinandersetzungen oder zumindest Rechtfertigungsbedarf zu diesem Thema gehabt und wirklich über viele Jahre gegen Vorurteile und einen entsprechenden "Ruf" gekämpft.


    Heute haben alle meine Kolleg(inn)en ein Messer als Arbeits-Tool zur Verfügung, dafür hab ich gesorgt. Mein Team ist mit stabilen Foldern ausgerüstet, die ich besorgt und verteilt habe. Immer wieder werde ich nun von Neuzugängen gebeten, sie bei der Auswahl eines entsprechenden Messers zu beraten. Ich unterrichte nebenamtlich zu dem Thema, das nehmen mittlerweile auch Ausbilder auf Bundesebene und SEen an. Und mein Chef grinst nur noch, wenn ich in seinem Beisein die Frage, ob ich ein Messer bei mir hätte, beantworte mit: "Sicher. Ohne geh ich nicht mal austreten....". Dafür hab ich lange kämpfen müssen - aber das war es auch wert! :)


    Was den "Gutmenschen" angeht, sprichst Du so ein wenig absichtlich an uns vorbei: Es gehört was dazu zu versuchen, ein guter Mensch zu sein. Aber das ist längst nicht mehr das, wofür der Begriff "Gutmensch" heute steht, und das weißt Du :) Und im Sinne des Ausblendens der Realität zugungsten unreflektierter naiver Wunschvorstellungen und ideologisch-dogmatischer Blickwinkel wirst auch Du Dich da nicht angesprochen sehen wollen....und wirst es ja sicher auch so nicht.