Griffhaltungen allgemein:
Selbstverständlich sollte die Trageposition sinnvollerweise an der späteren Griffhaltung und Anwendung orientiert sein. Diese ganzen artistisch-taschendiebischen Spielereien mit zigfachem Rotieren und Umgreifen sind etwas für Video und Demos von Experten, so etwas sieht cool aus und funktioniert dann auch immer….Ich selbst bin kein Artist, sondern eher grobmotorisch im Stress – und das teile ich mit sehr vielen anderen normalen Einsatzkräften. Zudem weiß ich aus eigener Erfahrung (…ich treib mich ja doch schon ein paar Jährchen in lauschigen Gegenden herum, damit sie, ob nun No-Go oder nicht, jedenfalls immer Micha-Go bleiben….) dass e i n e r bei jedem Einsatz mitfährt, ob er nun im KomPlan steht oder nicht: Kollege Murphy…
Also hätte ich eigentlich gern EINE Trageposition, die wiederum EINE Griffhaltung optimal unterstützt, die wiederum sowohl bei waffenloser Haltung als auch bei Unterstützung der waffenführenden Primärhand gleichermaßen eingehalten werden kann und die Bedienung der Lampe gut zuläßt, Parallelität von Lampe und Waffe unterstützt, angenehme und gleichmäßige Unterstützung zuläßt und ergonomisch „organisch“ und sinnvoll ist.
Das bekomme ich mit dem FR-1 nicht hin.
Ohne Absprachen hat mein Kamerad und Co-Referent (in unseren Workshops zum Messer-Thema) in meiner Dienststelle während meiner Abwesenheit den FR-1 erprobt und kommt genau zu denselben Ergebnissen. Immer noch nicht empirisch, sicher, aber jedenfalls auch kein „Einzelschicksal“.
Waffenlose Haltungen:
Vorab: Alle in Video und Beschreibung gezeigten Haltungen mit Andruck des Heck-Druckschalters an den Daumen- oder Handballen der Führhand und insbesondere auch alle gezeigten Haltungen mit obenliegendem Ring und Andruck des Schalters an die Fingerknöchel der Führhand sind mir suspekt.

Was mir da eindeutig fehlt, ist ein Fingerhebel auf der dem Ring gegenüberliegenden Seite, mit dem man den Druckschalter unterstützend nach hinten drücken könnte, ohne insgesamt einen hohen Druck aufzubauen. Ohne diesen Hebel ist mit das alles subjektiv zu „unsicher“, und um sicher genug Licht zur Verfügung zu haben, muß ich permanent in der Hand einen recht hohen Druck aufbauen. Das will ich in der Einsatz-Stress-Situation so nicht.
Aus diesem Grund kann ich auch mit der „pistolenähnlichen“ Haltung wenig anfangen, in der ich mit der ganzen Hand entsprechenden Druck nach hinten aufbauen muß, um den Heck-Druckschalter in den Handballen zu pressen:

Eine sehr angenehme und sichere waffenlose Griffhaltung wäre die Reversehaltung mit dem Mittelfinger durch den Fingerring. Oben und unten ergeben sich durch die angesetzten kleinen Bögen entsprechende gute Auflagen für Zeige- und Ringfinger.
Der Heck-Druckschalter wäre in einer guten Position für den Daumen, bedarfsweise könnte man mit Daumen und Zeigefinger in dieser Haltung auch über den Drehring-Schalter den Lichtmodus verändern. Die Hand würde den Schaft in einer optimalen Position umfassen, so könnte die Lampe notfalls auch für Schlagtechniken am besten und „handfüllendsten“ verwendet werden.


Alles prima? Nur waffenlos!
In dieser Position finde ich nämlich nach Ziehen der Kurzwaffe mit der Primärhand dann keine Unterstützungshaltung der Sekundärhand mehr ohne Griffhaltungswechsel, die einer Lampenhaltung ohne Ring überlegen wäre. Aus der Haltung wäre also umzugreifen. Und ich finde im Anschluß keine unterstützende Haltung im ergonomisch angenehmen Bereich, bei der ich den Mittelfinger im Fingerring belassen kann.
Auch ein Verdrehen der Lampe um 90 Grad wäre zumindest für mich nur eine Notlösung: Die Lampe würde dann zwischen Mittel- und Ringfinger nach vorn zeigen. Das fühlt sich für mich nicht definiert und sicher genug an, in meinen gewohnten Handschuhen gerät diese Drehung dann eh zum Gehampel.


Eine vernünftige Möglichkeit zum Wechsel in eine unterstützende Haltung ergibt sich für mich hingegen, wenn ich karambit-ähnlich mit dem Zeigefinger in den Ring fasse. Auch dann komme ich noch immer gut an den Heck-Druckschalter, und auf der Schaftseite findet meine Hand noch komplett Platz auf Schaft und Lampenkopf, ohne nach vorn in den Weg zu geraten. Ergonomisch / haptisch angenehmer für die Hand am Schaft ist allerdings die erstgenannte Haltung.


Dumm nur, daß man dann den Drehring-Schalter allein mit dem Daumen allenfalls noch in Handschuhen mit sehr gutem Grip allein durch Daumenandruck drehen kann, um bedarfsweise den Lichtmodus zu verstellen. Ohne Handschuhe gleite ich über die Rändelung. Wegen des Fingerrings kann ich aber nicht mit 2 Fingern drehen…..

Also wird so jeder Modus-Wechsel eine zweihändige Angelegenheit oder erfordert Griffhaltungswechsel auf Fingerringnutzung mit dem Mittelfinger, siehe oben….
Das Problem wäre sofort lösbar, wenn man einen kleinen Flügel am Drehring-Schalter angebracht hätte, den man durch seitlichen Daumenandruck drehen könnte ohne zweiten Finger…..
Aus den bezeichneten Tragepositionen kann man jedenfalls sowohl die Karambit-Haltung als auch die Reverse-Mittelfinger-Haltung gut einnehmen, die mein Kamerad und ich unter den waffenlosen Haltungen favorisieren.
In beiden Haltungen liegt die Lampe „stresssicher“ in der Hand.
Die Hand kann geöffnet werden, in beiden Haltungen (vor allem der Mittelfinger-Haltung) ist notfalls auch die Ausführung von Schlagtechniken gut möglich. Beide Haltungen sind bezüglich Stress-Sicherheit und robuster Anwendung für uns eindeutig dem ringlosen Führen überlegen.
Beide Haltungen haben jedoch Schwachpunkte: Bei der Reverse-Mittelfinger-Haltung den zu umständlichen Wechsel in Unterstützungs-Haltungen, bei der Karambit-Haltung die schlechte Bedienbarkeit des Drehring-Schalters zum Wechsel der Licht-Modi und eine suboptimale Haptik am Lampenschaft.
Auch waffenlos hat man also – offen gesagt – nicht das Gefühl einer optimalen oder auch „nur“ ausgezeichnet durchdachten Lösung. Man nutzt die zweifellos vorliegenden Vorteile gegenüber einer ringlos geführten Lampe, möchte aber immer Details eigentlich lieber anders gelöst sehen, arrangiert sich ständig mit den Gegebenheiten.