Hier noch ein paar Ausführungen über die Unterschiede zwischen den beiden angesprochenen Konzeptionen bei der Gestaltung unterschiedlich großer/langer Messer aus einer Grundform - also den Unterschieden zwischen einem Klein- oder Großzoomen und einem "mittleren" Kürzen des hinteren Klingenteils unter wesentlicher Beibehaltung von Griffgröße, Klingenhöhe und Eigenschaften der Spitze.
Das Thema finde ich überaus interessant, schon seit Jahren, und möchte daher zum besseren Verständnis der Konzeption der "kleinen großen Messer" hier ein wenig ausholen:
Klassiker des "Kleinzoomens" ist wohl Buck, bei dem - gehen wir mal von einer "Normalgröße" eines sechszölligen Buck 119 Special aus- zum 120er General hochgezoomt wurde, einschließlich größerem Griff...vor allem aber über das 105er Pathfinder bis runter zum 102er Woodsman kleingezoomt wurde, also nicht nur Klingenlänge weggenommen, sondern auch Klingenhöhe. Und nicht nur die Klinge verkleinert, sondern auch der Griff wurde erheblich verkleinert und verschlankt:
https://www.knifecenter.com/se…d-line-fixed-blade-knives
Es ergeben sich Messer, die zwar ein gemeinsames "Grundthema" und Familienähnlichkeiten haben, aber auch völlig verschiedene Eigenschaften sowie eine komplett verschiedene Handlage.
Um nicht missverstanden zu werden: Das MUSS nichts Schlechtes sein, zumal man ja Messer unterschiedlicher Größe auch zu ganz verschiedenen Zwecken suchen und verwenden kann und dann z.B. feine Arbeiten eher mit dem grazilen vierzölligen 102er machen kann und nicht mit dem großen 120er mit seinen fast siebeneinhalb Zoll.
Jedenfalls aber transportieren die kleineren Versionen NICHT die Eigenschaften der größeren in ein kompakteres Format, sondern bilden eigene aus.
Wer ähnlich gearbeitet hat, war Al Mar:
Aus dem für mich perfekt dimensionierten sechszölligen SERE 3004 wurde das selbst für Leute mit Trolls Pranken übermäßig "fette" 3005 auf 7.5 Zoll einfach hochgezoomt....alles größer, höher, dicker wie durch eine Lupe. Und anders herum wurde in der moderneren Machart dann kleingezoomt auf das SERE Operator Fixed mit 5 Zoll und das vierzöllige Mini SERE Operator Fixed, einschließlich verkürztem und verschlanktem Griff.
Ja, gut, das schöne kleine Messer läßt sich dezenter tragen und taugt für Feineres, aber auch hier nimmt es dabei dann andererseits nicht die Möglichkeiten und Eigenschaften der größeren Klinge mit ins kleinere Messer....

Man kann das Prinzip aber leicht auch an anderen Beispielen erkennen, z.B. hier bei der Gestaltung verschieden großer Puukkos:
Man kann es "kleinzoomen" wie bei dem oberen klassischen Modell im Vergleich zum mittigen Peltonen Sissipuukko - oder man kann einfach bei Belassen der Spitzenform großer Puukkos und auch der Klingenhöhe wie der Griffgröße mit der reinen Klingenlänge variieren wie beim unteren Terävä "Jägermesser" der schrägen Varusteleka-Finnen...

Oben habe ich schon das Juchten "M1" gezeigt als Beispiel für die andere Konzeption, das "mittlere Kürzen".
Das kann man hier sehr gut sehen: Griffgröße und Klingenhöhe sowie Konzeption der Spitze bleiben weitgehend erhalten, gekürzt wird fast nur Klingenlänge aus dem hinteren Bereich:

Ähnlich ist Roman bei seiner M3-Version im Vergleich mit einer Kompaktversion des Randall-inspirierten "Rover" vorgegangen, das das Jack Crider Special als Inspiration hat und hier nur mit unterschiedlichen Klingenlängen spielt, während Griffgröße und Klingenhöhe bei den verschiedenen Crider-Abkömmlingen gleich blieben und sich auch nicht wesentlich von denen des von Beginn an größeren Legions-M3 unterscheiden....

Tony hat das - wie erwähnt - auch beim GEK-EDC so umgesetzt, das hier mal unter einem siebenzölligen DuStar Arad liegt. Man kann gut sehen, daß die Griffe im Handfüllen vergleichbar bleiben (beim GEK-EDC gleich zum GEK) - und man sieht auch die weitgehende Beibehaltung der Spitzen-Dimensionierung und der Klingenhöhe:

Ich selbst habe mit Martin Stierlin auch schon Ähnliches durchdacht und von ihm umsetzen lassen: Aus dem achtzölligen "MAX" worde das viereinhalbzöllige "MOZ" unter voller Beibehaltung der Klingenhöhe - das Ergebnis ist auch so ein "kleines großes Messer".
Ich mag diesen Ansatz, er erhält dem Messer viele Eigenschaften des größeren Vorbilds, z.B. auch Form und Länge der vorn ansteigenden Schneide für das Arbeiten nach vorn, die Penetrationseigenschaften, die Wirksamkeit der Klinge im Hinblick auf den Querschnitt des Stichkanals usw. Und er erhält auch weitgehend die Eigenschaften der Handlage des Griffs.
Schauen wir also gespannt, wie sich das bei dem "Little Bowie" dann auswirken wird, das den Griff des GBK (wie beim Pandur) in überarbeiteter Version (interessante 3D-Gestaltung) aufgreift und mit einer Klinge kombiniert, deren Höhe und Spitze wohl einem sieben- bis achtzölligen normalen Bowie entsprechen würden....
