Schauen wir mal abseits vom Direktvergleich auch noch auf ein paar Gestaltungsdetails des Walther….

Zwei mir aufgefallene Bereiche sieht man hier gut:
Die Hinterseite und die Durchbrechung im Blatt, durch die man das Beilchen Ulu-artig führen können soll.
Fangen wir mit dem einfacheren Teil an, der „Schlagfläche“….oder was auch immer.

Es ist natürlich ein Problem, eine Hammerfläche aus der Hinterseite an einem Flachstahl-Stück zu gestalten – wie kriegt man das breit genug für einen tauglichen Hammerkopf?
Nun, etwas links und rechts anzuschrauben würde gehen…..
So wie jetzt hat man jedenfalls etwas, das unerfreulich wenig Breite fürs Hämmern aufweist (sozusagen was für den Sniper-Zimmermann….), andererseits aber zu breit zum Schrauben oder Hebeln ist….
Denn das wäre ja eine Alternative gewesen: Meißelförmig abflachen, um dann eine schöne Hebelkante zu haben oder ggf. etwas für große Schlitzschrauben, gar nicht mal uninteressant wegen der hohen Kraftwirkung des dann um 90 Grad winkligen Stiels….
Und mit der Flachseite kann man, wie oben ausgeführt, eben auch nicht hämmern wie beim Gerber.
Für mich irgendwie verschenktes Potenzial…
Kommen wir zu dem Durchbruch im Blatt, in den man mit dem Finger fassen und dann die Schneide frontal nach vorn bewegen kann wie bei einem Ulu oder einem Schaber. Das gabs schon bei einigen Mitbewerbern, u.a. TOPS (da hieß das Outfitters Axe…) Andere Hersteller ziehen die Schneide nach unten, so daß man zwischen Schneide und Stiel ebenfalls gut hinter die Schneide fassen und diese linear nach vorn treiben kann, wie z.B. bei Viper aus Italien oder dem Toma-Hook von Despins…..


Macht man da aber ein Loch ins Blatt, sollte das schon groß genug sein, um erstens mit dem Finger bei geschlossener Handhaltung gut durchfassen zu können, zweitens sollte der „Steg“ zwischen dem Loch und dem Bereich unter dem Blatt, wo man dann den Mittelfinger hält, nicht übermäßig breit sein, damit es nicht in der Anwendung schnell unbequem wird…
Richtig gelungen finde ich das bei Walther nicht….


Der untere Steg ist zu breit für mich, das wird schnell unbequem.
Vor allem, weil das Loch ziemlich schmal ist und selbst den Zeigefinger meiner bekanntermaßen ziemlich kleinen Hand kaum ganz durchlassen will und dann sofort seitlich drückt….
Handschuhe „gehen“ da eh nicht, und ohne wird Schaben und Anspitzen so dann ziemlich unbequem.
Durch mehr Breite des Lochs hätte man gleichzeitig den unteren Steg schmaler bekommen…
Auch eine für mich naheliegende Überlegung wäre es gewesen, so einen Durchbruch nicht gleichmäßig oval zu gestalten, sondern wie einen Schäkelöffner, also nach vorn enger zulaufend. Das hätte den Nutzen erhöht.
Und ganz ehrlich: Wenn man eh sieht, daß so ein gerade mal gut halbpfündiges Tool „Luft nach oben“ hat, müßte man ggf. über eine moderate Vergrößerung des Blatts nachdenken, wenn man so einen Schäkelöffner sonst nicht unterbringt.
So, wie es jetzt gestaltet ist, kann man jedenfalls weniger gut hebeln, nicht schrauben und nur mit Beschwernissen schaben, wenn man nicht gerade elegante Mädels-Finger hat…Kein Nagel-Auszieher, keine schmale Schraub- oder Hebelkante, kein Schäkelöffner oder Schraub-Öffnungen….Wenn man da schon was wunderbar Griffiges und Schlankes anbieten wollte, mit dem man eben eher keine Bäume fällt, wäre doch ein wenig mehr durch bessere Vielseitigkeit aufzufangen gewesen…
Eine Randerscheinung noch:
Das Griffende gefällt mir nicht so recht, da wäre ein geschlossener Abschluß mehr nach meinem Gusto gewesen:
