Ich möchte hier auch noch mal auf die Überschrift "Fähigkeiten eines Outdoormessers" eingehen und kann nur zustimmen, das Wort Eigenschaften wäre hier besser gewählt.
Die Überschrift sagt aber auch, das ich mich, wenn ich denn das Messer mitführe und anwende in einer geplanten Situation und damit nicht in einer Survivalsituation bewege, wobei man da natürlich schnell reinrutschen kann, wenn man Pech hat, sich oder andere überschätzt u.s.w. .
Beispiel: Ich bin bei der Bergjagd. Im Berg führe ich aus Sicherheitsgründen, Abrutschgefahr, ein Klappmesser. Gerate ich nun in einen Wettersturz und muss draußen bleiben hätte ich ein Messer wie das A1 von F. lieber dabei, aber die Nacht in einer Notunterkunft war nicht geplant, und somit auch keine Notwendigkeit Feuerholz zu machen, das Dach zu verstärken u.s.w. Daher ist das beste Survivalmesser ganz praktisch das, was man dabei hat. Doch um ein Survivalmesser geht es hier nicht!
Doch zurück zu den Fähigkeiten, was will ich! In diesem Fall will der Anwender eines für alles, um damit eine Tour/Expedition zu bestreiten und bestimmte Herausforderungen, welchen er sich stellen will, nicht muss, zu bewältigen! Damit sind Kompromisse vorprogrammiert.
Beispiel 1: Zerwirken von Wild. Nach meinen Erfahrungen geht dies am besten mit nicht zu langen Klingen. Gerade das Skinnen ist ermüdungsfreier mit einer kürzeren Klinge, persönlich bin ich da ein Fan von Skinnern mit Faustgriff. Zu einem Messer deutlich über 10 cm greife ich da nur ungern. Ich habe mal ein Stück Rehwild im Rahmen eines Wildunfalls mit einem Gerber BMF erst abgefangen und dann aufgebrochen. Das Abfangen ging natürlich hervorragend, aber das Aufbrechen war durch die lange Klinge deutlich mühsamer. Aber ist das die Hauptaufgabe welche man im Busch zu bewältigen hat? Eher nicht, daher würde ich dieses Gebiet als nicht so wichtig erachten, Hauptsache ich kann es. Ich stimme Geronimo ausdrücklich zu. Er hat zu Messern und Jagd alles gesagt.
Beispiel 2: Die Hammerfläche. Habe ich persönlich noch nie intensiv gebraucht, aber das heißt NICHTS!!! Die Option sie zu haben ist auf jeden Fall gut.
Beispiel 3: Stabilität: Dies geht ggf. zu ungunsten der Schneidleistung. Brauche ich in diesem Fall, eines für alles, aber die Schneidleistung ein Haar läng zu spalten? Nein, ich will eine stabile, schnitthaltige Schneide, welche vom Hacke bis zum Braten schneiden alles mitmacht. Daher geht meine Präferenz in diese Richtung. Armhaare abrasieren, mehr oder weniger gut, tun meine Messer trotzdem.
Beispiel 4: Gesamtkonstruktion. Aus je mehr Teile ein Messer besteht, um so anfälliger ist es. Ledergriffe schwächen durch ihre Verschraubung das Griffende, verschraubte Griffe lockern sich und Parierstangen fangen an zu wackeln. Daher bevorzuge ich einen einfachen Aufbau.
Letztendlich sind in hochwertige Messer viele Reserven verbaut, welche die meisten Nutzer nicht oder kaum benötigen werden. Aber sie sind da und das ist doch auch beruhigend. Dadurch können, eingeschränkt, Fähigkeitslücken des Nutzers ausgeglichen werden. Umgekehrt natürlich genau so.
Damit komme ich wieder zum Ausgangspunkt: Verwendungszweck, daraus resultierend Eigenschaften des Messers und die Fähigkeiten des Nutzers sind die Mischung, welche den Sieger ausmachen.