Beiträge von Kibo

    Ein Sammler wird mit seinen Messern anders umgehen als jemand der mit seinen Messern arbeitet, egal was diese Messer gekostet haben. Ein Messer in der Vitrine, egal was man dafür gezahlt hat, kann gut aussehen aber wo sollte der Unterschied zwischen einem guten und einem, sagen wir mal so, weniger gutem Messer, liegen? Mit einem Blick in die Vitrine wird man das nicht feststellen können, aber wo können wir die Unterschiede wirklich sehen? Die Antwort ist einfach, bei der Arbeit. Da stellt sich dann schnell heraus was ein Messer wirklich wert ist und ob man ihm trauen kann. Ich arbeite mit meinen Messern, egal was sie gekostet haben und es macht auch Spaß wenn man das auskostet wofür man gezahlt hat. Es gibt sehr wohl Unterschiede denn es ist, zumindest bei mir, noch nie vorgekommen daß ein Billigmesser um etwa 40,- Euro, ein anderes für das ich fünf mal so viel Geld hergelegt habe, in der Praxis schlägt.


    Natürlich machen sich nicht alle Messer überall gut, denn sonst hätten wir alle ein Messer und mehr bräuchten wir gar nicht, ist aber nicht so. Die Kunst, das richtige Messer für bestimmte Einsatzzwecke zu wählen, ist sehr schwer darum bleibt es nicht immer bei einem. Hier ein Beispiel, ich habe ein richtig robustes Messer eingesteckt brauche aber gerade einen feinen Slicer, das wird dann schon schwer mit einem 5 mm oder noch dickerer Klinge gehen, vor allem wenn die Klinge unter 120 mm lang sein muss.


    Ich habe übrigens ein Damastmesser aus "Billigstählen" und weil ich mit dem Begriff nichts anfangen kann, würde ich gerne wissen was man damit meint. Alles was ich darüber sagen kann ist, das ist ein Damast aus drei verschiedenen sehr zähen Kohlenstoffstählen und es ist eines der Messer, denen ich mein Leben anvertrauen würde und das sage ich aus der Praxis heraus, weil ich auch mit diesen Messer arbeite. Ich möchte ein Messer aus PM Stahl sehen, daß das bewältigt was ich mit diesem Messer gemacht habe. Es kostet viel, aber wenn der Damast richtig geschmiedet wurde, dann ist es jeden Cent wert.

    Die 2 mm dicke Machete verbeißt sich sofort sehr tief in das Holz wenn man mal einen Ast abhacken will. Damit macht die Arbeit dann überhaupt keinen Spaß mehr. So viel Unterholz gibt es in den euroäpischen Wäldern gar nicht, vor allem im Herbst und im Winter nicht, da kannst du die Machete zu Hause lassen. Aber ein gutes Haumesser oder eben diese Condor Golok Machete ist dann Gold wert. Was das Gewicht angeht, jeder muss für sich entscheiden wieviel er tragen kann und man soll nicht am falschen Ende sparen. ;)

    Ich habe ein Custom aus O2 Stahl, das Messer ist 6 mm dick und wirklich fast unzerstörbar. Es wurde von mir auch ausgiebig getestet, was die Schnitthaltigket angeht, da gab es keine Probleme. Es kann sein daß es bei der Wärmebehandlung Probleme gab, ich weiß nicht wie hoch der Winkel an der Schneidphase ist. Bei mir hat sich der konvexe Schliff am besten erwiesen.

    Das schaut ganz gut aus, ein richtiger Fighter. Ich würde nur mit der Klingenstärke auf 5 mm runtergehen, das ist vollkommen ausreichend. Damit hast du genug Stabilität, das Gewicht hält sich in Grenzen, man kann das Messer auch ganz gut ausbalancieren und das ist für einen Fighter sehr wichtig.

    Juchten, ich glaube wir reden aneinander vorbei und unterstellen lasse ich mir nicht, daß ich hier, wenn man zwischen den Zeilen liest, Lügen oder Märchen erzähle. Aber ganz kurz, es ist ja schön zu wissen was in den Büchern von Technokraten steht, dem richtigen Anwender ist das aber egal, der geht raus und unterzieht seine Klingen richtigen Tests. Die Erfahrungen, die ich, sowohl mit Customs als auch mit Serienmessern gemacht habe sind, daß Vieles, was ich von Tabellen und Erklärungen erwartet habe, einfach nicht eingetroffen ist. Und wer das gemacht hat, mit dem kann ich diskutieren und der wird auch verstehen was ich meine. Es gibt Leute, die weder studiert haben, und sie sind auch nie Werkmeister gewesen aber sie wissen was man braucht um einen wunderschönen, richtigen japanischen Hamon zu zaubern und sie zaubern auch, das gilt genauso für Stahllaminate und Damast. Die sehr geschätzten Technokraten haben bis vor ein paar Jahren nicht gewusst wie man Bulat (Wootz) herstellt, also haben deutsche und russische Forscher daran gearbeitet und es eigentlich wiederentdeckt ganz einfach weil die Leute, die sicher auch guten Wootz hergestellt haben nicht schreiben konnten, aber sie wussten wie man es macht. Man könnte jetzt sagen, das braucht kein Schwein heutzutage, ich bin mir da nicht so sicher ...


    Wenn ich sage, ich kenne einen Jäger der seit Jahren ein Custom Messer aus einem Stahllaminat mit Flanken aus 420 Stahl und im Kern 52100 Stahl bei der Jagd verwendet und auch sonst nicht zimperlich mit seinen Messern umgeht und das Messer hat an den Flanken nie Rost bekommen, das Messer hat sich nicht aufgelöst, dann ist das nun mal so, ob man es glaubt oder nicht ist mir nach dieser Aussage auch schon egal. Soll ich dich mit dem Mann bekannt machen, damit du das glaubst?


    Noch etwas, was für dich Sinn macht, muss für mich nicht Sinn machen, ich mache keine Messer, ich schreibe keine Bücher aber ich teste sie und wenn ich sage daß der 1.2550 Stahl der beste ist, den ich bis jetzt getestet habe, dann hat das schon seine Gründe. Der 55Si7 bei meinem Eickhorn KM 5000 z. B. ist aber gar nicht gut, zumindest nicht für einen Dolch weil er eine zu hohe Elastizität hat und zwar so hoch daß sich beim Auftreffen auf einen dicken Katalog einfach nicht durchsticht, die Penetration kann man in zwei oder drei Milimeter messen. Ich habe mir den Kopf zerbrochen und überlegt, warum tut der das nicht? Ich probiere es mit mehr Kraft, na das geht gar nicht, mit weniger Kraft anscheinend besser, warum? Das Problem ist, daß sich die Klinge, wenn sie auf etwas härteres trifft, in der Mitte so verbiegt, daß da gar nichts geht. Gestern steche ich damit auf eine Tafel Holz ein, habe ich schon mit mehreren Messern gemacht, sogar mit einem FS Dolch, und bei dem Eickhorn verbiegt sich die Spitze, zwar ganz leicht, aber sie verbiegt sich. Bei keinem anderem Messer, angefangen vom Eickhorn GTK bis Customs, bis FS Dagger ist das passiert, die sind aber auch nicht aus diesem Stahl. Die Lehre für mich daraus, Elastizität ja, aber nicht zu viel, darum ist es gut wenn sich so wie beim 1.2550 Wolframkarbide gleizeitig mit ewas höherem, aber nicht zu viel so wie beim 55Si7, Siliziumgehalt in einem Stahl treffen. Genauso ist es mit der Härte, vielleicht würde man ja eine Penetration mit 55Si7 erreichen aber mit einer Härte von 53 HRC anscheinend nicht. Der 1.2550 dagegen hat alles gemeistert, er war einfach der besten Kandidat unter, sagen wir, zehn anderen aus verschiedenen Stählen, sowohl rostende als auch rostträge. Und was dann darüber in Büchern steht interessiert mich in diesem Fall echt nicht, weil ich meine eigenen Erfahrungen gemacht habe.


    Es ist keine Kunst ein Messer mit einer 10 mm dicken Klinge aus 5160 Stahl, selektiv gehärtet, für alles mögliche zu missbrauchen, weil das Ding überlebt sowieso alles, aber es ist eine Kunst, ein Messer mit einer 5 mm dicken Klingen zu fertigen, welches man genauso missbrauchen kann und es überlebt auch genauso alles. Wenn wir das auf eine 15 bis 20 cm lange Klinge übertragen, wer steigt dann besser aus und wen interessiert es wie sie gemacht wurden und ob es eine Anleitung dafür in Büchern gibt oder nicht ...

    Naja, die Sache ist halt so. Das ER Shrapnel hat eine ziemlich kurze Klinge und wenn ich bei so etwas 6,3 mm dicken Stahl nehmen muss um die Stabilität zu gewährleisten, dann ist das meiner Meinung nach nicht die beste Lösung, weil ich eine dicke Klinge, die nicht unbedingt sehr breit ist, habe und das bringt Einbußen bei der Schneidleistung und es bringt auch viel unnötiges Gewicht mit sich. Meine Überlegung, ein Stahllaminat, aber ein anderes als das was ER bietet, welches mir mit 5 mm oder auch weniger Klingendicke, die selbe Stabilität, bessere Elastizität bringt, keine Einbußen bei der Schneidleistung und weniger Gewicht. Das geht, auch wenn es so mancher nicht glauben will, sehr wohl mit einem Stahllaminat und ich behaupte mit einem gut verschweißten und gut geschmiedeten Damast noch besser. Je größer das Messer ist, je länger die Klinge ist, desto mehr Vorteile habe ich, es muss eben nur richtig gemacht werden.


    Bei einem taktischen Messer brauche ich Stabilität, das Messer muss aber auch als Fighter her halten und da brauche ich auch Elastizität, nicht zu viel, und was ich gar nicht brauche ist eben viel Gewicht. Ich wollte nur zeigen daß es auch andere Wege gibt Messer zu bauen, die zwar teuer in der Anschaffung sind aber wesentlich besser funktionieren.


    Ich sage auch, nicht jeder kann ein gutes Stahllaminat machen, nicht jeder kann guten Damast schmieden, das was ER gemacht hat, macht keinen Sinn weil es nicht zu wesentlichen Verbesserungen, welche ich aufgezählt habe, des Messers beiträgt.


    Schon mit einem guten rostenden Monostahl, wie dem 1.2550 und einer differentielen Härtung, hätte man sehr wohl auf 5 mm Klingendicke zurückgehen können, die ER´s sind ja sowieso alle beschichtet, also Beschichtung drauf und das wäre es gewesen oder eben ein vernünftiges Stahllaminat bzw. Damast. Die Vorteile, die ein differentiel gehärteter Damast aus Kohlenstoffstahl bietet, kann man mit einem differentiel gehärtetem Monostahl nie erreichen. Bei einem guten Stahllaminat ist es genauso, wobei ich hier, auch wenn es Juchten nicht glauben will, rostträgen und rostenden Stahl verbinde. Es gibt genug Leute, die das sehr wohl können und diese Messer leisten, was sie versprechen. Das sind zwar keine Professoren von einer Uni, aber wen interessiert das, wenn das Produkt leistet, was es verspricht.


    Das ist eben meine Meinung, die z. B. aus Erfahrung mit Messern aus Damast basiert.

    Juchten ich habe ja geschrieben 10 % Anteil an Eisen bei normalen Klingen, bei Hieb- und Stichwaffen bis max. 30 % vom ganzen Damastpaket. Es kommt natürlich darauf an welche Stähle man verwendet, nehme ich einen reinen Stahl mit über 1,2 % Kohlenstoff oder mehr und dazu einen Nickelstahl mit 0,75 % Kohlenstoff + 10 bis 30 % Eisen, brauche ich mir wegen Mangel an Kohlenstoff im Damast wirklich keine Gedanken machen. Was die Presse angeht, die kann man auch ganz gut als großen Hammer benutzen, ich kenne einen Schmied der hat beides. Die Presse ist aber für den Stahllaminat aus rostenden und rostträgen Stahl wichtig, aber frage mich nicht warum, das wollte man mir einfach nicht sagen. Was für mich noch Sinn macht wäre z. B. D2 Stahl für die Mitellage nehmen und an den Flanken kommt 420 Stahl drauf. Der D2 Stahl ist ein rostender Stahl, hier sind wir bei Härtetemperaturen um die 1.000 Grad Celsius, das würde für beide Stähle passen, man kann auch beide Stähle in Öl abschreicken und dann anlassen. Ich habe dann an den Flanken einen zähen rostträgen Stahl und in der Mitte einen rostenden Stahl der sehr hart ist und beim Anlassen auf 200 Grad erziele ich in der Mitellage ca. 61 HRC und an den Flanken 52 HRC und das macht in meinen Augen auf jeden Fall Sinn.


    Es gibt übrigens auch andere Kohlenstoffstähle die eine Härtetemperatur von ca. 900 Grad Celsius benötigen, da kann man dann das gleiche Spiel spielen. ;)

    Juchten du weißt doch daß man 55Si7 eigentlich nicht im Damast verschweißen kann oder? Man kann ihn aber mit Eisen verschweißen und Eisen kann man wieder mit z. B. O2 Stahl oder Nickelstahl verschweißen, diese Lagen kommen in die Mitte des Damastpaketes, man kann sich manchmal mit kleinen Tricks gut weiterhelfen, wobei ich weiß nicht ob das auch beim Laminat rostender und rostträger Stahl funktioniert aber da funktioniert dann eben was anderes, ich sag mal so, du brauchst eine gute Presse, so viel weiß ich. Das Verschweißen mit Hilfe von Eisen funktioniert auch im Carbonstahl Laminat, das weiß ich und es ist ja nicht von Nachteil, im Gegenteil, es bringt mehr Elastizität sowohl im Damast als auch im Carbonstahllaminat, nur beim Laminat kommt es eben nicht in die Mitte sondern an den Flanken.


    PS Damit jetzt niemand etwas falsch macht, bei Messern für "normale" Anwendungen wird im Damast bis zu 10 % des Gesampaketes Eisen verschweißt, bei Hieb- und Stichwaffen gehen bis zu 30 % hinein.

    Wenn mein Kwaiken aus einem Stahllaminat mit 420-er Stahl an den Flanken und 115W8 in der Mitte fertig ist, dann werde ich davon berichten wie er sich schlägt. Was den 1.4005 angeht, war nur als Beispiel gedacht, wegen dem Schwefel neben wir eben den 1.4006. Ich habe übrigens viele Messer aus Kohlenstoffstahl und keines davon ist mir je eingerostet, es kann sein daß es eine Patina bekommt oder leichten Flugrost aber den kriegt man leicht weg, richtigen Rost hatte ich bis jetzt auf keiner Klinge. Ein San Mai Laminat als moderne Form einer Hamonlinie zu bezeichnen, ich kann das irgendwie nicht in Verbindung bringen weil es nichts mit einem Hamon zu tun hat.


    Zum N 690 Böhler möchte ich noch sagen, dieser Stahl ist mit Cobalt legiert und der macht den Stahl verschleißfester, man kann auch sagen härter. Eine höhere Härte ist bei einem taktischen Messer nicht unbedingt von Vorteil weil diese Messer oft für alles mögliche herhalten müssen, weil kein passendes Werkzeug gerade in der Nähe ist, sie werden oft missbraucht. Soldaten behandeln ihre Messer ja auch nicht unbedingt mit viel Liebe. Aus den genannten Gründen würde hier ein zäher Stahl der auch eine gute Elastizität hat, bessere Dienste als der N 690 leisten, das ist aber bei einer Klingestärke von über 6 mm egal.

    Juchten es gibt Stähle wie den 1.4005, das ist ein rostträger Stahl den man nicht härten muss, er hat allerdings nur eine Härte von ca. 19 HRC aber was diese Fragen angeht die sollte man am besten Claudio Sobral stellen, der kann sicher eine bessere Antwort geben als ich. Er verwendet z. B. 420 und 1095 Stahl. Was zum San Mai noch zu sagen wäre, die japanischen Schmiede haben vieles mit diesem Stahllaminat versucht, sie haben sogar Laminate mit drei verschiedenen Stählen verwendet. Das ist aber ein sehr komplexes Thema, ich sehe nicht ein warum Cold Steel den San Mai Stahllaminat für sich beansprucht, die japanischen Schmiede machen diese Stahllaminate seit Jahrhunderten. Die Geschichte dazu passt aber nicht unbedingt in dieses Thema hinein. Es sei noch gesagt, hier hat man etwas gemacht was vor vielen Jahrhunderten machen musste, sonst wäre die Klinge der Katana, Wakizashi, Tachi etc. sehr scnell in Brüche gegangen, mit dem heutigen Stand der Technik ist so etwas vollkommen sinnlos außer man möchte eben ein Stahllaminat aus einem rostträgem und einem rostenden Stahl machen. Wie das gemacht wird, das weiß ich nicht genau aber ich weiß daß es funktioniert und die Dinger kosten einen Haufen Geld.


    Zum Shrapnel San Mai zurück, technisch ist es sinnlos aber es ist eben etwas exklusives und darum habe ich in meiner ersten Antwort geschrieben daß es für Sammler sicher interessant ist und das wäre es auch schon gewesen. Der N 690 Böhler, den ER sonst verwendet wäre für mich, bei einem taktischen Messer nicht die beste Wahl, aber bei einer Klingestärke von über 6 mm ist das dann auch egal, ich mag nur nicht unnötig viel Gewicht mit mir herumschleppen außerdem wäre man in einem Messerkampf langsam und träge.

    Das Messer würde ja auch nicht rosten denn an den Flanken nimmt man z. B. 420-er Stahl und im Kern rostenden Stahl der einiges mehr aushält als rostträger Stahl. Eigentlich müsste man von der Klinge nur die Schneidphase pflegen, denn die wäre aus Carbonstahl, ich denke das ist zu schaffen. Carbonstahl rostet nicht so schnell wie man denkt, vor allem nicht wenn man mit ihm arbeitet. Die Flanken bestehen ja auch jetzt aus 420-er Stahl aber mit 55 HRC ist das zu hoch gehärtet, so um di 50 - 52 HRC wäre meiner Meinung nach besser gewesen.

    Das ist kein neuer Stahl sondern ein Stahllaminat aus zwei verschiedenen Stählen. Das hat zwar seine Vorteile, kann aber auch ein ziemlich großer Nachteil sein.

    Für Sammler wird dieses Messer wahrscheinlich interessant sein, meine Meinung dazu, das ist völlig sinnlos. Wenn sie für die Mittellage wenigstens einen Stahl wie 1.2519 oder japanischen Aogami (Blaupapierstahl) genommen hätten ...