Juchten, ich glaube wir reden aneinander vorbei und unterstellen lasse ich mir nicht, daß ich hier, wenn man zwischen den Zeilen liest, Lügen oder Märchen erzähle. Aber ganz kurz, es ist ja schön zu wissen was in den Büchern von Technokraten steht, dem richtigen Anwender ist das aber egal, der geht raus und unterzieht seine Klingen richtigen Tests. Die Erfahrungen, die ich, sowohl mit Customs als auch mit Serienmessern gemacht habe sind, daß Vieles, was ich von Tabellen und Erklärungen erwartet habe, einfach nicht eingetroffen ist. Und wer das gemacht hat, mit dem kann ich diskutieren und der wird auch verstehen was ich meine. Es gibt Leute, die weder studiert haben, und sie sind auch nie Werkmeister gewesen aber sie wissen was man braucht um einen wunderschönen, richtigen japanischen Hamon zu zaubern und sie zaubern auch, das gilt genauso für Stahllaminate und Damast. Die sehr geschätzten Technokraten haben bis vor ein paar Jahren nicht gewusst wie man Bulat (Wootz) herstellt, also haben deutsche und russische Forscher daran gearbeitet und es eigentlich wiederentdeckt ganz einfach weil die Leute, die sicher auch guten Wootz hergestellt haben nicht schreiben konnten, aber sie wussten wie man es macht. Man könnte jetzt sagen, das braucht kein Schwein heutzutage, ich bin mir da nicht so sicher ...
Wenn ich sage, ich kenne einen Jäger der seit Jahren ein Custom Messer aus einem Stahllaminat mit Flanken aus 420 Stahl und im Kern 52100 Stahl bei der Jagd verwendet und auch sonst nicht zimperlich mit seinen Messern umgeht und das Messer hat an den Flanken nie Rost bekommen, das Messer hat sich nicht aufgelöst, dann ist das nun mal so, ob man es glaubt oder nicht ist mir nach dieser Aussage auch schon egal. Soll ich dich mit dem Mann bekannt machen, damit du das glaubst?
Noch etwas, was für dich Sinn macht, muss für mich nicht Sinn machen, ich mache keine Messer, ich schreibe keine Bücher aber ich teste sie und wenn ich sage daß der 1.2550 Stahl der beste ist, den ich bis jetzt getestet habe, dann hat das schon seine Gründe. Der 55Si7 bei meinem Eickhorn KM 5000 z. B. ist aber gar nicht gut, zumindest nicht für einen Dolch weil er eine zu hohe Elastizität hat und zwar so hoch daß sich beim Auftreffen auf einen dicken Katalog einfach nicht durchsticht, die Penetration kann man in zwei oder drei Milimeter messen. Ich habe mir den Kopf zerbrochen und überlegt, warum tut der das nicht? Ich probiere es mit mehr Kraft, na das geht gar nicht, mit weniger Kraft anscheinend besser, warum? Das Problem ist, daß sich die Klinge, wenn sie auf etwas härteres trifft, in der Mitte so verbiegt, daß da gar nichts geht. Gestern steche ich damit auf eine Tafel Holz ein, habe ich schon mit mehreren Messern gemacht, sogar mit einem FS Dolch, und bei dem Eickhorn verbiegt sich die Spitze, zwar ganz leicht, aber sie verbiegt sich. Bei keinem anderem Messer, angefangen vom Eickhorn GTK bis Customs, bis FS Dagger ist das passiert, die sind aber auch nicht aus diesem Stahl. Die Lehre für mich daraus, Elastizität ja, aber nicht zu viel, darum ist es gut wenn sich so wie beim 1.2550 Wolframkarbide gleizeitig mit ewas höherem, aber nicht zu viel so wie beim 55Si7, Siliziumgehalt in einem Stahl treffen. Genauso ist es mit der Härte, vielleicht würde man ja eine Penetration mit 55Si7 erreichen aber mit einer Härte von 53 HRC anscheinend nicht. Der 1.2550 dagegen hat alles gemeistert, er war einfach der besten Kandidat unter, sagen wir, zehn anderen aus verschiedenen Stählen, sowohl rostende als auch rostträge. Und was dann darüber in Büchern steht interessiert mich in diesem Fall echt nicht, weil ich meine eigenen Erfahrungen gemacht habe.
Es ist keine Kunst ein Messer mit einer 10 mm dicken Klinge aus 5160 Stahl, selektiv gehärtet, für alles mögliche zu missbrauchen, weil das Ding überlebt sowieso alles, aber es ist eine Kunst, ein Messer mit einer 5 mm dicken Klingen zu fertigen, welches man genauso missbrauchen kann und es überlebt auch genauso alles. Wenn wir das auf eine 15 bis 20 cm lange Klinge übertragen, wer steigt dann besser aus und wen interessiert es wie sie gemacht wurden und ob es eine Anleitung dafür in Büchern gibt oder nicht ...