Nun mal mein Senf zu den Fähigkeiten eines Outdoormessers:
Zur Begrifflichkeit: Diese ist momentan fliessend. Outdoor - dazu gehört eigentlich alles - vom Kanu über Wandern, hin zu Expeditionen in Busch und am Berg, etc...
Ich betrachte das oft genannte "Survival" als Bestandteil sämtlicher schrofferen Outdoor "Sport"arten. Survival kann man schlecht betreiben, als sich mehr einfach darauf vorzubereiten. Dies geschieht indem man Kurse besucht, sich Lektüre anschafft oder per Try and Error trainiert. Welche Lösung dabei sinnvoll ist sollte jedem klar sein.
Wer würde schon versuchen nach einer Lektüre ohne Bergerfahrung auf große Berge in den Alpen zu steigen, oder einfach mal versuchen eine (meinetwegen als leicht beschriebene) Seekayak Tour zu starten und zu sehen obs klappt oder nicht??
Es verhält sich mit Wildnis Trips in heimischen Wäldern nicht anders. Ich spreche jetzt nicht vom Stadtpark oder kleinem Wald, sondern schon im Ausmaß von Siegerland, Eifel, Venn, Schwarzwald etc. Mal von den Weiten der großen Kontinente und Ländern wie Kanada, Russland, USA, usw abgesehen.
Das Gefahrenpotential besteht bereits bei einer Winterwanderung. In meiner Gegend kommt es jedes Jahr bei stärkerem Schneefall vor, dass sich Leute bei ihrer Winterwanderung verlaufen und verzweifelt kurz vorm Exitus gefunden werden oder mit letzter Kraft heimkehren. Dies bei wirklich einfacher Umgebung und ständig kreuzenden Waldwegen und teilweise Straßen. Sie haben dann viel gelesen und konnten nicht handeln oder haben beim tryen den Error entdeckt. Es muss nicht immer ein Kurs sein. Alleine das Aufsuchen von Gleichgesinnten zum Sport hilft sehr aus Erfahrungen zu profitieren - und mag die Sache noch so einfach erscheinen...
Ich betrachte das Outdoormesser in diesem Fall mal unter dem Gesichtspunkt nördlicher Hemisphäre in bewaldetem Gebiet. Wir wollen eine längere, mehrtägige Wanderung unternehmen und mit Minimalausrüstung losziehen. Im Grunde das was viele unter dem Zusammenhang "Outdoor - Tour" verstehen. Dies könnte als Training für eine Expedition oder Trekkingtour ala Westcoast Trail, o.ä. dienen.
Nun - welches Messer nehme ich mit? Diese Frage hängt davon ab: Welches Wissen, bzw. welche Skills habe ich dabei? Man sollte sich vor allem bei Touren in größere Wildnis bewusst sein, dass das ganze kein Spiel mehr ist und dass man unter Umständen nicht einfach mal flott abbricht und zurück ins Haus geht weils kalt, nass, durstig oder hungrig wird. Ein Wetterumschwung, eine verletzte Begleitperson, plötzlich auftretende Krankheiten und viele weitere Faktoren können schnell zu ernsthaften Schwierigkeiten führen, ohne dass man sich bei seinem "Outdoor" Vorhaben eigentlich in eine "Survival" Situation begeben wollte.
Sämtliche Naturvölker legen seit jeher sehr großen Wert auf qualitativ hochwertige Messer, die Ihrem Lebensraum angepasst sind. Es wird wahnsinnig viel Zeit in deren Fertigung investiert und auch wenn diese Messer längst unter dem Standard unserer technologischen Möglichkeiten liegen, so haben sie meist doch noch mehr Zeit und Aufwand in Anspruch genommen mit dem Traum etwas zu haben wie ein GEK, Busse, Strider, Schanz oder was auch immer. Was spricht also dagegen, dass wir auch unsere Möglichkeit ausschöpfen anstatt ständig mit Argumenten zu hantieren, dass man das alles nicht braucht weil Buschmann XY das ja auch nicht hat?
Ich hab mittlerweile die Erfahrung gemacht, dass immer mehr Leute mit hochwertigen Messern unterwegs sind. Es ist nicht lange her (und da lassen sich evtl. sogar hier noch Beiträge finden), da diskutierte man, ob ein schweizer Offiziersmesser nicht reicht... Diese Zeiten sind bei den meisten vorbei. Ich habe erst kürzlich am Eifelsteig ein Grüppchen getroffen, die mit großen Messern ihre Brotzeit parat machten. Im Gespräch fiel der Begriff "für den Notfall" und "Universalwerkzeug".
Genau so sehe ich es auch. Ich gehe im Grunde nie los in der Absicht, dass mein Leben vom Messer abhängt. Aber sollte es hart auf hart kommen (und auch das hab ich mal i Val Grande erleben dürfen), dann kann ich mich auf das Teil in Verbindung mit meinen Skills verlassen.
Rüdiger Nehberg war mit Badehose und Mundharmonika mit 70 Jahren noch im fiesesten Dschungel unterwegs. Die Menschen in der Urzeit konnten mit Steinspitzen großes Wild erlegen. Ich trage ein Strider MT in ATS 34 in einer Nylon Sheath. Das Messer erfüllt meine persönliche Präferenz was die Griffergonomie angeht und erleichtert mir nen Haufen Arbeit gegenüber den beiden zuvor genannten Möglichkeiten der Ausrüstung.
Ich persönlich halte es für falsch auf Touren oder im Notfall großartig Holz zu verarbeiten und deshalb verzichte ich darauf ein Beil oder gar eine Axt oder Säge zu tragen. Das Bewegen von größerem Holz kostet Zeit, Kraft und Nerven. Ich habe Unterarm dickes Holz immer mit zwei, drei Hieben trennen können. Kerben oder definiertere Schnitte bekommt man gut per Schlagholz hin. Verarbeitung von Nahrung funktioniert damit auch. Hab mir mit diesem wenig filigranen Messer schon oft Brötchen geschmiert, Dosen aufgemacht oder Trockennahrung angerührt. Fische und Wild kann man damit auch super bearbeiten, so wie es im "Outdoorbereich" für Jäger und Angler wichtig ist, die gerne etwas abgelegener unterwegs sind. Es erfüllt die kleinen Dinge des Lebens schlechter als das optimale Tool, aber ist im Gegemsatz zu Säge, Axt, Besteck, Multitool, kleinem Messer und allerhand Krimskrams sehr kompakt und unterm Strich wieder leicht.
Ich hatte das ein oder andere Messer in der Hand und durfte damit auch arbeiten. Habe ein paar Messer selber in Besitz gehabt und lange probiert.
Mein persönlcihes Fazit aus Erfahrung:
Für bewaldetes Gebiet: ab 5 mm Klingendicke und einer Klingenlänge von 16 cm aufwärts. Flaches Griffende und Handschlaufe. Eine der Spitz zulaufenden Klingenformen. Der Rest nach Belieben.
Für die Berge: ab 5 mm Klingendicke und einer Klingenlänge bis 10 cm sind ausreichend. Ergonomischer Griff, der etwas gegen Kälte isoliert und bei tiefen Temperaturen nicht rissig oder Spröde wird. Spitz zulaufende Klingenform und Recurve Schliff. Der Rest nach persönlcihem Belieben.
Hab leider keine Zeit korrektur zu lesen, also nicht wundern wenn ich noch was ändern sollte. Bilder kommen heute Mittag!
Hier die Bilder für die, die sie noch nicht kennen:
Strider MT - hab mal gesucht und leider nur ein paar Bilder gefunden, in denen das Ding nicht einfach nur Model im Wohnzimmer spielt 
MT 1.jpg
MT 2.JPG
Funzt auch wunderbar als Kissen (ein Plus für dicke Klingen
)
MT Hutablage.JPG
Da liegts auf ner hirschdecke am Feuerchen und schläft

Schlafplätzchen.JPG
Hier noch unten am Stock bei ner Vorführung beim Stridertreffen damals bei Köln 
MT Stridertreff.jpg
Das MSC EB AC Airwing NM (wat ne Bezeichnung...) musste mittlerweile gehen... damals wars im Karwendel bei unter 20° Minus mit unterwegs.
EB AC AIRWING NM.jpg
Und mein derzeitiger Begleiter in den Bergen (obwohl mir der Griff wat kalt ist und noch gemacht werden muss
) Strider ZM
ZM Berg 1.JPG
ZM Berg.JPG
Gruß,
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