Waidblatt Waidbesteck nach Lippert und Scholz

  • Hallo Zusammen,


    ich beschäftige mich aktuell intensiv mit zwei der wohl interessantesten und seltensten Waidblätter der deutschen Jagdgeschichte und würde dazu gerne einen Austausch anstoßen.


    Es geht mir primär um das Waidblatt nach Carl Scholz sowie das Modell nach Karl-Friedrich Lippert.


    Besonders beim
    Scholz-Waidblatt interessiert mich neben der Standard-Ausführung vor allem die extrem seltene „De Luxe“-Variante. Diese zeichnet sich ja durch besondere Details aus – meines Wissens nach sind die Beschläge hier in Messing oder sogar vergoldet (möglicherweise vergoldeter Stahl oder Metall), was sie deutlich von der Norm abhebt. Das ist ein Stück, das heute kaum noch jemand kennt oder gar gesehen hat.


    Parallel dazu steht das
    Lippertsche-Waidblatt. Hier ist es für die Fachdiskussion entscheidend, zwischen den alten Originalen von Scherping aus Hannover und den späteren Fertigungen von Willi Ulrich zu unterscheiden. Ulrich hat ab etwa dem Jahr 2000 eine Kleinserie von ca. 200 Stück aufgelegt.


    Ich habe beim Recherchieren hier im Forum einen alten Beitrag von
    2010 gefunden. Dort hat der bekannte Messermacher „Juchten“ wohl mal ein Waidblatt nach dem Vorbild von Carl Scholz nachgebaut. Das Projekt klang extrem spannend, aber leider sind die damals eingestellten Bilder nach all der Zeit nicht mehr aufrufbar. Das ist sehr schade für die Dokumentation solcher Ausnahmestücke.


    Mich würde daher brennend interessieren:
    1. Wer von euch kennt diese Stücke oder hat sogar eines davon (egal ob Scholz, Scherping-Original, Ulrich-Nachbau oder gar die Juchten-Arbeit) in seinem Besitz?

    2. Hat jemand von euch so ein Waidblatt tatsächlich im aktiven Jagdbetrieb im Einsatz?
    Wie bewähren sich diese Klassiker in der harten
    Jagdpraxis?


    Ich freue mich auf eure Expertenmeinungen, Bilder (falls vorhanden!) und einen fachlichen Austausch.


    Waidmannsheil!

  • Bivonese

    Hat den Titel des Themas von „Waidblatt Waidbestek nach Lippert und Scholz“ zu „Waidblatt Waidbesteck nach Lippert und Scholz“ geändert.
  • Guten Morgen!


    Juchten ist ja selbst Mitglied im Forum, vielleicht hat er ja dazu was zu sagen, er hat wohl mit die meiste Expertise und auch sehr brauchbare Waidblätter gefertigt.

    Ich habe die selbst nicht, kann daher zu Deinen Differenzierungen wenig beitragen.


    Zur Praxis allerdings: Ich keine wenig Jäger, die ein Waidblatt führen und es werden auch immer weniger. Die Waidblätter wurden durch modernere Designs abgelöst. Sinn des Waidblatts war ja auch, ein vielfältiges Werkzeug bei langem Pirschen am Mann zu haben. Der moderne Jäger ist aber oft nicht mehr lang zu Fuß unterwegs und hat nur das Werkzeug am Gürtel, sondern vielfältiges Werkzeug im Auto. Der Bedarf am "Standhauer" ist daher wohl nicht mehr so groß und Scrama Sax, Hippe und Klappsäge mindestens ebenso praktisch und deutlich günstiger.


    Beim zweiten Nutzen als Abfangmesser wurde das Waidblatt wohl durch die Kurzwaffe abgelöst, die das auch besser erledigt. Das war zu Zeiten der Einführung des Waidblatts auch nicht gegeben. Und auch da gibt es jetzt bessere Designs und geeignetere Blankwaffen.

    Mir langt's, dass i woaß, dass i kannt, wenn i woin dad.

  • Interessante Zusammenfassung, danke dafür! Ich sehe das ziemlich ähnlich wie du, möchte aber zwei Punkte aufgreifen, um die Diskussion vielleicht ein bisschen anzustacheln.

    Du hast recht, dass die Kurzwaffe das Abfangen oft übernommen hat. Aber ist es nicht auch eine Frage der Stilistik? Wer eine Kurzwaffe führt, muss sie sicher beherrschen und führen dürfen. Das Waidblatt am Riemen ist in manchen Situationen – gerade bei Nachsuchen im dichten Bestand – vielleicht sogar die lautlosere und sicherere Variante, wenn man es denn beherrscht.

    Dass Waidblätter seltener genutzt werden, stimmt natürlich. Aber gerade die Tatsache, dass es weniger werden, macht sie für mich als Liebhaberstücke umso wertvoller. Vielleicht sollten wir sie nicht als 'veraltet' bezeichnen, sondern als spezialisiertes Kulturgut.

    Was meint ihr anderen dazu? Ist das Waidblatt wirklich nur noch ein Stück Stahl für die Vitrine, oder hat es in bestimmten Ecken der Jagd noch seine absolute Berechtigung?

  • Danke für die schöne Beschreibung. Ich bin auch Jäger und kenne keinen der ein Waidblatt benutzt. Mein Onkel besitzt eines, aber nur für seine Sammlung und führt es nicht bei der Jagd. Die Gründe hat Haglbuachan gut beschrieben.


    Auch sehe ich die Klingenform des Waidblattes für das abfangen nur bedingt geeignet. Wir hatten hier vor kurzem eine Diskussion und dort dominierte doch das Abfangmesser bzw. der Saufänger.


    Trotzdem finde ich diese Messer interessant und haben mich schon immer fasziniert. Ich habe früher schon immer die Puma Waidblätter als Jugendlicher im Katalog bewundert.

  • Das Waidblatt war halt auch nicht als spezialisiertes Werkzeug, sondern als Allrounder und Werkzeug für alles gedacht. Zum Abfangen kann ich mir wahrlich besseres vorstellen und da gibt es ja mittlerweile auch eine große Auswahl an besseren.


    Auch wenn die Arbeit mit der kalten Waffe, insbesondere bei den beschrieben Situationen durchaus seine Berechtigung hat: Am meisten wird der kalte Stahl vom Nachsucheführern genutzt. Und da kenne ich zwar einige, aber keinen der ein Waidblatt führt.

    Mir langt's, dass i woaß, dass i kannt, wenn i woin dad.

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