Review: Victorinox Climber – Der vielseitige Allrounder unter den Schweizer Offiziersmessern
Das Victorinox Climber ist eines der bekanntesten und meistgenutzten Modelle der 91‑mm‑Klasse von Victorinox.
Mit 14 (offiziellen) Funktionen, darunter eine praktische Schere, bietet es ein hervorragendes Preis‑Leistungs‑Verhältnis (derzeit knapp unter 30€) für Alltag, Reise und leichtes Outdoor.
Technische Daten & Ausstattung
Das Climber gehört zur klassischen 91‑mm‑Offiziersmesser‑Baureihe und ist in der Standardversion wie folgt ausgestattet:
Abmessungen (geschlossen): 91 × 26 × 18 mm (L × B × H
Gewicht: ca. 82 g (Cellidor‑Griffschalen)
Klingenlänge: ca. 65 mm (große Klinge)
Material: Wie bei Victorinox üblich, Rostfreier 1.4110‑Edelstahl, Cellidor‑Kunststoffgriff
Funktionen: 14 (wobei der Phantasie keine Grenzen gesetzt sind, wie man hier im Thread "Wie habt ihr euer SAK heute benutzt" anschaulich dargestellt wird)
Werkzeuge im Detail:
Große Klinge, Kleine Klinge, Dosenöffner mit 3‑mm‑Schraubendreher, Flaschenöffner mit 6‑mm‑Schraubendreher und Drahtabisolierer, Korkenzieher, Stech‑, Bohr‑ und Nähahle, Schere, Mehrzweckhaken, Pinzette, Zahnstocher, Schlüsselring
Im Regelfall werden meine Tools dann von mir noch durch den Mini-Schraubendreher im Korkenzieher und die Nadel darunter erweitert, beides kommt nicht serienmässig.
Die Schere (in der aktuellen Version samt Haken) ist das entscheidende Upgrade gegenüber dem sonst baugleichen Spartan und macht das Climber im Alltag deutlich flexibler – etwa beim Öffnen von Verpackungen, Kürzen von Schnüren oder Schneiden von Stoff. Von Nagelpflege mal ganz abgesehen.
Kommen wir zur Praxisbewertung:
Stärken
Urbane Vielseitigkeit: Die Kombination aus zwei Klingen, Schere, Öffnern und Ahle deckt die meisten Alltags‑ und Reisesituationen ab.
Kompaktheit: Mit 91 mm Länge und 82 g passt es gut in Hosentasche, Rucksack oder Handgepäck. Dank der "nur" drei Lagen trägt es auch nicht zu sehr auf.
Verarbeitung: Typisch Victorinox – präzise gefederte Werkzeuge, gute Kantenführung und langlebiger Klappmechanismus. Fast schon Langweilig das extra zu erwähnen, aber Konsistenz bei dem Volumne, Hut ab, das kann längst nicht jeder.
Preis: Im regulären Handel derzeit meist zwischen 30 und max. 40 € erhältlich – ein faires Angebot für die gebotene Funktionsvielfalt. Mein letztes habe ich vor zwei Wochen beim großen Fluss für 27€ erwischt.
Schwächen
SAK-üblich kein Pocket‑Clip und keine Einhandöffnung: Für Nutzer, die das Messer häufig schnell einhändig öffnen wollen (z. B. beim Wandern mit Handschuhen), ist das ein Nachteil gegenüber modernen EDC‑Messern. Im Zubehörhandel gibt es hier mittlerweile aber funktionierende Lösungen.
Griffdicke: Durch die drei Lagen wirkt das Climber etwas dicker als ein Spartan – für Minimalisten die sonst zum Compact greifen ggf. zu wuchtig.
Geschichte des Modells
Die Werkzeugkonfiguration des Climber existiert bereits sehr früh in der Victorinox‑Produktion, lange bevor der Name „Climber“ als feste Modellbezeichnung etabliert wurde.
Ursprung: Die Kombination aus großer und kleiner Klinge, Schere, Dosen‑ und Flaschenöffner sowie Korkenzieher findet sich bereits um 1903 im Victorinox‑Katalog als Modell 235.
Namensgebung: Erst später wurde diese Konfiguration systematisch als Climber vermarktet. Bis in die 1970er‑Jahre war das 91‑mm‑Climber im Katalog vergleichsweise selten; stattdessen war das kleinere 84‑mm‑Climber Small populärer.
Referenznummern: Historisch trägt das Climber die Victorinox‑Referenz 235, mit Varianten wie 235a (mit Zahnstocher und Pinzette), 235U (mit Schlüsselring/Bügel) und 235aU.
Bekannte Varianten und Sondereditionen
Hier wird es unübersichtlich, sagen wir, dass das Climber in sehr zahlreichen Ausführungen produziert wurde und wird– von Standardfarben bis zu gesuchten Limited Editions.
Standardvarianten
Cellidor‑Griffschalen in klassischem Rot (1.3703), Schwarz (1.3703.3), Blau, Transparentblau, Transparentrot, Grün u. v. m.
Wood‑Varianten mit Holzgriffschalen (z. B. Ebony, Walnut) für eine edlere Optik.
Limited Editions (Auswahl)
Climber Damascus 2011: Limitiert auf 4.000 Stück, mit Damastklinge und Ebony‑Holzgriffschalen; teilweise ohne Pinzette/Zahnstocher.
125‑Jahre‑Edition (2009): Sondergravur und spezielle Verpackung zum Firmenjubiläum.
Weitere Sondermodelle: „Place To Be“, „Wood for You“, Weihnachts‑Editionen („White Christmas“), „Peking Opera“, „Stay Glow“ und andere farbige oder thematische Varianten.
Verwandte Modellnamen
Je nach Markt und Ausstattung wurde die gleiche Werkzeugkonfiguration auch unter anderen Namen verkauft:
Traveller: Variante ohne Schlüsselring (Bügel), dokumentiert ab den späten 1960ern.
President: Bezeichnung vor allem für den US‑Markt.
Backpacker: Regionaler Alternativname für dieselbe Grundkonfiguration.
Fazit
Das Victorinox Climber ist ein nach Jahrzehnten ausgereifter, robuster Allrounder, der besonders durch die Schere im Alltag überzeugt. Für EDC, Reise und leichtes Outdoor bietet es eine hervorragende Balance aus Funktionsumfang, Größe und Preis. Wer häufig einhändig öffnen oder einen Pocket‑Clip braucht, sollte alternativ zu modernen 111er Liner‑Lock‑Modellen greifen – für alle anderen ist das Climber nach wie vor eine der sinnvollsten 91‑mm‑Optionen im Victorinox‑Sortiment.