Beiträge von Micha M.

    Der erste direkte Kontakt mit dem Messer – bei einer Besprechung bei den „Eickhörnern“ – bestätigte und verstärkte sofort diesen Eindruck, ergänzte ihn aber um einen Aspekt, der sowohl unter dem Gesichtspunkt der Sozialakzeptanz als auch dem der leidigen rechtlichen Bewertung von Messern äußerst positiv zu wirken versprach:


    Während das tigergestreifte „Yoroi Doshi“ bei gleicher Klingenlänge aufgrund seiner rückenscharfen Spitze erstens eine Hieb- und Stoßwaffe ist und zweitens bei der Benutzung im Biergarten auch schon mal nervöse Nachbarsblicke auslösen kann, ist das „Hunter“ sowohl nach seiner technischen Gestaltung (mit der jagdlich begründeten Kehlung z.B.) als auch insbesondere nach der rechtlich besonders relevanten Hersteller-Zweckbestimmung als Gebrauchsgegenstand (Jagdmesser) eine „Nicht-Waffe“ mit Ausrufezeichen.


    So wird es auch beworben, das IST schließlich auch der Zweck des Entwurfs – und wird durch augenfällige Details wie das erhabene Eichenlaub auf der äußeren Griffschale auch dem unkundigsten oder eifrigsten Zeitgenossen mit und ohne „Ermittlungspersonenstatus“ so deutlich wie möglich präsentiert. Dabei bleibt die Klingenlänge praktischerweise (knapp) unter den berüchtigten „12 cm“ (im Unterschied leider zum Smersh 3…), so daß das „Hunter“ weder als Hieb- und Stoßwaffe noch aufgrund „zu großer“ Klingenlänge den Tragebeschränkungen des 42 a unterfällt (…meine Meinung dazu setze ich als bekannt voraus…).




    (...hier noch einmal mit "Yoroi Doshi" und "Smersh 3", siehe auch Post 1)



    Andererseits legen die obigen Vergleichsbilder die Einschätzung nahe, daß es kaum etwas an Anwendungen gibt, die das „Hunter“ im Gegensatz zu den beiden „Vergleichsmodellen“ nicht leisten könnte.


    Der Riesenunterschied ist, wie gesagt, neben der rechtlichen Einstufung nicht die Funktionalität, sondern die Optik: Mit seiner auf Anhieb erkennbaren jagdlichen Ausrichtung, dem edlen Erscheinungsbild, einer Gestaltung in einer gelungenen Synthese zwischen traditionellen Gestaltungselementen und moderner Ausführung, mit optisch wie funktional einfach hochwertig und interessant wirkenden Details wie dem dreidimensional gefrästen Griff und insbesondere der ausgeprägten Kehlung sieht das Messer in seiner „untaktischen“ Lederscheide sehr gut und attraktiv aus. Es wirkt dabei offenbar auch auf „messerunkundige Dritte“ viel unbedrohlicher als meine normale „Hardware“. Das hat sich später übrigens auch so vollauf bestätigt, wie die anderen obigen Überlegungen auch…




    (Brotzeit auf den Rabenklippen, Harz - absolut "biergartentauglich" erregt das "Hunter" zwar Neugier, aber kein Mißtrauen...)


    Keine Sorge, ich habe durchaus nicht meinen Leidenschaften abgeschworen – finde es aber durchaus praktisch, für Gelegenheiten wie das offene Tragen bei einer Wanderung mit anschließendem Biergartenbesuch oder für andere private Verwendungen in einer „empfindlicheren“ sozialen Umgebung AUCH ein leistungsfähiges Fixed zur Verfügung zu haben, das weder Zucken noch Fragen auslöst, außer vielleicht der Frage, ob man sich dieses schöne Messer vielleicht einmal anschauen dürfe. Aus ähnlichen Gründen habe ich ja auch Folder wie das große Fox Forest 577 in meinen Bestand aufgenommen. Nach meiner Einschätzung wird es viele zivile Anwender geben, die diese Kombination aus Leistungsfähigkeit und Sozialakzeptanz ebenfalls zu schätzen wissen werden.




    ("Hunter" mit Fox Forest 577, einem großen nostalgischen Folder mit Bowie-Klinge)


    So also kam es, daß ich mich – obschon selbst kein Jäger – in ein erklärtes Jagdmesser „verguckt“ und mich gefragt habe, wie es sich denn – abseits der „Primäranwendung“ im jagdlichen Bereich als EDC machen würde. Darüber hinaus würde sich eine Eignung für MEINEN primären Interessenbereich dann auch schnell durch einen Direktvergleich mit Messern wie den obigen ergeben, und natürlich aus der Führigkeit und Stabilität des „Hunter“…



    Noch in der Entwurfsphase hat Tony Lennartz mir freundlicherweise Zeichnungen des „Hunter“ gezeigt und mir einzelne Erwägungen erläutert, die in die Detailgestaltung dieses Messers eingeflossen sind. Aus zwei Gründen hat mich die Sache sofort interessiert:


    Erstens habe ich Tonys Akribie in der Detailgestaltung und das beispielhafte Einfließen seiner jahrzehntelangen Anwendererfahrungen in seine Entwürfe ja schon bei der Unterstützung für ihn im GTK-Projekt kennenlernen dürfen. Und meine „Ansprüche“ sind da keineswegs niedrig, da ich mir selbst ja bei der Teilnahme an solchen Projekten (z.B. den Raptoren, der OR-Serie und dem Tiger von Martin von BS) auch schon Mühe gebe, jedes Gestaltungsdetail möglichst funktional zu optimieren.


    Zweitens: Der Entwurf selbst, das schlanke handliche Messer, „hatte einfach was“….
    Ein Full-Tang-Messer mit 5 mm Klingenstärke und halbhohem Flachschliff ließ ausreichende Robustheit auch für meinen Geschmack erhoffen – dabei wirkte das Messer aber selbst auf den Abbildungen dank seiner schlanken Maße und seiner kompakten Größe sehr führig und „schnell“.


    Interessanterweise ähnelt es in seinen Abmessungen und dem „Grundtyp“ der schlanken Form mit kleinem Parierelement (PE) bei stabiler Gestaltung erstaunlich dem „Yoroi Doshi“, das Martin von Blade Systems vor etwa anderthalb Jahren für mich als Stiefelmesser gebaut hat.



    (...hier mit BS "Yoroi Doshi")


    Außerdem bin ich in der Zeit des „Erstkontakts“ mit dem „Hunter“ auch gerade mit dem Smersh 3 des russischen Herstellers NOKS probeweise umgegangen, einem modernen Einsatzmesser, das jedoch in der Form traditioneller nordischer/skandinavischer Messer gestaltet ist und das mich bei der Erprobung (und übrigens auch im weiteren Gebrauch) sehr befriedigt hat.



    (...hier mit NOKS "Smersh 3")



    Daher verwundert es sicher nicht, daß das „Hunter“ für mich sofort Assoziationen zu nordischen / russischen Messern erzeugte



    (von oben: Peltonen Sissipuukko M 95, "Hunter", NOKS "Smersh 3", Fällkniven F1, Lindblom 5000)

    Sehr schönes Messer.


    Mich erinnert die Klingenform neben Jordan und Robert Parrish allerdings in ihrer hohen, wuchtigen Form auch an Farid Mehr.


    Ist eine sehr gelungene Verbindung der eher modern und technisch wirkenden Klinge mit dem Lederscheibengriff geworden.


    Es ist erstaunlich, daß das Messer trotz der wuchtigen Klinge relativ geringe Vorderlast hat - bei dem Gewicht unter 500 g wird es trotz der beeindruckenden Maße sehr handlich bleiben.


    Übrigens auch sehr angenehm, daß Du Daten wie das Gewicht und den Balancepunkt mit eingestellt hast, zumindest mir hilft das, mir das Messer besser vorstellen zu können.


    Gratuliere zu dem sehr gelungenen Entwurf und der ausgezeichneten Umsetzung - toller Einstand! :thumbup:

    Nee, Miesepeter sicher nicht :)


    Hätte ich Matthias' Vorstellung langweilig gefunden, wär ich gar nicht bis zu der Stelle mit dem Aufklappen gekommen :) - und ne Menge dieser Videos schau ich mir ohnehin nur an, um eine Gefühl für die Proportionen des Messers zu bekommen und "verzichte" auf den aus dem Off gesprochenen Kommentar, bei dem einen oder anderen Nachwuchsfachmann ist das besser so.


    Bei Matthias fand ich die Kommentierung in ihrer lässigen, aber zweifellos kundigen Art aber wirklich gelungen und hab Spaß daran gehabt.


    Aber das mit dem einhändig geöffneten "Nicht-Einhandmesser" konnte ich mir eben nicht verkneifen :)

    Danke für das Review, hat mir auf seine gelassene Art echt gefallen!


    Lustigerweise war ich gestern noch auf Müllers HP, um mir mal die Fixed aus S90V anzusehen.
    Falls man das Material einfach einmal wegen der ja allgemein hochgelobten Schnitthaltigkeit und Schärfbarkeit des "Superstahls" selbst erproben will, ist aber so ein Folder eindeutig die günstigere Möglichkeit. Ist wirklich ein Hammerpreis!


    EINEN muß ich Dir aber "mitgeben": Das Messer gekonnt-lässig mit einer Hand aufzuklappen, von einer Bedienung "wie ein Einhandmesser" zu sprechen und dann zu konstatieren, das Teil sei 42a-konform, ist schon ziemlich "mutig" :)


    Es wäre sicher für viele Interessierte sehr wertvoll, wenn Du mal nach einiger Anwendungszeit etwas über Deine Erfahrungen mit der Schärfe und insbesondere der Schnitthaltigkeit nachberichten könntest!


    Ein Messer aus Solinger Fertigung für relativ kleines Geld, ohne Nachlässigkeiten sauber gearbeitet, RICHTIG scharf ausgeliefert und in einer Scheide, die sowohl zum Modell als auch eben dem Messer paßt und ebenso ansprechend verarbeitet ist wie das Messer?.......


    Ja, zuweilen gibt es das noch - so auch hier: Linder Mark 1, Lederscheibengriff, 12 rattenscharfe cm einer viereinhalb mm starken 440C-Klinge, Knauf und PE aus Edelstahl, Scheide aus mehr als 3 mm starkem Leder.


    Hab mir das Messer schon länger "ausgeguckt" und z.B. auch von Interessenfreund "jackknife" in puncto Schneidleistung gern empfehlen lassen. Wird nun in die Gruppe meiner "Wandermesser" aufgenommen (offen gut tragbare, 42a-konforme Messer mit guter Sozialakzeptanz) und leistet dort z.B. meinem FK F1, Lennartz/Eickhorn "Hunter" und dem von BS mit neuem Griff versehenen (und dadurch praktischerweise 42a-konform gewordenen) Buck Kalinga Gesellschaft....


    Das ist doch prima geworden, gefällt mir ebenfalls richtig gut :thumbup:


    Der Griff ist sehr gut gelungen, die "Kerben" im Micarta setzen einen wirklich interessanten Akzent.


    Die hohe, wuchtige Klinge erinnert mich funktional an mein BS "Recon Bulldog" - da hast Du also ein "großes Messer" mit kompakten Maßen gebaut....


    Wenn die anderen Messer, die Du gebaut hast, ähnlich interessant aussehen, ist es aber sträflich, daß Du uns die noch nicht gezeigt hast!


    Ich seh in dem Messer übrigens auch keine 1:1-Kopie, und es ehrt doch die "Vorbilder", wenn man ihren Einfluß auf Deinen Entwurf in manchen Details erkennt, mal ganz abgesehen davon, daß es sich ja eh um ein Einzelstück für Deinen eigenen Gebrauch handelt.....

    Eine wunderschöne Arbeit!


    Es geht mir wie Chris 77: Ich könnte mir für die Ausführung dieses Entwurfs gar keinen passenderen "Macher" vorstellen. Ich gestehe gern, daß ich den von "Beisser" initiierten Bilderthread mit Messern von Roman wirklich genieße!


    Aber ich find's auch verdienstvoll von Raban, uns durch dieses Projekt diese alte Konzeption vorgestellt zu haben. Ich kannte dieses Modell bislang nicht - und ziehe natürlich ebenso Parallelen zum genannten "Tracker", sehe aber auch interessante Bezüge zu Khukris oder zu großen Recurves/Bolos wie etwa dem "Cutlass".

    ....wobei ja nichts dagegen spricht, diese Orientierung, mit der Du selbst ja sehr gut klarkommst, intern beizubehalten. So hast Du sozusagen eine etwas formalisierte Übersicht für Dich selbst, in welchen Bereichen die Messer Stärken und Schwächen aufweisen, prüfst systematisch die einzelnen Bereiche ab - mußt aber andererseits so komplizierte Dinge wie eine komplette "Disqualifizierung" aufgrund gravierender Mängel in einem eigentlich nur mit einem oder zwei Punkten bewerteten Teilbereich nicht erklären oder gar in einem Regelwerk ausformulieren.


    Außerdem sprichst Du ja im Test ohnehin festgestellte Schwächen an oder stellst besondere Eignung in Einzelbereichen auch so nachvollziehbar heraus.


    Mir gefällt das Ergebnis absolut: Ein internes Orientierungssystem, das eine wirklich systematische Prüfung unterstützt - und eine individuelle Vermittlung Deines Gesamteindrucks, Deiner Bewertung, in einem abschließenden Kommentar mit einer "Gesamtnote". Vor allem aber sehr informative Gebrauchstests in diversen Einzelbereichen, die man sehr gut nachvollziehen und sich sozusagen auch selbst ein Bild machen kann.

    Das ist ja traumhaft geworden! Glückwunsch, Jörn - da hast Du doch etwas bekommen, das perfekt zu Dir paßt!


    Und natürlich Kompliment an Roman - da könnte ich mich aber nur noch wiederholen, wir haben hier ja schon mit dem Hauer von Bootsmann und meinem Entermesser ähnlich tolle "Großkaliber" gesehen.


    Vielleicht kriegen wir es ja doch noch hin, alle mal mit diesen Messern zusammenzukommen - was das für ein Bild wäre!

    Chris 77: Das mit dem "Feuerschlagmesser" hast Du aber ganz eindeutig mißverstanden.....:)


    Rasierschärfe "Out of the Box": Kommt aufs Messer an. Bei einem Feldmesser stimme ich Dir sofort zu, bei nem Messer wie dem kleinen rattenscharfen Enyo oder nem SOG Pentagon sollte das aber schon gegeben sein (war es auch...). Auch hier bringt eben die Verallgemeinerung wenig, da hast Du absolut recht.

    Sorry, aber ich glaube nicht an ein starres Punktesystem.
    Du vergibst z.B. für Stabilität der Klinge einen von 12 Punkten - denk mal an Deinen letzten Einsatzmessertest mit dem DV....11 von 12? Und was sagt das dann?


    Auch bei den 2 Punkten für die Scheide hab ich so meine "Bauchschmerzen": Ist ein Messer ansonsten klasse und liegt preislich in einem sehr attraktiven Bereich (bei dem zu den Mitbewerbern mit ähnlichen Leistungen auch noch "Luft" für ne Custom-Kydex ist), fällt eine suboptimale Scheide viel weniger ins Gewicht als bei einem Messer, das meinetwegen preislich gleichauf mit seinen Konkurrenten auf der Wunschliste liegt und dann noch nen Fünfziger Zusatzinvestition für ne gute Scheide erfordert. Abgesehen davon halte ich den Unterschied zwischen einer Scheide, die "na ja, so ziemlicher Durchschnitt" meinetwegen mit einem Punkt bewertet wird, und einem Messer mit einer ganz ausgezeichneten Scheide für bedeutsamer als die effektiven 8 Prozent vom Gesamtergebnis....


    Auch dieser Punkt für das Preis-Leistungs-Verhältnis ist ja nicht ganz unproblematisch. Für ein Messer wende ich das auf, was es mir wert ist. Liegt der Preis in diesem Bereich, kaufe ich es, liegt er darüber,kaufe ich es nicht. 8 Prozent Bedeutung?


    Ebenso die Punkte für den Griff: Da schreibst Du selbst sehr zutreffend vom Vorrang einer funktionalen Lösung und findest ein perfektes Beispiel (...die Machete im Kumpel....) - und dann ist ein Ergebnis möglich, bei dem ein Messer mit einem VÖLLIG ungeeigneten Griff 9 von 12 Punkten erzielen kann? Andererseits: Hast Du ein ansonsten "perfektes" Messer zu günstigem Preis gefunden, das sonst allein wegen des zu glatten aufgeschraubten Griffs "ausscheiden" würde, wäre ja ein Schalenwechsel eine denkbare Alternative.


    Du schaust Dir die Messer in Deinen Erprobungen sehr differenziert an, arbeitest sehr systematisch die Stärken und Schwachpunkte innerhalb Deines Anwendungsspektrums aus - das bringt MIR viel detailliertere und wertvollere Information als jedes Punktesystem.

    Ach, "taktisch" - "untaktisch".....Stell Dir den Skinner mal ohne Gravur, mit satinierter Klinge und mit G10-Griff vor - und mit der Erklärung, die Mulde sei (etwa wie bei den Strider-Trisula-Modellen, um mal was ganz unwzweifelhaft Taktisches zu nehmen) für Techniken wie "Trapping" gemacht.


    Tatsächlich war das m e i n e erste Assoziation, als ich das tolle Messer gesehen habe.


    Aber auch wenn das wohl eher NICHT der tatsächliche Verwendungszweck ist, beglückwünsche ich Dich zu dem ausgesprochen schönen Stück und zur Vorstellung des Messermachers (der ja übrigens auch phantastische große Fighter baut...) hier im TF.