Das Kari ist inzwischen bei mir eingetroffen - und ich kann BFGs Enttäuschung gut verstehen.
Das Messer ist von seiner Gestaltung her eindeutig ein großes Camp Knife und sollte von seinem Anwendungsspektrum her auf jeden Fall über jagdliche Anwendungen als Hirsch- oder Saufänger hinaus auch alle bei der Revierpflege oder eben im Campbereich anfallenden, auch robusteren, Hackarbeiten bewältigen können. Sonst würde allein schon der lange Griff mit der hinteren Verbreiterung (nach unten) keinen Sinn machen, der gerade beim Hacken eine weit hintere relativ lockere Haltung ermöglicht, die für das Hacken besonders günstig ist.
Die ja gerade mal halbhoch angeschliffene 6 mm starke Klinge wirkt im Ersteindruck auch stabil wie eine Eisenbahnschiene. Ich hab ja ne ganze Reihe viertelzollstarker Zehnzöller in diversen Erprobungen und im Bestand gehabt - das Kanetsune wirkt in keinem äußerlich festzustellenden Verarbeitungsdetail weniger robust als ein Ontario oder Becker - eher im Gegenteil.
Der Erl ist breiter als bei den SpecPlus-Modellen und reicht in dieser Breite durch den halben Griff, am PE hat er eine beträchtliche Breite, auch der rustikale Eichholzgriff wirkt vertrauenerweckend stabil und belastbar.
Bei der Klinge bleibt durch Anschliff und Gesamtstärke deutlich mehr Material stehen als bei meinem Becker BK9, geschweige denn meinem Paragon Harley Battle Bowie mit seiner Rückenschneide bzw. Schor.
Und doch zeigt das Messer - selbst nach dem Richten durch BFG - noch immer eine deutliche Biegung der Klinge (obwohl ich ja sonst bei Feinheiten eher nicht so pingelig bin), die in einem erheblichen Mißverhältnis zu den Belastungen steht, denen das Messer in BFGs Test ausgesetzt war. Wie muß das VOR dem Richten ausgesehen haben...
Dafür hat das Messer - falls nicht von BFG zwischenzeitlich nachgeschärft - beachtlich seine Schärfe gehalten. Die Stabilität der Schneide, die keine Ausbrüche aufweist, übrigens auch keine sichtbaren Schäden im am Rücken gebogenen Bereich, übertrifft die des Klingenkörpers offenbar deutlich.
Bislang irritiert mich der Eindruck und das krasse Mißverhältnis zwischen Dimensionierung und faktischer Belastbarkeit erheblich: Gestaltet man ein Messer in dieser Form, muß es Härteres ertragen können als ein wenig Hacken - will man eine große reine "Schneidmaschine", bedarf es keiner Viertelzollklinge. Die bleibende Verformung bei dieser noch ganz regulären Belastung ist auch kein Zeichen erstrebenswerter Elastizität, die ganze Gestaltung ist nach meinem Ersteindruck einfach zu weich.
In den nächsten Tagen werde ich mich weiter mit dem Messer beschäftigen und danke - bei diesen bedenklichen ersten Erfahrungen besonders - BFG für sein Vertrauen. An einem Stück kommt's sicher zurück, aber hoffentlich nicht als Banane ![]()