Geronimo hat sich - wie zugesagt - sofort darum gekümmert, daß ich das Messer für einen eigenen Eindruck und vielleicht ein paar Bilder und ergänzende Angaben bekomme.
Tjaaa, da ist er also nun, der Titanen-Schaufelschwert-Vierzöller, und ich möchte schnell mit einem Punkt anfangen, der mir n i c h t gefällt: Die Farbe ist wirklich nicht meins, passt allerdings zu Jagd-Sachen sicher ebenso wie in ein urbanes Umfeld. Ausgesucht hätte ich mir selbst was anderes....Und das hab ich hier schnell mal angebracht, weil es wirklich das einzige ist, das mir an dem Ding auf Anhieb n i c h t gefallen hat - alles andere ist sichtlich genau das richtige für den alten Micha, vom Ersteindruck her 

Fangen wir mal zum Größenvergleich und einem Blick auf Formen und ein paar Gestaltungsdetails mit einem Treffen von 2 "Ultras" an:
4-Max und Juchten "M1"

Beides äußerst stabil gebaut und neudeutsch "overbuilt", das Juchten mit immerhin 8 mm Klingenstärke, da hält nicht mal das 4-Max mit, wirkt aber auch mit seinen 5 wegen der mächtig hohen Klinge und dem felsenharten Tri-Ad-Lock subjektiv nicht weniger ultrarobust, eben im Rahmen dessen, was man da aus einem Folder herausholen kann...
Das Messer wirkt ohnehin mit seiner Wuchtigkeit und der ohne jedes fühlbare Spiel auch bei heftigen Ruckelversuchen im Griff ruhenden Klinge subjektiv eher wie ein Fixed.
"Kraftclub" - große Folder (ab 4 Zoll bis 5.5 beim CS Rawles Voyager....)

Oben Cherusker LLC Magnum, ebenfalls vierzöllig und mit seinem Puzzle Lock (der ja eigentlich "auch nur" ein anders herum - nämlich oben - eingebauter Liner Lock ist) und seinen Stahlplatinen auch erstaunlich stabil
Links CS Rawles Voyager, wie gesagt 5.5-zöllig und mit seinen Stahlplatinen und dem G10-Griff deutlich stabiler als die ersten Voyager vor 20 Jahren, deren Griff sich noch ein wenig verdrehen ließ. Dazu Tri-Ad-Lock wie beim 4-Max. Wer jemals ein großes Voyager in Betracht gezogen hat, hätte beim Rawles zuschlagen sollen - ich habs nie bereut.
Dann das ER Nemesis - mein häufigster Einsatzfolder seit vielen Jahren, so sieht er ja jetzt auch aus....aber nur die Oberfläche ist ein wenig "abgenudelt", ansonsten ist das Ding mit seinem Alurahmen und dem Backlock mit optionaler Zusatzsperre für mich bislang die sprichwörtliche Folder-Robustheit und hat sich bislang immer bestens bewährt.
Rechts von oben:
Fox Forest 577PW, das große Modell mit 11cm-Klinge und Backlock. Für ein "normales" Taschenmesser ebenfalls sehr stabil, wenn auch, als einziger Vertreter hier, mit dem leichten horizontalen Klingenspiel, das früher für Backlocks als charakteristisch galt. Subjektiv aber auch eher ein "Falt-Fixed"
CS 4-Max, vierzöllig mit hoher Klinge (anderthalb Zoll messe ich da, für die Freunde des "Royal mit Käse" und natürlich für Buchs sind das so ca. 38 mm...), Tri-Ad-Lock mit einem Klingenspiel wie das Schwert im Hermannsdenkmal, großer sicherer Griff, dazu später...Es passt in die Runde
Und - durchaus eine Ehre für jedes Messer, das als robuster Folder antritt - das Gerber Parabellum, das für mich einer der besten Heavy-Duty-Folder ist, nach wie vor - und von dem ich nie begreifen werde, warum man je die Produktion davon einstellen konnte....
Bei den Direktvergleichen fangen wir mal mit einem sehr verbreiteten Messer an: CRKT M16-14, hier noch aus einer der ersten hier erhältlichen Auslieferungen, noch ohne Lawks....mein erster "teurer" Folder :)...und noch immer "im Dienst" und mich nie enttäuschend auch ohne IKBS, Keramik oder Hyper-Stahl :). Auch ein Vierzöller und früher auch als "wuchtig" wahrgenommen gegen viele andere damals übliche Folder. Heute gegen das 4-Max zwar nicht anorexisch, aber schon schlank 

Und hier dann noch mal mit dem Parabellum, ein direkter Vergleich zeigt einige Parallelen, sowohl in der Klingenstärke als auch - ähnlich, nicht gleich - in der Klingenhöhe, die dem im Fixed-Vergleich kurzen Messer einige Wucht mitgibt, der Klinge Wirkung und dem Anschliff genug Höhe, um auch bei mehr als 3/16 Stärke....guuuuut, etwa 5 mm.....genug Schneidfreudigkeit bei gleichzeitig großer Stabilität der Klinge. Und beim Griff erkennt man Parallelen im Volumen und vor allem der tiefen Zeigefingermulde und dem davorliegenden unteren Handschutz. Das gibt auch im robusten Gebrauch eine sichere Handlage. Im militärischen Bereich wird extremer Wert darauf gelegt, daß sich die Kräfte nicht bei Werkzeuganwendungen vermeidbar mit einem Messer die Hand verletzen können, weil sowas schnell aus einem Schützen einen zu versorgenden Kranken macht, der mitgeschleppt werden muss....Aber es ist sicher auch im Privatgebrauch absolut vorzuziehen, sich auch im Stress, bei Ermüdung oder einfach auch "nur" bei harter, kraftvoller Anwendung so eine Klinge nicht innen über die Finger zu ziehen....:)
Die Ähnlichkeiten der beiden Messer, bei denen man sich sicher in beiden Fällen sehr kundige Gedanken über solche Fragen gemacht und sehr fundierte Lösungen gefunden hat, finde ich jedenfalls bemerkenswert.

Zeigefingermulde und Handschutz weist auch das Rawles Voyager auf, auch hier eher zum Schutz des Globetrotters als des Grenadiers, aber auch hier ebenso sinnvoll. Den Tri-Ad-Lock teilen sich 4-Max und Rawles Voyager, und in beiden Fällen ist das für mich eine ausgezeichnete Wahl. Der Lösehebel löst sich beim 4-Max "geschmeidiger" als beim Rawles und um Klassen leichter als z.B. bei meinem großen Hold Out. Aber mal ehrlich: Ich verfüge allenfalls über mittelmäßige Körperkraft, die meisten von Euch fitten jungen Leuten werden deutlch mehr Kraft im Griff haben. Aber mich hat es noch nie gestört, so ein schneidiges Schätzelein zum Zuklappen so richtig drücken zu müssen - und hinbekommen hab ichs auch noch immer, ob nun beim Hold Out oder dem ebenfalls sprichwörtlich harten Nemesis. Besser so und zuverlässig stabil als unanstrengend-watteweich und fluffig 
Die Handlage beider Messer ist ziemlich vergleichbar, im Auflagebereich der Finger durchaus auch der Umriss der Griffe.
Wegen der sehr hohen Klinge wirkt das kürzere 4-Max trotzdem ein wenig kopflastiger als das Rawles, das zudem die größere Klingenlänge nach hinten durch mehr Grifflänge auspendelt. Ich WEISS, das ist keine Axt, und man muss nicht dauernd mit Foldern hacken, aber genug Masse vorn gibt ja auch Leistung im Hieb, wenn man keine Äste hackt...

Um den Umriss und die Maße des 4-Max besser einschätzen und vergleichen zu müssen bei diesem ganz offensichtlich "für draußen" gemachten Folder, hab ich ihn hier mal mit 2 sehr bekannten und verbreiteten kompakten Fixed "für draußen" verglichen:
Ontario RAT-3 und Spyderco Moran Droppoint. Da erkennt man schon, wie die 4x1,5 Zoll große Klinge so herüberkommt...

Kumpel Hatamoto hat mit seinem "Hatamoran" für mich die Moran-Idee ja aufgegriffen und für noch mehr Performance und das Ausnutzen der 42-absurden Größengrenzen "hochgezoomt". Herausgekommen ist ein s e h r schneidfreudiger Moran-Abkömmling, dessen Klinge durchaus Ähnlichkeiten in den Maßen bzw. der Kontur mit denen des 4-Max aufweist. Weitere Parallele: Das "Hatamoran" ist für mich ein ausgesprochenes "Handschuhmesser", es liegt gerade in Winterhandschuhen sehr angenehm und sicher in der Hand - und das gilt, neben dem Parabellum, auch für das 4-Max, ich habs gerade extra auch noch mal ausprobiert 

Und hier noch mal ein für mich spannender Vergleich:
Vor einigen Jahren habe ich mit Martin Stierlin von "Blade Systems" versucht, einem kompakten Messer möglichst viele Eigenschaften eines großen Messers zu verleihen, u.a. auch eine in Hackleistung und Stichwirkung vergleichbare Klinge. Das lief darauf hinaus, eine Klinge nicht "herunterzuzoomen", sondern sozusagen eine hohe, lange Klinge lediglich durch "Herausnehmen" des Mittelteils zu kürzen, ohne dem kompakten Messer an die Spitzenform zu gehen oder insbesondere auch Höhe wegzunehmen.
Das hat sich dann später bei Messern anderer Hersteller ebenso bewährt und hat z.B. auch den Entwicklungsprozess des Eickhorn GEK-EDC nicht unwesentlich mitbeeinflusst. Man kann das eben auch anders machen als bei den Buck-Klassikern, die mit abnehmender Länge unter 6 Zoll leider dann auch viel niedriger werden...
Auch beim Griff ergeben sich erstaunliche Parallelen des 4-Max zum Blade Systems. Und an dem BS-Griff habe ich damals ein Vierteljahr getüftelt und bin mir durch den Gebrauch über Jahre auch sicher, da in die richtige Richtung so gedacht zu haben, wie Martin es dann auch ebenso umgesetzt hat. Entsprechend überzeugend finde ich nun ebenfalls die Handlage des 4-Max.
