Guten Morgen.
Dies ein gutes Topic und ich bin auf die Beiträge sehr gespannt.
Genau diese Fragestellung hat mich vor einiger Zeit dazu bewogen die ER - Konstruktion ebenfalls kritisch zu übderdenken.
Grundsätzlich ist ja ein Messer (für mich) ein reines Schneidwerkzeug, kein Meisel, kein Brecheisen, kein Schaber, kein Beil und kein Hammer.
Somit würde ein ER - Erl für 99,9% aller meiner Anwendungen kein Problem darstellen.
Jedoch treibt es mich immer wieder mal (in fiktiven Szenarien, oder in dienstlichen Belangen) in die Natur und ich habe eben nicht viel mehr bei mir als ein Fernglas, ein bischen Elektronik, Verpflegung, Wasser und halt eben nach Möglichkeit EIN Schneidwerkzeug mit möglichst breit gefächertem Verwendungsspektrum.
Um jetzt hier nicht weit abzuschweifen, in kurzen Worten meine Erfahrungen mit dem ER Shrapnel (welches ich lange Zeit als Messer für ALLES führte).
Der schmale und kurze überstehende Erl funktioniert halbwegs als Glasbrecher, jedoch haut man sich sehr schnell die Ecken des Erls ungleichmäßig rund (reine Optik und für ein Gebrauchsmesser unrelevant).
Hierdurch "leiden" die Fähigkeiten des Glasbrechers etwas.
Ein richtiges Problem ist eine Verwendung dieser Erl - Konstruktion beim Einsatz als Meiselersatz (um das Messer mittels Schlagholz durch einen Türrahmen zu treiben, bzw. beim "Ausstechen" von Öffnungen).
Ein Schlagholz schafft es nicht richtig Energie auf die Messerspitze zu übertragen, da der kurze Erl sich ins Holz bohrt und Schlagwucht frisst und das Wenige was dann noch übrig bleibt, wird vom Gummipuffer des Griffs aufgefangen.
Nimmt man einen Hammer, so ist die Gefahr wirklich groß, dass der Erl in Höhe des Schraubenlochs im Inneren des Messers bricht.
Wer einmal den Griff eines ER abmontiert hat, wird SOFORT auf eine Sollbruchstelle des Messers aufmerksam.
Zu Gunsten einer angenehmen Griffstärke ist nämlich der Innendurchmesser des Erls sehr schmal und durch die Bohrung für die Fixierschraube zusätzlich geschwächt.
Dazu kommt, dass die Messer von ER durchgehärtet sind und auf Härte und Schnitthaltigkeit ausgelegt sind und nicht auf Schlagzähigkeit und Flexibilität.
Ohne hier ein Bashing lostreten zu wollen, sollte man tunlichst vermeiden ein ER fallen zu lassen oder es als Wurfmesser zu missbrauchen.
Mit einer schnellen Googlesuche sind ettliche Treffer zu gebrochenen ER Messern zu finden, die auch tatsächlich mal die Vitrine verlassen durften.
Ein versenhentliches "FALLENLASSEN" auf die Küchenfliesen kann bereits zu viel sein und Teile der Klinge brechen weg (Stahl zu spröde gehärtet).
Zumindest nach meinen Erfahrungen haben sich ER - Messer in meinem Bekanntenkreis in Afghanistan nicht bewährt (aber das trifft nur auf meinen sehr beschränkten Erfahrungshorizont zu, es gibt bestimmt auch ettliche die mit ihrem ER - Messer dort sehr zufrieden waren).
Hier ein Beispiel - Link zu einer ER - Ruine, die die Standartbeschädigungen sehr schön zeigt, sofern man das Messer eben nicht mehr NUR zum Schneiden verwendet:
Klick MICH !
Just my 2 cents ... ich persönlich besitze keine ER - Messer mehr. Andere Hersteller erfüllen mit ihren Modellen meine Anforderungen besser.
LG, T. 