Größenvergleich
Gute Größe: Dass das EDC1 bereits als Custom Variante gefragt ist, zeigt, dass Brendon hier auf durchaus funktionierende Maße setzt.
Gut zu tragen: Die schlanke flache Form war unauffällig und hat sich gut an Tasche und Körperlinie angepasst. Bei der bulligen Klingenhöhe hatte ich Bedenken. Negativ aufgefallen ist es mir dann nicht.
Blade-to-Handle-Ratio: würde ich (ohne irgendwelchen Anspruch auf Relevanz oder Richtigkeit) als „mittel“ und für kompaktes EDC als ausreichend tauglich beschreiben.
Klinge, Schärfe und das Schneiden
Fein ausgeschliffen: Geometrie und Anschliff sind meiner laienhaften Einschätzung nach gut und gleichmäßig ausgeführt. Das Schnittvideo soll einzig visualisieren, wie mühelos die Klinge durch Material gleitet. Das Schneiden fühlt sich dabei gut und „glatt“ an. Macht Spaß. Die stockenden Schnitte waren meine Anwenderfehler.

Rasierscharf out of the box: Erwartungsgemäß fliegen die Haare.

Bowie-Klingenform: Es ist ausreichend gerade Schneide vorhanden für EDC Aufgaben. Der runde Bowie-Bauch bietet gefühlt mehr theoretische Schneidenlänge als Wharncliffe oder Sheepsfoot. In der Praxis dürfte die Frage nach „effektiver Klingenlänge“ entscheidend sein. Das EDC1 habe ich auf mehrere große Kartons losgelassen. Es hat definitiv auf Niveau meiner besseren Kartonslicer gearbeitet. Die Bowieklinge ist mir (entgegen meiner Erwartung) nicht aus dem Schnitt gerutscht. Bedeutet, für meine typischen Alltagsszenarien ist die gerade Schneidlänge lang genug.
Schnitzen tut es gut. Feathersticking, Anschnitzen und Kerben gingen problemlos von der Hand. Für kurze Grillwurstspieß-Action beim Camping oder im Wald mehr als adäquat. Längeren Schnitzereien dürften Messergröße und vor allem der schlanke Griff entgegenstehen. Dafür ist das EDC1 aber auch nicht gedacht.

Messerspitze: Die hohe, nach oben zeigende Spitze erschwert alltagstypische Feinschnitte wie beim Pakete oder Briefe Öffnen (Stichwort „Utility Cuts“). Hier muss man schon Richtung rechten Winkel gehen, um mit der Spitze einen stechenden Effekt zu erzielen. (Für wen das ein KO-Kriterium ist, hat in den anderen Klingenformen deutlich bessere Alternativen).
Kundenliebling Bowie: Unter allen verfügbaren Klingenformen des EDC1 scheint das Clippoint Bowie einer der großen Favourites zu sein. Ästhetisch kann ich den Charme des Bowies „live und in Farbe“ nachvollziehen. Ich schätze, auch viele von Euch würden Droppoint oder Sheepsfoot mehr Funktionalität und Praxistauglichkeit zuschreiben.
Micarta

Zu sehen ist ein Vergleich mit den wenigen Micarta beschalten Messern in meinem Besitz (Civivi Elementum Button Lock / Kansept Main Street / Spyderco PM2 / EDC1).
Das BMKT EDC1 Bowie ist mit tollem Natural Micarta beschalt. Wirkt sehr hochwertig. Raue unbehandelte Haptik (bei Feuchtigkeit bleibt der Grip auch erhalten). Schön und gleichmäßig texturiert. So eine Micarta-Qualität hätte ich mir von Spyderco am PM2 CruWear gewünscht.
Griffschalendetails: Die Schalen sind leicht bauchig geformt. Die Kanten kommen definiert. Nicht scharf. Aber auch nicht speziell abgerundet. Wie beim Punkt „Pinch Grip“ schon erwähnt, geben die angefasten Griffkanten vorne am Ricasso schöne Landepunkte für Finger und Fingerkuppen. Die Lanyard Öse ist offen (also nicht eingetubed wie z. B. bei Syperco Foldern).

Griffwechsel erlaubt: Die Griffschalen sind geschraubt. Das EDC1 bietet nicht nur verschiedene Klingenformen zum Auswählen nach persönlicher Präferenz. Mix und Match ist auch bei den Griffen eingeplant. Brendon bietet für die „Field Spec“ Produktion Variante von Bestech Ersatzgriffschalen aus Micarta und G10 in mehreren Farben an. Tendenz steigend.
Schrauben: T8. Das ist gut. Hülsen und Schrauben wirken wertig. Es wurde von Bestech kein Locktide oder ähnliches verwendet. Schrauben lassen sich problemlos lösen. Nimmt man die Micarta Scales öfter ab, sollte man hier über entsprechende leichte Haltepaste nachdenken, um keine Schraube im Alltag zu verlieren.
Dark Stonewash: ist ein schönes Klingenfinish. "Satiniert in unempfindlich" würd ich es mal flapsig nennen.
Kydex und Tragweisen

Kydexscheide: ist gut gemacht. Sitzt perfekt wie eine zweite Haut. Auf dem ersten Video von oben hört man vielleicht auch den satten Klick. Mit der ausgeformten Daumenrampe lässt sich die Retention des Holsters gut überwinden und das Messer angenehm ziehen. Scheide ist ein sehr ein subjektives Thema, das sich der ein oder andere im TF direkt gerne auf seinen Vorstellungen maßschneidern lässt. Darum mache ich hier quick einen Ok-Haken dran.
Gürtelschlaufe: ist ebenfalls gut gemacht. Kann man als brauchbaren rudimentären Standard out of the box nehmen. Etwas schmal bzw. eng für manche Gürtel zum Durchschlaufen. Vielleicht für Camping oder Wandertour nutzbar als Open Carry. Für EDC sehe ich das weniger (mag in Kanada anders sein). Hier ist die Sachlage aber wie beim Holster: schnell und leicht auf eigene Präferenzen umänderbar. Habe ich direkt auch selbst gemacht:

Ulticlip: eine gute Option fürs tägliche Dabeihaben. Kann man mit gutem Gewissen als TF-aproved bezeichnen, da diese Trageoption hier im Bilderbereich auch öfters zu sehen ist. Ulticlip war auch mein bevorzugter Modus Operandi.

Kneckknife: möglich. Dürfte den meisten aber zu schwer sein mit über 100 Gramm.
Fazit: BMKT + Bestech = interessante Messeroption

Qualität stimmt. Material-Auswahl stimmt. Charakterstarke Designsprache stimmt. Das EDC1 lässt sich wendig und agil manövrieren. Es ist schlank und einfach zu tragen im Alltag. Für die Zielsetzung EDC passen die Parameter des Messers spot on. Bestech hat das Ganze hochwertig umgesetzt.
Es heißt, man sollte immer auf sein Bauchbefühl hören. Der Griff des EDC1 ist ein bisschen der Januskopf an diesem Konzept. Mit den unterstützenden Griff-Details macht Brendon alles richtig und gibt bestmögliche Optionen für die Finger auf dem begrenzten Raum. Der Formfaktor muss halt mit unterschiedlichsten Händen funktionieren. Für mich tut es das, wie oben erwähnt, überraschend passabel innerhalb meiner täglichen Kleinaufgaben.
Das Micarta würde ich jederzeit an jedem meiner Messer nehmen. Sofort!
Den Preisaspekt habe ich bewusst außen vor gelassen. Ob etwas als gut, preiswert, teuer oder sonstiges bewertet wird, hängt stark von persönlichen Präferenzen, Erwartungen und Möglichkeiten ab. Darum überlasse ich es jedem selbst, den Kosten-Nutzen für sich zu setzen.
Das Gesamtkonzept EDC1 ist interessant und kann für den ein oder anderen von Euch eine Option sein. Sicher wird hydrou Euch in seinem Part des Passarounds auch noch eine weitere hilfreiche Perspektive auf das BMKT EDC1 Bowie präsentieren.
Persönlich bin ich mit dem Black-Box-Experiment zufrieden. Ja, es war deutlich anstrengender und mühsamer, über ein unbekanntes Messer zu schreiben, zu dem man davor keine Verbindung hat. Aber es ist auch eine schöne Challenge und eine Möglichkeit ein Messer kennenzulernen, das ich sonst nicht auf dem Schirm gehabt hätte. Wer sich daran stört, hat eh nicht bis hierher gelesen.
An dieser Stelle auch noch einmal Danke an Dich Sven für den Passaround und die Möglichkeit, das BMKT kennen zu lernen.








