Hallo Freunde der taktischen Unterhaltung,
als Sven vom messerdepot.de kürzlich bei der Vorstellung des TRC M-1 schrieb, dass er den Prototypen (?) von Schöpfer Andrius Tricius zum Testen an "jemanden" losgeschickt hat, habe ich natürlich gehofft, dass das Messer im Zuge des Passarouds auch ich in die Finger bekommen würde. Umso überraschter war ich, als das Messer gestern bei mir, als erstem Tester, ankam. Habe mich gefreut wie Bolle, danke nochmal an dieser Stelle.
Nachdem ich das Messer aus seiner Verpackung befreit hatte war mir klar, dass es ein harter Abschied werden würde. Denn leider geht das Messer nach diesem Review wieder zurück zu Sven nach Solingen. Im Folgenden möchte ich euch darlegen, warum mir der Abschied so schwer fällt und euch das Messer hiermit vorstellen.
Here we go... so sieht das gute Stück aus

Zunächst zum theoretischen Teil, dem Lieferumfang und den technischen Daten:
In der klassisch, hochwertig anmutenden, TRC-Box war...
...natürlich das M-1 selbst
...eine Scheide von Tactical Tailor
...eine Karte mit den Daten zum Messer
...eine Visistenkarte von Sven
...und Haribo (waren weg bevor das Messer aus der Scheide kam
)

Bevor es los geht noch kurz die technischen Daten (von mir selbst ermittelt):
Gesamtlänge: 265 mm
Klingenlänge: 137 mm (auf Höhe der Spitze gemessen)
Klingenstärke: 4,5 mm
Grifflänge: 118 mm (von Fingerguard bis Griffabschluss)
Gewicht: 269 g (453 g mit inkl. Scheide und Beinriemen)
Stahl: Vanadis 4 Extra (59-60 HRC laut TRC)
Griffmaterial: Black Canvas Micarta
Beschichtung: DLC

Allgemeines:
Das M-1 soll ganz klar auf den taktischen Einsatzbereich abzielen. Nicht nur der Name M-1 - Military One -, sondern auch die optische Erscheinung machen dies deutlich. Eine beschichtete Klinge, ein Schlagstück als Griffabschluss, ein Micartagriff und eine Cordura-Scheide, die "Tactial" bereits im Namen hat, unterstreichen die militärische Ausrichtung des Messers. Außerdem ließ Andrius Tricius einen NSN-Code (NATO stock No.) für das Messer vergeben.


Beim ersten Anfassen vermittelt einem das Messer sofort: Vertrau' mir. Dies hat mehrere Gründe, die in Summe eine grandiose Handlage in allen Lebenssituationen vermitteln. Ich habe Handschuhgröße 10-11 und das Messer saugt sich förmilch in meine Hand. Das relativ rauhe Micarta mit eingefrästem Rautenmuster lässt keinen Platz für Spielraum. Man greift das Messer und es sitzt sofort. Kein Drücken, kein Rutschen, keine Hot-Spots. Der Griff ist mit 21,5 mm Breite sehr voluminös in der Hand und ist außerdem 3D-konturiert, was die Handlage noch weiter verbessert. Ich frage mich voller Begeisterung: "Warum kam nicht schon früher jemand auf die Idee, Micarta mit Rautenmuster zu versehen", denn ich kenne sonst kein Messer, das diese Kombination besitzt.
Die beiden Griffschalen sind mit 2 Hohlnieten auf dem Erl verewigt, der in voller Breite bis zum Griffabschluss reicht. Dieser ist als flaches, massives Schlagende ausgeführt, welches nicht nur den Nutzwert des Messers erhöht, sondern auch optisch ein Highlight setzt. Nüsse knacken, Heringe einschlagen oder Kopfmassagen sollten damit ohne Probleme möglich sein. Im Reverse-Grip liegt der Daumen auf dem Schlagstück auf, was natürlich auch sehr angenehm und vorteilhaft ist. Das komplette Messer ist auf dem Zeigefinger ausbalanciert.
Als wäre das Alles nicht genug des Grips, hat Andrius noch zusätzlich 2 Jimpings eingebracht. Ring- und kleiner Finger, sowie der Daumen profitieren von diesem recht goben, aber wirklich sehr angenehmen Jimping. Es ist weder scharfkantig, noch zu tief. Es passt einfach. Ungeachtet dessen sind die Jimpings auch optisch ein Leckerbissen.
Im Forward-Grip wird der Daumen auf der Aussparung im Klingenrücken abgelegt. Passt wie Arsch auf Eimer :-). Die Aussparung ist außerdem außen scharfkantig, sodass ein Feuerstahl angerissen werden kann.
Sowohl mit nassen Händen, als auch mit Handschuhen ist der Griff über jeden Zweifel erhaben. Ich bin begeistert... aber seht selbst.



Hier könnt Ihr noch verschiedene Handlagen sehen. Wie gesagt, ich habe Handschuhgröße 10-11:





Kommen wir zur Klinge. Wie bereits bei den technischen Daten erwähnt, besteht die Klinge aus Vanadis 4 Extra, welcher mit einer DLC-Beschichtung gegen Reflexionen versehen ist. Die Klinge ist sehr aufwendig geschliffen. Sie besitzt die beliebte und universelle Clippoint-Form und wurde mit einer Swedge/falschen Schneide am Klingenrücken versehen. Aus taktischer Sicht ist dies natürlich ein Muss, will man das M-1 jedoch als Outdoormesser nutzen, zerlegt man an der Swedge seine Batoning-Hölzer. Das soll nicht heißen, dass mit dem M-1 kein Batoning möglich ist, aber man bemerkt den ehöhten Verschleiß am Schlagholz.
Kurz vor der Spitze nimmt die Klinge nochmal an Stärke zu, was Diese sehr stabil macht. Trotzdem bleibt die Klinge sehr spitz und penetrierfreudig, -gut gemacht, Andrius.
Wer das M-1 seinem eigentlichen Nutzen zuführen möchte, nämlich dem Taktischen, der braucht sich mit diesem Messer keine Sorgen zu machen. Zwar kenne ich den Stahl lediglich vom ZT0180 wo er sehr gut performt, jedoch dürfte hebeln und verwinden auch für das M-1 kein Problem darstellen. Obwohl sich eine Klinge mit max. 60 HRC eher weniger zum Hebeln eignet, macht das M-1 diesen Nachteil durch Materialmenge wett. Der Flachschliff ist nur zu 2/3 hochgezogen und somit bleibt genügend Material von 4,5 mm Stärke am Klingenrücken stehen.
Letzteres ist zwar gut für Stabilität und toughness, tut aber leider den Schneideigenschaften leichten Abbruch. Zwar schneidet das M-1 für ein Messer dieser Gattung noch relativ gut, als einen Slicer würde ich es aber nicht bezeichnen wollen. Beim Test mit einem Apfel waren hauchdünne Scheiben überhaupt kein Problem, aber das anschließende Zerteilen erinnerte eher an eine Spaltaxt. Dadurch kann das M-1 aber wiederum einen Trumpf beim Batoning ausspielen. Ich persönlich würde mir einen höheren Anschliff und den Entfall der Schleifkerbe wünschen :pray: . Aber ich nutze meine Messer auch eher "bushcraft", als "taktisch". Feathersticks wiederum gehen dem M-1 leicht von der Hand. Das liegt vermutlich nicht zuletzt an dem 1A ausgeführten Schliff. Die Sekundärfase ist perfekt symmetrisch, sauber und sehr scharf ausgeschliffen. Der Schneide konnte mein kleiner Ausflug jedenfalls nicht imponieren.









Die Scheide kauft Andrius von "Tactical Tailor USA" zu. Sie besteht aus Cordura und einem Kunststoff-Inlay, welches die Klinge aufnimmt. Das Messer wird durch einen Velcro-Riemen in Verbindung mit einem Druckknopf gesichert. Leider hat auch dieses System den Nachteil, dass der Sicherungsriemen nicht nach hinten wegklappt und man beim Ziehen bzw. Versorgen des Messers den Riemen einschneidet. Hier ist also Vorsicht geboten.
Ansonsten wartet die Scheide mit sämtlichen Annehmlichkeiten auf. Ein elastischer Beinriemen mit Duraflex-Buckle ist ebenso verbaut, wie ein Velcro-verschließbarer Dangler. Auf der Rückseite der Scheide befindet sich ebenfalls Velcro, mit dem sowohl Gürtelschlaufe als auch Dangler in der Länge eingestellt werden können. Sehr schön gemacht und gut verarbeitet. Einzig das Kunststoff-Inlay ist etwas zu schmal für das Messer. Der Kunststoff-Clip im oberen bereich öffnet sich beim Versorgen des Messers. Hier sollte Andrius nochmal nachbessern, wenn er das nicht bereits getan hat (ich weiß, dass Andrius an der Scheide etwas ändern wollte). <- wurde bereits überarbeitet. Im Inneren des Inlays wird das Messer auf samtartigem Stoff gebettet, um Ziehgeräusche und Kratzer zu vermeiden.








Weiter im Teil 2...