Wer was auf dem Kasten hat, muss sich für sein Äußeres nicht rechtfertigen. War schon immer so und wird immer so bleiben. Trifft auf den versifften Hufschmied, der sich auf dem Markt ein Biohühnchen kauft ebenso zu, wie auf den Unrasierten im Blaumann, der sich eine neue S-Klasse bestellt. Distanzen zum Gegenüber überbrückt man mit Substanz.
Ich sitze auch nicht selten mit Fjällräven Cargo, Rolex und Slayer T-Shirt zwischen unzähligen Zegna-Anzügen und komme dennoch hervorragend zurecht. Selbst große Enscheider haben längst erkannt, dass z.B. der Hipster vom Obdachlosen auf den ersten Blick nicht zu unterscheiden ist – außer in dem, was er kann und für was er steht. Und das wird gewürdigt. Wieder! Gott sei Dank.
Die Gesellschaft denkt um, auch wenn viele zu dieser Entwicklung keinen direkten Kontakt zu haben scheinen. Die Pfeife im Quellesakko, die mal ein Praktikum bei Halbgöttern wie Apple oder Google machte, war vielleicht vor 10 Jahren noch gefragt. Heute nicht mehr. Weil man längst erkannt hat, dass bei bei den ganzen Schreibtischtätern mit theoretischem Halbwissen die Leute in der Bilanz fehlen, die tatsächlich etwas mit ihren Händen oder ihrem Hirn machen können.
Ich muss einem Großteil hier leider wiedersprechen. Unorthodoxes Auftreten ist kein K.O.-Kriterium für gar nichts. Vorausgesetzt, dass es sich nicht um puren Aktionismus ohne erkennbaren Background handelt. Das schiere Rumstehen am Bahnsteig, in Flecktarn, mit Taschenlampe, Pfefferspray und 11,9 cm Fixed finde ich bei aller Toleranz auch schräg – weil sinnlos. Ungeachtet dessen, was man per Gesetz darf oder nicht. Und das wird gesehen. Glaubt mir, oder lasst es. Sind nur meine 2 Cents....